Zum Inhalt springen

Gewerkschaft beendet Streik bei Neupack

24. Januar 2013
IGBCE_Zukunftsgewerkschaft

Beim Streiken ein Flop – in der Selbstironie Top! Die IG BCE.

Seit fast zwölf Wochen streiken rund 100 Beschäftigte der Firma Neupack für einen Haustarifvertrag. Bislang ohne Erfolg. Donnerstagfrüh schickt die Industriegewerkschaft Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) ihre Mitglieder wieder an die Arbeitsplätze zurück, wie NDR 90,3 am Mittwoch berichtete.

Gewerkschaft setzt auf Vermittlung

Jan Eulen, IG BCE-Bezirksleiter in Hamburg sagte: „Wir müssen unsere Arbeitskampfstrategie auf den Prüfstand stellen. Aber wir beenden den Arbeitskampf nicht, sondern wir suchen nach neuen Wegen den Kampf fortzusetzen. Wir gehen wieder rein, weil wir deutlich machen wollen, dass wir nach einer Chance zu einer Vermittlung suchen.“ Die Gewerkschaft wolle die Gräben nicht weiter vertiefen und setzte auf Vermittlung statt Eskalation.

Eigentümer wollen Streik verbieten lassen

Aber diese Gesprächsangebote interessieren die Eigentümerfamilie Krüger offenbar nicht. Sie greift weiter an und versucht den Streik am kommenden Freitag vor dem Arbeitsgericht in Verden ganz verbieten zu lassen. Ihr Vorwurf lautet: Die Gewerkschaft habe ihre Mitglieder nicht im Griff. Streikende sollen arbeitende Kollegen – darunter auch angeheuerte polnische Arbeiter – angegriffen haben. Bis auf eine Ausnahme seien das falsche Behauptungen, sagte Gewerkschafter Eulen. Für ihn ist es der Versuch das Streikrecht zu kriminalisieren und auszuhebeln.

Ringen um Tarifvertrag

Seit dem 1. November 2012 befindet sich ein Großteil der rund 230 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft von Neupack in der Hamburger Hauptniederlassung und dem Zweitwerk in Rotenburg (Wümme) im Ausstand. Die Beschäftigten fordern Mindestlöhne und einheitliche Regelungen für Urlaub und Zuschläge. Doch die Unternehmensführung lehnt einen Tarifvertrag ab. Sie will eine betriebsinterne Regelung finden und nicht mit der Gewerkschaft verhandeln. Das wäre bei einem Haustarifvertrag künftig der Fall.

Quelle: NDR

11 Kommentare leave one →
  1. Folkert permalink
    25. Januar 2013 09:15

    ALLE – fasz alle – WIEDER AN BORD … FACKELZUG ZUR ARBEIT …

    Heutiger Bericht aus dem Hamburger Abendblatt:

    Hamburg. Begleitet von mehreren Hundert Unterstützern, die Fackeln in ihren Händen trugen, sind am Donnerstag um sechs Uhr die mehr als 110 Streikenden des Hamburger Verpackungsherstellers Neupack wieder an ihre Arbeitsplätze in Hamburg und Rotenburg zurückgekehrt. Die Solidaritätsaktion war von Uwe Grund, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hamburg, organisiert worden. Die Gewerkschaft IG BCE hatte den Streik nach 85 Tagen auch „als Zeichen der Stärke“ ausgesetzt. „Das ist eine Zäsur im Arbeitskampf. Sie soll ermöglichen, dass ein Vermittler unbelastet ans Werk gehen kann und Neupack in ernsthafte Gespräche eintritt“, sagte Jan Eulen, Bezirkschef der Gewerkschaft in Hamburg.

    Streikende und Streikbrecher arbeiten nun wieder zusammen. „In Kooperation mit der Gewerkschaft IG BCE haben wir die restlichen Beschäftigten in kleinen Gruppen ins Werk geführt und ihnen Schichten zugeteilt“, so Neupack-Geschäftsführer Lars Krüger. Zuvor hat das Unternehmen den Rückkehrern einen Willkommensbrief ausgehändigt.

    Zwar verlief der Auftakt friedlich, doch Neupack kam laut Eulen seiner Pflicht auf Beschäftigung nicht nach und schickte 33 von ihnen wieder vor die Tür. „Diese Mitarbeiter müssen noch in andere Schichten eingeteilt werden“, sagte Krüger. Die Gewerkschaft will die rechtliche Zulässigkeit dieser Maßnahme überprüfen. Außerdem gab es laut Eulen ohne Anhörung des Betriebsrats Zwangsversetzungen.

    Im Verlauf des Morgens hat die Firma dem Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Rajko Pientka, Hausverbot erteilt. Er soll im Pausenraum eine Streikzeitung verteilt und versucht haben, mit nicht streikenden Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen.

    HA, 25.1.2013

    —-

    Und hier nochmal der HA-Artikel von gestern, 24.1.2013 (steht schon im Däubler-Fred)

    »Hamburg. Der seit fast drei Monaten andauernde Streik der Beschäftigten der Hamburger Verpackungsfirma Neupack wird von heute an ausgesetzt. Das kündigte Jan Eulen an, Chef der Hamburger Gewerkschaft IG BCE. „Wir wollen damit ermöglichen, dass wir gemeinsam mit Neupack einen Weg finden, bei dem die Firma mit ihren Beschäftigten weiter wirtschaftlich arbeiten kann“, so Eulen. Man habe kein Interesse daran, Neupack in den Ruin zu treiben. Knapp 100 streikende Mitarbeiter treten nun in den Werken Hamburg und Rotenburg/Wümme ihre Jobs wieder an. Mit dem Arbeitskampf wollte die IG BCE erreichen, dass das Unternehmen seine Blockade gegen einen Haustarifvertrag mit der Gewerkschaft aufgibt. Das ging jedoch bislang schief. Das Stellinger Unternehmen bot im Gegenzug den verbliebenen Mitarbeitern eine Gehaltserhöhung an. Eine Aussetzung eines Streiks bei laufenden Tarifkämpfen hat es in Deutschland noch nie gegeben. „Ich kann mich nicht an so einen Vorgang erinnern“, sagte Eulen.

    Das Unternehmen zeigte sich am Mittwoch überrascht. „Wir sind von der Gewerkschaft bis 17 Uhr noch nicht informiert worden“, sagte Mitgesellschafter Lars Krüger. Er hat nun ein Problem. Wegen des Streiks heuerte die Firma in den vergangenen drei Monaten einige Dutzend Beschäftigte an, darunter 29 polnische Mitarbeiter.

    Wenn jetzt die knapp 100 Streikenden zurück zu ihrem Arbeitsplatz wollen, ist der Personalstand wesentlich höher als vor dem Arbeitskampf mit damals insgesamt 200 Mitarbeitern. „Wir werden in der gebotenen Zeit genau prüfen, wie wir auf die überraschende Nachricht reagieren“, so Krüger. „Eine Aussperrung der Streikenden kommt für uns aber nicht in Betracht.“

    „Mit Stärke“ will der Betriebsratsvorsitzende Murat Günes wieder zurück an seinen Arbeitsplatz in Hamburg, obwohl er gerade von Neupack „die fünfte oder sechste“ Kündigung erhalten hat. Bislang konnten alle Kündigungen noch nicht wirksam werden. Überschattet wird die Streikaussetzung von einer brutalen Gewalttat am 16. Januar. Damals drangen offenbar drei Streikende in die Wohnung eines Streikbrechers in Rotenburg/Wümme ein und schlugen ihn so lange, bis er einen Schädelbruch erlitt. Der Mann musste operiert werden.

    „Wir bedauern dies zutiefst und verurteilen jede Form der Gewalt“, sagte Eulen. Die neue Taktik der Gewerkschaft, den Streik zu unterbrechen, habe nichts mit dem Vorfall zu tun. Schon am 15. Januar hat Ralf Becker, Landesbezirksleiter Nord der IG BCE, einen Brief an Krüger geschrieben und um Kontaktaufnahme gebeten, um den Konflikt zu befrieden. Danach hat auch der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis seine Bereitschaft zu einem Spitzentreffen mit den Neupack-Eigentümern erklärt. Zudem will Vassiliadis einen Schlichter vorschlagen. Neupack hat sich wegen des Überfalls auf den Mitarbeiter nicht gemeldet, und versucht derzeit vor dem Arbeitsgericht Verden den Streik ganz verbieten zu lassen. Als Begründung gibt das Unternehmen an, die Gewerkschaft habe den Streik nicht mehr im Griff. Das weist Eulen von sich: „Wir können die gegen uns erhobenen Vorwürfe von Neupack durch Zeugenaussagen entkräften.“

