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Mörder oder Manager

30. November 2012

chefsvon Marcus Meier/ND

Menschen (meist Männer), die unter der dissozialen Persönlichkeitsstörung leiden, sind wahrscheinlich für 50 Prozent aller Schwerverbrechen verantwortlich. Nimmt man den aktuellen »Spiegel« beim Wort, dann werden diese »Psychopathen« entweder Schwerverbrecher, Serienmörder oder Spitzenmanager.

Was karriereförderlich ist, wissen wir in etwa: Bürgerlicher Hintergrund und Habitus, beispielsweise. Ein MBA-Titel kann auch nicht schaden. Und Bescheidenheit. Aber bittschön wohl dosiert: »Ich bin trotz all der teuren Nachhilfe ein Trottel und sollte besser Straßenfeger werden statt Papis Firma zu übernehmen«, ist ein durchaus unkluger Satz. »Wir sind Verantwortungselite, nicht Leistungselite« zu schwadronieren, wird hingegen als smarte Selbstironie wahrgenommen und schadet den eigenen Machtansprüchen durchaus nicht.

Der »Eliten«-Status wird im Wesentlichen vererbt. Geschenkt! Aber wie kommt man nach ganz ganz oben? Was unterscheidet den CFO des Tochterunternehmens vom Konzernchef? Intelligenz, Charme, Ideenreichtum? Wir erfahren es zwischen den Zeilen des »Spiegel«-Artikels »Kindheit ohne Gewissen«.

Drei Druckseiten lang wird da referiert, was einen Menschen zum Serienmörder macht, nämlich oft die dissoziale Persönlichkeitsstörung, einst Psychopathie genannt. Es werden die »Psychopathen« Jeffrey Dahmer (wahrscheinlich über bestialische 100 Morde) und Ted Bundy (gestand 23 Morde) als schlimmes Beispiel vorgeführt. Die beiden »grausigsten Serienmörder Amerikas« seien schon als Kind auffällig geworden, hätten Hamster geköpft und Tanten in einem Ring aus Küchenmessern aufwachsen lassen.

Schließlich tritt der Kriminalpsychologe Robert Hare als Experte auf: Der Kanadier hatte nämlich in den 1970er-Jahren ein Instrument entwickelt, das noch heute gebräuchlich sei, um »Psychopathen« zu identifizieren. Die Symptome auf seiner Checkliste: Ein übersteigertes Selbstwertgefühl, eine pathologische Neigung zum Lügen, Gefühlskälte und mangelndes Verantwortungsgefühl. Hinter jedem zweiten schweren Verbrechen macht Hare Psychopathen als Täter aus.

Erst Hamster köpfen, dann Menschenschädel im Kühlschrank: ein unabwendbares Schicksal? »Der Spiegel« gibt immerhin eine halbe Entwarnung: Selbst wenn ein Junge »zum typischen Psychopathen« heranreife, bedeute dies nicht, »dass er automatisch zum Serien- oder Gewalttäter« werde. Denn »für Emotionslose und Empathieunfähige hält die Gesellschaft durchaus Nischen bereit«.

Und was sind die Nischen für all die selbstbewusst-gefühlskalten Schwerstverbrecher in spe? Psychopathen können, berichtet das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Hare, den Experten, »zum Beispiel als Chefs von Banken und Konzernen Karriere machen«.

Quelle: Neues Deutschland

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