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Alfred Hugenberg – Der vergessene Führer

23. März 2013

hugenbergsauAlfred Hugenberg wurde 1865 als Sohn eines preußischen Beamten und Abgeordneten in Hannover geboren. Er studierte Jura und Volkswirtschaft. 1894 trat er in die Ansiedlungskommission in Posen ein, verließ sie aber nach fünf Jahren, da die Intensität der preußischen Germanisierungspolitik ihn nicht zufrieden stellte; seiner Wertschätzung für den Nationalitätenkampf hatte er schon 1890 durch die Gründung des chauvinistischen „Alldeutschen Verbandes“ Ausdruck verliehen. Außerdem wurde er Funktionär in verschiedenen landwirtschaftlichen Genossenschaften und Verbänden. Nach einer vorübergehenden Tätigkeit im preußischen Finanzministerium wechselte er in die Ruhrindustrie und wurde 1909 Vorsitzender des Krupp-Direktoriums. Auch hier nutzte er sein Organisationstalent, um die industriellen Interessen in Verbänden zu bündeln. Während des Ersten Weltkriegs reifte in ihm der Entschluss, seine politischen Vorstellungen, in deren Mittelpunkt der Aufstieg eines autoritären, von den Eigentümern unbeweglichen Besitzes beherrschten Deutschlands zu einer Macht globalen Zuschnitts stand, breitenwirksam zu propagieren. So entstand unter seiner Leitung ein gewaltiger Medienkonzern (Beispiele: UFA, Zeitungsimperium) den er zumindest teilweise für die Politik nutzte, auf die er außerdem seit 1920 als Abgeordneter der DNVP Einfluss nahm.

1928 wurde er zum Vorsitzenden gewählt. Unter seiner Führung suchte die Partei die Kooperation mit den Nationalsozialisten, mit denen sie sich 1931 in der „Harzburger Front“ zusammenschloss. Aber schon bald stellte sich heraus, dass die Nazis nicht bereit waren, den Führungsanspruch der DNVP anzuerkennen. Immerhin gelang es Hugenberg, als Reichs- und preußischer Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Ernährungsminister in das Kabinett einzutreten, aber seine Rolle als „Wirtschaftsdiktator“ endete schon nach einigen Monaten, da er zu selbstherrlich aufgetreten war. Hugenberg trat von allen seinen Ämtern zurück, seine Partei löste sich noch am selben Tag selbst auf. Während des Dritten Reichs war er mit der Führung seines Konzerns und dessen Verteidigung gegen die Begehrlichkeiten des Regimes beschäftigt, wobei er u. a die Enteignung der UFA nicht verhindern konnte. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er als „Entlasteter“ eingestuft, obwohl er einer von Hitlers wichtigsten Wegbereitern gewesen war. Er starb 1951.

16 Kommentare leave one →
  1. Granado permalink
    23. März 2013 20:23


    Alfred Hugenberg – Der vergessene Führer – Teil 2 (1928-1951) 311 MB

  2. 24. März 2013 12:15

    Danke Granado ……

    Einfacher wäre es, ein Redaktör würde den einzelnen 1. Teil oben löschen, DARUNTER steht nämlich die PLAYLIST mit beiden Teilen!!!!!

    Ebenfalls DANKE

    • WIEDA VERFÜCHBAR --- Alfred Hugenberg – Der vergessene Führer --- WIEDA VERFÜCHBAR permalink
      25. Dezember 2014 17:24

      Alfred Hugenberg – Der vergessene Führer

  3. Katholiken im Nationalsozialismus "Emotional gleichgeschaltet" permalink
    25. März 2013 23:15

    Katholiken im Nationalsozialismus „Emotional gleichgeschaltet“

    „Emotional gleichgeschaltet“: Bischof Nikolaus Bares, mit dem päpstlichen Nuntius Orsenigo und Bischof Augustin Pacha während einer Papstkrönungsfeier der Katholischen Aktion im Berliner Sportpalast, 1934
    (Foto: SCHERL)

    Vor 80 Jahren kapitulierte der deutsche Katholizismus: Zwar waren die christlichen Werte zu sentimental für den Männlichkeitswahn der Nationalsozialisten. Aber ihre rigide Moral kam vielen entgegen. Die Kirche bewahrte ihre Unabhängigkeit, schwieg aber meist zu Vernichtungskrieg und Völkermord.
    Von Holger Arning

    „Das müssen wir den Nationalsozialisten bestimmt zur Ehre anrechnen: ihre Opferbereitschaft bis zum Tode“, schrieb Jakob Clemens, Generalsekretär des Katholischen Jungmännerverbandes, im März 1933. Sein 400.000 Mitglieder starker Verband war immer entschieden gegen Hitler aufgetreten. Jetzt pries Clemens im Kampf gegen die Nationalsozialisten ausgerechnet deren Heroismus als Vorbild: „Diese Bereitschaft zum Heldentum, ja zum blutigen Opfergang für Christus, muss in uns Priestern selbst und in den Herzen unserer Jungmänner wieder lebendig werden.“

    Doch der große, heroische Kampf blieb aus. „Es ist leider nicht zu verneinen, dass das katholische Volk sich, abgesehen von wenigen Ausnahmen, dem neuen Regime mit Enthusiasmus zugewandt hat“, berichtete Cesare Orsenigo, Apostolischer Nuntius in Berlin, am 22. März nach Rom. Einen Tag später stimmte die Zentrumspartei dem Ermächtigungsgesetz zu, und am 28. März nahmen die deutschen Bischöfe frühere Verbote und Warnungen gegenüber dem Nationalsozialismus zurück. Der deutsche Katholizismus hatte kapituliert.

    Die Historiker haben dafür zahlreiche Gründe ausgemacht: Hitlers Zugeständnisse an die Zentrumspartei, Angst vor der Gewalt der SA, das Schreckgespenst eines kommunistischen Umsturzes und die Hoffnung, die „Bewegung“ mitgestalten zu können. Kaum in den Blick gerieten dagegen Themen wie die Sexualmoral oder Modelle von Familie und Geschlecht, obwohl diese eng mit Identitäten und Emotionen verbunden sind – und oft entscheidende Faktoren in politischen Kämpfen.

    Die Fronten verliefen dabei 1933 nicht nur zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus, sondern auch zwischen vermeintlich modernen Jugendlichen und spießigen Alten, dekadenten Intellektuellen und bornierten Ungebildeten, verweichlichten Stadt- und rückständigen Landbewohnern. Das lässt sich vor allem an Diskussionen über Sittlichkeit und Männlichkeit zeigen.

    Die deutschen Bischöfe hatten in der Zeit der Weimarer Republik vielfältige Gefahren für die Sittlichkeit gesehen und etwa die „perverse Propaganda für die Nacktkultur“, körperbetonte Moden und freizügige Kunst energisch bekämpft. In ihren Augen drohte nicht nur die Degeneration der Gemeinschaft, sondern auch der Verlust des Seelenheils. Diese rigide Moral dürfte nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, Gläubige vom Klerus zu entfremden und empfänglicher für die nationalsozialistische Propaganda zu machen.
    „Bekämpfung der ,Nacktkultur'“

    Doch in seiner oft unbestimmten Vielgestaltigkeit warb der Nationalsozialismus zugleich um konservative Katholiken. In seiner Regierungserklärung am 23. März sprach Hitler auch von Sitte und Moral: Die nationale Regierung werde „eine durchgreifende moralische Sanierung an unserem Volkskörper“ vornehmen; Theater, Film, Literatur, Presse und Rundfunk würden „als Mittel zu diesem Zwecke angesehen und demgemäß gewürdigt“. Der Völkische Beobachter titelte „Endlich energische Bekämpfung von Schmutz und Schund“ und „Bekämpfung der ,Nacktkultur'“.

    Das war für viele eine Drohung – für andere aber ein Versprechen, nicht zuletzt für führende Katholiken. Der Münsteraner Theologe Michael Schmaus stand nicht allein, als er 1933 von den Nationalsozialisten eine Verschärfung der Zensur erhoffte. Vorbehalte gegen die tolerante Elitenkultur linksintellektueller Großstädter waren gerade im ländlichen Katholizismus weit verbreitet. Opfer des Nationalsozialismus, die gegen die katholischen Sittlichkeitsvorstellungen verstießen, hatten daher wenig Hilfe von der Kirche zu erwarten.