    Eulen ist weiterhin zuversichtlich, dass er mit Neupack ins Gespräch kommen wird. „Die Führungsverantwortlichen des Unternehmens müssen ihrer Verantwortung gerecht werden“, forderte er. Nur ein Tarifvertrag könne Frieden in den Betrieb bringen, in dem es über Jahre untransparente Gehaltsstrukturen gegeben habe. Die Gewerkschaft will verhandeln. Falls dies jedoch wieder nicht gelingt, „werden wir wieder streiken. Wir haben bereits viele Ideen und einen großen Unterstützerkreis“, sagte Rajko Pientka, Verhandlungsführer der Gewerkschaft.«

  2. Folkert permalink
    25. Januar 2013 11:21

    taz NORD 23.01.2013

    Die IG BCE braucht eine neue Strategie
    Ein falsches Signal

    Kommentar von Kai Von Appen

    Wenn die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) noch am Montag erklärte, der seit fast drei Monaten andauernde Streik beim Joghurtbecher-Hersteller Neupack sei einer der längsten Arbeitskämpfe in der norddeutschen Wirtschaftsgeschichte, dann ist das wohl wahr. In der Tat haben sich die Neupack-Belegschaften wochenlang tapfer geschlagen. Bei Wind und Wetter und kalten Temperaturen haben sie ihre Werkstore bewacht, um den missbräuchlichen Einsatz polnischer Leiharbeiter trotz Polizei wenigstens zu behindern.

    Doch eines hat sich gezeigt – dass die Strategie der IG-BCE-Bosse nicht aufgegangen ist. Der Kontrahent ist unterschätzt worden. Es herrschte offenkundig der Glaube, mit ein bisschen Streik sei Neupack in die Knie zu zwingen. Denn die sozialpartnerschaftlich geprägte IG BCE war es in der Vergangenheit gewohnt, sich mit Unternehmen am Verhandlungstisch schnell zu einigen. Sie sorgte für ruhige Belegschaften, die Firma schob dafür ein bisschen Knete rüber. Doch diese Zeiten sind vorbei – auch in der Chemieindustrie.

    Den Streik nun auszusetzen, ist das denkbar unglücklichste Signal. Es wäre sinnvoller, zu den südlichen Nachbarländern zu gucken und neue Formen des Arbeitskampfes zu entwickeln, die dem Europa der offenen Grenzen gerecht werden und Streikbrecher-Einsätzen wirkungsvoll entgegenwirken.

    —–
    Natürlich schäme ich mich, aus der Springer-Presse zitiert zu haben … stehe nun schon drei Stunden in der Ecke im Betrieb. Aber was solls, der einsame GLAMROCer in Hamburg wird ja vielleicht dem taz-Genossen (die taz ist eine Genossenschaft und Kai von Appen war auch mal guter Gewerkschafts-Genosse) zustimmen oder ihn anstelle meines Revolverblattes zumindest mal lesen. Auf seinem Weg in den sozialdemokratisch-reformistischen Unionismus seiner US-Gewerkschaft hilft das allerdings auch nicht weiter.

    • Jeder so wie er drauf ist permalink
      25. Januar 2013 18:38

      Ich meine auch, dass du dich schämen solltest, Folkert (wir haben uns mal gekannt).
      In einem Streik spielen viele mit. Die Streikenden und die, die sich solidarisch zeigen, kämpfen an mehreren Fronten. Meist sind sie sogar die Schwächeren und durch oft mühseliges Bekommen von tatkräftiger Solidarität, im Herumschlagen mit wankenden Bündnispartnern und den ewigen Falschverstehern und Kommentatoren, durch notwendige Kompromisse und Rückschläge kämpfen sie sich durch. Sie schlucken solche Beiträge wie von dir runter wie vieles andere und scheißen es wieder aus.
      Du hast eigentlich nichts damit zu tun, mußt aber soviel Bitterkeit in dir aufgesammelt haben, dass du deinen Rand nicht halten kannst und nebensächliche Seitenhiebe austeilen musst. Es wäre falsch von dir zu meinen, dass das anderen oder dir irgendetwas hilft. Du bist nicht mehr weit von einem daheim sitzenden Sprüche-Streikbrecher entfernt. Bleib doch in deiner Ecke bis du im Reinen bist.

