Zum Inhalt springen

Aufruf zur Gründung einer Anarchistischen Gruppe Dortmund

14. Dezember 2012

AhnengalerieDies ist ein Aufruf zur Gründung einer Anarchistischen Gruppe Dortmund

Es tut sich wieder was im Ruhrgebiet! Seit der Initiative zur Gründung einer anarchistischen Föderation Rhein Ruhr fangen vereinzelte Anarchisten*innen und Interessierte an sich zu vernetzen. Nun gibt es eine Solche auch zur Gründung einer anarchistischen Gruppe Dortmund!

Es gibt in Dortmund nicht nur ein Nazi Problem, es mangelt in Dortmund auch an organisierten anarchistischen Strukturen. Spätestens seit der Auflösung der Freien Arbeiter*innen Union Dortmund als letzte explizit anarchistische Gruppe wird das überdeutlich. Sicherlich ist auch gerade das ein Grund das Faschisten*innen es so leicht haben sich in Dortmund breit zu machen. Wo es keine oder wenig anarchistische Strukturen gibt, sind die vorhandenen Aktivisten*innen nur beschränkt handlungsfähig -­‐ in jeglicher Hinsicht. Ziel muss es daher sein einen Rahmen zu schaffen, der eine theoretische und praktische Auseinandersetzung mit eigenen Inhalten ermöglicht und es erlaubt Bestehende zu reflektieren und zu analysieren. Nur der Aufbau, die Informierung und Bereitstellung funktionierender explizit anarchistischer Strukturen ermöglicht es einen wirksamen und nachhaltigen Kampf gegen eine atavistische Gesellschaft zu führen.

Sich lokal mit Gleichgesinnten*innen zu organisieren bietet außerdem die Möglichkeit eine politische und soziale Heimat zu finden, um der Isolation und Vereinzelung zu entkommen. Ob du zur Uni gehst oder auf dem Bau schuftest. Im Büro sitzt oder gar nichts dergleichen treibst. Es ist egal wer oder was du bist, wichtig ist allein der Wille sich anarchistisch zu organisieren, die Gewissheit, dass diese Gesellschaft dich krank macht und der Wunsch aus einem fest verfügten Käfig aus Staat und allgemeiner, gesellschaftlicher Ordnung auszubrechen. Daraus resultiert natürlich als einzige Einschränkung, dass Personen die in autoritären Zusammenhängen aktiv sind (Parteien, Polizei, etc.), oder autoritäres diskriminierendes Verhalten (Rassismus, Sexismus, etc.) reproduzieren nicht erwünscht sind.

“Wer soll die neue Welt bauen wenn nicht du und ich?”
Anarchie organisieren!

Komm zum Treffen am 6.1.2013 15.00 Uhr im Langen August

Flyer: PDF-Format
Sind jetzt schon Fragen aufgetaucht? Dann schreib uns eine Mail an:
agdo@riseup.net

Quelle: afrheinruhr.blogsport.de

26 Kommentare leave one →
  1. 15. Dezember 2012 00:42

    Reblogged this on Enough is Enough! und kommentierte:
    #Anarchie Aufruf zur Gründung einer Anarchistischen Gruppe #Dortmund

  2. Adporno permalink
    15. Dezember 2012 12:09

    „Er war von Beruf Maurer und hatte selbst eine Familie mit drei Kindern, als ich ihn kennenlernte. Er war das Urbild eines proletarischen Rebellen; in seinem Umgang schroff und ungeschliffen, allein im Grunde seines Herzens ein seelenguter Mensch, der stets bereit war, mit anderen das Letzte zu teilen. Ein geborener Draufgänger und von Natur aus etwas gewalttätig veranlagt, zeigte er für theoretische Fragen keine besondere Vorliebe.“

    Hahaha – „Gleichgesinnten*innen“

    Pahahaha!!!

    • Bonaventura permalink
      16. Dezember 2012 23:06

      Tscha, Grammatik (das Wort ist übrigens weiblich) ist nicht unbedingt ein Muß beim Gender*innen.