    ——

    Unvereinbar mit „deutscher Männlichkeit“

    In ihrer Erklärung vom 28. März 1933 hielten die deutschen Bischöfe gleichwohl ausdrücklich an ihrer „Verurteilung bestimmter religiös-sittlicher Irrtümer“ des Nationalsozialismus fest. Bald kam es wegen der Religions- und Moralvorstellungen der „Neuheiden“ um Alfred Rosenberg und wegen der Zwangssterilisationen zu Konflikten. Doch Hitler hielt sich zurück. Das ließ nicht wenige Katholiken dem Irrglauben verfallen, sie könnten ausgerechnet ihn als Verbündeten gegen die „Neuheiden“ gewinnen. Später sahen sich Konservative, die auf eine neue Konjunktur traditioneller Sittlichkeit hofften, bitter getäuscht – doch da war die nationalsozialistische Herrschaft bereits gefestigt.

    Die Bedeutung des Männlichkeitskultes für den Nationalsozialismus ist unbestritten. Die von den Nationalsozialisten propagierte Männlichkeit gab ein ganzes Bündel an Mustern des Fühlens und Handelns vor: Aufrichtigkeit, Kameradschaft und Ehre, aber auch körperliche Ertüchtigung, Einordnung in die Gemeinschaft, bedingungslose Treue sowie Härte gegen sich selbst und andere. Für den Krieg waren Heldenmythen, die Sinn stifteten und Trost spendeten, unverzichtbar. Sie betrafen den Kern von Hitlers Programm.
    Selbst das Christusbild blieb nicht unberührt

    Dem politischen Gegner die Männlichkeit abzusprechen, war schon im 19. Jahrhundert eine beliebte Strategie in politischen Auseinandersetzungen. Die katholische Kirche galt ihren Gegnern als feminisiert, als unvereinbar mit „deutscher Männlichkeit“. 1933 hielten sich die Nationalsozialisten jedoch gegenüber Katholiken – anders als gegenüber Juden – mit Gender-Klischees zurück. Den Vorwurf der Homosexualität nutzten sie erst im Sommer 1934 gezielt gegen die SA-Führung und 1936/37 gegen katholische Priester und Ordensangehörige. Katholische Publizisten erhoben ihn dagegen schon deutlich früher gegen Ernst Röhm.

    Ungeachtet dessen waren die Nationalsozialisten in Sachen Männlichkeit in der Offensive. Am 25. März prahlte etwa Baldur von Schirach im Völkischen Beobachter: „Die Hitlerjugend hat einen neuen Typ geschaffen, den Jungen, der mit 12 Jahren für seine Idee sterben kann wie ein sturmerprobter Soldat der Front, den heroischen Typ.“ Dieser Kult der Härte diskreditierte das intensive (Mit-)Fühlen; christliche Werte wie andächtige Demut, duldsames Leiden und Nächstenliebe galten als „sentimental“. Die Katholiken reagierten darauf ganz unterschiedlich. Gerade das mutige Eintreten für diese Werte, allem Spott zum Trotz, wurde als „Mannesmut zur Mannesfrömmigkeit“ deklariert. Viele Katholiken betrieben außerdem eine semantische Mimikry, indem sie dem Altbewährten einfach das neue Etikett „heroisch“ aufklebten. So wurden Familienväter und sanftmütige Heilige ebenso zu Helden erklärt wie Beethoven und Wagner.

    Schwerer wog es, wenn Heilige verhärtet dargestellt wurden, oft als Vorbild für Kinder. Selbst das Christusbild blieb nicht unberührt, etwa wenn der Benediktinerpater Hugo Lang 1934 im größten Kirchenblatt des Bistums Münster verächtlich auf Zeiten zurückblickte, in denen man „aus dem Herrn einen gutherzigen, harmlosen, liebenswürdigen, naturseligen Schwärmer“ gemacht habe.