    • Old School permalink
      25. Januar 2013 21:15

      Mensch Folkert. Ich weiss echt nicht was diese pubertären Sticheleien sollen. Der Genosse von den Wobblys hat sich seinen Arsch für den Streik aufgerissen und hier immer wieder darüber berichtet. Dafür Danke! Wenn du Kritik an ihm hast, dann sollte diese nicht persönlich erniedrigend ausfallen sondern aufgrund der Sache. Da hast du aber scheints nichts zu zu sagen und lässt dann so eine Frustkacke ab. Echt Schade.

      Was unsere kleine Bewegung braucht sind altgediente Genossen, Haudegen wie dich, mit all ihren Erfahrungen und ihrem Wissen. Sei es von Streik-Bike oder vom Kollektivbetrieb. Die müssen! aber ihre persönlichen Antipathien für sich behalten oder im direkten Gespräch klären. Sowas unbegründetes, das mit dem Streik absolut nichts zu tun hat, hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Es disqualifiziert dich. Und das ist ein Schaden für uns alle.

      Dem Genossen Wobbly danke ich für die Ausdauer und die Unterstützung des Streiks.

    • 25. Januar 2013 21:42

      Du meine Güte, was ist denn ein „Glamrocer“? Kann man nicht mal bei den alten Bezeichnungen bleiben? Oder ist das jetzt wieder etwas angeblich neues? Aber ist gut, wenn er auch dort steht und Streikenden beisteht.

      • Treasurer permalink
        26. Januar 2013 12:17

        GLAMROC = German Language Area Members Regional Organising (oder amerik. Organizing) Committee der Industrial Workers of the World (IWW) mit Mitgliedern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Die IWW sind zwar 1905 in den USA gegründet worden, aber keine US-Gewerkschaft, sondern eine internationale Gewerkschaft, die gegenwärtig in Nordamerika, Europa, Afrika und Australien vertreten ist. Falls diese Gewerkschaft sozialdemokratisch oder reformistisch wäre, würde ich als Kommunist dort kaum Mitglied sein.

      • x374636 permalink
        26. Januar 2013 13:57

        Glam Rock ist eine Musikrichtung, die mir als junger Mensch gut gefiel:
        Suzi Quatro, The Sweet und vor allem Slade machten fröhliche Musik in heiteren Kostümen.

        Gemeint ist hier wohl aber eher das Regionalorganisationskomitee (ROC) für die Mitglieder (M) im deutschsprachigen Raum (GLA = german language area) der Industrial Workers of the World – I.W.W.

        Ach ja, übrigens: Die Organisationsfrage des deutschen Syndikalismus im 21. Jahrhundert ist nach wie vor offen.

  3. tina permalink
    25. Januar 2013 17:25

    Streik in Athen durch Polizei beendet

  4. Treasurer permalink
    25. Januar 2013 18:02

    Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis, hat im Tarifkonflikt bei dem Verpackungshersteller Neupack eine harte Linie seiner Gewerkschaft angekündigt. „Wir werden ein Exempel statuieren – koste es, was es wolle“, erklärte Vassiliadis am 8. November 2012. … Vassiliadis weiter: „Die Herren meinen offenbar, mit den Beschäftigten so umspringen zu können, wie dies im 19. Jahrhundert üblich war. Das werden wir nicht hinnehmen. Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln wehren. Hinter den Streikenden von Neupack steht die gesamte Kraft unserer Gewerkschaft.“ – Zitate siehe hier: „http://www.igbce.de/16876/streik-neupack-vassiliadis“.
    Wer Vassiliadis – als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet – und seine Gewerkschaft zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: