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Nahezu jeder Fünfte in Deutschland lebt in Armut

17. Dezember 2013

DWO-Armut-cw-1500x100016 Millionen Menschen sind dem Statistischen Bundesamt zufolge von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Zwischen Männern und Frauen gibt es einen beträchtlichen Unterschied.

Kein Geld für Telefon, Heizen oder den Kinobesuch: Fast jeder fünfte Einwohner in Deutschland war 2012 von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Etwa 16 Millionen Menschen oder 19,6 Prozent der Bevölkerung zählten dazu – 2011 waren es mit 19,9 Prozent noch etwas mehr. Das ist das Ergebnis der Untersuchung „Leben in Europa 2012“, die das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden vorstellte. Frauen waren mit 21,1 Prozent häufiger betroffen als Männer (18,1 Prozent).

„Mehr als nur Einkommensarmut“

„Armut ist mehr als nur Einkommensarmut“, betonte Destatis-Expertin Silvia Deckl. Auch wer ein Gehalt verdiene, das über der Schwelle liege, könne von sozialer Teilhabe ausgeschlossen sein. Deswegen errechnen die Statistiker die Quote mit einem bestimmten Verfahren aus drei Kriterien: Sie schauen nach der Armutsgefährdungsquote, nach materiellen Einschränkungen und geringer Erwerbbeteiligung in einem Haushalt. Als arm oder sozial ausgegrenzt gilt eine Person dann, wenn eines oder mehrere dieser drei genannten Kriterien auf sie zutreffen.

Kein Telefon, kein Fernseher

Von Armut bedroht waren demnach zuletzt 16,1 Prozent oder rund 13 Millionen Menschen. Die betroffenen Singles haben weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung, Familien mit zwei Kindern weniger als 2058 Euro. Für 4,9 Prozent gehörten „erhebliche materielle Entbehrungen“ zum Alltag. Das bedeutet: Die Menschen haben beispielsweise Probleme, ihre Miete oder die Heizkosten zu zahlen. Oder bei ihnen kommt nicht alle zwei Tage eine volle Mahlzeit auf den Tisch, auch ein Telefon, Fernseher oder eine Reise sind nicht drin. Schließlich ermittelten die Statistiker den Anteil der Bevölkerung, die in Haushalten mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung leben – es waren 9,8 Prozent. Für die Untersuchung erfassten die Statistiker rund 13.100 Haushalte mit 27.900 Personen.

In der gesamten Europäischen Union  lag der Anteil armer oder sozial ausgegrenzter Menschen nach Angaben der Behörde im vergangenen Jahr mit 24,8 Prozent noch deutlich höher als in Deutschland. Dabei waren 17 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet, 9,9 Prozent erheblich materiell depriviert, und 10,4 Prozent lebten in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.

Quelle: Die Welt
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  1. Armut auf Rekordhoch: Paritätischer & Nationale Armutskonferenz warnen vor sozialer Verödung ganzer Regionen permalink
    20. Dezember 2013 18:26

    Armut auf Rekordhoch: Paritätischer und Nationale Armutskonferenz warnen vor sozialer Verödung ganzer Regionen

    Vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der sozialen Verödung ganzer Regionen warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband anlässlich der Veröffentlichung seines Armutsberichts 2013. Mit 15,2 Prozent habe die Armut in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht, die soziale und regionale Zerrissenheit habe dabei dramatisch zugenommen. Gemeinsam mit der Nationalen Armutskonferenz fordert der Verband die gezielte finanzielle Förderung notleidender Kommunen sowie ein Paket von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der sozialen Infrastruktur vor Ort.
    „Sämtliche positive Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich gedreht. Die Kluft zwischen bundesdeutschen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der anderen Seite wächst stetig und deutlich. Deutschland war noch nie so gespalten wie heute“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.
    Seit 2006 habe die Armut in Deutschland besorgniserregend von 14 auf nunmehr 15,2 Prozent zugenommen. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der geringsten Armutsquote (Baden-Württemberg: 11,1 %) und dem Letztplatzierten (Bremen: 23,1 %) habe sich vergrößert und betrage mittlerweile 12 Prozentpunkte. Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit innerhalb der Bundesländer habe eine neue Qualität erreicht. Keine Entwarnung gebe es insbesondere für die „armutspolitische Problemregion Nummer 1“, das Ruhrgebiet. „Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft. Hier brauchen wir eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme, um der Verödung entgegenzuwirken“, so Schneider.
    Die Nationale Armutskonferenz (nak) bewertet die Befunde als alarmierend. „Der Bericht zeigt, dass wir in Deutschland weiter von einer chancengerechten Gesellschaft entfernt sind, als je zuvor“, so Sprecher Joachim Speicher. In einem Sechs-Punkte-Katalog fordert die Nationale Armutskonferenz zur Armutsbekämpfung unter anderem eine bedarfsgerechte Erhöhung der Regelsätze, Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus.
    Gemeinsam kritisieren Schneider und Speicher den Verzicht der neuen Bundesregierung auf solidarische Steuererhöhungen für große Vermögen und Einkommen, um entsprechende Maßnahmen zu finanzieren.

