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Warum der Gefangene Werner Braeuner gar nicht rauswill

29. Januar 2013

wernerbriefeUngewöhnliche Post kommt aus der JVA Sehnde: Der gefangene Arbeitsverweigerer Werner Braeuner will seine am 5.2. anstehende Haftentlassung mit der Androhung von Sachbeschädigungen verhindern und widerruft seine im Prozess gemachten Aussagen wegen Folterandrohung. Die Einzelheiten und Gründe legt er im Folgenden dar. [T]

Öffentliche Info aus der JVA Sehnde

1) Ablehnung einer Rückkehr in die Freiheit (im Februar 2013)

2) Folterandrohung zur Erzwingung gerichtlicher Falschaussage anno 2001

zu 1) Für den Fall von Haftentlassung wider seinen Willen kündigt der Unterzeichner SACHBESCHÄDIGUNGEN AN GEBÄUDEN VON JOBCENTER/ARBEITSAGENTUR an, um neuerliche Inhaftierung zu erzwingen. Er erklärt:

In entschlossenem politischem Widerstand gegen den Terror von Zwangsmaßnahmen des Arbeitsamts habe ich im Februar 2001 einen Arbeitsamtsdirektor getötet und wurde zu Haft bis zum 5.2.2013 verurteilt. Nach diesem Datum zurück in der Freiheit werde ich erneut Zwangsmaßnahmen unterliegen: SITZ STILL, HALTS MAUL UND FRISS — monatelanges Herumlungern in Weiterbildungen, enervierende wochenlange Bewerbungstrainings, Zwangsarbeit bzw. Ein-Euro-Jobs — ODER ENTZUG DES SOZIALTRANSFERS UND OBDACHLOSIGKEIT! Aus Gesundheitsschutzgründen werde ich Zwangsmaßnahmen verweigern und sodann mittel- und obdachlos sein, dem ich allein durch neuerliche Inhaftierung entgehen kann.

Siehe hierzu auch meine Erklärung aus dem Jahr 2007, im Netz unter fda-ifa.org/…/dokumentation-werner-braeuner-zur-frage-einer-ruckkehr-in-die-freiheit, sowie auch unter https://syndikalismus.wordpress.com/2009/07/05/dokumentation-werner-braeu….

Anfang Oktober 2012 hat der Unterzeichner das Landesjustizministerium in Hannover nach der Möglichkeit gefragt, über das Strafende hinaus in Haft zu bleiben, und hat seine Anfrage begründet wie hier oben. Das Ministerium hat den Erhalt der Anfrage bestätigt, sich bisher allerdings nicht zur Sache geäußert.*

zu 2) In Zurückweisung der Pathologisierung von politischem Widerstand und insbesondere von Widerstand gegen den Terror von Zwangsmaßnahmen der Arbeits- und Sozialbehörden sowie in Protest gegen die mit solcher Pathologisierung einhergegangene öffentliche Diffamierung meiner Person als gewaltgeneigt, unbeherrscht und mithin gestört, erhebe ich gegen Staatsanwaltschaft und Landgericht in Verden/Aller den Vorwurf, mich im Jahr 2001 mittels Androhung von Vernichtungsfolter zu FALSCHAUSSAGE im gerichtlichen Verfahren erpresst zu haben mit der Absicht, das Multimilliarden-Drecksgeschäft der Arbeitslosenindustrie gegen öffentliche Kritik zu schützen.

Inhalt der Drohung war, mich gemäß Paragraph 63 StGB zu psychiatrisieren, falls ich meine Tat, wie von mir beabsichtigt, wahrheitsgemäß als geplante politische Widerstandshandlung bzw. als geplante vorsätzliche Tötung bekennen sollte. In der Psychiatrie müsse ich mit totaler Isolierung rechnen — keine Telefonate, Briefe, Besuche — sowie mit ZWANGSMEDIKATION, welche meine Persönlichkeit zerrütten und mich zu einem pharmakaabhängigen Wrack machen würde, so wurde mir vonseiten von Staatsanwaltschaft und Gericht zur Kenntnis gegeben.

Wolle ich dem entgehen, solle ich meine Tat als nicht geplant darstellen und fälschlich angeben, den Arbeitsamtsdirektor allein mit der Absicht aufgesucht zu haben, diesen zu bitten, eine wegen Abbruchs einer Weiterbildung gegen mich verhängte Streichung/Sperre des Sozialtransfers zurückzunehmen. Meine Bitte sei barsch abgewiesen und ich physisch weggestoßen worden, woraufhin ich in unbeherrschte Wut geraten sein und erst dann den Vorsatz gefasst haben würde, den Amtsdirektor zu töten.

