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DIE ANTWORT – Roma in Ungarn gründen “Garde” zur Verteidigung gegen Neonazis

6. Oktober 2012

Ferenc Bago, der Kommandant der Roma-Garde in Ungarn.

Die folgenden Nachrichten über die Gründung einer Selbstschutzformation von Roma in Ungarn sind bereits knapp einen Monat alt. Wir haben uns dennoch entschlossen sie hier bekannt zu machen, da sie einen kleinen Hoffnungstrahl aus dem autoritär regierten und von großen faschistischen Bewegungen dominierten Ungarn darstellen. Wie immer, wenn sich von Ungerechtigkeiten Betroffene wehren und organisieren, ist der Staat schnell zur Stelle um diese Selbstorganisationen zu kriminalisieren und zu diskreditieren. Das ist auch hier der Fall; Konkret wurde der Gründer der Roma-Garde von einem Polizeikommando festgenommen und untersagt besagte Organisation zu gründen, da er „vorbestraft“ sei. Wieviele Politiker sind vorbestraft? Wieviele Konzern-Chefs und Kapitalisten? Gegen wieviele liefen Ermittlungen z.B. wegen Korruptionsverdacht oder Steuerhinterziehung? Wieviele kriminelle Faschisten stehen an der Spitze entsprechender Organisationen? In aller Regel dürfen diese weiterhin ihren Geschäften und ihrer Politik zum Nachteil der Bevölkerung nachgehen, während Menschen die sich  – wie in Ungarn – gegen alltäglichen faschistischen Terror wehren müssen, Organisationsverbote auferlegt bekommen. Wir erklären uns mit den Selbstverteidigungsgruppen der Roma und den antifaschistischen Kräften in Ungarn solidarisch.

Der bürgerliche Pesterlloyd fordert Zurückhaltung von den Roma – nicht etwa von den Neonazis und der Regierung

Mit der Ankündigung, eine eigene “Garde” zum Selbstschutz aufzustellen, ist eine Eskalation zwischen der größten ethnischen Minderheit und den Neonazi-Gruppen um die Partei Jobbik vorprogrammiert. Schuld an der Zuspitzung des Konfliktes trägt aber auch die Regierungspartei: durch wahltaktisches Kalkül und entwürdigende Ansätze bei der “Lösung der Zigeuenerfrage”. Man kann jetzt nur noch an die Besonnenheit der Roma appelieren, um Gewaltausbrüche bis hin zu einem Bürgerkrieg zu verhindern. Eine mehr als vage Hoffnung.

Quelle: Pesterlloyd.net

Chef der “Roma-Garde” in Ungarn festgenommen

Ferenc Bago alias Oberst Daflics darf wegen einer Vorstrafe keine Organisation gründen.

Budapest – Der Chef der neuen ungarischen “Roma-Garde”, Ferenc Bago, ist in der südungarischen Stadt Pecs von einer Kommandoeinheit festgenommen worden, wie Medien am Freitag berichteten. Der sich selbst als Oberst Daflics bezeichnende 45-Jährige hatte die Gründung einer “Roma-Garde” verkündet und die Roma zu “offenem Widerstand” aufgerufen. Laut dem Internetportal Index wurde Bago verhaftet, weil er eine Straftat beging, indem er als Vorbestrafter eine Organisation gründete.

Hinter der “Roma-Garde” steht die “Vereinigung der Roma von Pecs”. Sie wirbt im Internet um Mitglieder und Spenden. Nach Angaben der Vereinigung wurde die “Roma-Garde” als “Schutzschild” für Roma gegen die rechtsextremistische “Ungarische Garde” gegründet, die die Roma seit Jahren in Angst und Schrecken versetze. Laut Bago sollen sich bereits tausende Roma der Initiative angeschlossen haben. Der Sender Hir-TV berichtete, Bago soll als Fremdenlegionär gedient haben und wegen Mordversuchs im Gefängnis gesessen sein.

Der Initiative der “Roma-Garde” haben sich verschiedene Roma-Organisationen angeschlossen, darunter die Roma-Selbstverwaltung der südungarischen Stadt Mohacs. Ihr Vorsitzender Istvan Kovacs bestätigte die Unterstützung der Garde als Vereinigung zum Schutz der Roma. Doch dieser Schutz dürfe keinesfalls mit Waffengewalt erfolgen, betonte Kovacs. (APA, 7.9.2012)

Quelle: Der Standard.at

35 Kommentare leave one →
  1. atari teenage riot permalink
    15. Oktober 2012 23:11

  2. Chachipe permalink
    19. Oktober 2012 09:57

    Gemeinsame Presseerklärung: Schluss mit der rassistischen Hetze gegen Roma!

    Das Recht auf Asyl duldet keine Unterschiede!

    15. Oktober 2012 – In den vergangenen Tagen haben konservative Politiker, aber auch Mitglieder der SPD, wiederholt gefordert, die Visumpflicht für serbische und mazedonische StaatsbürgerInnen, die im Dezember 2009 gelockert wurde, wieder einzuführen. Sie möchten damit den „massiven Zustrom von serbischen und mazedonischen Staatsbürgern“ stoppen. Dabei geht es in erster Linie um Mitglieder der Romaminderheit, die seit Aufhebung der Visumpflicht für Kurzaufenthalte im Schengenraum vermehrt in der EU und anderen Schengener Vertragsstaaten Asyl beantragen.

    WEITER
    http://romarights.wordpress.com/2012/10/15/schluss-mit-der-hetze-gegen-roma/

  3. Roma --- aus Deutschland abgeschoben permalink
    24. Oktober 2012 19:48

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1574374/Roma—aus-Deutschland-abgeschoben

    Die Lebensumstände von Roma, die aus Deutschland in den Kosovo abgeschoben wurden, sind alarmierend. Dunja Hayali, Unicef-Botschafterin, besuchte ein Lager im Kosovo.

