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Opel Bochum: Das nackte Gewaltverhältnis des Kapitalismus tritt hervor

12. Dezember 2012
Streikaktion 111212bochum

Spontaner Streik am 11. Dezember bei Opel Bochum.

Von Kai aus der Kiste

Betriebsversammlung bei Opel Bochum am Montag. Das Endes des Werkes wird verkündet. Focus berichtet:

„Bei der Betriebsversammlung zur geplanten Schließung der Autoproduktion im Bochumer Opel-Werk ist es nach Angaben von Teilnehmern zu Tumulten gekommen. Dabei wurde ein IG Metall-Vertrauensmann nach Darstellung des Betriebsrates von Security-Leuten zu Boden gestoßen. Er sei aber unverletzt geblieben.

Als Opel-Interimschef Thomas Sedran nach seiner kurzen Stellungnahme durch den Hintereingang den Saal verlassen wollte, habe der Vertrauensmann der IG Metall versucht, ihn zur Rede zu stellen, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel. Der Gewerkschafter sei vom Security-Personal zu Boden gestoßen und gewürgt worden. „Das war schon sehr entwürdigend“, sagte Einenkel. „Es gab ein Sicherheitsaufgebot wie in Fort Knox“, so der IG-Metall-Delegierte Paul Fröhlich.“ (1)

Nach anderen Quellen war der betroffene Gewerkschafter der Leiter des Vertrauenskörpers, also der gewählte Repräsentant der IG – Metall im Betrieb. (2)

Schon vor Wochen hatte es einen völlig unangemessenen Polizeieinsatz gegen demonstrierende belgische Ford – Werker am und im Ford Werk Köln gegeben (3)

Das Lohnarbeitsverhältnis ist ein reines Vertragsverhältnis. Der Arbeiter verkauft seine Arbeitskraft, der Unternehmer verwertet sie. Dabei ist der Gewinn Umsatz minus Kosten. Und die Kosten müssen gesenkt werden. Um jeden Preis. Verschleiert wird dieses Verhältnis durch das Gerede von der „Sozialpartnerschaft“, der „sozialen Verantwortung“ der Unternehmer, neuerdings, auch von Gewerkschaftern, dem Gerede der „guten Arbeit“, der „Fairniss“ im „sozialen Miteinander“, dem Gebot des „Umfairteilens“ …

Hinter all diesem Wortgeklingel und Wortgeflitter trat bei Opel (und auch bei Ford) für einen kurzen Moment zu Tage, was hinter dem Vertragsverhältnis des Lohnarbeiters steht: Das nackte Gewaltverhältnis, das das Fortdauern der kapitalistischen Produktionsweise absichert.

1) http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/opel-buchum-tumulte-bei-opel-betriebsversammlung-_aid_878540.html

(2) „Als der Leiter des Vertrauenskörpers Sedran zur Rede stellen wollte, wurde er von Securities niedergeworfen und am Hals gewürgt.“ http://www.rf-news.de/2012/kw50/opel-bochum-von-uns-bekommt-ihr-keine-karre-mehr

(3) http://www.scharf-links.de/50.0.html?&tx_ttnews%5Bswords%5D=Ford%20K%F6ln&tx_ttnews%5Bpointer%5D=2&tx_ttnews%5Btt_news%5D=29888&tx_ttnews%5BbackPid%5D=65&cHash=ec1315bd72

Quelle: Scharf links

Erste Streikaktion bei Opel in Bochum: „Das war ein guter Anfang“

Mit einem dreistündigen selbständigen Streik haben rund 200 Kolleginnen und Kollegen bei Opel in Bochum am 11. Dezember der provokativen Ankündigung der Werksschließung auf der gestrigen Betriebsversammlung (siehe „rf-news“-Bericht) die richtige Antwort gegeben. Damit wurde auch die ätzende Medienberichterstattung durchbrochen, die seit gestern verbreitete, im Werk bleibe „alles ruhig“, und so gut wie keine kämpferischen Kräfte zu Wort kommen ließ. So sollte Demoralisierung, Desorganisation und Desinformation unter die Belegschaft sowie in die Öffentlichkeit getragen werden, um die breite Solidarität zu untergraben.

Diese Rechnung ging nicht auf. In einer kämpferischen Demonstration zogen die Kolleginnen und Kollegen ans Tor 1, hielten dort eine Kundgebung ab und marschierten anschließend durch Teile des Werks. Alle Schritte waren gemeinsam beraten und abgestimmt worden. Der Streik wurde schließlich ausgesetzt, um noch mehr Kräfte zu mobilisieren. Stolz und erhobenen Hauptes sind die Opelaner wieder an die Arbeit gegangen. Ein Beteiligter berichtet:

„Die heutige Streikaktion war ein wichtiges Signal. So sehen die Kollegen das. Es war ein guter Anfang, eine sehr gute Aktion. Es war wichtig, General Motors hier jetzt keine Zeit zu geben, sondern auf die Provokation und die Kriegserklärung von gestern direkt zu antworten. Wir haben hiermit einen guten Auftakt gemacht. In den nächsten Tagen werden wir auf der A-Schicht weiter beraten und sicherlich wird sich die B-Schicht auch ihre Gedanken machen. Wir haben demokratisch diskutiert. Es ist ganz wichtig, dass General Motors merkt, dass wir nicht mit uns spielen lassen. Die Leute sind sehr selbstbewusst.“ (Quelle: rf-news)

2 Kommentare leave one →
  1. 20. Dezember 2012 15:48

    Ein Armutszeugnis für das Management!
    Ich fühle mit Euch!

    http://www.news-blogging.de/schliessung-opel-werk-ein-armutszeugnis-fuer-das-management/

    • Echt? permalink
      20. Dezember 2012 22:25

      Für Europa!: Ein Manifest. von Guy Verhofstadt und Marc Daniel Cohn-Bendit, Carl Hanser Verlag 2012. Der Belgier Guy Verhofstadt, Fraktionsvorsitzender der Liberalen, und der Deutsch-Franzose Daniel Cohn-Bendit, Fraktionsvorsitzender der Grünen […]

      😆

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