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Rezension: “Syndikalismus in Deutschland 1914-1918 – Im Herzen der Bestie”

23. November 2013

band2Helge Döhrings “Syndikalismus in Deutschland 1914-1918 – Im Herzen der Bestie”.

von Luay Radhan, November 2013

“Syndikalismus” bedeutet, dass unabhängige basisdemokratische Gewerkschaften gemeinsam die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen treffen sollen an Stelle der Großkonzernmanager und der Staatsführer. Die syndikalistischen Kampfmittel sind u.a. Streiks und vor allem die Befähigung der ArbeiterInnen, in nicht allzu ferner Zukunft ihre Betriebe mit den MitarbeiterInnen demokratisch zu leiten – also durch Selbstverwaltung, statt einem arbeiterfeindlichen Management unterworfen zu sein. Reicht es denn nicht aus, als ArbeiterInnen die “richtige” Partei zu wählen, die die Interessen der ArbeiterInnen dann durchsetzt? “Nein!” sagen die SyndikalistInnen: Durch den wirtschaftlichen Kampf in Arbeiterräten und Gewerkschaften, in dem enorme Opfer gebracht wurden, haben die ArbeiterInnen in den vergangenen 200 Jahren ihren Lebensstandard verbessert, und nicht etwa durch den Parteien-Parlamentarismus. Und was ist mit der angeblich arbeiterfreundlichen Partei namens SPD? Diese habe allerspätestens mit der Zustimmung zu den Kriegskrediten im August 1914 eine große Mitschuld am Ersten Weltkrieg gehabt und somit die Arbeiterschaft verraten, sagen die einen (daher der alte KPD-Spruch von 1930: “Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!”). Seit der Parteigründung 1863 war von der diktatorischen Führung der machtorientierten SPD niemals eine revolutionärarbeiterfreundliche Politik zu erwarten, sagen die anderen (S. 106). Obwohl Letzteres von den weitsichtigsten freiheitlichen SozialistInnen tatsächlich erkannt wurde, scheinen doch Dutzende Millionen Menschen 150 Jahre lang von der Illusion verführt worden zu sein, die SPD würde sich mehr oder weniger für das Wohl der ArbeiterInnen einsetzen.

Der Erste Weltkrieg stellt in vielerlei Hinsicht eine entscheidende Phase der deutschen und europäischen Geschichte dar: Erstens ist diese zweitgrößte europäische Katastrophe der letzten Jahrhunderte untrennbar mit der größten europäischen Katastrophe genannt “Zweiter Weltkrieg” verknüpft. Zweitens kann man aus heutiger Perspektive, etwa 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, besser als zuvor erkennen, in welchen Bereichen eine Veränderung stattgefunden hat und wo wir es mit einem Kontinuum zu tun haben. Drittens stand die SPD 1914, das heißt 50 Jahre nach Gründung der Ersten Internationale (1864) und gut 50 Jahre nach ihrer eigenen Gründung, an einem Scheideweg und demonstrierte mit ihrer Kriegsbeteiligung, dass sie endgültig eine Kollaborateurin des Militarismus, Nationalismus und Staatskapitalismus geworden war. Schon im April 1913 überzeugte Reichskanzler Bethmann Hollweg drei sozialdemokratische Fraktionsmitglieder (Frank, Ledebour und Bebel) von der Kriegsnotwendigkeit.

Während der Julikrise 1914 versicherten SPD-Vertreter der Reichsregierung, nicht zu Massenstreiks oder Demonstrationen aufzurufen, und der Parteivorstand warnte die Mitgliederschaft vor Antikriegsaktionen (S. 55). Folgende Aussage von Gustav Bauer, des späteren Reichskanzlers (1919-20), vertritt eine gängige Meinung in der SPD: “Die Kriegsfrage ist kein prinzipielles, sondern ein taktisches Problem. Es gilt für das Proletariat der einzelnen Länder abzuwägen, ob der Krieg Vorteil bringen könnte oder nicht, und danach ist ihr Verhalten einzurichten. […] Jeder Proletarier weiß oder fühlt es, oder es wird ihm schon von den Vertretern der bürgerlichen Parteien erzählt, dass mit dem Siege der Kapitalisten seines Landes dessen Industrie emporblühen werde, dass es ihm damit auch relativ besser gehe, dass er mehr Lohn erringen könne, dass die Arbeitslosigkeit sinken werde” (S. 107-108). Der SPDler Konrad Haenisch (1876-1925) brachte seinen Nationalismus und Rassismus so zum Ausdruck: “Das Wichtigste, das wirklich Grundlegende war von jeher auf der einen Seite die feste theoretische Fundamentierung der Internationale durch die Deutschen Marx und Engels, war auf der anderen Seite ihre feste organisatorische Fundamentierung durch die zähe unermüdliche Arbeit der deutschen Partei […]. […] ohne die deutsche Arbeiterbewegung (und die geistig mit ihr aufs engste verbundene Arbeiterbewegung der germanischen Völker des skandinavischen Nordens) würde die Internationale überhaupt nicht existieren” (S. 170-71).