  4. Ⓐ Was ist Antiziganismus? Klischees über "Zigeuner" sind weit verbreitet - und alt. Ⓐ permalink
    15. Dezember 2012 23:47

    Was ist Antiziganismus? Klischees über „Zigeuner“ sind weit verbreitet – und alt.

    Etwa die Hälfte der Deutschen hält Sinti und Roma für tendenziell kriminell. Das ergab eine Studie von Antiziganismus-Forschern, die gegen die Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppe kämpfen. Das Problem: Antiziganismus sei kein Tabu, sagt der Politologe Markus End.

    Heute ist eine von RomnoKher, dem Haus für Kultur, Bildung und Antiziganismus-Forschung, in Auftrag gegeben Studie vorgestellt worden. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Zwei Monate nachdem Bundeskanzlerin Merkel bei der Einweihung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma mahnte, für die Zukunft wachsam zu sein, Minderheiten zu schützen und Verantwortung zu übernehmen. „RomnoKher“ ist seit 2006 in Mannheim Zuhause und wird von drei Stiftungen und zwei Vereinen finanziert.

    Als Antiziganismus werde die feindliche Einstellung in einer Mehrheitsgesellschaft gegen Menschen, die von dieser Gesellschaft als „Zigeuner“ wahrgenommen werden, bezeichnet, erklärt der Politikwissenschaftler Markus End, der das Gutachten zu Antiziganismus erstellt hat. Er vergleicht Antiziganismus mit Diskriminierung gegen Muslime und Antisemitismus.

    Den Begriff „Rassismus gegen Sinti und Roma“ verwende man deshalb nicht, weil antiziganistisch eingestellte Menschen gar nicht von Sinti und Roma sprächen, sondern in deren Köpfen der Begriff „Zigeuner“ eingebrannt sei.

    Besonders beachtlich: Klischees gegen Sinti und Roma hielten sich sehr lange, obwohl diese meist extrem alt seien. So werde dieser Bevölkerungsgruppe oft eine Identität abgesprochen, man gehe davon aus, dass sie nomadisch leben und keinen festen Wohnsitz hätten. Weiterhin werde behauptet, dass sie nicht arbeiten wollen, sondern parasitär von der Arbeit der Mehrheitsgesellschaft leben wollen würden. Die Studie ergab beispielsweise, dass etwa die Hälfte der deutschen Sinti und Roma für Kriminelle hält.

    Markus End sieht das Problem darin begründet, dass es beim Antiziganismus im Vergleich zum Antisemitismus beispielsweise keine Tabus gebe, keine Wahrnehmung dafür, was gesagt werden darf und was nicht. Es gebe keine gesellschaftlichen Sanktionen für Antiziganismus. Im Gegenteil: Bis in die 70er-Jahre seien Vorurteile über diese Bevölkerungsgruppe sogar in einem Manifest zur polizeilichen Arbeit gedruckt worden.

    Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1948342/

  5. Politologenprobleme permalink
    16. Dezember 2012 15:54

    „Markus End sieht das Problem darin begründet, dass es beim Antiziganismus im Vergleich zum Antisemitismus beispielsweise keine Tabus gebe, keine Wahrnehmung dafür, was gesagt werden darf und was nicht.“
    Bekloppter geht’s wohl nicht. Das Problem besteht also darin, dass es „keine Tabus“ gibt. Der Typ hat doch völlig einen an der Klatsche.

    • Rümane permalink
      16. Dezember 2012 23:21

      Es gibt gar keinen Antiziganismus – gut mitgedacht.

    • Wolfgang Pohrt permalink
      19. Dezember 2012 08:45

      Die Behauptung, dass es keine Tabus gäbe, ist eine Verharmlosung des Antisemitismus, aber noch schlimmer ist der Vergleich mit dem Antiziganismus anundfürsich, denn das ist eine Relativierung des Holocaust.
      Bescheuerter geht’s wirklich nicht. Die Redaktion hat doch stapelweise Bretter vorm Kopf, wenn solch völkisches Denken hier überhaupt thematisiert und befördert wird.
      Die Zigeuner stecken doch in Wirklichkeit hinter 9/11 und unter einer Kameltreiberdecke mit den Taliban. Ist doch schon komisch, dass alle Moslems den Holocaust gegen die Juden leugnen, aber nicht die normale Vernichtung der Zigeuner in Hitlerdeutschland.

      • Bonaventura permalink
        19. Dezember 2012 15:04

        Ist das jetzt Pohrtsche Ironie? Ist das wirklich Wolfgang Pohrt? Und wenn ja, wo hat er sich den Kopf so schwer angeschlagen?

        Anmerkung Syndikalismus: Nein, das ist nicht der W.P.. Es ist einer der wohl nichts besseres zu tun hat.

  6. Klischeeko permalink
    17. Dezember 2012 17:55

    „Klischees gegen Sinti und Roma hielten sich sehr lange, obwohl diese meist extrem alt seien.“

    Sag mal einem Sinti, dass er was mit Roma zu tun hat, dann kannste dein Klischee modernisieren.

    • Rümane permalink
      18. Dezember 2012 01:15

      Stimmt, der Rassismus ist so extrem alt, dass die Romas und Sintis aalglatt vergessen haben, dass sie ihn selbst erfunden haben – voll die Mitdenkerrunde hier.

    • 19. Dezember 2012 08:15

      Was für eine braune Socke sind Sie denn?