In Wahrheit hat es vor meinem Angriff auf den Direktor keinerlei Gespräch oder Wortwechsel gegeben, geschweige denn, dass ich um irgendetwas gebeten hätte; vielmehr habe ich die Zielperson mit dem festen Vorsatz aufgesucht, diese zu töten. Dies letztere sollte die Öffentlichkeit nicht erfahren, weil es von entschlossenem politischem Widerstand kündet — es hätten sich dann kritische Fragen nach der Arbeitslosenindustrie ergeben!

Aus juristischer Sicht kommt Androhung von Folter Folterung gleich. Wird Widerstand gegen den von Arbeitslosenindustrie und Behörden im Verein verübten Terror  der Zwangsmaßnahmen mittels Folterung unsichtbar zu machen versucht, beweist dies nur Legitimität und Rationalität dieses Widerstands — die Herrschenden wissen sich auf sehr dünnem politischem Eis. Staatsanwaltschaft und Justiz können Menschen eine Falschaussage und mit dieser gleichsam eine falsche Haut aufzwingen, die Haut darunter zerstören können sie nicht. Siehe hierzu auch „Intervention und Kommentar von Werner Braeuner“, im Netz unter www.steinbergrecherche.com/20101001WernerBraeunerIntervention.pdf

Der Widerstand von 2001 geht weiter.

Werner Braeuner

*) P.S.: Vorliegende Info wurde am 7.1.2013 von W.B. zum Versand auf die Poststelle der JVA Sehnde gegeben. Am 6.12. [6.1.? — Tippse] ging beim Unterzeichner die Mitteilung des Landesjustizministeriums ein, Verlängerung der Haft über das Strafende hinaus sei nicht möglich.

Ein Scan der Originalnachricht findet sich unter http://www.steinbergrecherche.com/alg2.htm#Ablehnung — Ihr müsst Euch dazu allerdings auf den Kopf stellen. [Tippse]

Quelle: Linksunten Indymedia

10 Kommentare leave one →
  1. ulla permalink
    29. Januar 2013 09:48

    tja, draussen droht wirklich arbeits-und obdachlosigkeit (wie für viele andere)- da muss Mensch sich schon mit anderen Mitteln zu Wehr setzen — dann lieber drinbleiben, hat in der aufgezwungenen Infrastruktur seinen raum, leute und solidarität gefunden – also mal ehrlich: was soll das? wenn er sagen will, daß er „unter androhung von folter“ bestimmte aussagen gemacht hat, dann kann er dies „draussen“ sogar noch besser, weil weniger gefährdet, machen oder was .. ?

    • Adporno permalink
      31. Januar 2013 11:17

      Ich habe den verdacht, dass ihm der eine Knast lieber ist, als der andere. Wenn man bedenkt, dass man im einen Knast ein ständiges Dach über dem Kopf hat und Nahrung bekommt, dann kann man schon verstehen, wie jemand das nicht gegen die unsichere Sitaution im anderen Knast eintauschen will.

      Es wäre super, wenn die libertäre Bewegung sich an das Schaffen von Auswegen begeben würde. Wie wäre es zum Beispiel, wenn man statt beidem, Arbeitshetze u n d Arbeitsamt, einfach in eine freiheitliche Struktur eintreten kann, die auf gegenseitiger Hilfe basiert und die einem hilft ein Leben jenseits dieser beiden Möglichkeiten des Gelderwerbs zu fristen? Vielleicht ein Netzwerk von selbständigen Handwerkern (oder anderen selbstorganisierten Betrieben, Kollektiven usw) die ihre Stellen in einer Arbeitsbörse vermitteln, sodass man als Arbeitsloser gar nicht auf das Arbeitsamt zurückgreifen muss… Vielleicht sogar mit einem Topf für Gelder, für die Überbrückung bis zum gefundenen, „passenden“ Job.