    Quelle 1: Pressemitteilung des Paritätischen vom 19.12.2013
    http://www.der-paritaetische.de/startseite/artikel/news/armut-auf-rekordhoch-paritaetischer-und-nationale-armutskonferenz-warnen-vor-sozialer-veroedung-ganze/

    Quelle 2: Bericht zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland 2013 [PDF – 1.8 MB]
    http://www.der-paritaetische.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&file=fileadmin/dokumente/2013_armutsbericht/A4_armutsbericht-2013_web.pdf&t=1388144607&hash=bdafe9d431ad947d7d4dc47394162f4a44873b84

  2. Armut auf Rekordhoch: Paritätischer & Nationale Armutskonferenz warnen vor sozialer Verödung ganzer Regionen permalink
    20. Dezember 2013 18:36

    Vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der sozialen Verödung ganzer Regionen warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband anlässlich der Veröffentlichung seines Armutsberichts 2013. Mit 15,2 Prozent habe die Armut in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht, die soziale und regionale Zerrissenheit habe dabei dramatisch zugenommen. Gemeinsam mit der Nationalen Armutskonferenz fordert der Verband die gezielte finanzielle Förderung notleidender Kommunen sowie ein Paket von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der sozialen Infrastruktur vor Ort.
    „Sämtliche positive Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich gedreht. Die Kluft zwischen bundesdeutschen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der anderen Seite wächst stetig und deutlich. Deutschland war noch nie so gespalten wie heute“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.
    Seit 2006 habe die Armut in Deutschland besorgniserregend von 14 auf nunmehr 15,2 Prozent zugenommen. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der geringsten Armutsquote (Baden-Württemberg: 11,1 %) und dem Letztplatzierten (Bremen: 23,1 %) habe sich vergrößert und betrage mittlerweile 12 Prozentpunkte. Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit innerhalb der Bundesländer habe eine neue Qualität erreicht. Keine Entwarnung gebe es insbesondere für die „armutspolitische Problemregion Nummer 1“, das Ruhrgebiet. „Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft. Hier brauchen wir eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme, um der Verödung entgegenzuwirken“, so Schneider.
    Die Nationale Armutskonferenz (nak) bewertet die Befunde als alarmierend. „Der Bericht zeigt, dass wir in Deutschland weiter von einer chancengerechten Gesellschaft entfernt sind, als je zuvor“, so Sprecher Joachim Speicher. In einem Sechs-Punkte-Katalog fordert die Nationale Armutskonferenz zur Armutsbekämpfung unter anderem eine bedarfsgerechte Erhöhung der Regelsätze, Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus.
    Gemeinsam kritisieren Schneider und Speicher den Verzicht der neuen Bundesregierung auf solidarische Steuererhöhungen für große Vermögen und Einkommen, um entsprechende Maßnahmen zu finanzieren.
    Quelle 1: Pressemitteilung des Paritätischen vom 19.12.2013 http://www.der-paritaetische.de/startseite/artikel/news/armut-auf-rekordhoch-paritaetischer-und-nationale-armutskonferenz-warnen-vor-sozialer-veroedung-ganze/
    Quelle 2: Bericht zur regionalen Armutsentwicklung in Deutschland 2013 [PDF – 1.8 MB]

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