  7. Klischeeko permalink
    19. Dezember 2012 10:28

    Interessant immerhin, was für Assoziationen da so auftauchen… D.h. eher das Gegenteil. Der Ferenc Bago ist mir auf jeden Fall sympathischer, als diese pc-Politologen-community, die jedes Wort offenbar nur in eine Richtung deuten kann, und ohne Tabus nicht leben will. Tschüß.

    • Rümane permalink
      19. Dezember 2012 18:13

      Ja nee, versteh schon, Deine Tabulosigkeit liegt darin begründet, dass kein Schwein böcke hat sich mit Antizeugenjehovanismus auseinanderzusetzen. Musst halt mit dem Klischee klarkommen, dass Du ein Wachtürmler bist.

  8. Klischeeko permalink
    19. Dezember 2012 19:58

    @ Rümane: Ja das ist mal ne Perspektive 😀
    Mit dem Schwein und den Böcken wirst du mir jetzt aber antispeziezistisch. Und so was kann man ja wohl nicht ernst nehmen – das macht doch kein Mensch.

  9. Kay Schweigmann-Greve permalink
    5. Januar 2013 11:59

    Wohin treibt Ungarn?

    Aus Ungarn erreichen uns schockierende Nachrichten: Jüngst hat ein Parlaments-abgeordneter dort gefordert, Menschen jüdischer Herkunft eigens zu registrieren, weil sie ein »Sicherheitsrisiko« darstellten. Über die politische Situation in diesem EU-Land referierte in der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover der österreichische Journalist Karl Pfeifer, Jahrgang 1928. Er weiß, wovon er spricht: Als Jugendlicher entkam er – als Flüchtling vor den deutschen Nazis in Ungarn lebend – 1943 dem Holocaust, indem er sich mit 50 weiteren Angehörigen des sozialistisch-zionistischen Jugendverbandes Haschomer Hazair ins damalige britische Mandatsgebiet durchschlug. Pfeifer zeichnete ein anschauliches Bild der gegenwärtigen politischen Verhältnisse in Ungarn.

    Die Orban-Regierung kann mit ihrer Politik eines entschlossenen Abbaus innergesellschaftlicher Liberalität und ihrem Flirt mit Antisemitismus und Zigeunerfeindlichkeit auf historischen Kontinuitäten aufbauen und sich der Zustimmung eines erheblichen Teils der Bevölkerung sicher sein. Rechts neben dieser Regierung existiert die militante Oppositionspartei »Jobbik« die offen an die »Pfeilkreuzler«, eine nationalsozialistische ungarische Bewegung der 1930er und 40er Jahre anknüpft. Ihr zur Seite steht die neue »Ungarische Garde«, eine Schlägertruppe, die besonders die ungarischen Roma auch physisch bedroht. Obwohl sie als Parteimiliz 2009 offiziell verboten wurde, treibt sie bis heute weitgehend unangefochten ihr Unwesen. Angesichts der massiven Verschlechterung der Lebensbedingungen breiter Teile der ungarischen Bevölkerung müsse man die Politik Orbans als »Klassenkampf von oben« bezeichnen, so Pfeifer. Zu den Verlusten an Demokratie kommen massive soziale und ökonomische Rückschritte. Dennoch sei aufgrund der Zerstrittenheit der ungarischen demokratischen Opposition nicht mit einer Abwahl der Regierung zu rechnen.

    Ein zentrales Projekt der Regierung Orban ist die Rehabilitierung des Horthy-Regimes der Zwischenkriegszeit, auf dessen autoritäre, ungarisch-völkische und judenfeindliche Politik lange vor der Besetzung Ungarns durch Nazideutschland Pfeifer hinwies. Miklós Horthy habe bereits vor dem Einmarsch der Deutschen seine Zustimmung zur Deportation von Juden aus der ungarischen Provinz in das Vernichtungssystem der Nazis gegeben. Horthy aber werden im heutigen Ungarn Monumente und Ehrentafeln auf Dorfplätzen und in Schulen gewidmet.

    Pfeifer zitierte aus den jüngsten Reden Viktor Orbans. So sprach Orban am 27. September in Ópusztaszer anläßlich der Einweihung eines Monumentes, das einen Turul darstellt. Dieses raubvogelartige Fabelwesen steht für den mythischen Ursprung des Ungarntums und wird oft mit einem Schwert in den Klauen in der Heraldik ungarischer völkischer Gruppen und Faschisten wie den Pfeilkreuzlern und heute Jobbik verwendet. Orban dazu: »Der Turul ist ein Urbild, das Urbild der Ungarn. Wir werden in es hineingeboren, so wie wir in unsere Sprache und Geschichte hineingeboren werden. Von dem Augenblick an, wo wir als Ungarn auf die Welt kommen, schließen unsere sieben Stämme den Blutbund, gründet unser heiliger Stephan den Staat …, der Turul aber ist das Symbol der nationalen Identität der jetzt lebenden, der schon gestorbenen und der erst noch auf die Welt kommenden Ungarn … Wer die Zeichen der Zeit zu lesen vermag, der kann sie lesen. Eine Welt neuer Gesetze kommt auf den europäischen Kontinent zu. Das erste Gebot dieser im Entstehen begriffenen neuen Welt lautet: Die Starken vereinigen sich, die Schwachen zerfallen, das heißt, die Angehörigen starker Nationen halten zusammen, die der schwachen Nationen laufen auseinander. Ich wünsche jedem Ungarn, daß er Ohren haben möge zu hören und daß er die Zeichen lesen möge.«

    In diesem Kontext steht auch die Unterdrückung der Roma. Deren formale Gleichberechtigung ist seit 1945 auf dem Papier garantiert, doch keine Obrigkeit versuchte ernsthaft, die Probleme dieser Bevölkerungsgruppe wirklich zu lösen – das gilt auch für alle ungarischen Regierungen seit der Wendezeit. Die gegenwärtige rechte Hetze unter dem Schlagwort »Zigeuner-Kriminalität« hat dazu geführt, daß sich nur rund 120.000 Roma bei der letzten Volkszählung als solche bekannt haben, tatsächlich sind es EU-Schätzungen zur Folge jedoch zwischen 600.000 und 800.000 Menschen, sechs bis acht Prozent der gesamten ungarischen Bevölkerung.