      Aber leider liegt das in weiter Ferne. Diese Einschätzung würde auch jeder Polithippie unterschreiben, nur im Grund dafür trennen sich unsere Ansichten:
      Die meisten Szenelinken würde behaupten es Läge an „unserer“ allgemeinen Fähigkeit, die überstiegen würde, wenn man sowas in Angriff nimmt. („Sowas wäre toll! Aber das können wir jetzt noch nicht wuppen!“)
      In Wahrheit aber liegt es an dem ganzen Schwachsinn, mit dem sich sogenannte Anarchisten heutzutage beschäftigen und der sie alle von allgemein nützlichen und perspektivischen Aktivitäten fernhält.
      Erschwerend kommt die „Larifarihaltung“ der meisten „Politaktivisten“ hinzu – die in den freiheitlichen Kreisen herrschende Disziplinlosigkeit ist der Wahnsinn – eine entlarvende Tatsache.
      Beispiele lassen sich in „Selbstverständnissen“ nachlesen: In Wahrheit heißt „Wir sind ein Zusammenhang von Menschen, die auch noch in anderen Zusammenhängen organisiert sind“ :
      „Wir sind ein disziplinloser Haufen und jeder Einzelne hält für die Vermeidung von Anstrengung seine Ausreden parat.“

      Tja, dann gehen die Leute eben lieber in den Knast – schön ist sowas. An seiner Stelle würde ich mich auch nicht an die „Vegane Tier_Innenbefreiunsgfront“ gewendet haben…

      • Wupp mal wieder permalink
        1. Februar 2013 12:17

        Du Oberwupperich,
        was soll Dein Geschwurbel bringen?
        Außer dass Du mal wieder
        bekunden willst, dass Du der
        Superdurchblicker bist.
        Deine Lieblingsausrede
        lautet doch lediglich:
        Die anderen sind alle zu doof,
        Dich zu bewundern.

      • Adporno permalink
        2. Februar 2013 22:11

        Das geht wenigstens über deinen Johannes 8,7 hinaus.
        Aber du hast schon Recht: oppositionelles Denken / Kritik ist eine schlimme Sache – vielleicht ändert die irgendwann mal was und dann ensteht wirklich mal eine Bewegung. Man stelle sich vor, Anarchismus würde dann anarchistisch sein – was sollen dann die ganzen Gurus und Labertaschen der „Bewegung“ machen? Scheiße – und die ganzen Szenehippies, wer erträgt die denn dann?
        Oje – nein, wir machen das so wie bisher einfach weiter – radikales und ganz militantes Händchenhalten mit Unterstrich im Plena irgendeines „Zentrums“ – dann kommt die Revoution von allein.
        Ein bischen Tierrecht dazu und die Geschlechter der Pottwale diskutieren (Was macht man eigentlich bei Jungerfngeckos mit der Definitionsmacht?) und schwupps die wupps sind alle froh – bis an ihr Lebensende mit einer Aufgabe versehn und glücklich im Szenesumpf eingenischt.

        Schlaf mal gut weiter…

      • 3. Februar 2013 18:43

        Es spricht weniger gegen Adporno, sondern bezeugt das arme Niveau und den desaströsen Zustand der Anarchisten, wenn Adporno bei ihnen ohne großen Anspruch (!) genau die wunden Punkte trifft, wie mit diesem schönen Satz:
        In Wahrheit heißt “Wir sind ein Zusammenhang von Menschen, die auch noch in anderen Zusammenhängen organisiert sind” :
        “Wir sind ein disziplinloser Haufen und jeder Einzelne hält für die Vermeidung von Anstrengung seine Ausreden parat.”
        So ist es in der A-Szene – perfekt!

  2. KiekeMaFilm Berlin --- ARMGESPEIST - 20 Jahre Tafeln sind genug!!! Berlin am 26.04.2013 permalink
    28. April 2013 15:29

    KiekeMaFilm Berlin — ARMGESPEIST – 20 Jahre Tafeln sind genug!!! Berlin am 26.04.2013

    taz: Herr Grottian, das „Kritische Aktionsbündnis 20 Jahre Tafeln“ macht gegen die Armenspeisungen mobil. Was genau ist falsch daran, hungrigen Menschen Essen anzubieten?

    Peter Grottian: Daran ist nichts falsch. Unsere Kritik ist eine Gesellschaftskritik. Wir fragen, warum die Tafeln blühen, aber der Sozialstaat sich tot stellt.

    Sie wollen die Tafeln für gescheiterte Sozialpolitik verantwortlich machen?

    Das Scheitern ist bei der Politik zu suchen, die die Menschen, die Hartz IV brauchen, nicht ausreichend versorgt — das ist ja der Grund, warum die Tafeln zugenommen haben. Gleichzeitig werden diejenigen, die sich engagieren, von der Politik instrumentalisiert.

