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Eingesandt: Eine Meinung zu „Not a Fan“

20. Dezember 2013

idlemanUnter der Bezeichnung „glaubensbasierendes Drama“ kursiert seit 2010 der Film „Not a Fan“ bei den Händlern. Wir sollten zunächst das Genre dieses Films von Kyle Idleman klarer benennen: Es ist ein Zombiefilm. Die Untoten sind in diesem Fall allerdings keine Personen und Charaktere,sondern es handelt sich bei den auferstehenden Zombies um Gedankengut, um Dogmen, um „Werte“.

von „Ein Genosse“

Wird eine Form der Diktatur, bspw. der Faschismus, durch den natürlichen Willen der Menschen aus der Gesellschaft gedrängt, so ist die Unterdrückung damit keineswegs gänzlich unmöglich gemacht. Wird die zentralistische Gesellschaftsmatrix beibehalten, überwintern Werte der Unterdrückung oft in anderen, prinzipiell diktatorischen Bereichen, wie z.B. den Religionen, um von dort nach einer Sammlung der Kräfte wieder zurückzukehren, in neuer Form versteht sich.

Idleman zeigt im Film „Not a Fan“ auf, welche die Unterdrückung befürwortenden Werte das Christentum in der Bibel bereithält und lässt sie von hier aus in die Gesellschaft zurückfließen. Der Fernsehpfarrer Idleman versucht darin seinen „Schäfchen“ näherzubringen, dass ihre eigene Persönlichkeit Gift ist und „Jesus“ von ihnen den Tod ihres Ichs fordert, um fortan dem religiösen Dogma folgen zu können, ohne durch eine eigene Persönlichkeit dabei gestört zu werden. Alles andere wäre ein sicherer Weg ins „Fegefeuer“.

Auf die Handlung lohnt es sich nicht einzugehen, weil sie vollkommen instrumentalisiert wurde und auch deswegen, weil der ganze Film sowieso nur aus dem langweilig vorhersehbaren Postulat der „göttlichen“ Vorbestimmtheit des Menschen besteht. Auch die im Zentrum stehende Selbstbeweihräucherung von Idleman, sowie die bürgerliche Vorzeigefamilie, sind keine Schaffensprodukte hoher geistiger Kultur, sondern realitätsferne Heldenfiguren, die reibungslos die „richtigen“ Entscheidungen treffen.

Der Titel deutet schon auf die Nähe zum Führerkult hin: Keine „Fans“,aber „Nachfolgende“ will „Jesus“. Das heißt nichts anderes, als Menschen, die ihre eigene Seele verleugnen und in blindem Gehorsam und Untertanengeist einer Führerfigur folgen. Sie sollen Autosuggestion betreiben und ihr Unterbewusstsein umkrempeln.

Die Verbindung zwischen Hitlerfaschismus und Kirche hat im Dritten Reich offen gelegt, dass sich diese Institution, trotz ihrer blutigen Geschichte, niemals ändern kann, weil ihre ideologischen Voraussetzungen schon lebensverneinend sind. Auch inhaltlich führte das Christentum dem Faschismus Vorbilder zu, z.B. durch den Chiliasmus. Idleman unterstreicht diesen ideologisch doktrinären Aspekt nochmals,indem er klar benennt, wo das Christentum zu Führerkult und Untertanengeist aufruft – wobei er diese Haltung verteidigt und preist.

Außerdem ist der Film mit weiteren unschönen Deformationen garniert: Zum Einen zeigt er in rassistischer Manier die weißen Christenmenschen der Vorstadt, die den klischeehaft heruntergekommenen Afroamerikanern, gütig wie sie nun einmal sind, helfen und ihnen zuschmeißen, was von ihrer übermäßig gefüllten Tafel abfällt. Zum anderen zieht sich durch den ganzen Film eine ausschließlich bürgerliche Perspektive – das Bürgertum erbarmt sich, motiviert durch den Gehorsam dem Führer „Jesus Christus“gegenüber, den darbenden Arbeitslosen in einer Kantine zu helfen.

Arbeitswut wird skandiert, wer „nur“ arbeiten geht, der könne nicht auf das „Paradies“ zählen und solle noch zusätzlich in Gemeindeküchen und anderen kirchlichen Institutionen arbeiten. Kultur und zwischenmenschliche, nicht durch die Kirche sanktionierte Geselligkeit, einfach nur des Menschseins willen, finden in so einem „gottesfürchtigen“ Leben keinen Platz.

Aus diesen Gründen ist der Film eine Beleidigung für jede Leinwand, denn die Leinwand ist ein Ort von Kultur und Kunst, kein Ort für Dogma, Verbot und religiöser Engstirnigkeit. Wer diesen Film durchwinkt oder gar gut heißt, sollte sich fragen, ob er oder sie in Zukunft nur noch politisch oder religiös korrektes Kino sehen will, ob er in Zukunft Gehirnwäsche à la Idleman konsumieren will, oder kulturellen Freiraum im Kino bevorzugt… denn beide schließen sich aus: Auf der einen Seite kann Kino ein kultureller Hochgenuss sein, auf der anderen Seite stirbt jeder humanistische, aufklärerische und kulturelle Anspruch, wenn Kino instrumentalisiert und in das unfruchtbare Prokrustesbett der Politik oder der Religion gezwängt wird.