Helge Döhring widerlegt nicht nur den Mythos, die SPD sei in den letzten 100 Jahren eine arbeiterfreundliche Partei gewesen, sondern auch den ebenso fatalen Mythos, dass die großen Zentralgewerkschaften der sozialen Gerechtigkeit oder dem Frieden gedient hätten. Laut Wolfgang Abendroth hatte der organisatorische Aufstieg der SPD und der Zentralgewerkschaften eine Schicht von Parlamentariern, Arbeiterbürokraten und Verwaltungsfunktionären entstehen lassen, die in den Gewerkschaftsorganisationen saßen, in den Parteisekretariaten und in den Redaktionen der Parteipresse. Sie lebten nicht mehr nur für die, sondern auch von der Arbeiterbewegung. Die Organisation der Bewegung war für sie aus einem Hebel zur Aktion zu einem Selbstzweck geworden. Dieser Schicht erschien jede Aktivität der Massen bedenklich, die den “gesetzlichen Rahmen” überschreiten konnte oder die bewährte Routine in Frage stellte (S. 45-46).

Da der Klassenkampf der Unternehmen gegen die Arbeiterschaft in Kriegszeiten bekanntlich noch brutaler ist als in Friedenszeiten – und zwar wegen möglicher Einberufung an die Front, Zwangsarbeit, Verhaftungen, längeren Arbeitszeiten, geringeren Löhnen, reduziertem Arbeitsschutz usw. (S. 16) – war es ein extrem arbeiterfeindlicher Schritt, dass der “Deutsche Bauarbeiterverband” dem “Deutschen Arbeitgeberverband für das Baugewerbe” im August 1914 anbot, für die Dauer des gesamten Krieges “alle Streiks und Sperren sofort aufzuheben […]“, auch wenn im Gegenzug die ortsüblichen Tarife nicht unterlaufen werden sollten. Das Zentralorgan des “Deutschen Bauarbeiterverbands”, der “Grundstein”, appellierte am 8. August 1914 an das Pflichtbewusstsein und den Russenhass der Deutschen: “Nun sind alle weiteren Proteste gegen den Krieg überflüssig und wirkungslos. Die deutsche Arbeiterschaft hat sich, wie die übrigen Volksteile, mit den harten Tatsachen abzufinden und ihre Pflicht zu tun. […] Es kann ihr nicht gleichgültig sein, ob die zarische Knute nach Deutschland getragen wird, ob die Kosaken in Deutschland regieren” (S. 48). Der Vorstand des Buchdrucker-Verbandes bediente sich im Jahresbericht 1914 ebenfalls des Rassismus und schrieb, alle seien sich einig, dass dies ein “Kampf um unsere Selbständigkeit und gegen Neid und asiatische Unkultur” sei (S. 152). Das “Correspondenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands” verherrlichte den Krieg sogar im September 1914: “Der Krieg schafft Situationen, die nicht gesellschaftsauflösend, sondern in hohem Maße gesellschaftsfördernd wirken […].” Der Krieg wirke “nicht zersetzend, sondern einigend” und stelle “ein großes einheitliches Volksganzes her […].”

Die Zentralgewerkschaften wollten, dass die “Unabwendbarkeit einer Entscheidung durch die Waffen von allen Volksschichten in gleichem Maße erfasst und anerkannt wird und dass der Krieg als eine nationale Pflicht empfunden wird, der sich kein Wehrfähiger entziehen darf, ohne sich an der Gesamtheit zu versündigen” (S. 47-48). Der Geschäftsbericht des Bergarbeiter-Verbandes 1914 wollte den Geschäftssinn der ArbeiterInnen wecken: “Es kann gewiss keinem Zweifel unterliegen, dass auch die Lohnarbeiterschaft interessiert ist an einem wirtschaftlichen Aufschwung ihres Heimatlandes, also auch an der Gewinnung neuer Absatzgebiete” (S. 151). Die SPD-Zeitung “Frankfurter Volksstimme” kommentierte im August 1914: “Wenn es anno 1866 hieß, der Vormarsch der preußischen Truppen sei ein Sieg des Schulmeisters gewesen, so wird man diesmal von einem Sieg des Gewerkschaftsbeamten reden können” (S. 153).