      Mein*e Favorit*in war bisher „Mitglieder*innen“, aber die „Gleichgesinnten*innen“ sind noch ein µ besser.

      • Anonymous permalink
        17. Dezember 2012 09:41

        Ich finde es einfach nur aufgesetzt und unnötig.
        Aber Mitglieder*Innen ist echt Klasse 😉
        Dieses gendern ist für Alle*_Innen, die eigentlich nichts leisten, aber sich durch Äußerlichkeiten den Anschein geben – wie etwa durch das Tragen von besonders vielen Buttons oder Aufnähern mit irgendwelchem Unsinn drauf. Außenwirkung scheiß egal. Ach, es gibt noch andere Menschen?
        Es hat sich in den letzten Jahrzehnten eine Klasse von Anarchos entwickelt, die den Sonderlingstatus ihrer individualanarchistischen Vorgänger noch weit übertroffen haben.
        Dahinter steht kein Inhalt, kein Wille und keine Initiative, nur die leere Form:
        Joho, wir gründen eine Gruppe – Juhu – wir sind vernetzt – Toll wir sind vegan.
        Klasse – was diese Leute alles sind.
        In Aktion treten sie eigentlich nur, wenn sie irgendetwas torpedieren können – bspw wenn sie mit Vorwürfen um sich werfen können oder ähnliches.
        Es soll auch schon vorgekommen sein, dass etwas sehr abwegiges in Plena zu einem Sturz des eigentlichen Arbeitszeils geführt hat, weil dieser Typus sich mit Vorwürfen und Anschuldigungen – begünstigt durch die Gutmütigkeit derer die wirklich viel leisten – die komplette Aufmerksamkeit an sich gerissen haben.

        Das sind die gleichen Maulhelden, die wie hier auf Syndikalismus Blog schon oft erwähnt, bei einer anarchistischen Veranstaltung den Grill und Grillmeister_Inn mit Wasser bespritzen, weil den Steaks zu warm geworden ist.
        Schade, dass die guten Leute, denen immer nach dem Mund reden, weil sie Angst vor weitreichenden Diffarmierungen haben.

        Mir gehen diese Leute auf den Piss, weil sie unter schwierigen Bedingungen agitierte Menschen einfach durch ihr Scheißverhalten abgeschreckt haben – das kann ich zu ihrer Verträglichkeit mit dem Anarchismus aus persönlicher Erfahrung sagen.

        Ich stehe für Emanzipation ein, aber wenn ich mich von Großmäulern und Labertaschen erniedrigen lassen muss, ist es nicht meine Emanzipation.

      • 17. Dezember 2012 12:01

        Ha, ha, du schießt aber auch den Vogel ab: Diffarmierung! Ist fast so schön wie Lokalförderation 🙂

    • 17. Dezember 2012 09:53

      Gut, dass die im 19. Jahrhundert noch keine Genderproblematik hatten. Man stelle sich vor, es hieße in der Forschung zum Frühsozialismus: Bund der Geächteten*innen und Bund der Gerechten*innen. Vielleicht kann die Gender*innenforschung nachträglich den Oberbegriff Gleichgesinnten*innen einführen? Wird doch sonst jeder Blödsinn erforscht und erstritten.
      Gleichgesinntinnen fänd ich aber schöner. Die Dortmunder Anarchisten (jede Wette, der Macher dort – ohne den alles wieder zusammenbricht – ist sowieso ein Mann) sollten ihre Zeitung so nennen!

      • Adporno permalink
        19. Dezember 2012 12:34

        Diffa r mierung ist ge-gendert von Diffamierung, du Anfänger 😉

    • Anarchist permalink
      19. Dezember 2012 20:18

      Hallo Genossen,
      ich finde die sogenannte „geschlechtssensible Sprache“ auch bescheuert und freue mich, dass dieser PC-Schwachsinn hier regelmäßig in angemessener Schärfe kritisiert wird.
      Weiter so, Genossen!