    Pfeifer informierte über die aktuelle Bedeutung der ungarischen politischen Szene für deutsche und österreichische Neonazis, die in Ungarn zum Beispiel ungehindert Wehrsportübungen abhalten können.

    Rassistische »Garden« sind europäisch vernetzt.

    http://www.ossietzky.net/25-2012&textfile=2108

  10. Der NS-Völkermord an den Roma und Sinti permalink
    13. Januar 2013 23:26

    Der NS-Völkermord an den Roma und Sinti

  11. Ungarische Roma am Scheideweg? permalink
    27. Januar 2013 21:10

    Ungarische Roma am Scheideweg?

  12. Das neue Ungarn - Die Roma als Sündenbock permalink
    27. Januar 2013 21:11

    Das neue Ungarn – Die Roma als Sündenbock

  13. Ungarn: Demokratie oder Diktatur? permalink
    27. Januar 2013 21:14

    Ungarn: Demokratie oder Diktatur?

  14. Die Stadt der Roma permalink
    27. Januar 2013 21:16

    Die Stadt der Roma

    Unter Bezugnahme auf die Geschichte des Ghettos von Nadejda wirft der Dokumentarfilm fernab von Folklore oder Mitleid einen neuen, politisch engagierten Blick auf die Volksgruppe der Roma. Ungeschminkt zeigt er die aufbegehrende Gesellschaft der Roma. In der Industriestadt Sliven im Südosten Bulgariens, am Fuße des Balkangebirges, liegt eines der größten Roma-Ghettos in Europa — und eines der schlimmsten: 20.000 Menschen leben hier auf engstem Raum in schwierigsten hygienischen Verhältnissen. Das knapp zwölf Hektar große Gelände ist von einer mit verrostetem Stacheldraht gekrönten Mauer umschlossen, die das Ghetto von der Stadt trennt. Diese liegt auf der anderen Seite der Bahnschienen. Diese drei Meter hohe und mit rassistischen Sprüchen übersäte Mauer kann niemanden unberührt lassen.

    Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Wie ist das heutzutage und mitten in Europa möglich? Die Geschichte von Nadejda ist symbolisch für die ethnische Ausgrenzung der überwältigenden Mehrheit der Sinti und Roma in Europa. Angel Tichaliev und die anderen Aktivisten einer lokalen NGO für Roma, setzen sich im Ghetto von Nadejda gegen die Rassentrennung in der Schule und die skandalöse Diskriminierung ein. Zwischenzeitlich werden in der von Stefka Nikolova betriebenen Suppenküche, der eigentlichen Agora des Ghettos, heftige Debatten über die Kampagne zu den Gemeindewahlen geführt. In der noch jungen Demokratie haben Roma neuerdings das Wahlrecht und sämtliche Kandidaten buhlen um ihre Stimmen.

  15. Schau in meine Welt - Lulianas Traum (Roma-Mädchen in Rumänien) permalink
    6. Februar 2013 00:18

    Schau in meine Welt – Lulianas Traum (Roma-Mädchen in Rumänien)

    Luliana ist 10 Jahre alt und wohnt mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester im Dorf Rosia, in Rumänien. Hier leben viele Roma. Die Roma sind in Rumänien eine eigene Volksgruppe, die oft ausgegrenzt und unfair behandelt werden. Die meisten Roma im Dorf bekommen keine Arbeit und sind deshalb sehr arm. Iulianas Eltern haben Glück: Immerhin haben sie eine Arbeit, sodass sie sich das Nötigste leisten können und meistens genug zu essen haben. Aber nicht nur die erwachsenen Roma werden diskriminiert: Roma-Kinder sind an rumänischen Schulen unerwünscht. Viele Roma können deswegen auch nicht lesen und schreiben — auch Iulianas Eltern nicht. In Rosia wurde vor ein paar Jahren mithilfe von Spendengeldern aus Deutschland eine Waldorf-Schule für die Roma-Kinder gebaut. Dort lernen die Kinder nicht nur lesen, schreiben und rechnen, sondern auch kochen und werden so ganz gut auf ein späteres Arbeitsleben vorbereitet. Iuliana geht gerne zur Schule, nachmittags hilft sie der Mutter mit der Hausarbeit oder spielt mit den anderen Kindern im Dorf. Am Wochenende besucht sie ihre Großeltern, die in einem verlassenen Bahnhofshäuschen leben. Und manchmal holt sie mit dem Vater, der als Holzfäller arbeitet, Holz aus dem Wald. Obwohl Iuliana in ziemlich ärmlichen Verhältnissen lebt, beklagt sie sich nicht: sie ist glücklich. Hätte sie aber einen Wunsch frei — sie wüsste da schon etwas…

    Teil 2

  16. Elend ist das Zigeunerleben - Auf Spurensuche nach einem ungeliebten Volk permalink
    24. April 2013 18:49

    Elend ist das Zigeunerleben – Auf Spurensuche nach einem ungeliebten Volk

    Wie keine andere Minderheit wurden sie zur Projektionsfläche von Angst, Vorurteilen und romantisierender Sehnsucht. Sie verkörperten das Fremde, das Andere schlechthin, wurden über Jahrhunderte verfolgt und diskriminiert, als Sündenböcke missbraucht und bis heute zu Statisten ihres eigenen Elends degradiert: Zigeuner, die hierzulande – politisch korrekt – als Sinti und Roma bezeichnet werden. Wie hartnäckig sich die Ressentiments halten, zeigte im vergangenen Jahr eine Studie von Antiziganismus-Forschern: Etwa die Hälfte der Deutschen betrachtet Zigeuner als tendenziell kriminell.

