Zum Inhalt springen

Ein Zeichen der Solidarität

11. Januar 2013
iker

Iker de Carlos: „Seit internationale Medien über unseren Beschluss berichten, erhalten wir täglich Briefe, in denen sich Leute für unser Engagement bedanken“

Es gibt sie auch: Die guten Nachrichten. In Spanien haben Schlosser nun einstimmig beschlossen die Polizei bei Zwangsräumungen (österreichisch: Delogierungen) nicht mehr zu unterstützen und sich an diesem schmutzigen Tun nicht zu beteiligen. Im folgenden dokumentieren wir den Artikel der österreichischen Zeitung „Der Standard“ über diese bemerkenswerte Entscheidung der Solidarität der Schlosser, sich nicht länger als Werkzeug der Banker und Hausbesitzer einspannen zu lassen. So gut und positiv diese Entscheidung zu werten ist, so wird es nun sicherlich der Fall sein, das dann eben jemand anderes die Türöffnungen durchführt. Höchstwahrscheinlich die Polizei selber.

Spanische Schlosser wollen Delogierungen boykottieren

Pamplonas Berufsverband beschließt einstimmig, Polizei nicht mehr bei Zwangsräumungen zu unterstützen. Seit einigen Jahren steigt in Spanien die Anzahl der Delogierungen. Wurde in Pamplona, der Hauptstadt der nordspanischen Provinz Navarra, früher durchschnittlich einmal im Monat jemand aus seiner Wohnung geworfen, sind es mittlerweile drei Fälle in der Woche, berichtet der Berufsverband der Schlosser in der 200.000-Einwohner-Stadt.

Da die Handwerker bei solchen Einsätzen oft mit tragischen Schicksalen konfrontiert werden, sind diese Aufträge, die mehr als zehn Prozent des Umsatzes ausmachen, trotz überdurchschnittlicher Bezahlung äußerst unbeliebt. Wenn eine Bank beschließt, wegen nicht bezahlter Kreditraten eine Wohnung räumen zu lassen, vertreibt die Polizei die Bewohner, bevor dann ein Schlosser die Schlösser auswechselt und die Schlüssel beim neuen Eigentümer deponiert.

Pamplonas Schlosser beschließen Boykott

Genau diese Dienstleistung wollen die Mitglieder der Asemblea de Profesionales de Cerrajería de Pamplona künftig nicht mehr anbieten: Bei einer Versammlung Mitte Dezember beschlossen alle 15 Mitglieder des Schlosser-Berufsverbandes, künftig keine solchen Aufträge mehr anzunehmen. Über die Weihnachtsfeiertage wurde traditionsgemäß niemand delogiert“, berichtet Iker de Carlos, der Pressesprecher des Schlosserverbandes, im Gespräch mit derStandard.at. „Wir wissen, dass im Jänner noch zumindest drei Termine in Pamplona anstehen, bisher haben wir in diesem Jahr aber noch keinen einzigen Auftrag erhalten.“

Rasanter Anstieg der Delogierungen

De Carlos berichtet, dass vor allem im zweiten Halbjahr 2012 die Delogierungen drastisch zugenommen hätten: „Vor dem Sommer waren es drei bis vier im Monat, im Herbst wurden wir drei- bis viermal in der Woche beauftragt, Schlösser auszuwechseln.“ Wie die Banken in Navarra künftig bei Delogierungen vorgehen werden, ist noch unklar. „Entweder holen sie Leute von außerhalb, um den Job zu erledigen, oder sie sehen es endlich ein und hören auf, Leute aus ihren Wohnungen zu werfen“, meint der 22-Jährige.

In Krisenzeiten können sich immer mehr Spanier die Bedienung der früher großzügig vergebenen Kredite nicht mehr leisten. Während des spanischen Immobilienbooms war es kein Problem, mit einer Eigentumswohnung als Sicherheit ein Darlehen bis zum Schätzwert der Immobilie zu erhalten. Diese Schätzwerte sind allerdings eingebrochen, weil hunderttausende neu gebaute Wohnungen leerstehen.

Wenn sich bei einer Zwangsversteigerung kein Käufer findet, sieht das spanische Hypothekengesetz vor, dass das Objekt zur Hälfte des Rufpreises an die Bank fällt (derStandard.at berichtete). Wer heute delogiert wird, sitzt deshalb oft trotzdem noch auf einem Schuldenberg. Laut der Tageszeitung „El Pais“ wurden in den ersten neun Monaten des Vorjahres landesweit 67.537 Zwangsräumungen angeordnet, was einen Anstieg um 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Allerdings sind in diesen Zahlen auch Zweitwohnsitze enthalten. Vier Spanier haben 2012 wegen Delogierungen Selbstmord begangen.

Politik sucht Lösung

Spaniens konservativer Premier Mariano Rajoy versprach im November des Vorjahres, man werde sich bemühen, in besonderen Härtefällen künftig Delogierungen zu vermeiden. Auch die Richtervereinigung und mehrere katholische Bischöfe weisen auf die Dringlichkeit des Problems hin. Die Regierung will nun durchsetzen, dass Banken, die mit staatlicher Hilfe gerettet werden mussten, einen Teil ihres Immobilienbesitzes zu erschwinglichen Tarifen an sozial Schwache vermieten müssen. Iker de Carlos betrachtet dieses plötzliche Engagement mit Skepsis: „Ich halte das für einen Bluff. Das Gesetz, das sie jetzt beschließen, würde nur fünf Prozent der Delogierungen betreffen. Hier geht es meiner Meinung nach eher darum, die Bevölkerung ruhigzuhalten.“

Mittlerweile hat sogar der spanienweite Berufsverband der Schlosser, die UCES (Union de Cerrajeros de Seguridad), angekündigt, dass sich seine Mitglieder nicht mehr an besonders problematischen Delogierungen beteiligen sollen. (Bert Eder, derStandard.at, 10.1.2013)

Quelle: Der Standard

2 Kommentare leave one →
  1. Adporno permalink
    11. Januar 2013 20:34

    So muß es prinzipiell laufen: Die Berufszweige arbeiten nicht mehr mit den parasitären Autoritäten zusammen. Das wäre schon mal ein guter Schritt zu einer gesünderen Kultur.
    Man stelle sich vor, wie es wäre, wenn KFZ-Mechaniker und die öffentlichen Verkehrsmittel inklusive Mietwagenkonzessionen nicht mehr mitmachen würden… ja das wär schon was.