      Allerdings fände ich es gut, wenn die Kritik am Gendern zudem auch etwas systematischer ausgeführt und argumentativ begründet würde. Es ist m.E. doch eigentlich recht offensichtlich, dass nicht viel für das Gendern spricht und dass sich klassenkämpferische Libertäre damit nur in den eigenen Fuß schießen:

      – Die überwältigende Mehrheit aller Männer UND Frauen will nicht gendern und wird es nie tun! Gendern sieht scheiße aus, hört sich scheiße an und wird sich niemals in der Mehrheitsbevölkerung durchsetzen, weil Sprachverkomplizierungen nunmal grundsätzlich abgelehnt werden. Man müsste dem politisch unkorrekten Normalmenschen das Gendern schon einprügeln, freiwillig hat niemand, der noch halbwegs bei Verstand ist und keine Sozialisation in heutigen linken Zirkeln hinter sich hat, Bock darauf so zu schreiben oder zu sprechen.

      – Gendern ist die Sprache der Sektierer. Sie entfremdet die Linke und den klassenkämpferischen libertären Sozialismus der Mehrheitsbevölkerung. Genau deshalb hat die herrschende Kapitalistenklasse auch ein Interesse an der Verbreitung der „geschlechtssensiblen Sprache“ innerhalb der Linken. Das Projekt „Politisch korrekte Sprachumerziehungsmaßnahmen statt Klassenkampf“ ist das Beste, was der herrschenden Klasse passieren kann.

      – Dass diese Form vulgärfeministischer Sprachzerstörung außerdem auch in sprachlogischer Hinsicht völlig daneben, undurchdacht und irrational ist, haben bereits viele Kritiker der „geschlechtssensiblen Sprache“angemerkt.

      – Diskriminierungen, Benachteiligungen und soziale Problemlagen lassen sich nicht durch abstruse politisch korrekte Sprachumerziehungsmaßnahmen abschaffen. Hier wird der Einfluss der Sprache massiv überschätzt, ja der starke Fokus auf Sprache lenkt geradezu ab von den realen soziologischen, kulturellen und historischen Ursachen sozialer Ungleichheit.
      Zudem gibt es auch viele Benachteiligungen und soziale Problemlagen, von denen Jungen und Männer betroffen sind, speziell syndikalismusrelevant wäre hier natürlich der ökonomischen Bereich: Männer werden sehr viel häufiger Opfer von Arbeitsunfällen, schwere, gefährliche Arbeit ist typischerweise Männerarbeit, arbeitslose Männer werden häufiger von Jobcentern sanktioniert.
      Speziell für den Syndikalismus ist es ja ein Symptom eines traurigen Niederganges, dass geglaubt wird, es sei frauenfeindlich, wenn man auf bescheuerte, auch von der Mehrheit der Frauen nicht gewünschte PC-Sprachregelungen verzichtet und gleichzeitig männlichen Arbeitern ernsthaft suggeriert wird, sie sollten sich mit ihrem „Male Privilege“ auseinandersetzen. Wer wie ich Schufterei in einer Fabrik aus eigener Erfahrung kennt – in der Regel Männerarbeit, je schwerer und gefährlicher – kann darüber nur den Kopf schütteln. Es gibt allerdings insbesondere im Pflegesektor (Altenheim, Krankenhaus) aber natürlich auch in anderen Bereichen auch viele Frauen, die körperlich schwer arbeiten, was man nicht vergessen sollte.
      Das Gendern hilft den Frauen und Männern der Arbeiterklasse jedenfalls nicht bei ihren Problemen. Aber es hilft dabei, eine Sprache innerhalb der Linken zu etablieren, die von der Arbeiterklasse nicht mehr verstanden wird.