  17. Leben in Armut - Roma in Slovakei permalink
    1. Mai 2013 12:16

  18. Ungarn geht hart gegen Obdachlose vor permalink
    2. Oktober 2013 18:34

    Ungarn geht hart gegen Obdachlose vor

    Obdachlosen wird in Zukunft das Übernachten auf Straßen und Plätzen verboten: Die ungarische Regierung hat ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Wer dagegen verstößt, dem drohen Sozialstunden, Geld- oder sogar Gefängnisstrafen.

    Das ungarische Parlament hat am Montag ein umstrittenes Gesetz beschlossen, das Obdachlosen das Übernachten auf Straßen und Plätzen verbietet. Obdachlose können dann sogar mit Freiheitsentzug bestraft werden.

    Die linken und liberalen Oppositionsparteien riefen Staatspräsident Janos Ader auf, gegen das Gesetz Veto einzulegen. Vor fast einem Jahr hatte das Verfassungsgericht eine ähnliche Regelung gekippt. Daher änderte das Parlament im März dieses Jahres die Verfassung, um das Gesetz trotzdem durchsetzen zu können.

    Demnach sollen sich Obdachlose prinzipiell nicht an Orten aufhalten dürfen, die zum ungarischen Weltkulturerbe gehören. Darüber hinaus dürfen die Kommunen nach eigenem Ermessen Zonen bestimmen, in denen Obdachlosen der Aufenthalt verboten ist. Verstöße können mit Arbeit für das Gemeinwohl oder einer Geldbuße geahndet werden. „Wiederholungstätern“ droht eine Gefängnisstrafe.

    Die sozialistische Oppositionspartei MSZP beklagte, dass die Obdachlosen durch dieses „unmenschliche“ Gesetz von den Behörden nun „gejagt“ werden könnten, ohne irgendeine Ordnungswidrigkeit begangen zu haben. Das neue Gesetz diene nur dazu, zu verhindern, dass der Anblick dieser Menschen die „Erfolgspropaganda“ der Regierung störe. Vor dem Parlament demonstrierten Hunderte Ungarn gegen das Gesetz.

    Sie folgten einem Aufruf der Facebook-Gruppe „A varos mindenkie“ („Die Stadt gehört allen“), die Obdachlose ins Leben gerufen haben. Allein in Budapest leben nach Schätzungen von Hilfsorganisationen 8000 bis 10.000 Obdachlose, für diese gibt es 6000 Plätze in Heimen. Die Regierung erklärte hingegen, es gebe Heimplätze für alle Obdachlosen. Die vorhandenen Kapazitäten würden nur nicht vollständig genutzt.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/umstrittenes-gesetz-ungarn-geht-hart-gegen-obdachlose-vor-1.1784580

  19. Schwierige Berichterstattung über Roma permalink
    5. November 2013 17:00

    Von populistisch bis politisch korrekt, von fair und fundiert bis fies und falsch – über kaum ein Thema wird in den Medien so breit diskutiert wie über die Zahl der „Armutszuwanderer“ aus Rumänien und Bulgarien, aus Teilen Serbiens, Mazedoniens und dem Kosovo. Ab 2014 könnte ihre Zahl noch weiter zunehmen, wenn die Lebensbedingungen in ihren Herkunftsländern sich nicht grundlegend ändern, befürchten Kommunalpolitiker und Sozialamtsmitarbeiter, weil dann für die EU-Länder Bulgarien und Rumänien die volle Freizügigkeit auf dem EU-Arbeitsmarkt gilt.

    Ein Teil der Flüchtlinge stammt zudem aus Roma-Familien, die in ihren Ländern zur ärmsten und oft auch am meisten drangsalierten Bevölkerungsgruppe gehören. Was aber beides in Deutschland in der Regel noch keinen anerkannten Asylgrund ergibt. Viele von ihnen werden nach Prüfung ihres Antrages rasch wieder zurück in ihre Herkunftsländer geschickt. In der Zwischenzeit leben sie in vollgestopften Mietshäusern, in überfüllten Asylbewerberunterkünften und neben äußerst skeptischen deutschen Nachbarn.

    Viele Medien geben sich spürbar Mühe, bei diesem Thema nicht zu polemisieren, sprachsensibel zu berichten, dabei aber auch die oft harte Realität richtig abzubilden. Trotzdem sind verwendete Zahlen oder Begriffe manchmal falsch und es werden immer wieder antiziganistische Klischees bedient. Die Berichterstattung über die Flucht vor der Armut – ein Drahtseilakt für die Medien.

  20. Schweden: Ein Register für Roma permalink
    23. November 2014 18:39

    Schweden: Ein Register für Roma

    In Schweden hat die Polizei illegale Listen über Roma angelegt. Die rein ethnischen Auswahlkriterien lassen auf rassistische Motive schließen. Mit über 4000 Namen umfasst es die genauen Verwandtschaftsverhältnisse vieler Roma-Familien in Schweden. Nachdem das Register von einer schwedischen Zeitung publik gemacht wurde, hat sich die Polizei selbst angezeigt.