Zur Person:

Die „Gottesdienste“ des Regisseurs Kyle Idleman sind eine Mischung zwischen dem stalinistischen „Sag mir wo du stehst!“ und faschistischer Führerapologetik im Sinne des Christentums, vorwiegend des „Neuen Testaments“. Zentrales Thema seiner „Gottesdienste“ ist die Bekämpfung jedes eigenen Selbstbewusstseins und Ersetzen von Selbstbestimmung und Emanzipation durch unbedingten Gehorsam gegenüber den Dogmen der „Bibel“.

Idleman gehört der evangelikalen Organisation der „Southeast Christian Church“ an (http://www.southeastchristian.org/ ).

Er predigt vor einer Gemeinde von 25.000 Mitgliedern in Kentucky / USA. Aber es gibt auch deutsche Ableger der absolutistischen Sekte: http://www.notafan.de/die-bewegung.html

Vorrangig kämpfen die Christen, ähnlich wie die Neonazis, um ein modernes Auftreten – dabei wird ähnlich den „Autonomen Nationalisten“ oder den „freien Kameradschaften“ eine beliebige, aber beliebte, moderne soziale Organisationsform als leere Hülle genutzt, um den alten, verkommenen Dogmen zu einer getarnten Neuauflage zu verhelfen. Auch das Nutzen der modernen Medien gehört zur oberflächlichen Verjüngungsstrategie des diktatorischen, die menschliche Freiheit verneinenden Gedankenguts.

2 Kommentare leave one →
  1. Der entfremdete Sinn - Ein Vortrag von Emanuel Kapfinger permalink
    24. Dezember 2013 10:24

    Der entfremdete Sinn – Ein Vortrag von Emanuel Kapfinger

    „Die Menschen unserer Kultur sind in allen ihren Lebensverhältnissen in subjektives Elend getrieben.

    Zum Beispiel: In ihren Familien, in denen sie Geborgenheit und unverbrüchliche Vertrautheit suchen, beherrschen sie einander gerade durch diese Harmonie und installieren rigide, doch verborgene Systeme gegenseitiger Kontrolle. Aber ebenso entfremdet leben sie in ihrer Erlebniskultur, in ihrer Wissenschaft und in ihrer Politik.

    Wie kann es sein, dass diese innere Entfremdung für die Menschen selbst Sinn macht, dass sie sie suchen, während sie zugleich von diesem Sinn beherrscht und ins Elend getrieben werden?

    Die Menschen in unserer Kultur sind nicht sie selbst. Und genau so sind sie selbst. Sie sind von ihrem Selbst beherrscht, das ihnen ganz natürlich und eigentümlich scheint, das aber die Natur ist, die ihnen die Gesellschaft angelegt hat. Mit dem Selbst, diesem widersprüchlichen Unding, dieser inneren Warenform des Menschen, kommt die Abstraktion im Menschen selbst zur Macht.

    Und es sind die Menschen selbst, die für sich diese Abstraktion und der Widerspruch zu sich sind. Das Selbst ist die Wurzel der subjektiven Misere der Menschen. Wir müssen verstehen, wie es funktioniert, wie es immer wieder zuschlägt, wie die Menschen damit umgehen können, dass sie in ihm gerade ihre Identität haben. Und wir müssen verstehen, wie die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft das Selbst immer wieder in den Menschen hervorbringt, damit wir uns von ihm emanzipieren können.“ (Text & Quelle: http://www.kulturumwaelzer.de/?q=cont… | MP3: http://www.kulturumwaelzer.de/?q=cont… )

    Der entfremdete Sinn – Ein Vortrag von Emanuel Kapfinger http://www.youtube.com/watch?v=H3oMalVj65s

  2. mögliche Ergänzung zum ursprünglichen Text permalink
    5. Januar 2014 15:07

    Ein ergänzendes Zitat aus Arno Gruen „Die Konsequenzen des Gehorsams für die Entwicklung von Identität und Kreativität“
    ( http://www.lptw.de/archiv/vortrag/2003/gruen_arno.pdf )

    „Das ist es, was Menschen zur Gewaltätigkeit treibt: Die fehlende Möglichkeit, eigene Bedürfnisse und Wahrnehmungen zum Kern der eigenen Identitätsentwicklung zu machen. Ein 40-jähriger Patient, Sohn eines gewalttätigen [Faschisten] und einer unterwürfigen Mutter, berichtete mir: „Ich habe Angst, meinen Gefühlen, Regungen und Impulsen zu trauen. Das wird negative Konsequenzen haben. Mein Vater sprach immer davon, dass man den eigenen Willen zerstören muss, um Gottes Willen und den eines Führers zu erfüllen. Man muss sich dem höheren Willen unterordnen. Der eigene[…] Wille ist schlecht und muss zerstört werden.
    Ich lebe in ständiger Angst, aber ich spüre den Terror meines Vaters wenig. Dass meine Mutter einmal dazwischen ging, als mein Vater mich zu ermorden versuchte, darf ich gar nicht so sehen. Ich habe das immer damit abgetan, dass er mir ja nicht geschadet hat. Ich war vorhin empört, als sie mich daran erinnerten, dass meine Mutter mir sagte, dass er mich beinahe tötete. Ich habe immer noch Angst, dass er mich umbringen könnte.“

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