      – Gendern nützt nur der herrschenden Klasse, spielt ihr in die Hände, ist von dieser gewünscht. Gendern kann daher aus libertär-sozialistischer Perspektive m.E. mit gutem Grund nicht nur als albernes und pubertäres subkulturelles Gehabe, sondern de facto als schädlich und konterrevolutionär betrachtet werden. Angemessene Leitsätze bezüglich dieser Sache wären daher m.E.:
      Nein zum Gendern! Anarchisten gendern nicht! Überlassen wir den PC-Schwachsinn dem Sumpf der bürgerlichen Linken!

      Ich würde mich daher freuen, wenn die regelmäßigen Schreiber und Kommentatoren auf Syndikalismus tk hier auch tatsächlich mit gutem Beispiel vorangehen und grundsätzlich bewusst und dauerhaft in Artikeln und Kommentaren auf die Verwendung „geschlechtssensibler Sprache“ verzichten würden. Das würde vielleicht im Idealfall auch der politisch korrekten FAU mal einen kleinen Anstoß zum Nachdenken verpassen. (Es versteht sich von selbst, dass darüber, wie jemand schreibt, in letzter Instanz aber jeder einzelne selbst entscheiden muss und ich niemandem etwas aufzwingen will.)

      Soviel zu meiner Meinung zum Gendern. Jetzt würden mich eure Ansichten dazu interessieren. Über einige Meinungen der regelmäßigen Kommentatoren von Syndikalismus tk zum Thema würde ich mich freuen.

      Und zum Schluss noch was Absurdes: Die heutige Sprache der politisch korrekten Linken in Reinform:

      http://elitemedium.wordpress.com/2012/09/27/neusprech-teil-2/

      Dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis sich GWR und DA so ähnlich anhören.

      • Sehr geehrte Damen und Herren. permalink
        20. Dezember 2012 09:01

        Ein nackter Affe ist ein nackter Affe ist ein nackter Affe.

      • 20. Dezember 2012 09:30

        Man muß schon sehr verbohrt sein, um zu ignorieren, dass das sprachliche Gendern von 98 Prozent der Bevölkerung seit Jahrzehnten nicht dauerhaft angenommen wird, wohl gleichermaßen wenig von Frauen als auch von Männern. Alleine damit ist es gescheitert. Was übrig bleibt vom einst hehren Versuch, ist das Sektierertum. Man sollte wissen, womit und wann genug ist und es sich eingestehen, statt seiner Umwelt damit weiter auf die Nerven zu fallen. Horst Stowasser zum Beispiel hat dies auch erkannt und bewußt nicht gegendert. Interessant unter klassenspezifischen Gesichtspunkten ist, dass sich das Gendern bei Erwachsenen fast ausschließlich in intellektuellen Fachzirkeln hält. Selbst das vergleichsweise harmlose Binnen-I finde ich nur in Ablegern des bürgerlichen Feminismus wieder. Ansonsten scheint es zu verschwinden, sobald man in diese Nischen verläßt. Ich denke, zu diesen pubertären Rigorismen (darunter fällt auch Veganismus) braucht es mutige Menchen, die auch öffentlich sagen: Nein, ich mache das nicht mit!

      • Adporno permalink
        20. Dezember 2012 12:50

        „Das Gendern hilft den Frauen und Männern der Arbeiterklasse jedenfalls nicht bei ihren Problemen. Aber es hilft dabei, eine Sprache innerhalb der Linken zu etablieren, die von der Arbeiterklasse nicht mehr verstanden wird.“

        Genau – meine eigene Erfahrung im Logistikbereich (Harte Arbeit mit guter Frauenbeteiligung) war die, dass ich, nachdem ich einer (ausländischen) Arbeitskollegin unsere Standpunkte darlegen wollte, oft auf Unverständnis gestoßen bin.
        Ich habe nämlich erst gegen diese PC-Sprechweise sensibilisiert werden müssen, was zum Teil von meinen Kollegen und Kolleginnen herrührte, die einfach keinen Sinn und Zweck außer unnötiger Verkomplizierung und bloßer Angeberei in diesem elitären Scheißdreck gesehen haben.
        Deshalb bin ich ebenfalls ein vehementer Gegner dieses kulturellen Verbrechens.
        Ich musste erstmal lernen, dass mir bei der Agitation und bei der konkreten (geistigen) Befreiung der Kollegen und Kolleginnen dieses ganze PC-Gehabe nur im Wege steht. Ich ging den ganzen psychotischen Verhaltensmustern auf den Leim, die man sich in jungen Jahren aneignet, um die fehlende Lebenserfahrung durch pseudoradikale Äußerlichkeiten zu kompensieren.
        Tja, so habe ich, statt der große Agitator zu werden, erstmal eine Menge von der Lebensrealität lernen müssen.