    Und jetzt kritisieren Sie diejenigen, die auf einen Missstand reagieren?

    Wir kritisieren nicht die 500.000 Menschen, die sich engagieren, sondern eine Gesellschaft, die es zulässt, dass es überhaupt zu dieser Form der Armenspeisung kommt.

    Auf der Homepage heißt es aber, dass Tafeln die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben.

    Die Entlastung des Sozialstaats führt dazu, dass diese Form der Armenspeisung zum gesellschaftlichen Prinzip wird. Das kann man am Beispiel von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gut erklären: Einerseits ist sie lächelnde Vollstreckerin von schäbiger Hartz-IV-Disziplinierung und gleichzeitig schwingt sie die Suppenkelle in den Tafeln, um sich zu inszenieren.

    Sie wollen also die Tafeln abschaffen, damit die Politik wieder verantwortlich handelt?

    Es geht darum, eine Grundsicherung zu institutionalisieren, die Tafeln weitgehend überflüssig macht. Wie können die politisch Verantwortlichen angesichts von 1,5 Millionen Menschen, die auf Tafeln angewiesen sind, ernsthaft sagen, dass sich am Sozialstaat nichts ändern muss? Das Verhältnis von Sozialstaat zu Armut ist völlig verdreht. Die Vertafelung der Gesellschaft ist eine weitere Form von Demütigung.

    Glauben Sie, dass Menschen, die auf die Tafeln angewiesen sind, diese Ansicht teilen?

    Fragen Sie die Menschen, ob sie weiter zur Tafeln gehen wollen oder ob sie lieber bessere Eckregelsätze hätten, mit denen sie selbst entscheiden können, was sie essen wollen.

    Was muss sich konkret ändern?

    Es müsste zunächst eine menschenrechtsgemäße Grundsicherung geben, eine Summe von 1.000 Euro wäre da angemessen und auch finanzierbar. Anderseits geht es auch um selbstermächtigende Arbeitsplätze.

    Was bedeutet das?

    Es geht um die Frage, was kann und will eine Mensch in einer Gesellschaft leisten. Es ist ja Arbeit zu Hauf da, die getan werden muss, aber für die es angeblich keine Gelder gibt.

    Zum Beispiel …

    … im ganzen Non-Profit-Sektor.

    Wie soll das finanziert werden?

    Ein gesellschaftlich sinnvoller Arbeitsplatz, der vielleicht 10.000 bis 15.000 Euro im Jahr kostet, ist möglicherweise sinnvoller als Hartz IV. Wenn man sich dieser Debatte ernsthaft stellt, dann kommt man zu dem Schluss, dass eine geringere Zahl an Tafeln angesagt ist.

  3. HARTZ IV - WIE DER TOTALERPRESSUNG WIDERSTEHEN? MIT RALPH BOES 26.05.2013 permalink
    31. Mai 2013 13:43

    26.05.2013 HARTZ IV – WIE DER TOTALERPRESSUNG WIDERSTEHEN? MIT RALPH BOES

    Ralph Boes: „Hartz IV ist ein Erpressungssystem. Es ging nie darum, den Menschen zu helfen, wieder in Arbeit zu kommen, sondern darum, den „Niedriglohnsektor“ zu öffnen, die Menschen zu „erziehen“, Arbeitsstellen unter allen Umständen anzunehmen.
    Das Mittel der Erpressung: Die Auslöschung der Existenzgrundlage. 12 Millionen Menschen sind davon betroffen. Wie kann man dem im Ansatz widerstehen?“
    http://grundeinkommen-bedingungslos.blogspot.de/

    • Raimond permalink
      1. Juni 2013 13:19

      Er schweift gerne ab und so, aber wie er das Thema visualisert erklärt ist erstklassig.

  4. Jan Richardt aus Norden permalink
    17. Oktober 2013 19:17

    Mit Werner Braeuner habe ich 2003 in Meppen gesessen und ich kann nur sagen das er ein sehr ehrlicher intelligenter mensch ist mit dem ich oft Tee mit kardemon getrunken habe und mir öfters eine Dose Tunfisch geliehen habe hehe hoffentlich geht’s Werner soweit gut!!!!!!!

  5. Dude Karl erklärt Jobcentern den Krieg permalink
    15. Januar 2015 01:00

    Dude Karl erklärt Jobcentern den Krieg

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