    —–

    Der neue Kult sprach die jüngere Generation an

    Der Kult der kraftvollen, militaristischen Männlichkeit sprach besonders die jüngere Generation an. Die katholischen „Jungmänner“ wendeten sich meistens deutlich gegen die Verherrlichung von Gewalt und Krieg, inszenierten sich aber gleichzeitig als „Frontsoldaten in der Armee Christi“. Auch Begriffe wie Führer und Volksgemeinschaft griffen sie begierig auf. Energisch verwahrten sie sich gegen den Vorwurf, unmännlich oder – eng damit verknüpft – national unzuverlässig zu sein. Sie betonten, dass der Jenseitsglaube vielmehr dem Tod den Schrecken nehme und sie dazu befähige, für Volk und Vaterland das Leben zu opfern, warben also mit der Sozialisationsmacht der Kirche.

    Mit Blick auf die Frage nach Macht und Widerstand war das ambivalent. Einerseits half es, die Jugendlichen in den katholischen Vereinen zu halten. Anderseits übernahmen diese viele problematische Vorgaben des militaristischen Heroismus. Bezeichnend für den Zwiespalt vieler Katholiken ist ein Rundbrief, den ein ehemaliges Mitglied des jugendbewegten „Bundes Neudeutschland“ 1939 schrieb, zehn Tage nach dem Überfall auf Polen: Mit Hitlers Politik könne „kein Deutscher und ehrlich denkender Mensch einverstanden sein“, hieß es. Doch dann folgte der Aufruf, jedes Opfer zu bringen, das „Volk und Reich“ forderten. „Reift in dieser harten Zeit zu Männern, die Soldaten werden, hart wie Stahl und gut wie ein Kind, ritterlich wie die Zeit unserer Ahnen.“

    Die katholische Kirche bewahrte im „Dritten Reich“ alternative Werte und ihre Unabhängigkeit. Die Katholiken, die ein Drittel der deutschen Bevölkerung stellten, wirkten Vernichtungskrieg und Völkermord aber nicht entscheidend entgegen. Das mag zu einem großen Teil auf Zwänge zurückzuführen sein, doch viele ließen sich auch „emotional gleichschalten“. Ihren Dissens in Teilbereichen und vermeintliche Defizite kompensierten sie, indem sie umso eifriger ihre Opferbereitschaft für Volk und Vaterland demonstrierten. Die Hoffnung auf eine Renaissance traditioneller Sittlichkeit und die Angst, nicht als deutsche Männer anerkannt zu werden, spielten dabei eine entscheidende Rolle.

    Quelle
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/katholiken-im-nationalsozialismus-emotional-gleichgeschaltet-1.1632432-1
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/katholiken-im-nationalsozialismus-emotional-gleichgeschaltet-1.1632432-2
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/katholiken-im-nationalsozialismus-emotional-gleichgeschaltet-1.1632432-3

  4. "Deutsche an die Front!" permalink
    30. März 2013 17:10

    Georg Schramm – „Deutsche an die Front!“

  5. Auerwerke Oranienburg ~ Beginn des atomarer Wettlauf permalink
    31. Mai 2013 12:20

    Auerwerke Oranienburg ~ Beginn des atomarer Wettlauf

  6. Crashkurs in Demagogie permalink
    27. September 2013 20:58

    Crashkurs in Demagogie

    Von Bohr, Felix

    Adolf Hitler begann seine Polit-Karriere als einfacher Soldat in München. Beim Militär erwarb er entscheidende Kompetenzen für seinen späteren Aufstieg.

    Was macht ein Soldat, der aus einem verlorenen Krieg kommt und vor dem Nichts steht? Der keine Ausbildung hat, keine Familie, keine Freunde. Er bleibt Soldat.

    Am 21. November 1918, zehn Tage nach dem Waffenstillstand, fand sich der Gefreite Adolf Hitler am Standort seines Regiments in München ein; hier bekam er kostenlos Verpflegung, monatlich rund 40 Reichsmark Lohn und einen beheizten Schlafplatz – was im Winter 1918/19 von großer Bedeutung war.

    Viele Jahre später behauptete Hitler, er habe schon bei Kriegsende beschlossen, Politiker zu werden. In Wahrheit wollte er Ende 1918 so lange wie möglich Soldat bleiben. Bis Hitler das alte Heer verlassen musste, vergingen noch knapp anderthalb Jahre – es ist die am wenigsten erforschte Phase im Leben des späteren Diktators.