        Jetzt reicht’s – Das Kasperletheater habe ich lange genug mitgemacht, aber ich bin aufgewacht und freue mich, dass es andere auch sind!

        Zufällig habe ich noch mal auf diesen (älteren) Beitrag geklickt und bereits beim Anstieg der Kommentare gedacht – Ah, ok, die Sittenwächter relativieren jetzt wieder alles schön und vereinnahmen wieder die ehrlichen Regungen, die nicht in die PC-Gesetze passen.
        Siehe da, wie eine Offenbarung ordentlich zusammengefasst hat sich jemand Mühe gemacht!
        Sauber!

        Daraus sollte eine Broschüre werden, die schnellstens der Jugend und den zu rettenden Erwachsenen zukommen sollte.
        Ansonsten ist es nicht die Parteihierarchie, die uns in eine Elite zu den „normalen“ Menschen verwandelt, sondern unsere PC-Gesetzes-Sucht, die uns von der Realität abschneidet – das wäre die größte Schande vor der gesamten Geschichte freiheitlicher Ideen und ihren Kämpfen.

      • Syndikalist permalink
        20. Dezember 2012 21:02

        Und zum Schluss noch was Absurdes: Die heutige Sprache der politisch korrekten Linken in Reinform:

        http://elitemedium.wordpress.com/2012/09/27/neusprech-teil-2/

        Hab ’s gerade gelesen. Da fällt mir eigentlich nichts mehr zu ein. Ausser die Sau rauszulassen, wenn die ein Einzugsfest in ihrer super veganen, Gender-awaren WG machen. Dosenbier & Heavy Metal bei gleichzeitiger Verbrennung der aktuellen Graswurzel unter lautem Johlen!! Brenn, PC-Blatt, brenn!

      • totgesagte großbuchstaben leben länger permalink
        20. Dezember 2012 21:34

        Wißt Ihr noch? Damals? Das war auch so ein Rohrkrepierer.

      • Krankenbruder permalink
        20. Dezember 2012 21:47

        Wollt Ihr mich verarschen?

      • Was sagt ein Blinder, wenn er am Fischmarkt vorbeikommt? permalink
        20. Dezember 2012 21:50

        Hallo Fischinnen.

      • Bonaventura permalink
        21. Dezember 2012 04:17

        Dieses Gender*innen nervt mich primär, weil es mein Sprachgefühl beleidigt (mit dem großen ‚Binnen-I‘ habe ich eher weniger Probleme), und weil in den Tat Texte/Aussagen ins Unverständliche verhunzt werden.
        Verständlichkeit ist doch für Menschen, die die Welt verändern und deshalb die Mehrheit der Bevölkerung – möglichst die des gesamten Planten – für sich gewinnen wollen (und müssen), die grundlegende Voraussetzung.

        Es ist hier in den letzten Beiträgen (v.a. Anarchist, Adporno & Higgins) einiges Kluges gesagt worden. Und vielleicht ist die Idee garnicht schlecht, daraus mal einen prägnanten Text zu machen („Warum Gendering und Mißachtung einiger grundlegender Regeln der deutschen Sprache nicht unbedingt revolutionär sind und auf keinen Fall die Allgemeinverständlichkeit fördern“ – oder so ähnlich), den man (m/w) dann an (wohl eher jüngere) Genossinnen und Genossen verteilen kann.

        Ich finde es ja nicht so schlecht, daß eine Ärztin »Ärztin« heißt, eine Kranführerin »Kranführerin« oder eine Traktoristin »Traktoristin«. Andererseits habe ich – nachdem die Mauer weg war – im ehemaligen Reichsbahngebiet viele wundervolle und selbstbewußte Frauen getroffen, die ganz selbstverständlich sagten, »ich bin Melker« oder »ich bin Lehrer« – das war eben die Berufsbezeichnung.
        Und die Lesben, die ich kennengelernt habe, waren weitaus entspannter als die, die ich aus den Westzonen kannte. Probleme hatte ich anfänglich eher, weil ich – als Kerl – mich nicht mit an den Lesbenstammtisch gesetzt habe.
        Nun, ich denke, daß das ‚Gendering‘ – es hieß vor gut 30+ Jahren noch nicht so – ein Versuch war, die Diskriminierung der Frauen auf der sprachlichen Ebene ins Bewußtsein zu bringen und die Wahrnehmung dafür zu sensibilisieren. Das ist erstmal in Ordnung. Aber wie bei allen Versuchen ist es sinnvoll, mal gelegentlich Bilanz zu machen und nachzuschauen, was es gebracht hat. Das sollte eigentlich ein Selbstläufer sein, aber nach meiner Erfahrung ist es das leider nicht. Und damit meine ich nicht nur ‚Gendering‘.

        Was mir an der Debatte nicht sonderlich gefällt, ist der aufgeregte Ton. So sehr mir der Messianismus, die »pubertären Rigorismen« (Higgins) auf den Senkel gehen – wer von euch hat Kinder in der Pubertät? oder schon Kinder durch die Pubertät gebracht? oder erinnert sich einigermaßen objektiv an die eigene Pubertät? -, es gehört zum Erwachsenwerden dazu, und es ist nun mal die Aufgabe der ‚alten Säcke‘ (w/m), den ‚Jungspunden‘ standzuhalten und sie auf einen Weg zu schubsen, auf dem sie ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben führen können; »Erziehung zur Freiheit« heißt das, glaube ich. Umgekehrt bedeutet es natürlich auch, daß die ‚Jungspunde‘ ihren eigenen Weg finden müssen, für sich, ohne sich von den ‚alten Säcken‘ bevormunden und um das Recht bringen zu lassen, eigene Erfahrungen zu sammeln (wozu gehört, selbst auf die Schnauze zu fallen – während die ‚alten Säcke‘ dafür zu sorgen haben, daß der Fall nicht zu hart ist). Das ist eben die Dialektik.
        Albernheiten, wie sie sich in http://elitemedium.wordpress.com/2012/09/27/neusprech-teil-2/ selbst bloßstellen, gehören auch dazu. Wenn die Kids (denn ich gehe davon aus, daß es ziemlich junge Leute sind) unbedingt das machen wollen, dann sollen sie doch ihren veganen Ponyhof gründen. Es ist Quatsch, sie deshalb mit Dosenbier und Koteletts zu bedrohen. Das wächst sich schon aus. Ich weiß das.
        Wichtiger ist es da schon, auf diejenigen zu schauen, die auch mit 30 oder 40 Jahren noch nicht aus ihrer Pubertät rausgewachsen sind und sich in ‚unseren‘ Kreisen herumtreiben – und ihre Marotten und Defizite zum politischen Programm erheben. Schließlich sind wir ja alle libertär, gegen Autorität, nicht-diskriminierend bis zum Abwinken. Und lassen alle mitspielen, die sich für uns interessieren. Weil wir so dankbar sind, das sich mal jemand für uns interessiert. Und weil wir nicht repressiv sein wollen.

        Ich gestehe, ich gehöre zu denen, die Ende der 1980er Jahre dafür gesorgt haben, daß die FAU seitdem »Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union« (oder »Freie ArbeiterInnen-Union« – weil kürzer zu schreiben) heißt. Das finde ich vernünftig – immer noch.