Ganz im Gegensatz zu den großen Zentralgewerkschaften waren die lokalorganisierten Gewerkschafter die ersten und eine Zeit lang die einzigen organisierten Kriegsgegner im Deutschen Reich, so dass sie ab 1914 von den Machthabern am meisten bekämpft wurden: “Denn als der Rechtsanwalt Karl Liebknecht in der Reichstagsfraktion noch seine Stimme für die Bewilligung der Kriegskredite gab, und sich innerhalb der SPD die ‘Gruppe Internationale’ um Rosa Luxemburg erst formierte, kämpften die Syndikalisten von Beginn an in ihren Betrieben und nicht vom Katheder aus gegen Kapitalismus und Krieg! Als Liebknecht 1916 verhaftet wurde, saßen dort bereits Dutzende syndikalistische Funktionäre! Als im gleichen Jahr die ‘Spartakusgruppe’ (später KPD) gegründet wurde, existierte bereits eine genuin der ersten Arbeiterbewegung entsprungene, klassenkämpferische Organisation: Die syndikalistische FVDG [Freie Vereinigung deutscher Gewerkschafter]!” (Seite 19-20).

Döhring erklärt, dass die deutsche Arbeiterbewegung (im Gegensatz zur der in Frankreich, Italien und Spanien) seit den 1860er Jahren stark vom Denken von Ferdinand Lassalle (1825-64) und Karl Marx (1818-83) geprägt war und dass diese sozialdemokratische Ideologie die Unterordnung der Gewerkschaften unter eine politische Führung befürwortete. Laut Döhring war hier “der Keim enthalten, Konflikte zwischen Arbeitern und Kapitalisten generell auf politischer Ebene auszutragen”, und dazu konnte man die Arbeiterführer “in der Politik besser von ihrer Basis loslösen und korrumpieren” (S. 27-28). Rudolf Rocker (1873-1958) kommentiert die Entwicklung des europäischen Sozialismus nach dem Sieg der deutschen Staaten gegen Frankreich 1871 wie folgt: “Die geistige Führung auf dem Kontinent war in die Hände eines Volkes geraten, das keinerlei revolutionäre Tradition besaß, und dessen Führer sich nun anschickten, seiner ganzen inneren Entwicklung ein streng militärisches Gepräge zu geben” (S. 65).

Bereits kurz nach der Aufhebung der “Sozialistengesetze” (1878-90) legte die SPD auf dem Erfurter Kongress (1891) die Trennung zwischen ökonomischem und politischem Kampf fest, erklärte die Eroberung der politischen Macht als oberstes Ziel und den lokalorganisierten GewerkschafterInnen in Halberstadt (1892) den Kampf. Die knapp 7000 Anhänger der Lokalverbände wehrten sich gegen die Zentralverbände mit ihren etwa 4120.00 Mitgliedern, indem sie sich 1897 in Halle/Saale organisierten, die Entpolitisierung der Gewerkschaften kritisierten (S. 29) und sich ab 1903 “Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften” (FVDG) nannten (S. 32). Diese kritisierten in ihrer Resolution von 1904 einstimmig die “irrtümliche Auffassung vom Wesen des Staates”, die “Überschätzung des Parlamentarismus” sowie die “Trennung der proletarischen Bewegung in politische Partei und Gewerkschaftsbewegung”. Ihrer Auffassung nach beruhe die tatsächliche Macht des Proletariats “auf der möglichst großen Zahl völlig freier, vom Geist des Klassenkampfes durchdrungener Persönlichkeiten, wie sie niemals der auf einem Vertretersystem beruhende Parlamentarismus wohl aber eine vom Geist des Sozialismus getragene Gewerkschaftsbewegung herausbilden kann. Massenaktionen mit voller Verantwortlichkeit jedes Einzelnen – Streiks, Maifeier, Boykott – das sind die Vorbedingungen der endgültigen Befreiung des Proletariats. Diese Befreiung selbst, die Aufhebung der Klassenherrschaft wird erfolgen, durch den Generalstreik. Nicht durch eine Revolution, nicht im Wege des Blutvergießens und der Gewalt, sondern durch ein ethisches Kampfmittel […]“. Deshalb wollte sich die FVDG “auf die geistige und sittliche Hebung des Proletariats und auf den wirtschaftlichen Kampf” konzentrieren; auf den Aufbau der gewerkschaftlichen Organisation und die Erziehung der gewerkschaftlichen Mitglieder “zu idealgesinnten, bewussten Klassenkämpfern”, um so bald wie möglich einen Generalstreik durchführen zu können (S. 34-35).

Um die wesentlichen Unterschiede zwischen den Zentralgewerkschaften und den “Lokalisten” zu verstehen, kann man folgende Charakteristika gegenüberstellen: Erstens hatte die FVDG eine föderalistische Organisationsform, d.h. die Ortsvereine waren selbständig und verwalteten ihr eigenes Geld. Wie entscheidend das ist, zeigt das folgende Beispiel: Die Zentralverbände verwendeten 70 Mio. Mark aus den Mitgliedsbeiträgen als Kriegsanleihen, ohne die Mitglieder zu fragen. Als die Arbeiter für den Frieden streiken wollten, verweigerten die Zentralverbände die Unterstützung, dafür war dann kein Geld da (S. 165). Zweitens hatte jede Organisation jederzeit Streikrecht (und musste nicht auf die Erlaubnis der Zentrale warten). Außerdem übten die Mitglieder gegenseitige Solidarität mit anderen Berufsgruppen und vertraten Klasseninteressen (statt nur Berufsinteressen); die Streiks waren meist Angriffskämpfe (statt nur Abwehrkämpfe); die FVDG empfahl direkte Aktionen (anstatt sich auf Vertreter zu verlassen); sie wollte den Sturz des Kapitalismus (anstatt Reformen innerhalb des Kapitalismus); sie verfocht die Idee des Massen und Generalstreiks (anstatt Kleinstreiks) und bekämpfte den Militarismus grundsätzlich (anstatt nur militärische Reformen anzustreben) [S. 35-36]. Jeder Kampf um Befreiung habe nicht nach zentralistisch-militärischem Vorbild zu erfolgen, sondern nach Gesichtspunkten des Föderalismus und der strengen Kontrolle durch die Arbeiterschaft (S. 65). Max Hilse schrieb im “Syndikalist” 1926: “Zur wirklichen Propaganda gegen den Krieg gehört auch, den Massen zu sagen, wie ein Krieg verhindert werden kann! Wir Anarcho-Syndikalisten sagen: Krieg ist unmöglich, wenn sich das arbeitende Volk weigert, die arbeitende Bevölkerung eines anderen Landes zu töten oder sich selbst töten zu lassen und gleichzeitig die Waffenfabrikation verweigert!!! Aber dazu notwendig wäre ein Generalstreik […]” (S. 149).

Helge Döhring geht es offensichtlich darum, was wir aus der Geschichte lernen und heute besser machen können. Dies war auch im Dezember 1918 der Anspruch des “Syndikalist”: “Durch ein demagogisches Spiel mit den Worten Vaterlandsliebe, Gesetzmäßigkeit, Verteidigungskrieg usw. verwirrten sie ihnen vollends die Köpfe derart, dass sich das arbeitende Volk am 1. August 1914 so willig in Tod und Verderben treiben ließ, als ob es aus der Entstehungsgeschichte der Kriege 1864, 1866 und 1870/71 nichts gelernt und als ob es nie eine von Bismarck gefälschte Emser Depesche gegeben hätte!” (S. 145). Fritz Oerter (1869-1935) warnte zur selben Zeit: “Die sozialdemokratische Partei und auch die ‘Freien Gewerkschaften’, die während des Krieges nicht das Geringste taten, um die Arbeiterschaft aus der Hölle des Krieges zu retten, dürften auf keinen Fall jetzt als die Faktoren erscheinen, welche dem Proletariat zu seinem Recht verhelfen können.”

Kurz vor der Naziherrschaft (1932) versuchten die Syndikalisten wieder, die Menschen wachzurütteln: “Wenn die Zentralgewerkschaften keine Kampforganisationen sind – Arbeiter, was wollt ihr in diesen Verbänden? Es steht ganz außer Zweifel, dass die Politik der SPD und der Zentralgewerkschaften erst dem Faschismus und der Reaktion die Möglichkeit gegeben haben, sich entfalten zu können. Wo die reaktionären Kräfte keinen ernsthaften Widerstand finden, da können sie sich am besten entwickeln.”

Döhring ergänzt: “Und wieder organisierte sich die Arbeiterschaft nach Hitler und 1945 in den Zentralgewerkschaften!” (S. 106-107). Dabei zeigt Döhring in seinem Buch überzeugend auf, dass es mit dem Syndikalismus seit über 100 Jahren eine deutlich bessere Alternative für all jene gibt, die etwas gegen Krieg, Diktatur und Völkerhass (siehe S. 173) unternehmen wollen. Ein möglichst starker Föderalismus soll Machtkonzentration möglichst verhindern, was dem Syndikalismus einen arbeiterfreundlichen und internationalen Charakter verleiht (S. 111).

Helge Döhring
Syndikalismus in Deutschland 1914-1918 – “Im Herzen der Bestie”
2013 Verlag Edition AV, Lich/Hessen

ISBN 978-3-86841-083-9

Quelle: “Schattenblick
Quelle: Arbeiterbörse für Literatur (AS)

5 Kommentare leave one →
  1. Taucht dat wat??? permalink
    9. Dezember 2013 19:38

    Angela Vogel
    Der deutsche Anarcho-Syndikalismus.
    Genese und Theorie einer vergessenen Bewegung.

    Berlin : Kramer, 1977. 311 S. 8°, kartoniert

    ISBN: 3879560706
    EAN: 9783879560707

  2. Wat @ nit alles jibt permalink
    9. Dezember 2013 19:51

    Briefs, Goetz:
    Zwischen Kapitalismus und Syndikalismus : Die Gewerkschaften am Scheideweg.

    München : Lehnen 1952. 189 Seiten Gebundene Ausgabe;

  3. Taucht dat wat??? permalink
    9. Dezember 2013 19:56

    Dirk H Müller

    Gewerkschaftliche Versammlungsdemokratie und Arbeiterdelegierte vor 1918. Ein Beitrag zur Geschichte des Lokalismus, des Syndikalismus und der entstehenden Rätebewegung

    Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
    Verlag: Copress (1985)

    ISBN-10: 3767806509
    ISBN-13: 978-3767806504

    • 10. Dezember 2013 09:15

      Angela Vogel taucht, auch wenn Hans Manfred Bock in seinem Forschungsbericht (IWK 25, 1989) derbe abwatscht. Das Buch von Dirk Müller ist DAS Standardwerk zum Thema, leider teuer.
      Goetz Briefs ist katholischer Unternehmer, in dem Buch geht es darum, ob die DGB-Gewerkschaften nach dem 2. WK radikal oder korporatistisch werden…

  4. Monarchristen: „Segne die deutsche Kriegsmacht“ permalink
    30. August 2014 00:04

    Kirche im Ersten Weltkrieg „Segne die deutsche Kriegsmacht“
    28.08.2014, 03:00 Uhr
    Von Johannes Laubach
    Beten für den Sieg: Im Ersten Weltkrieg übten die Kirchen Schulterschluss mit dem Kaiser, von den Kanzeln wurden Durchhalteparolen gepredigt. Nächstenliebe und Friedensmissionen? Fehlanzeige.
    Der Limburger Bischof Augustinus Kilian verabschiedet zu Kriegsbeginn auf dem Neumarkt Soldaten, die an die Front ziehen. Kilian ist von der Notwendigkeit des Krieges überzeugt und fordert in seinen Hirtenbriefen und Predigten bis zum Schluss zum Durchhalten auf. Foto: Sammlung Heinz Müller
    bild
    Der Limburger Bischof Augustinus Kilian verabschiedet zu Kriegsbeginn auf dem Neumarkt Soldaten, die an die Front ziehen. Kilian ist von der Notwendigkeit des Krieges überzeugt und fordert in seinen Hirtenbriefen und Predigten bis zum Schluss zum Durchhalten auf. Foto: Sammlung Heinz Müller
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    Limburg.

    „Gott mit uns“ stand auf dem Koppel des Gürtels der deutschen Soldaten. „Gott mit uns“ war der Wahlspruch des preußischen Königshauses – bis 1918, bis zur Niederlage im Ersten Weltkrieg. Unter diesem Motto ließ Kaiser Wilhelm II., zugleich König von Preußen, seine Soldaten in den Krieg ziehen. Er war nicht nur ihr oberster Kriegsherr, sondern für einen großen Teil der „oberste Bischof“.

    „Einem besonderen Wunsch Seiner Majestät des Kaisers und Königs entsprechend verordnen wir, daß am künftigen Mittwoch, den 5. d. Mts., zu einer von den Herren Pfarrgeistlichen zu bestimmenden Stunde eine Andacht vor ausgesetztem hochwürdigem Gute zur Erflehung des Sieges für unsere Waffen zu Wasser und zu Landes gehalten werden“, gibt der Limburger Bischof Augustinus Kilian seinen Pfarrern im Amtsblatt vom 3. August 1914 als Auftrag.
    Bilderstrecke
    Wie Hessen den Krieg erlebte: Fotos aus dem Ersten Weltkrieg
    100 Jahre sind es her, dass am 1. August 1914 die Mobilmachung auch in der Kreisstadt Limburg ausgerufen wurde und junge Männer sich im Bezirks-Kommando für den Kriegsdienst melden mussten. Das Kaiserreich zeigt sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs durchaus kriegsbegeistert und die Männer aus dem Nassauer Land zogen oft voller Euphorie und Siegesgewissheit in den Kampf. FNP.de hat Fotos aus dieser Zeit gesammelt, die in Archiven schlummerten und von Verwandten in Schränken aufbewahrt wurden, und einen Eindruck davon liefern, was 1914 vor Ihrer Haustür passierte. Es sind Bilder, die den Weltkrieg aus einer unmittelbaren Perspektive zeigen.
    Die »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts«, so wird der Erste Weltkrieg von Historikern oft bezeichnet. Doch das diese einmal so sein wird, ließ sich am Anfang des Krieges nicht erahnen. Gut gelaunt und frohen Mutes: Die ersten deutschen Truppen überschreiten im August 1914 die französische Grenze.
    Was haben ein Umlaufmotor mit neun Zylindern und ein kleines Foto mit einer Gruppe von Männern in Uniform miteinander zu tun? Auf den ersten Blick gibt es anscheinend keinen Zusammenhang. Doch der Mann, der, umringt von anderen Männern, die offenbar Soldaten sind, auf den Stufen vor der Motorenfabrik Oberursel sitzt, ist Otto Boelcke. Boelcke war so was wie ein Nationalheld, einer der bekanntesten deutschen Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, und er wird in einem Atemzug mit dem ebenso berühmten »Roten Baron«, Manfred von Richthofen, genannt. Beide Männer, Boelcke und von Richthofen, sind mit Maschinen geflogen, die eben jenen Typ Umlaufmotor, den Oberurseler Gnôme U 0, in ihren Flugzeugen eingebaut hatten, der ab 1913 in Oberursel produziert wurde. Ein solcher lässt sich im Rolls-Royce-Museum, dass von Erich Auersch geleitet wird, bestaunen.

    Nicht anders klingt es in der evangelischen Kirche, die im Gegensatz zu heute eine andere Struktur hatte und sich dabei in kleinere Landeskirchen aufteilte. Im Amtsblatt für den „Amtsbezirk des königlichen Konsistoriums Wiesbaden“, dazu gehörten unter anderem die Dekanate Kronberg, Diez, Homburg, Kirberg, Runkel, Usingen und Wiesbaden (Stadt und Land), wird am 7. August auf den Aufruf des Kaisers zu einer regelmäßigen Betstunde während der Dauer des Krieges hingewiesen. Als Fürbitte für die kämpfenden Truppen ist folgender Text aufzunehmen: „Segne die gesamte deutsche Kriegsmacht. Führe uns zum Sieg und gibt uns Gnade, daß wir auch gegen unsere Feinde uns als Christen erweisen.“
    „Schütze das Kriegsheer“

    Die Kirchen Seit’ an Seit’ mit den Militärs, quasi mit Gleichschritt gehen, ohne jedoch an die Front zu ziehen. Es ist keineswegs eine Einstellung, die dem Ausbruch des Krieges geschuldet ist, sie liegt quasi im Blut. So finden sich gleichlautend gemeinsam gesprochene Gebete in den unterschiedlichen Konfessionen. Eines der Gebete wird Ende Mai, also noch deutlich vor den Schüssen auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo, auf Wunsch des Kaisers und Königs geändert und bekommt eine neue Fassung: „Beschütze das königliche Kriegsheer und die gesamte deutsche Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser, inbesonderheit die Schiffe und Luftfahrzeuge, welche auf der Fahrt sind.“ In der alten Fassung fehlten noch die Luftfahrzeuge, die waren jedoch quasi als neue Abteilung der Kriegsmacht hinzugekommen.
    Krieg füllt Kirchen

    Die enge Verbundenheit zwischen den Protestanten und dem Kaiser ist erklärbar durch die Struktur der Kirche (Landeskirchen mit dem Landesherren als oberstem Bischof) und dem sich seit 1871 entwickelndem „Nationalprotestantismus“. Auch wenn die katholische Kirche mit dem Papst ein internationales Oberhaupt und mit Rom eine „Zentrale“ außerhalb des Deutschen Reichs hatte, die Zustimmung zum Krieg unterschied sich nur marginal von der der Protestanten. Der Kulturkampf unter Reichskanzler Otto von Bismarck zeigte Nachwirkungen, die Katholiken wollten ihre Treue zu Kaiser und Reich demonstrieren.