    Seit Jahrzehnten versuchen Historiker herauszufinden, wie aus einem hageren Möchtegern-Maler ein mörderischer Tyrann werden konnte, wo der junge Hitler maßgeblich geprägt wurde. Schon in Linz, wo er als Sohn eines gewalttätigen Zollbeamten aufwuchs? In Wien, wo er als erfolgloser Künstler von 1908 bis 1913 die meiste Zeit in einem Männerwohnheim lebte? Oder während des Ersten Weltkriegs, wo er an der Westfront zerfetzte Leiber sah?

    Der Salzburger Historiker Othmar Plöckinger setzt einen deutlich anderen Akzent. „Die entscheidende Weichenstellung in Hitlers Leben“, urteilt der Wissenschaftler, „war seine Zeit im militärischen Umfeld Münchens von 1918 bis 1920.“ Hier zementierte Hitler, so Plöckingers Befund, sein antisemitisches Weltbild. Hier wurde er zum Antibolschewisten. Hier machte er Erfahrungen, „die er später bei seiner Karriere als Propagandist und Parteiführer der NSDAP zu nutzen wusste“.

    Othmar Plöckinger hat für seine Sicht auf Hitler eine Vielzahl guter Argumente zusammengetragen(*). Als Mitglied einer Untersuchungskommission seines Regiments lernte der Gefreite, politische Gegner zu bekämpfen. Er besuchte antibolschewistische Aufklärungskurse, in denen rechte Dozenten, die auf ein Ende der Demokratie in Deutschland hofften, ihn propagandistisch schulten. Und er bekam im Auftrag des Heeres Gelegenheit, sich als Redner vor einem größeren Publikum zu profilieren. Kurzum: Hitler, der die Realschule im Alter von 16 Jahren verlassen hatte, erwarb in einer Art Crashkurs „Schlüsselkompetenzen zur Steuerung einer Bewegung“, wie Historiker Plöckinger herausgefunden hat.

    Die politische Karriere des Soldaten Hitler begann im Frühjahr 1919, als in München die Lage eskalierte. Am 7. April riefen radikale Sozialisten die Bayerische Räterepublik aus und begannen mit der Aufstellung einer „Roten Armee“ nach russischem Vorbild. Die meisten Soldaten an Hitlers Seite weigerten sich, den revolutionären Truppen beizutreten. Der österreichische Gefreite wurde zwar zu

    einem der Soldatenräte seines Regiments gewählt. Er blieb aber, so Plöckinger, entschiedener Gegner der Räterepublik.

    Anfang Mai 1919 besetzten Reichstruppen und rechte Freikorps nach blutigen Kämpfen die bayerische Landeshauptstadt. Hunderte Sympathisanten der Räterepublik wurden willkürlich ermordet, die Verfolgungswelle erfasste ganz München.

    Revolutionsgegner Hitler bekam nun den Posten eines Untersuchungskommissars in seinem Regiment. Als ehemaliger Vertrauensmann kannte er das Bataillon gut. Er half, Namenslisten zu erstellen, und ermittelte gegen jene Kameraden, die angeblich mit der Roten Armee paktiert hatten.

    Oft waren es Vermutungen und Gerüchte, die zu einer Anklage führten. So verdächtigte das Tribunal Hitlers gleichaltrigen Offiziersstellvertreter August Klumpf der „Förderung regierungsfeindlicher Handlungen“. In Wahrheit aber hatte Klumpf die Räteregierung abgelehnt. Er wurde später rehabilitiert.

    Plöckinger zeichnet nach, wie Hitler als Kommissar erstmals ein Machtinstrument kennenlernte, das er später gezielt zur Ausschaltung seiner Gegner anwendete: die politische Säuberung. So gelang es ihm, absolute Eigenmacht zu erlangen, zunächst innerhalb seiner Deutschen Arbeiterpartei (DAP), des Vorläufers der späteren NSDAP. Aus der Splitterpartei, die Hitler zu regionaler Bedeutung führte, verdrängte er nach und nach all jene politischen Weggefährten, die gegen ihn aufzubegehren wagten.