        Zwei letzte Bemerkungen:
        Der Begriff »Politisch Korrekt« ist eine Erfindung von Reaktionären, die so unanständige Geschichten wie Antirassismus, Gleichberechtigung von Frauen und Männern, Antimilitarismus, soziale Gerechtigkeit u. dgl. mehr bekämpft haben. Und die dann sich gegen den angeblich ‚vorherrschenden linken Trend‘ stellen konnten – gegen den Popanz, den sie selber aufgebaut haben. Diese Misthaufen sind immer die Opfer, selbst wenn sie mit zehn Leuten auf einen Einzelnen einprügeln. Darauf sollten wir nicht hereinfallen, dieser Begriff ‚gehört verboten‘.
        Und – ‚Gendering ist kein heimtückischer Angriff der Bourgeoisie auf die Allgemeinverständlichkeit sozialrevolutionärer, freiheitlich-sozialistischer Agitation und Propaganda. Das ist etwas, was wir uns beruhigt ans eigene Knopfloch heften können. Womit ich nicht nur Gendering, sondern vor allem die fehlende Allgemeinverständlichkeit meine.

  3. 15. Dezember 2012 12:41

    Ei, gugge da, es gibt jetzt auch Anarcho-Softfaschisten. Peter Töpfer ist out. Ernst Jünger ist übrigens einer der Oberanarchos dort, genauso wie Oswald Spengler 🙂

    • Adporno permalink
      16. Dezember 2012 15:02

      Das „DaDaWeb“ erwähnt das auch gerne – sie nennen es „Sumpfblüte“ und bieten „Nationalanarchos“ auch noch Raum. Ziemlich dumm.

      Ist der Töpfer also in Dortmund? Das wäre ja witzig 😉

    • Adporno permalink
      16. Dezember 2012 15:10

      @ Higgins: Planteau heißt der Verfasser und es steht Klagenfurth da – was soll das mit Dortmund zu tun haben?

    • 17. Dezember 2012 10:05

      Ne,hat mit Dortmund kaum was zu tun, Jünger ist in Rehburg-Loccum aufgewachsen, ich glaube, da gibts auch ein Ernst-Jünger-Haus, oder so ähnlich. Eine Villa, die vielleicht den Grundstein zu seinem Anarchismus legte. Mir fiel neulich nur auf, dass Ernst Jünger als Anarchist gepriesen wird – siehe link – und dann entdeckte ich diese Softfaschisten, weil die sich vor einigen Tagen in der Anarchopedia als „anarchienahe Internetressource“ eingetragen hatten. Sie sind dort in guter Gesellschaft zwischen Eigentümlich frei, Anarcho-Kapitalisten und anderen. Ich glaube, der Anarchismus hat ein Image-Problem 🙂
      http://deu.anarchopedia.org/index.php?title=Sammlung_anarchienaher_Internetressourcen&curid=766&diff=59775&oldid=59730

      • 17. Dezember 2012 13:55

        dabei hat Stahlgewitter-Jünger sich als „Anarch“ stilisiert, welchen er vom Anarchismus explizit abgrenzte: viel Jünger & Stirner mit etwas Nietzsche verrührt, wobei nichts emanzipatorisches herauskommen kann

      • Moritz Kinn permalink
        20. Dezember 2012 23:37

        Arbeiter werde endlich Egoist und nimmt Dir Deine Produktionsmittel.

    • Unschuldiger permalink
      20. Dezember 2012 20:53

      „…aber ich bin aufgewacht und freue mich, dass es andere auch sind!“
      @ Adporno: haste wenigstens gut geschlafen?

      • Adporno permalink
        21. Dezember 2012 16:30

        Uninteressant, mit wem ist wichtig 😉

  4. Unschuldiger permalink
    21. Dezember 2012 19:49

    Haha, du kannst ja überhaupt nicht einschätzen was für einen Unschuldigen interessant ist und was nicht 😀

  5. Stadtaffe permalink
    22. Dezember 2012 23:44

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: