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Leseempfehlung: „Kein Befehlen, kein Gehorchen!“

14. Oktober 2012

„Die Geschichte der Anarchosyndikalistischen Jugend seit 1918“ von Helge Döhring, erschienen 2011 im A propos – kritischer Verlag Bern.

Helge Döhring ist Mitglied des Instituts für Syndikalismusforschung. Obwohl dies eine externe Veröffentlichung ist und nicht Teil der „Edition-Syfo“ spürt man die selbe akribische Quellenarbeit mit der der Autor die Entwicklung einer besonderen Jugendbewegung in Deutschland aufzeigt. Die Anarchosyndikalistische Jugend wird von ihren Anfängen bis zu ihrem Niedergang in der „Weimarer Zeit“, über die Neugründungen bis zu ihrem Aufleben in der heutigen Zeit detailliert beschrieben.

Gegenstand der Betrachtung sind unter anderem soziokulturelles, politisches und taktisches Verhalten. Besonders auffällig ist, das Döhring sich bemüht tendenzlos objektiv zu bleiben um in mehreren Teilen des Buches die Rechercheergebnisse auszuwerten und sie der heutigen Bewegung als Ratschläge zu komprimieren. Aus diesem Grund kann man das „Jugendbuch“ (Wie es mittlerweile innerhalb der Bewegung genannt wird) auch „Generationenbuch“ nennen:

In „Band I: Die Syndikalistisch-Anarchistische Jugend Deutschlands (SAJD)“ weist Helge Döhring auf die Tatsache hin, dass die, um die Zeitzeugen vergangener Phasen der Jugendbewegung bemühten Anstrengungen, erst um 2009 ernsthafte Züge angenommen haben. Die meisten Genossen und Genossinnen der Vergangenheit waren da aber bereits tot oder bestenfalls unauffindbar. Dieses Versäumnis findet sich bei den Jugendorganisationen der anarchosyndikalistischen Bewegung, wie auch bei der neugegründeten FAU, der Nachfolgeorganisation der historischen FAUD (Freie Arbeiter Union Deutschlands). Dadurch hat die heutige Bewegung teilweise die selben Fehler gemacht, wie ihre Vorgänger und konnte nicht oder zu wenig aus den reichhaltigen Erfahrungen der alten Generation schöpfen. Dem Autor liegt es jedoch fern, lediglich diesen Missstand zu protokollieren, nein, das ganze Konzept seines Buches zielt darauf ab, die alten Kämpfer und Kämpferinnen dem Vergessen zu entreißen und ihre Erfolge wie auch ihre Defizite der heutigen Jugend zu präsentieren. Helge Döhring macht sich verdient um die Überwindung eines fatalen Fehlers der letzten 30 Jahre.

Dies geschieht einmal in der bloßen Darstellung der Vergangenheit, in ihrer Auswertung und in verschiedenen Kurzbiographien der treibenden Persönlichkeiten der historischen anarchosyndikalistischen Jugendbewegung. Soviel zum historischen Teil.

Der zweite Teil von „Kein Befehlen, Kein Gehorchen“ heißt „ Band II: Jugend nach 1945 und Ausblick“. Dieser befasst sich mit der Zeit nach 1945 bis zur aktuellen Bewegung und enthält zur Illustration Zitate, Interviews und die Geschichte der Nachkriegsorganisationen „Föderation freiheitlicher Jungsozialisten“ (FFJS) 1949 – 1952, „Libertäre Jugend / Anarchistische Jugend“ 1979, „Anarchosyndikalistische Jugend“ Stuttgart 1990 – 1993, „Anarchosyndikalistische Jugend“ seit 2009.

Die genannten Organisationen werden in einem interessanten Tabellenprojekt miteinander verglichen. Hier wird eine weitere Stärke des Autors deutlich, die sich darin niederschlägt, dass er bereit ist neue Wege zu gehen, um Vergangenes greifbar und vor allem nützlich darzustellen.

Die Tabelle der Organisationen hätte auch langweilig empirisch sein können, aber das ist sie nicht. Stattdessen werden unübliche und deswegen wichtige und interessante Punkte betrachtet: Stellung zum Massensport, Subkulturelles Auftreten, Rauschmittel, Gewaltfrage, Bezüge zu Vorgängerorganisationen, Symbolik, uvm.