    Weil Kommissar Hitler als politisch zuverlässig galt, schickte ihn sein Regiment im Juli 1919 zu einer antibolschewistischen Schulung der „Aufklärungs- und Propagandaabteilung“ des bayerischen Reichswehrkommandos. Leiter der Abteilung war der Antisemit Karl Mayr. Die Vorträge, die Hitler dort hörte, trugen harmlose Titel wie „Bildung und Politik“ oder „Entwicklung des deutschen Wirtschaftslebens seit 1871“. Doch die Referenten waren republikfeindliche Antibolschewisten und Judenhasser.

    Nach außen hin legte die militärische Führung Wert darauf, als politisch neutral zu gelten. In Wahrheit förderte sie innerhalb der eigenen Reihen republikfeindliches Gedankengut. Im August 1919 kam Hitler als einer von 26 „Propagandisten“ in einem mobilen „Aufklärungskommando“ der Reichswehr zum Einsatz. Er knüpfte zahlreiche Kontakte und Beziehungen, die später dazu beitrugen, wie er in „Mein Kampf“ schrieb, „den Grundstock der neuen Bewegung zu bilden“.

    Im Durchgangslager Lechfeld hielt der inzwischen offen rechtsradikale Propagandist Vorträge vor „bolschewistisch und spartakistisch verseuchten“ Kameraden, die aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen waren. Rund 150 Mann lauschten Hitlers Ausführungen zu „Friedensbedingungen und Wiederaufbau“ oder über den Kapitalismus, in denen er auch die „Judenfrage“ behandelte. In München verteilte er Flugblätter der Propagandaabteilung unter den Soldaten.

    Daneben verfasste er politische Pamphlete, etwa zur „Ansiedlungsfrage“, sowie einen Brief, in dem er gegen das Judentum hetzt: Dies sei „unbedingt Rasse und nicht Religionsgenossenschaft“, schrieb Hitler. Er forderte einen Antisemitismus, der „zur planmäßigen gesetzlichen Bekämpfung und Beseitigung der Vorrechte des Juden“ führen müsse.

    Historiker Plöckinger schließt aus solchen Quellen, dass Hitlers Entwicklung zum rassistischen Fanatiker im Herbst 1919 abgeschlossen war: Aus latentem Antisemitismus war radikaler Judenhass geworden.

    Anfang September schickten seine Vorgesetzten Hitler in die DAP – als Handlanger des Militärs, so Plöckinger. Für Hitler hatte das den angenehmen Effekt, dass er noch länger Soldat bleiben konnte, weiterhin Lohn, Verpflegung und Unterkunft bekam. So ermöglichte ihm das Heer seinen Einstieg in die Politik.

    Wenig später berichteten erstmals auch Journalisten über den aufstrebenden Propagandisten: Am 22. Februar 1920 schrieb die „Donau-Zeitung“, Hitler habe bei einer „in einfachem Rahmen gehaltenen Familienunterhaltung“ der Einwohnerwehr Passau einen „mit stürmischem Beifall aufgenommenen vaterländischen Vortrag“ gehalten.

    Für das Heer musste der spätere Diktator in diesen Monaten offenbar nur noch Hilfsarbeiten übernehmen, etwa als Bibliothekar. Ein „Tagesbefehl“ des Schützenregiments 41 forderte die Soldaten auf, doch bitte „Lesestoff“ auszuleihen: bei „Gefr. Hitler, Zimmer 564, III. Stock“.
    (*) Othmar Plöckinger: „Unter Soldaten und Agitatoren. Hitlers prägende Jahre im deutschen Militär 1918 - 1920“. Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn; 376 Seiten; 39,90 Euro.

    wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=91056743&aref=image053/2013/02/16/CO-SP-2013-008-0044-0045.PDF&thumb=false