    Exkurs:
    Schade, dass „Anarchisten“ lieber über ihr Essen oder Geschlecht diskutieren und für solche trivilialen Belange der Menschheit kein Interesse aufwenden können.
    Da sieht man mal wieder wie es in Wahrheit ist:
    Die Autonomieboys und -girls, die seit Jahrzehnten nur reden und scheiß Unterstriche in irgendwelche Worte machen bekommen nichts hin, grenzen sich selber aus und freuen sich über ihren Sonderlingstatus.
    Sie fühlen sich wohl, als Prediger des neuen linken Benimm, des Adorno-Knigge und schreiben gerne mal ein Gendermanierenbuch. Diese Anarchohippster lieben ihre Vorwürfe, mehr als dass sie wissen wovon sie überhaupt reden. Leider ist noch keine Frau, Transgender oder wer auch immer (als ob das von Belang wäre) von ihnen befreit worden, sie gehen nur Frauen und Männern auf die Nerven, die sich von ihnen nicht zu Schwächlingen degradieren lassen. Am allerbesten sind aber diese Luschies, die im Juz oder im Kuz oder sonstwo herumhängen und Frauen die sich emanzipiert haben Vorwürfe machen, sie würden „mackerhaftes Verhalten an den Tag legen“ alles schon erlebt – Naja, also ich glaube es weiß jetzt jeder, wen ich meine.
    Diese Bagage jedenfalls bekommt nichts auf die Kette und es ist wieder mal so wie es immer war: Die Arbeiterklasse macht etwas und es passiert wirklich etwas. Zang, so sind die Fakten und dieses ganze haaresträubende Gefasel von menschlichen Tieren und Tofuwurst die aber quadratisch sein muss, (Rund geht auch nicht: Vagina) weil es sonst ein Phallussymbol, darstellt, können sich diese Prediger gerne in die Haare schmieren und dabei sagen: Scheiße, ich wurde von der Realität überrollt, wo ist mein Ecstasy?

  2. Unter Verdacht permalink
    12. Januar 2013 11:22

    Unter Verdacht

    Eigentlich fängt alles ganz harmlos in der beschaulichen Kleinstadt Brunnharting in den Voralpen an, die zufällig auch die Heimatstadt von Dr. Claus Reiter ist. Bei Toni Schiermeier, dem Chef des Wasserwerks von Brunnharting, wird eingebrochen. Er überrascht den Täter. Dieser kann jedoch fliehen. Laut Schiermeier fehlt nichts, doch im Vorgarten wird eine Patrone aus einer Polizeiwaffe gefunden. Ein Fall für die internen Ermittler: Prohacek und Langner machen sich auf den Weg nach Brunnharting. Kurz vor ihrer Ankunft im Ort stürzt den beiden eine Frau mit einem leblosen Baby in den Armen vors Auto. Im Krankenhaus entsteht ein erster Verdacht: Verunreinigtes Wasser könnte die Todesursache sein. Die Ermittler werden hellhörig: Der Vater des Kindes hatte lange Zeit für das Wasserwerk gearbeitet, bis ihn ausgerechnet Toni Schiermeier auf die Straße gesetzt und die Zukunftspläne der jungen Familie durchkreuzt hatte. Doch auch der Mann der neugewählten Bürgermeisterin Verena Erler gerät unter Verdacht: Auch er ist im Wasserwerk angestellt und ein entschiedener Gegner des Plans, das Wasserwerk an ein privates Unternehmen zu verkaufen – ein Plan, den sein Chef und alle Lokalpolitiker befürworten. Doch noch bevor die Ermittler mit Erler sprechen können, wird er tot im See gefunden.
    Prohacek und Langner wird klar, dass sich in diesem Fall alles um das Geschäft mit dem Wasser dreht, und dass alle „Honoratioren“ der Stadt hier viel zu verlieren haben, wenn das Geschäft nicht läuft. Selbst Dr. Reiter, der eigentlich nur ein paar freie Tage in seiner Heimatstadt verbringen wollte, ärgert sich derart über das Verhalten seiner alten Brunnhartinger Freunde, dass er ebenfalls Nachforschungen anstellt.
    Die Ermittlungen führen schließlich zu dem international operierenden Konzern „etVida“, der das städtische Wasserwerk übernehmen will. Doch hier geht es um mehr, viel mehr, denn um ihr Ziel zu erreichen, schleust die „etVida“ einen Mitarbeiter in die kommunale Politik ein, arbeitet mit Bestechung und nutzt sogar den Tod des Kindes zu ihrem Vorteil aus. Aus der internen Ermittlung wird ein Fall um einen skrupellosen Deal mit dem wichtigsten Rohstoff der Welt: Wasser. Und wer diesen Deal abschließt, gewinnt nicht nur finanziellen, sondern auch politischen Einfluss weit über Brunnharting hinaus …

    (Deutschland, 2012, 89mn)

    http://videos.arte.tv/de/videos/unter-verdacht–7236046.html

    NUR 7 TAGE

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: