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Die taz zum Streik bei „Trotzdem“ in Dresden

6. Februar 2014

thumb-b_5In Dresden hat eine alternative Gastronomin Angestellten gekündigt. Seither wird das „Trotzdem“ bestreikt. Die MitarbeiterInnen sind gewerkschaftlich organisiert.

Von Peter Nowak

„Ich will weiter ins ,Trotzdem‘ gehen – aber nicht so“. Dieser Spruch wird BesucherInnen der Szenekneipe „Trotzdem“ in Dresden-Neustadt seit einigen Tagen entgegengehalten. Manche drehen sich weg, andere ignorieren ihn oder diskutieren mit den Menschen, die sich seit dem 1. Februar jeden Abend ab zwanzig Uhr vor der Kneipe in der Dresdner Alaunstraße versammeln.

Bei den Protestierenden handelt es sich um drei der vier KellnerInnen der Kneipe sowie um deren UnterstützerInnen. Nachdem sie von der Kneipeninhaberin Johanna Kalex gekündigt wurden, sind sie am 1. Februar in den Streik getreten. Verhandlungsangebote über die Rücknahme der Kündigung waren von der Betreiberin unbeantwortet geblieben.

Die KellnerInnen seien fristgemäß gekündigt worden, begründet Johanna Kalex den Rausschmiss, „weil es in der Kneipe seit über einem halben Jahr – aktenkundig – zu fortgesetzten Diebstählen in einem Umfang kam, der für uns wirtschaftlich nicht länger tragbar war“. Man habe versucht, den oder die Täter zu ermitteln. „Wären diese Bemühungen erfolgreich gewesen, hätten wir sehr gern mit den anderen weitergearbeitet“, erklärt sie.

Die Gekündigten sehen darin eine gezielte Verleumdung und behalten sich juristische Schritte vor. Sie sehen die Kündigung im Zusammenhang mit ihrem gewerkschaftlichen Engagement. Die drei Gekündigten hatten sich in der Basisgewerkschaft Freie ArbeiterInnen Union (FAU) organisiert, die vor allem in solchen kleinen Betrieben für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen kämpft, die von den DGB-Gewerkschaften ignoriert werden. Dabei hatte ihre FAU-Betriebsgruppe im letzten Jahr Erfolge erzielt. „Wir haben am 1. April 2013 eine Lohnerhöhung von 20 Prozent durchgesetzt“, erklärt Wolf Meier von der Betriebsgruppe der Branchensektion für Nahrung und Gastronomie gegenüber der taz.

Die Beschäftigten hatten den Vorschlag gemacht, die Getränkepreise zu erhöhen und die Gäste darüber zu informieren, dass mit dem Geld die Löhne der KellnerInnen aufgestockt werden. Nachdem die Betriebsgruppe einen Lohnspiegel auf ihre Homepage gestellt hatte, in dem aufgelistet ist, wie niedrig die Löhne von KellnerInnen in Dresdner Szenekneipen sind, sorgte die Arbeit der kleinen Gewerkschaft zunehmend für Aufmerksamkeit. „Die Unterstützung bei dem Streik ist groß: Jeden Abend unterstützten uns AktivistInnen aus linken Gruppen beim Streikposten“, sagt der Gewerkschaftsmann. Zudem habe ein Arbeitskampf mitten im Dresdner Szeneviertel dafür gesorgt, dass die Arbeitsbedingungen auch in linken Kreisen wieder verstärkt diskutiert werden, zeigt sich Meier zufrieden.

Einen langen Atem werden die Streikenden brauchen. Denn auch Johanna Kalex bekommt Unterstützung. Schließlich ist sie als DDR-Oppositionelle und langjährige Friedensaktivistin über Dresden hinaus bekannt. Anfang der 90er Jahre war sie von Neonazis überfallen worden und ging danach für mehrere Jahre ins Ausland, bevor sie im Jahr 2000 die Kneipe eröffnete.

Quelle: taz

4 Kommentare leave one →
  1. Eine interessante Situation permalink
    7. Februar 2014 12:23

    „(…) auch Johanna Kalex bekommt Unterstützung. Schließlich ist sie als DDR-Oppositionelle und langjährige Friedensaktivistin über Dresden hinaus bekannt. Anfang der 90er Jahre war sie von Neonazis überfallen worden und ging danach für mehrere Jahre ins Ausland, bevor sie im Jahr 2000 die Kneipe eröffnete.“

    Das alles scheint ja hinsichtlich Ausbeutung und kapitalistischer Willkür nicht viel zu heißen.
    Ein seltsamer Frieden, für den sie sich eingesetzt hat. Klassenfrieden auf dem Buckel der Lohnsklaven.
    Ich verstehe auch nicht, wieso man die Chefin als „alternativ“ bezeichnet, bedient sie sich in ihrem Betrieb doch an allen kapitalistischen Praktiken, wie das Nazis, Unternehmer, Kleinbürgerliche auch tun würden… wo ist die „Alternative“? In der Deckenbeleuchtung und in schäbigen Möbeln?

    Linke sind vielleicht gegen Nazis, aber sie sind und bleiben Zentralisten. Ich wäre daher vorsichtig, wenn ich als Anarchist, Anarcho-Syndikalist, Libertärer usw. bei Linken das Wort „alternativ“ höre…

    Ist wohl doch nicht alles so ein Einheitsbrei, wie das gerne dargestellt wird?
    Bei Nazis zusammen marschieren, nachher auf der Arbeit sich streiten – das ist das Verhältnis zwischen den Linken und den Libertären. Wann kapieren das die Libertären endlich mal?

    Einen eigenen Standpunkt zu haben, bedeutet nicht, dass Libertäre „auch“ links stehen…

  2. 7. Februar 2014 14:52

    „Dieser Streik ist für die „linke“ und „alternative“ Szene Dresdens ganz offenichtlich eine Art Lakmustext. Hier wird die Spreu vom Weizen getrennt.“
    http://de.indymedia.org/2014/02/352178.shtml
    „Was dabei verwundert, ist, das die ehemalige Aktivistin des DDR-Widerstandes, ohne Skrupel eine gewerkschaftlich organisierte Gruppe in Sippenhaft nimmt und einfach mal alle entlässt die in der Gewerkschaft sind. “

    „Dabei machen es ihr ihre „Unterstützer*innen“ aus der Dresdener Neustadt nicht gerade einfacher. Ihr Engagement, vor allem auf dem Blog „Neustadt-Ticker“, könnte sich mittelfristig als Bärendienst erweisen. Hier hetzen eine gute Handvoll Leute gegen den Streik, die BNG-FAU und die Forderungen nach Rücknahme der Kündigungen und Abschluß eines Haustarifvertrages. Die Argumentationen sind dabei so offen Neoliberal, das selbst Funktionär*innen der SPD und Grünen nichts anderes übrig bleiben könnte als sich davon zu distanzieren.“…
    „ps: Noch immer brauchen und freuen sich die Streikenden über jede Unterstützung. Diese kann darin bestehen das ihr ihnen Gelkd schickt, vor Ort seid und euch am Streikposten beteiligt, das ihr den Arbeitskampf bekannt macht und natürlich: das ihr euch selbst an euren Arbeitsplätzen organisiert! „

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