  7. 24. Dezember 2013 10:12

    Der Mann der Hitler blamierte: Hans Litten

    „Er trat den Nazis schon früh entgegen, meist vor Gericht: Hans Litten war Rechtsanwalt und vertrat vor allem SozialistInnen und KommunistInnen. Auch Opfer des berüchtigten SA-Sturmes 33 zählten zu seinen Mandanten. Er war den Nazis ein Dorn im Auge und vor allem: er wurde zu Hitlers persönlichem Feind. Denn Hans Litten hatte Hitler vor allen Augen bloßgestellt — als er ihn 1931 in den Zeugenstand berief und in die Enge trieb. Als Hitler an die Macht kam, wurde Litten sofort festgenommen. 5 Jahre lang versuchte seine Mutter ihren Sohn freizubekommen. Vergeblich. Irmgard Litten schrieb ihren jahrelangen Kampf später nieder, und daraus ist nun ein Hörbuch entstanden. Dort zu hören ist ihre Enkelin Patricia Litten. Sie ist Schauspielerin, war lange am Nürnberger Schauspielhaus und ist die Sprecherin des Hörbuchs mit dem Titel „Trotz der Tränen: Hans Litten“. Heike Demmel sprach mit Patricia Litten über das Schicksal ihrer Familie.“ (Text, Quelle & MP3: http://www.freie-radios.net/57887 )

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Litten

  8. Ruhrarbeiter im Widerstand permalink
    3. Juni 2014 00:08

    Ruhrarbeiter im Widerstand

    Der vierte Teil der Reihe „Nationalsozialismus im Alltag“ fasst in Ausschnitten der ersten drei Filme den politisch zwar erfolglosen, aber moralisch wichtigen Widerstand der Ruhrarbeiter gegen den NS-Terrorstaat zusammen.

  9. Brutalitat in Stein permalink
    3. Juni 2014 22:32

  10. Hitler und Mussolini --- Brüder im Geiste permalink
    25. Dezember 2014 17:15

    Hitler und Mussolini — Brüder im Geiste

    Benito Mussolini war für Adolf Hitler ein strahlendes Vorbild. Und nicht nur für ihn: Auch viele national gesinnte Intellektuelle begeisterten sich hierzulande früh für den italienischen Faschistenführer. von Volker Weiß

    http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/03/brueder-im-geiste-mussolini-hitler

  11. Die Ideen von 1914 & ihre aktuelle Attraktivität - Ein Vortrag von Dr. Weiß permalink
    30. Oktober 2015 11:08

    Die Ideen von 1914 & ihre aktuelle Attraktivität – Ein Vortrag von Dr. Weiß

    „Wie kaum ein anderer stand der deutsche Kulturkritiker Arthur Moeller van den Bruck (1876–1925) für eine „alternative Moderne von rechts“, die sich jenseits einer liberal-fortschrittlichen Demokratisierung entwickelte.

    Dr. Volker Weiß (Hamburg) widmet sich dem Leben und Werk dieses Schriftstellers zwischen Wilhelminischem Reich und Weimarer Republik, der Autoren wie Oswald Spengler, Hans Grimm und Carl Schmitt beeinflusste und bereits früh an der Legende um die „Idee von 1914“ mitwirkte. Diese „Idee“ sollte als Gegenentwurf zur „Idee von 1789″ den historischen Auftrag der Deutschen im Ersten Weltkrieg umreißen, eine Konstruktion, die noch bis in den Nationalsozialismus fortwirkte.

    Heute wird das Werk Moeller van den Brucks vor allem in der intellektuellen Rechten gepflegt, finden sich darin doch wichtige Bausteine, die gerade in jüngster Zeit bei den strategischen Köpfen der extremen Rechten wieder en vogue sind. Sie reichen von einem drastischen Antiliberalismus bis zur Forderung nach einer Abkehr vom Westen und einem Bündnis mit Russland – und auch die „Idee von 1914″ erfreute sich wieder großer Beliebtheit, wie die rechten Revisionsversuche der Weltkriegsgeschichte zeigen.