  21. Frankreich: Roma-Baby durfte nicht bestattet werden permalink
    4. Januar 2015 20:42

    Roma-Baby durfte nicht bestattet werden

    Empörung haben am Wochenende in Frankreich Berichte ausgelöst, wonach ein Bürgermeister die Bestattung eines Roma-Babys verweigert haben soll. Politiker und Aktivisten warfen dem rechtsgerichteten Ortschef der Gemeinde Champlan bei Paris, Christian Leclerc, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vor. Premierminister Manuel Valls sah Frankreich beleidigt. Leclerc wies die Vorwürfe am Sonntag zurück und sprach von einem Missverständnis.

    Bürgermeister spricht von Missverständnis

    Ein rechtsgerichteter Bürgermeister in Frankreich hat offenbar einem zu Weihnachten verstorbenen Roma-Baby die Beerdigung in seiner Gemeinde verweigert und für eine Welle der Empörung gesorgt. Politiker und Aktivisten zeigten sich erschüttert und warfen dem Ortschef Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vor. Am Sonntag wies dieser alle Vorwürfe zurück.

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    Christian Leclerc, der Bürgermeister der Gemeinde Champlan bei Paris, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe sich „zu keinem Zeitpunkt“ der Bestattung widersetzt. „Die ganze Sache wurde aufgebauscht“, so Leclerc. Er selbst sei auf Urlaub gewesen, und die mit der Anfrage befasste „Person“ sei normalerweise dafür gar nicht zuständig. „Sie hat sich ein wenig in den verschiedenen Unterlagen verheddert.“
    „Vorrang für Steuerzahler“

    Ein vom „Le Parisien“ veröffentlichtes Zitat sei „aus dem Zusammenhang“ gerissen, sagte Leclerc weiter. Er habe lediglich erklären wollen, wie Friedhöfe in einer Gemeinde verwaltet würden. „Man hatte die Wahl zwischen Corbeil und Champlan, ich habe am Mittwoch mein Einverständnis für eine der Möglichkeiten gegeben“, sagte der Bürgermeister weiter. Dies sei möglicherweise falsch interpretiert worden.

    Der parteilose Leclerc, der sich selbst zur Rechten zählt, war zuvor von der Zeitung „Le Parisien“ zitiert worden, dass auf dem Friedhof seiner Ortschaft nur noch wenige Gräber frei seien. „Vorrang haben diejenigen, die hier ihre Steuern zahlen“. Daraufhin war er von vielen Seiten teils heftig kritisiert worden.

    „Beleidigung Frankreichs“

    Premierminister Manuel Valls kritisierte die Verweigerung einer Bestattung für das Kind aufgrund von dessen Herkunft. Die sei „eine Beleidigung all dessen, was Frankreich ausmacht“, so Valls. Die Familienstaatssekretärin Laurence Rossignol zeigte sich erschüttert: „Ein Baby zu verlieren bedeutet unermessliches Leid“, schrieb die Sozialistin im Onlinedienst Twitter. Betroffenen Eltern die Beerdigung zu verweigern sei eine „unmenschliche Erniedrigung“.

    Die Gemeinschaft der rund 30 Roma-Familien in dem Ort südlich von Paris nannte die Vorgänge „schändlich“. In Frankreich können Menschen an ihrem Wohnort, an ihrem Sterbeort oder in einer Gemeinde bestattet werden, wo die Familie bereits ein Grab hat. In jedem Fall müssen die Angehörigen beim jeweiligen Bürgermeister um Erlaubnis bitten.

    „Ablehnung sehr selten“

    Das am 14. Oktober geborene Mädchen Maria Francesca war in der Nacht auf den 26. Dezember am plötzlichen Kindstod gestorben, wie der Präsident des örtlichen Vereins zur Unterstützung der Roma, Loic Gandais, mitteilte. Demnach starb das Baby in einem Krankenhaus der an Champlan angrenzenden Gemeinde Corbeil-Essonnes. Ein Bestattungsunternehmen aus Corbeil-Essonnes stellte daraufhin im Auftrag der Familie den Antrag, das Kind in Champlan begraben zu dürfen.

    Leclerc habe die Anfrage ohne Begründung abgelehnt, sagte der Bestatter Julien Guenzi am Samstag der AFP. Er müsse sich nicht erklären, doch seien derartige Ablehnungen „sehr selten“. Maria Francescas Eltern leben in einem Roma-Lager am Ortsausgang von Champlan, ihre fünf und neun Jahre alten Söhne gehen dort in die Schule. Das Dorf liegt knapp 20 Kilometer südwestlich von Paris in unmittelbarer Nähe des Flughafens Orly.

    Angesichts der Schwierigkeiten bot schließlich die nahe gelegene Gemeinde Wissous der Familie an, das Baby dort zu beerdigen. Die Bestattung ist für Montag vorgesehen. „Einfach aus Menschlichkeit konnte die Situation so nicht bleiben“, sagte Bürgermeister Richard Trinquier von der konservativen Partei UMP. „Es gibt keinen Grund, einer Mutter, die neun Monate ein Kind ausgetragen hat und es nach zweieinhalb Monaten verliert, weiteren Schmerz zu bereiten.“

    Links:

    Le Parisien
    Französischer Premier

    http://orf.at/stories/2259907/2259906

  22. Bildungsverein der Roma permalink
    26. Juli 2015 11:16

    Rechte Front gegen Roma Ungarn in der Krise

  23. Anti­zi­ga­nis­mus & der Dis­kurs um »Armutsmigration« - Ein Vortrag von Michael End permalink
    18. September 2015 16:01

    Anti­zi­ga­nis­mus & der Dis­kurs um »Armutsmigration« – Ein Vortrag von Michael End

    „In der ersten Veranstaltung Antiziganismus und der Diskurs um ‚Armutsmigration’ soll ein kritischer Begriff des Antiziganismus entwickelt werden. Antiziganistische Motive hatten innerhalb der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen eine zentrale Bedeutung und prägen darüber hinaus heute den Diskurs um ‚Armutsmigration’, der in seiner politischen Stimmung an die Abschaffung des Asylrechts erinnert. “
    Webseite der Veranstalter: http://www.souslaplage.org

    • Porajmos: Der Völkermord an den Roma & Sinti permalink
      2. April 2016 00:17

      Porajmos: Der Völkermord an den Roma & Sinti

      „Otto Laubinger ist Jahrgang 1928 und wohnt seit seiner Kindheit in Neumünster. Wir haben mit ihm und seinem Sohn Jonny Laubinger über ihre Erlebnisse gesprochen und was sie in unterschiedlichen Generationen als Minderheit der Sinti hier empfinden. Denn noch heute herrscht Angst, wenn man Sinti und Roma zum sogenannten Porajmos, zum nationalsozialistischen Völkermord, befragt.

      Wir wollen wissen, wie die Ausgrenzung, Verfolgung und Zwangsarbeit der Sinti und Roma in Neumünster in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 aussah. Wie entwickelte sich das nach 1945, welchen Diskriminierungen waren Sinti und Roma ausgesetzt? Und wie sieht es heute aus? Welche gegenwärtige Bedrohung erleben sie durch Rassisten und Neonazis?“ (Text, Quelle & MP3: http://www.freie-radios.net/75545 )

  24. Sinti, Roma und Bayern permalink
    24. Oktober 2015 16:17

    Robert Schlickewitz
    Sinti, Roma und Bayern

    http://www.sintiromabayern.de/homepage.htm

    http://www.sintiromabayern.de/chronik.pdf

    PS: Besonders interessant sind die Jahre 1900 – 33 und Nachkriegsdeutschland …..

  25. Antiziganismus (Zigeunerfeindlichkeit) in Deutschland permalink
    2. April 2016 00:32

    Antiziganismus (Zigeunerfeindlichkeit) in Deutschland

    Antiziganismus (frz. tsigane „Zigeuner“ und -ismus) ist ein in Analogie zu „Antisemitismus“ gebildeter Fachbegriff für „Zigeunerfeindlichkeit“. Er bezeichnet die von Stereotypen, Abneigung und/oder Feindschaft geprägten Einstellungskomplexe gegen als „fremd“ und als „Zigeuner“ wahrgenommene Menschen und Gruppen sowie die durch solche Einstellungen bedingten oder mitbedingten Formen gesellschaftlicher und staatlicher Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung bis hin zu Vertreibung, Pogromen, Internierung, Zwangssterilisierung und staatlich organisiertem Völkermord (Porajmos).

    Antiziganismus richtete und richtet sich in erster Linie gegen die in einem rassistischen und herabwürdigenden Sinn mit unterschiedlichen mehrheitsgesellschaftlichen Etiketten („Zigeuner“, „heidens“ usw.) belegten, ursprünglich aus Indien stammenden und seit dem Spätmittelalter nach Europa zugewanderten Roma.

    Antiziganismus konnte und kann daneben auch die Angehörigen eines umfangreichen Spektrums sozial Deklassierter und Marginalisierter betreffen, weil ihre sozioökonomische Situation – historisch als „Fahrende“, heute vor allem als randständige Bewohner von Peripheriesiedlungen – der der „Zigeuner“ ähnelt und die mit diesem Begriff einhergehenden Stereotype auf sie anwendbar zu sein scheinen. Hierzu gehören die im mittel- und oberdeutschem Sprachgebiet mit ihrer Eigenbezeichnung als Jenische bekannten Gruppen, irische Pavee oder niederländische woonwagenbewoners. Wiewohl sie nach Sprache, Selbstbild und Kultur sowie nach ihrer Herkunft aus der europäischen Mehrheitsbevölkerung von Sinti und Roma zu unterscheiden sind und ausweislich der verschiedenen regionalen mehrheitsgesellschaftlichen Bezeichnungen stets auch unterschieden wurden und werden, boten und bieten sich auch bei ihnen Ansätze für antiziganistische Ressentiments.

    Die Geschichte der Verfolgung von Menschen als ‚Zigeuner‘ lässt sich bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen. So beschloss der Freiburger Reichstag des Heiligen Römischen Reichs 1498 beispielsweise, alle ‚Zigeuner‘ für vogelfrei zu erklären. Seit dieser Zeit kam es immer wieder zu massiven Verfolgungen und Ausgrenzungen gegenüber als ‚Zigeuner‘ stigmatisierten Gruppen. Seit der Zeit der europäischen Aufklärung wurden die antiziganistischen Vorstellungen immer stärker verwissenschaftlicht und rassifiziert. Dies kann auch als „moderner Antiziganismus“ bezeichnet werden. Der ‚Zigeuner‘ wurde dabei zu einem archaischen Gegenbild des ‚Bürgers‘ — und in einer völkischen Variante des ‚Bauers‘ — stilisiert. Dieses bildete auch eine Grundlage für den nationalsozialistischen Genozid, bei dem nach Schätzungen ca. 500.000 Roma, Sinti und andere als ‚Zigeuner‘ Verfolgte in ganz Europas systematisch ermordet wurden. Die Anerkennung dieses Genozids in der Bundesrepublik Deutschland zog sich bis 1982 hin.

    Auch heute ist „Antiziganismus“ in Europa weit verbreitet. Die verschiedenen Klischees des ‚Zigeuner‘-Konstrukts — das angebliche Betteln und Stehlen, Wahrsagen und Musizieren, das heimatlos Umherziehen, schmutzig, unzivilisiert und integrationsunwillig Sein — finden sich alltäglich in Medien, Politik, Kultur und am Stammtisch wieder. Auch die Situation der Gruppen, die häufig von Antiziganismus betroffen sind, hat sich nicht verbessert: Noch immer müssen viele Roma in vielen europäischen Ländern Ost- und Westeuropas in Slums, Notunterkünften oder eigenen Stadtvierteln leben, werden von Schulbildung, Gesundheitsversorgung, Arbeits- und Wohnungsmarkt ausgeschlossen und sehen sich antiziganistischen Übergriffen und Diskriminierungen ausgesetzt.

    Antiziganismus findet sich dabei nicht nur bei neonazistischen Gruppierungen, sondern ist in sehr weiten Teilen der europäischen Gesellschaften fest verankert. Häufig findet sich auch eine positive Umdrehung der gleichen Stereotype: Anstatt den vermeintlichen ‚Zigeunern‘ vorzuwerfen, dass sie vaterlandslos seien, wird ihre Freiheitsliebe bewundert, anstatt sie der Arbeitsscheu zu bezichtigen, wird ihre Art lustig in den Tag hinein zu leben gepriesen. Solche positiven Umwertungen der gleichen Stereotype werden Philoziganismus genannt.

    ……

    Bilder und Sinnstruktur des Antiziganismus:

    http://www.bpb.de/apuz/33277/bilder-und-sinnstruktur-des-antiziganismus?p=all

  26. Roma: Vom rumänischen Fântânele nach Berlin-Neukölln permalink
    2. Juni 2016 17:09

    Roma: Vom rumänischen Fântânele nach Berlin-Neukölln

  27. Die Ideologie des Antiziganismus ----- Antiziganismus & Arbeitsgesellschaft - Ein Vortrag von Roswitha Scholz (2012) permalink
    31. Dezember 2016 01:17

    Die Ideologie des Antiziganismus

    Antiziganismus ist ein, in der öffentlichen Wahrnehmung seltsam unterbelichteter, Aspekt der Diskriminierung. Allein das Wort ist kaum über linke oder, sich explizit damit befassende, akademische Kreise hinaus bekannt. Dem Alltagsmenschen hierzulande sagt Antiziganismus schlicht nichts. Ein Fakt der verstörend wirkt, angesichts der Verfolgungs- und Ausgrenzungsgeschichte welche Sinti&Roma jahrhundertelang erleiden mussten. Eine Geschichte welche schließlich im Holocaust der Nationalsozialisten ihren traurigen Höhepunkt erreichte. Auch heute noch werden Sinti&Roma als „Zigeuner“ diskriminiert und ausgegrenzt. Über die Entstehung des modernen Antiziganismus und seine ideologische Funktion haben wir mit der Theoretikerin und Publizistin Roswitha Scholz gesprochen. Sie ist Coautorin des Buches „Antiziganistische Zustände“ und schreibt regelmäßig für die wertkritische Theoriezeitschrift Exit!.

    Antiziganismus & Arbeitsgesellschaft – Ein Vortrag von Roswitha Scholz (2012)

    „Am 13. November lud der Landesarbeitskreis (LAK) Shalom der Linksjugend [’solid] Baden-Württemberg in das Komma nach Esslingen ein, um sich mit dem weit verbreiteten Problem Antiziganismus auseinanderzusetzen. Die Beschäftigung mit diesem Thema ist innerhalb der Linken marginal, obwohl europaweit Sinti und Roma als „Zigeuner“ diskriminiert werden. Ziel des Vortrags war es, theoretische Grundlagen des Phänomens Antiziganismus herauszuarbeiten. Hierbei wurden antiziganistische Tendenzen im Zusammenhang mit neuzeitlichen Disziplinierungsprozessen und der Herausbildung der Arbeitsgesellschaft analysiert. Dabei wurden auch Parallelen und Differenzen zwischen Antiziganismus und Antisemitismus aufgezeigt.“ (Text, Quelle & MP3: http://bak-shalom.de/index.php/2012/11/21/mitschnitt-und-bericht-der-veranstaltung-mit-roswitha-scholz-zu-antiziganismus-und-arbeitsgesellschaft )

  28. Scharfe Kritik zum Roma-Tag permalink
    16. April 2017 20:22

    Scharfe Kritik zum Roma-Tag

    Anlässlich des Roma-Tages am 8. April prangert das Freiburger Forum gegen Ausgrenzung die Abschiebepraxis der Landesregierung an. Allein Baden-Württemberg führe monatlich drei Sammelabschiebungen auf den Balkan durch, kritisiert die Initiative. Ein Großteil der mehreren tausend Betroffenen pro Jahr seien Roma-Familien, die vor der „völligen Perspektivlosigkeit“ stünden. Die Diakonie Kosova habe rund 1000 „Rückkehrerfamilien“ aus Deutschland in ihrer Kartei, worunter auch Schwerkranke seien. Eine adäquate Gesundheitsversorgung für Roma gebe es aber auf dem Balkan nicht. Die baden-württembergischen Behörden würden damit immer wieder den baldigen Tod der Betroffenen „billigend in Kauf“ nehmen. Am 13. Mai will das Freiburger Forum zusammen mit anderen Gruppen gegen das Abschiebegefängnis Pforzheim demonstrieren. (07.04.2017)

    http://www.kontextwochenzeitung.de/schaubuehne/167/herberge-der-vagabunden-2259.html

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