    Der Krieg treibt die Menschen in die Kirchen. Der „Nassauer Bote“, die in der Bistumsstadt Limburg erscheinende Tageszeitung mit katholischer Ausrichtung, schreibt von Tausenden, die den Dom besuchen, sich an den Gebeten beteiligen. Und August Korthauer, 1914 Pfarrer an der Lutherkirche in Wiesbaden und später Landesbischof von Nassau, berichtet von „sehr stark besuchten Kriegsgebetsstunden“. Er glaubt zu dieser Zeit fest an den Sieg und ist von der Unschuld Deutschlands am Ausbruch des Krieges fest überzeugt.
    Bilderstrecke
    Sarajevo-Attentat jährt sich zum 100. Mal
    Am 28. Juni 1914 fielen der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand, und seine Gemahlin Sophie Chotek, Herzogin von Hohenberg, bei ihrem Besuch in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo einem Attentat zum Opfer. Zum 100. Jahrestag erinnern wir in dieser Bilderstrecke an das Attentat. Alle Fotos: imago
    Nach dem Besuch einer Tabakfabrik waren der Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau unterwegs zum Rathaus der Stadt. Die Autokolonne umfasste sechs Autos. Auf ihrer Fahrt fuhren die Autos an mehreren Attentätern vorbei, bis Cabrinovic schließlich eine Bombe auf das Fahrzeug warf. Diese traf jedoch das Fahrzeug hinter dem Paar. Cabrinovic versuchte, sich selbst umzubringen, wurde jedoch von der Menge gefasst.
    Der Serbe Gavrilo Princip, ein weiterer Attentäter, verschwand daraufhin in der Menge, setzte sich in ein Kaffeehaus und dachte daran, ebenfalls Selbstmord zu begehen, um einer Verhaftung zu entgehen. Die Fahrt des Erzherzogs wurde nach dem Besuch im Rathaus fortgesetzt. Dabei fuhr das Fahrzeug an dem Kaffeehaus vorbei und blieb zufällig kurz davor stehen.

    Die Ansprache von Generalsuperintendent Karl Ohly (Wiesbaden), er war von 1899 bis 1913 Hof- und Domprediger bei Kaiser Wilhelm II. in Berlin, die seine Pfarrer am 1. Adventssonntag im Amtsbezirk Wiesbaden von der Kanzel zu verlesen hatten, zeigt aber noch eine weiteren Aspekt. Gott habe bisher die Anschläge der Feinde auf Deutschland zu Schande gemacht „und sich zu unseren Waffen im Dienst der heiligen und gerechten Sache des Vaterlandes gnädig bekannt“, heißt es in der Predigt. Und weiter: „Daß unser Volk aus dem Gericht des Weltkrieges geläutert hervorgeht, befreit von den Schlacken des Unfriedens, des Unglaubens, der Unsittlichkeit, erfüllt mit Dank gegen Gott, bereit, dem Geiste der Frömmigkeit und Zucht in allem seinen Lebensäußerungen Raum zu geben, erzogen zum Verständnis seiner großen Aufgaben in der Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden – das lebt als heiße Sehnsucht in vielen, treuen Herzen. Wir freuen uns der verheißungsvollen Ansätze einer inneren Wandlung in unserem Vaterland“. Die äußere Bedrohung, die Feinde an den Grenzen Deutschlands werden für Ohly als Chance für eine innere Erneuerung. Eine Erneuerung, die dem Modernismus abschwört und zurück zu geistlicher und staatlicher Autorität findet.
    Die Strafe Gottes

    Als im Februar 1915 die Kreissynoden vorbereitet und auf sie thematisch eingestimmt werden, gibt es eine Aufzählung all dessen, was der Krieg bisher hat erfahren lassen: geschlossene Einmütigkeit, opferwillige Hilfsbereitschaft, heldenmütige Tapferkeit im Felde, treue Pflichterfüllung in der Heimat, unbeugsame Entschlossenheit – wer will da zum Kriegsgegner werden.
    Ein Gemälde von Bischof Augustinius Kilian Copyright: Sascha Braun /nachrichten/politik/Segne-die-deutsche-Kriegsmacht;art673,1005055 Ein Gemälde von Bischof Augustinius Kilian Copyright: Sascha Braun

    Der Limburger Bischof Augustinus Kilian schreibt in seinem Hirtenbrief zum Weihnachtsfest 1914 vom Krieg als eine von Gott auferlegte Strafe. Als Strafe für verweigerten Dank für 44 Jahre Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung, für Gottvergessenheit und Verachtung der Kirche, für glaubensfeindliche Schriften, schändliche Kleidertracht und verwerfliche Tänze, für einen breiten Strom sittlichen Verderbens. Und mit dem Krieg kommen: Andrang vor den Kommunionbänken, der Ruf nach religiösen Schriften, ein Volk in religiöser Erneuerung, innerlicher Vertiefung, stiller Einkehr. Und für das deutsche Volk ein Solidaritätsgefühl und Solidaritätsbewusstsein, das alle konfessionellen, sozialen und parteipolitischen Gegensätze überwindet.

    Es sind Worte an Klerus, Pfarrer und Gläubige, die wiederholt werden. Zu den Jahrestagen des Kriegsbeginns, zum Buß- und Bettag, zum neuen Kirchenjahr, in Hirtenbriefen zur Fastenzeit und Weihnachten. Es bleibt ein Gleichschritt zwischen den Kirchen, dem Kaiser und seinen Oberbefehlshabern. Zum vierten Jahrestag des Kriegsbeginns wendet sich der Limburger Bischof mit einem Kriegshirtenbrief an seine Gläubigen. Es ist eine Zeit, in der die Kirchen schon längst nicht mehr so voll sind, die Gläubigen sich abwenden. Es ist ein Appell zum Durchhalten nachdem die USA auch aufseiten der Gegner stehen. „Wir wünschen von ganzem Herzen den Frieden, aber nicht den Frieden um jeden Preis“, so der Bischof.

    Doch er spricht die Gläubigen auch direkt an: „Ihr kennt den Siegeslauf der deutschen Armeen“, schreibt er in seinem Hirtenbrief zu einer Zeit, in der die Todesnachrichten von Gefallenen nicht abreißen. Er fordert zu Geduld, Beharrlichkeit, Ausdauer und verweist auf Friedrich II., der sich mit seinem Preußen einer Koalition der übrigen Welt gegenüber gesehen habe.
    Durchhalteparolen

    1917 ist auch das Jahr, in dem sich der Thesenanschlag von Martin Luther zum 400. Mal jährt. Auf die zunächst geplanten zentralen Veranstaltungen in Wittenberg und Eisenbach (Wartburg) wird verzichtet. Die einzelnen protestantischen Landeskirchen sind aufgerufen, mit eigenen Veranstaltungen aufzuwarten. „Luther lebt“ ist eine Botschaft. Und mit Luther lebt das Kaiserreich.

    Verbunden ist das Jubiläum natürlich mit Durchhalteparolen. „Aber noch steht uns manches bevor, bis der endgültige Sieg errungen ist. Großes werden wir leisten, Schweres werden wir tragen müssen. Dazu muss jeder das Letzte an Kraft, was er in sich trägt, aus sich herausholen“, lautet die Botschaft der Wiesbadener Kirchenleitung.

    Während das Bistum 1918 auf Geburtstagswünsche an den Kaiser verzichtet (27. Januar), ist der Geburtstag dem Amtsblatt der protestantischen Kirchen immer noch etliche Zeiten wert. Doch die Hoffnung auf einen Sieg scheint zu schwinden, es gibt auch keine Durchhalteparolen mehr.

    Die Kirchenleitung in Wiesbaden verzichtet zu Beginn des fünften Kriegsjahres auf eine Ansprache an die Gemeinden und überlässt es den Geistlichen, in geeigneter Weise beim Gottesdienst des Tages zu gedenken. In seinen ersten Hirtenbrief nach der Niederlage weist Bischof Augustinus Kilian auf die zu große Übermacht hin, auf die zu schweren und zu lang andauernden Entbehrungen für das Volk, die dafür verantwortlich waren, dass die deutschen Soldaten, obwohl Sieger in hundert Schlachten, doch nicht mit dem Erfolg zurückkehrten, den das deutsche Volk gewünscht hatte.
    Aufforderung zum Teilen

    Der „unglückliche Ausgang des Krieges“ und die zurückkehrenden Soldaten stellen die Bevölkerung in der Heimat vor neue Herausforderung, dabei geht es vor allem um die Versorgung mit Lebensmitteln. Der Bischof fordert zum Teilen auf. Und er äußert in seinem Hirtenbrief die Überzeugung: „Deutschland hat auch jetzt noch große und reiche Kräfte: Bei dem bekannten Fleiße, der Tüchtigkeit und Sparsamkeit seiner Bevölkerung wird es in nicht allzu langer Zeit wieder zur vollen Kraft und zu neuer Blüte gelangen“.

    http://www.fnp.de/nachrichten/politik/Segne-die-deutsche-Kriegsmacht;art673,1005055

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