    Der Referent ist Historiker und Literaturwissenschaftler und publizierte 2012 eine umfassende Monographie zu Arthur Moeller van den Bruck. Er ist zudem Autor von „Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin“ (2011) sowie, als Herausgeber, zusammen mit Claudia Globisch und Agnieszka Pufelska: „Die Dynamik der europäischen Rechten. Geschichte, Kontinuitäten und Wandel“ (2010). Er schreibt regelmäßig für „Die Zeit“ und „Jungle World“.“ (Text: http://emafrie.de/die-ideen-von-1914-… | Quelle & MP3: http://emafrie.de/audio-die-ideen-von…)

    • Wieda verfüchbar +++ Die Ideen von 1914 & ihre aktuelle Attraktivität - Ein Vortrag von Dr. Weiß permalink
      22. Juni 2017 18:09

      Die Ideen von 1914 & ihre aktuelle Attraktivität – Ein Vortrag von Dr. Weiß

  12. Innenansichten der neuen Rechten permalink
    13. März 2016 21:19

    Innenansichten der neuen Rechten

    Sie organisieren Demos vor Flüchtlingsheimen. Sie stehen bereit, den Kampf gegen Ausländer und Flüchtlinge auch auf der Straße zu führen. ‚Ein Licht für Deutschland‘ ist die Kadereinheit, die seit Monaten die Anti-Asyl-Kampagne des rechten Protestes anführt. Die Bewegung ist neu und gefährlich. Die Mitglieder kommen aus dem unmittelbaren NSU-Umfeld. Mit dabei ist Maik Eminger. Sein Bruder ist neben Beate Zschäpe einer der Angeklagten im Münchner NSU-Prozess. Zum ersten Mal ist es gelungen, Kontakt zum sogenannten ‚III. Weg‘ herzustellen. Die Parteiführung von ‚Der III. Weg‘ ist jetzt erstmals bereit, ein Kamerateam in den Parteistrukturen filmen zu lassen: ZDFinfo dokumentiert sowohl die politische Radikalität als auch die ganz privaten Angebote. Wanderungen, Demonstrationen, Parteitage und die internationale Vernetzung mit gewaltbereiten Organisationen. Das Ergebnis: ‚Sie sehen sich als rechtsextreme Elite, sie wollen eine Speerspitze sein‘. Der ‚III. Weg‘ hat sich selbst als eine ‚wahlpolitische Alternative‘ vorgestellt, die sich besonders ‚auch auf der Straße‘ betätigen möchte. Sie tritt mit einem ‚Zehn-Punkte-Programm‘ an, in dem in offener Anlehnung an das ’25-Punkte-Programm‘ der NSDAP unter anderem ‚die Schaffung eines Deutschen Sozialismus‘ und ‚die Erhaltung der biologischen Substanz des Volkes‘ gefordert wurde. Im Unterschied zur NPD setzt der ‚III. Weg‘ auf das Kaderprinzip. Nicht die Masse macht es, sondern die Entschlossenheit. In den Reihen der Gruppe sind Rechtsterroristen wie Martin Wiese, der das jüdische Münchner Kulturzentrum sprengen wollte, und Personen aus dem unmittelbaren NSU-Umfeld wie Maik Eminger. Eminger ist auch federführend bei der rechtsextremen Kampagne ‚Ein Licht für Deutschland‘, die sich seit Monaten bundesweit an Anti-Asyl-Protesten beteiligt. Darüber hinaus sind auch zahlreiche ehemalige Ex-Funktionäre der NPD dabei, denen die NPD zu lasch war. Ein Beispiel: der ‚Blood & Honour‘-Organisator Matthias Fischer, der zeitgleich als Kopf der inzwischen verbotenen militanten ‚Fränkischen Aktionsfront‘ fungierte. Mit Fischer ist bereits ein Exklusiv-Interview gelungen. Am Beispiel Fischers zeigt sich auch die Wirkungslosigkeit von Parteiverboten. Weil die Behörden das rechtsextreme Netzwerk ‚Freies Netz Süd‘ verboten haben, haben sich die Neonazis neue Strukturen geschaffen. Sie sind weiter aktiv – ebenfalls unter dem Deckmantel ‚III. Weg‘. Der bayerische Verfassungsschutz beobachtet die neue Organisation, Innenminister Joachim Herrmann ist alarmiert. Als Partei genießt ‚Der Dritte Weg‘ jedoch besonderen Schutz. (Senderinfo)

    VIDEO 45 MIN
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/2691434/Innenansichten-der-neuen-Rechten

  13. Wieda verfüchbar +++ Alfred Hugenberg ~ Der vergessene Führer +++ Wieda verfüchbar permalink
    13. März 2016 21:28

    Alfred Hugenberg ~ Der vergessene Führer

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