In seinen „Eckpunkten für eine Erneuerung der Jugendbewegung“ versucht der Autor die wichtigsten Erfahrungen der letzten 100 Jahre Anarchosyndikalistische Jugend nochmal messerscharf auf den Punkt zu bringen und stellt eine Art 15-Punkte-Programm auf, für die Genossen und Genossinnen von heute – eine historisch fundierte Orientierungshilfe gegen das Chaos der linken Szeneverwirrung. Diese locker formulierten und informativen zwei Bände werden von „Band III: Dokumente und Anhang“ ergänzt.

Hat sich der Leser nun durch die bisherigen 308 Seiten gefuchst und auch die große Anzahl an Fußnoten betrachtet, hat sich ein erster Eindruck, was Quellenarbeit praktisch bedeutet, aufgetan. Im Folgenden Band hat er jetzt die Möglichkeit, selbst in Quellen und Dokumenten zu stöbern.

Stilistisch betrachtet bietet das Buch die richtige Darreichungsform für den Inhalt. Die Sprache ist jugendgerecht ohne dabei aufgesetzt oder phlegmatisch zu wirken. In manchen Abschnitten (z.B. wenn es um kulturelle Aspekte geht) weicht der Autor ein wenig davon ab, um treffender formulieren zu können.

Die Bilder, die den Textfluss erfrischen, sind trotz ihrer unprofessionellen Verarbeitung selten unscharf. Ansonsten ist der Text angenehm gesetzt. Es gibt viele hervorgehobene Kästen und unterlegte Textteile, wie zum Beispiel einige Seiten mit Liedgut und Gedichten. Zusammen mit der Einteilung in drei Bände und deren feinere Gliederungen macht dies „Kein Befehlen, Kein Gehorchen!“ zu einem leicht zugänglichen Werk für den Leser, welcher trotz der über 400 Seiten, keinen sogenannten „Schinken“ vorfindet. „Kein Befehlen, kein Gehorchen!“ ist daher ein Idealwerk. Neben seiner Eigenschaft als DIE geschichtswissenschaftliche Veröffentlichung zum Thema Anarchosyndikalistische Jugendbewegung ist es voll von pädagogischen Tips, die sich keinesfalls aufdrängen, sondern eher in der Funktion von Zusammenfassungen und besonders praktischen Akzenten äußern.

Quelle: Blog Pour ma Classe

12 Kommentare leave one →
  1. Graswurzelrezension permalink
    14. Oktober 2012 18:09

    Diese Buchbesprechung zum Buch von Döhring erschien in den „Libertären Buchseiten“ der Zeitung Graswurzelrevolution:

    Kein Befehlen, kein Gehorchen!
    Ein Buch über die Geschichte der Syndikalistisch-Anarchistischen Jugend (SAJD)

    Helge Döhring: Kein Befehlen, kein Gehorchen! Die Geschichte der syndikalistisch-anarchistischen Jugend in Deutschland seit 1918. Apropos Verlag, 426 Seiten, Bern Ende 2011, ISBN 978-3-905984-07-1, 14 Euro

    Gesamtdarstellungen der Geschichte der anarchistischen und syndikalistischen Jugendbewegung der Zwischenkriegszeit sind rar. In der Forschung fand diese Minderheitenströmung lange Zeit kaum Beachtung.

    Pionierarbeit haben auf diesem Gebiet vor allem Ulrich Linse, Uli Klan und Dieter Nelles geleistet. Mittlerweile liegt eine stattliche Zahl von Einzeldarstellungen, lokalen und regionalen Forschungsberichten sowie Überlieferungen von ZeitzeugInnen vor, die sich zentral oder punktuell auch mit diesem besonderen Kapitel befassen.

    Die offenbar zu Rate gezogene Literatur des Autors einer unlängst erschienenen Schwerpunktstudie wäre deshalb durchaus zu ergänzen.

    Die vom Historiker Helge Döhring mit „Kein Befehlen, kein Gehorchen!“ vorgelegte Gesamtdarstellung zur SAJD ist opulent. Zugleich liefert sie einen Überblick über anarchosyndikalistische Nachkriegsversuche, die mehr oder weniger an die Tradition der Weimarer SAJD anknüpften, ohne dabei organisatorische Kontinuitäten aufweisen zu können.

    Ausschlaggebend, sich eingehender mit ihrer Geschichte zu befassen, waren nach eigenem Bekenntnis Döhrings die ab 2009 zunächst wie Pilze aus dem Boden schießenden lokalen Gruppen der Anarchosyndikalistischen Jugend (ASJ), denen er den zweiten (Interview-)Teil seiner Untersuchung widmet.

    Abgerundet wird der Band durch einen umfangreichen und guten Dokumentenanhang.

    An einigen Stellen wirkt Döhrings Eifer jedoch wie überschießende Akribie, die den sonst guten Lesefluss eher störend beeinflusst. Etwa die Auflistung sämtlicher Regionaltreffen und Tagesordnungspunkte der neuen ASJ in NRW.

    Oder die detaillierte Erklärung des Funktionskörpers eines Vereins, um nur zwei Beispiele zu nennen. Demgegenüber bleiben Lücken und Ungenauigkeiten, etwa durch das Fehlen einer Darstellung des Verhältnisses der SAJD zu den kommunistischen Anarchisten (FKAD).

    Auch die Auflistung der SAJD-Gruppen ist ungenau. Zwar wird das FKAD-Organ „Der freie Arbeiter“ am Ende in den Quellen erwähnt. Doch wurde es wohl nicht im erforderlichen Maße zurate gezogen.

    Im Kapitel über die heutigen ASJ wäre gerade die Darstellung von Gruppen interessant gewesen, an deren Orten und in deren unmittelbarer Umgebung keine lokale FAU existiert. So entsteht eher der Eindruck, die Auswahl der interviewten Gruppen wurde auf der Grundlage direkter Beziehungen des Autors getroffen. Das ist schade!

    Döhring setzt sich dadurch positiv ab, dass er überwiegend der konstruktiven Arbeit der SAJD Raum gibt, statt den anfänglichen Reibereien mit der Erwachsenorganisation FAUD oder zunächst in der Jugendbewegung einflussreichen Persönlichkeiten wie Ernst Friedrich.

    Fazit: Ein Buch, das viel Widerspruch auslöst. Über einige Darstellungen des Autors kann man gewiss streiten. Z.B. dass junge Menschen per se „offener“ seien. Oder dass Artikel einzelner AutorInnen in Verbandsorganen wie „Der Syndikalist“ oder „Junge Anarchisten“ repräsentativ für die Gesamtausrichtung einer Organisation sein sollen.

    Andere kann ich schlicht nicht teilen: Etwa, wenn der Begriff „Proletariat“ so offenkundig eng und starr gefasst wird wie vom Autor.

    Neuzusammensetzungen sind damit nicht erfassbar und machen zeitgemäße Analysen leider unmöglich. Gerade das sollte aber eines der Anliegen seines Buches sein.

    Anarr

    • Erik Alfredsson permalink
      14. Oktober 2012 23:55

      „[W]enn der Begriff ‚Proletariat‘ so offenkundig eng und starr gefasst wird wie vom Autor.“

      Ich muß kotzen, wenn gewisse Figuren mir mit ihrem „erweiterten“ und „flexiblen“ Begriff vom Proletariat kommen, weil sie zu ihrem kollektiven Messias dazugehören wollen.

      Es heißt völlig zu recht: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“
      Den Zusatz „mit uns!“ können die sich sonstwohin stecken.

  2. Adporno permalink
    14. Oktober 2012 23:59

    Die Graswurzelhippies sind nur sauer, weil der Döhring den Schwarzen Scharen keinen Pazifismus angedichtet hat.
    Und was soll der Unsinn „statt … in der Jugendbewegung einflußreichen Persönlichkeiten wie Ernst Friedrich“ – Döhring stellt die Konflikte zu Recht genau dar.

    Und wieso sollen sich neue Impulse an den alten Krempel von Nelles, Linse und Co heften? Ist doch gut, dass Döhring nicht das Spiel mitspielt „Wer zitiert die meiste Sekundärliteratur?“ und lieber was Eigenes und Innovatives macht.

    Interessant zu sehen, dass es auch dogmatische Anarchisten gibt, die lieber auf ihren Lieblingen beharren, statt neue Impulse und Entwicklungen zu begrüßen – das geht ja ein bißchen am Kern der Idee vorbei…. gelinde ausgedrückt.

    • Anarchosyndikalistische Flugschriftenreihe permalink
      15. Oktober 2012 17:27

      Helge Döhring

      Das Verhältnis von Ernst Friedrich zu FAUD und SAJD

      Klicke, um auf 225.pdf zuzugreifen

      • Adporno permalink
        15. Oktober 2012 23:29

        Steht auch im Jugendbuch – zu Recht wie ich bereits meinte.
        Der Graswurzelhippie meinte nur, daß Döhring sich dadurch „positiv hervorhebt“ dass er darauf nicht näher eingeht.
        Döhring hebt sich aber genau deshalb positiv hervor, weil er auf alles, was er findet gründlich eingeht. Das ist seine Aufgabe und die erfüllt er total gut.
        Das ärgert die Konsorten ja grade, denke ich 😉

  3. ASJ voran permalink
    15. Oktober 2012 08:00

    „Im Kapitel über die heutigen ASJ wäre gerade die Darstellung von Gruppen interessant gewesen, an deren Orten und in deren unmittelbarer Umgebung keine lokale FAU existiert. So entsteht eher der Eindruck, die Auswahl der interviewten Gruppen wurde auf der Grundlage direkter Beziehungen des Autors getroffen. Das ist schade!“

    Stimmt. Die einzige ASJ-Gruppe ohne FAU-Gruppe in der Nachbarschaft ist Göttingen. Die hätte man natürlich interviewen können. Aber.. ach so.. Die Göttinger Gruppe wurde ja von ASJ-Mitgliedern aus Berlin gegründet (gibt es da nicht ne FAU?).

    Eine generell ziemlich blöde Rezension von dem Anarr. Man merkt ihr die Absicht an, ein schlechtes Bild über das Buch zu kreiiren. Peinlich mal wieder, die GWR,

    • Spökenkieker permalink
      15. Oktober 2012 19:26

      Da hat sich die GWR mal wieder mit ihrer eigenen Erbärmlichkeit selbstgekreuzigt. Woher kommt nur diesen höllenschlundtiefe Hass? Ob sie wohl den Schneid dazu haben, uns alle zu ihrrer anstehenden Dornenkrönung einzuladen? Oder geht vielleicht das Anarrenschiff doch bald sangundklanglos unter, natürlich erst nach dem Ableben des Großredaktörs, nach ihm kann sowieso nur noch die Sintflut kommen.

      • Bonaventura permalink
        16. Oktober 2012 00:54

        @ Spökenkieker:
        »Woher kommt nur diesen höllenschlundtiefe Hass?«
        Da ich glücklicherweise seit langem die ’scene‘ nur von außen betrachte, mutmaße ich, daß einige (einflußreiche) Autoren der gwr ein Problem mit dem »Institut für Syndikalismus-Forschung« haben. Ob das nun Futterneid unter Historikern der radikalen Linken ist oder persönliche Rechnungen beglichen werden sollen, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber komisch ist das schon.

        Hat übrigens die gwr sich mit den von dem Rudolf-Rocker-Rechteinhaber Herrn Becker verfolgten GenossInnen öffentlich solidarisiert? Oder auch nur was zum Solidaritäts-Fond für das »Institut für Syndikalismus-Forschung« beigetragen? Wenigstens den Spenden-Aufruf veröffentlicht.

    • Adporno permalink
      15. Oktober 2012 23:22

      Das stimmt, das sieht man doch und, Ja, auch inhaltlich ziemlich schlecht.

  4. ghcktzdui permalink
    16. Oktober 2012 11:10

    Sensationelle Verschwörungstheorien! Ihr solltet eine Enthüllungsreportage schreiben…
    Nee, im Ernst. Als erstes solltet ihr vielleicht mal schauen, was der anarr sonst noch so geschrieben hat, indem ihr z.B. einfach mal die Volltextsuchen von GWR und DA nach dem Autoren durchsucht. Da findet ihr z.B. folgende sehr wohlwollende Rezension: http://www.direkteaktion.org/194/jenseits-des-betroffenheitsgedusels

    Dann darf ich mir mal die gegenläufige Interpretation erlauben: Da der Koordinationsredakteur ein äußerst liebenswürdiges Original ist, das zu solchen Machenschaften, wie ihr unterstellt, gar nicht fähig ist, hat derselbe sich vielleicht viel eher gedacht: „Nach der Sache mit dem Nelles und dem Döhring lass ich das Buch mal lieber von jemandem rezensieren, der den Sachen von dem Döhring näher steht.“ Der wiederum hat sich offenbar gedacht: „na, in der GWR kann ich ja keine reine Jubelrezension schreiben, mach ich mal was ausgewogenes.“ und auch ein paar Kritikpunkte reingeschrieben. Gut, vielleicht hat auch der Redakteur gesagt: „Aber keine reine Jubelrezension!“ Was er tuen muss, denn sonst würde er seinen Job nicht machen. Und dann käme so was raus:
    http://www.direkteaktion.org/207/schwarze-scharen/?searchterm=schwarze%20scharen

    Was dann noch Adporno betrifft: Du verschätzt dich vollkommen bei der GWR. Ja, sicher gibt es Altgraswurzler, die gerne überall Pazifismus hätten. Gerade der geschmähte Redakteur ist allerdings 1999 für eine Öffnung der Zeitung angetreten. Und schließlich schmollen die „Graswurzelhippies“ auch nicht, weil z.B. der EZLN kein Pazifismus angedichtet wird. Und selbst wenn die „Graswurzelhippies“ Graswurzelhippies wären, verweise ich noch mal auf den obigen Hinweis, dass man ja mal andere Artikel von anarr googeln könnte – dann wird man feststellen, dass anarr wohl kein typischer „Graswurzelhippie“ ist.

    „Einflussreiche Autoren“ – das ist wirklich zum piepen. Einfluss in der GWR hat ein Autor wohl nur, wenn er sich erbarmt, im Herausgebergremium mitzumachen. das machen die „Historiker der radikalen Linken“, wenn mich nicht alles täuscht, nicht. Nelles, Rübner etc. schreiben doch eher selten in der GWR (ich weiß nicht, ob Rübner dort schon jemals geschrieben hat..).

    Also ehrlich: Woher kommt nur dieser höllenschlundtiefe Hass? Da ich glücklicherweise seit langem die linkslibertäre Sub- und Parallelkultur vorrangig von außen betrachte, mutmaße ich, dass einige Leute sauer sind, dass ihre polemischen Kommentare nicht in der GWR gedruckt werden (oder wurden) und dann gibt es wohl noch persönliche Befindlichkeiten aus der Frühzeit der FAU, als die Welt noch einfach war: hie Syndikalisten – da Graswurzler… oder so ähnlich.

    Ich lasse mich jetzt nicht mehr auf die Frage des Proletariatsbegriffs ein, nur so viel: ein enger Proletariatsbegriff (was soll das sein? Weiße, männliche Industriearbeiter?) führt zu einem Proletkult – mit so was unterschiede sich ein Syndikalismus dann kaum von MLPD, DKP, ETC… (ich weiß allerdings nicht, ob der rezensent das meint…)

    Wie dem auch sei: Ein Historiker in seinen besten Jahren, der der Jugend erklärt, wie sie sich organisieren muss, ist auch nicht anders als ein Akademiker, der der Arbeiterklasse erklären würde, wie sie sich organisieren müsse…

    • Adporno permalink
      17. Oktober 2012 11:52

      Alles relativieren macht total viel Spaß, danach ist es immer so schön harmonisch.
      Leider geht es in diesen Kommentaren um die GWR und nicht die DA. Es geht desweiteren um „Kein Befehlen, Kein Gehorchen!“ und nicht um „Eine Revolution für die Anarchie“.
      nur so nebenbei….

      Der Koordinationsredakteur kann sein Handeln nicht ganz alleine bestimmen, denn er hat ja schließlich eine Zielgruppe, die sich auf gewisse Weise verhält. Diese beiden Pole bedingen einander, sodass man „Schuld“ nicht eindeutig verorten kann. Brauch man aber auch gar nicht – die Vorwürfe gegen die GWR sind eindeutig. Konkret handelt es sich um mangelndes Klassenbewusstsein, naiver, dogmatischer Pazifismus und dann natürlich noch dieser ganze Ökoscheiß mit Sojaessen und solchen Unfug. Das macht die Zeitung und das Umfeld zu Hippies, da brauchst du gar nicht rumzuheulen.

      Aber mach du nur Impulse lächerlich die gegen die bisherigen Versäumnisse der Bewegung gerichtet sind – dann blebt alles beim Alten, funktioniert ja prima.
      Glücklicher Weise brauch ich und die Millionen anderen Menschen deshalb keine Angst mehr vor dem Arbeitsamt usw haben, weil wir ja auf dem beschrittenen (Hippiekulturellen) Weg eine so starke, gesunde Gegenkultur aufbauen konnten, dass wir die Genossen und Genossinnen tragen können, ohne sie der staatlichen Maschinerie ausliefern zu müssen.
      Weil ja alles so toll ist, ist es auch völlig unnötig, dass der Döhrung noch mal ein paar Ratschläge gibt, die er historisch begründen kann.
      Damit begibt er sich ganz klar auf die selbe Ebene von den ganzen Akademikern die den Arbeitern irgendwas erklären wollen. Super Vergleich!

      Diese ganzen schöngeistigen Besserwisser und Harmoniebedürftigen gehen so fatal am Leben vorbei, dass sich Menschen mit anderem Erfahrungshorizont oder in echter Not doch verarscht vorkommen müssen. Das ist auch eine tolle Außenwirkung.

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