Zum Inhalt springen

8.9.: Bundesweiter Aktionstag gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz

6. September 2012

Mit Aktionen und Infoständen in 15 deutschen Städten macht die Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“ (GerDiA) am 8. September 2012 darauf aufmerksam, dass Konfessionslose in Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft keine Anstellung finden. „Die Grundrechte müssen auch bei Caritas und Diakonie Vorrang haben“, erklärt die Sprecherin der Kampagne Ingrid Matthäus-Maier. Es sei nicht hinnehmbar, dass einer Ärztin oder einem Altenpfleger im Falle eines Kirchenaustritts fristlos gekündigt werden dürfe.

Mit den Aktionen an belebten Plätzen in den Innenstädten will GerDiA möglichst viele Menschen für die Diskriminierung in Sozialeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft sensibilisieren und der Forderung Nachdruck verleihen, dass auch dort das Betriebsverfassungsgesetz und Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gelten muss – was bisher nicht der Fall ist. Die beteiligten Städte: Berlin – Dortmund – Dresden – Düsseldorf – Frankfurt (Main) – Freiburg – Hannover – Heidelberg – Kassel – Köln – Mainz – München – Osnabrück – Stuttgart – Trier (genaue Daten unter: http://www.gerdia.de/node/128).

Hintergrund

Das Betriebsverfassungsgesetz findet in kirchlichen Einrichtungen keine Anwendung (BetrVG § 118, Abs. 2). Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nimmt Beschäftigungsverhältnisse bei Kirchen und ihren Einrichtungen vom Verbot der unterschiedlichen Behandlung wegen der Religion oder der Weltanschauung aus (AGG § 9). Dadurch gibt es bis heute über eine Million Arbeitsplätze, zu denen Juden, Muslime, Buddhisten und Konfessionslose keinen Zugang haben. Dabei geht es nicht um kirchliche Tätigkeiten im eigentlichen Sinne, wie Seelsorge und Verkündigung, sondern um Ärzte und Kindergärtnerinnen, Krankenpfleger und Bürokräfte, Reinigungspersonal und Hausmeister. Wenn lediglich für Pfarrer, Diakone und ähnliche verkündigungsnahe Tätigkeiten der Tendenzschutz nach § 118, Ansatz 1 BetrVG Anwendung fände, würden die Kirchen genauso behandelt wie Arbeiterwohlfahrt oder Paritätischer Wohlfahrtsverband. Derzeit muss, wer in kirchlichen Sozialeinrichtungen beschäftigt ist, hingegen nicht nur auf das Recht auf Religionsfreiheit verzichten, sondern auch das Privatleben nach den Vorstellungen der Kirche ausrichten. Bei einem Verstoß droht die Kündigung. Ein Kirchenaustritt oder Wechsel der Glaubensrichtung führt generell zur Entlassung, in katholischen Einrichtungen sind auch die Wiederverheiratung nach einer Scheidung oder das öffentliche Bekenntnis zu einer homosexuellen Partnerschaft Kündigungsgrund.

Getragen wird die Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“ (GerDiA) vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs).

3 Kommentare leave one →
  1. Chantal permalink
    10. September 2012 12:13

    „Gegen Religion am Arbeitsplatz“ fänd‘ ich besser 😉

  2. Diakonie in Bottrop kürzt Beschäftigten den Lohn permalink
    17. Dezember 2013 22:24

    Diakonie in Bottrop kürzt Beschäftigten den Lohn

    Mit der Direktvermarktung von Bio-Produkten soll der Rotthoffs Hof sein Betriebsergebnis verbessern.Foto: Robert Dyhringer

    Bottrop. 2014 werden die Beschäftigten auf dem Rotthoffs Hof des Diakonischen Werkes in Bottrop weniger Geld verdienen. Als Grund führt die Diakonie einen Rückgang des Betriebsergebnisses an. Auch hätte die „strukturelle Schwäche des Standorts“ Bottrop dazu beigetragen. Dennoch sei der Hof „ein Erfolg“.

    Die Post kam zum dritten Advent: Im neuen Jahr werden die Beschäftigten auf dem Rotthoffs Hof, dem Kirchhellener Bauernhof im Verbund der Bottroper Werkstätten des Diakonischen Werkes, weniger Geld verdienen. Die Einbußen betrügen bis zu 20 Prozent, beklagen Betroffene. Das Diakonische Werk bestätigte auf WAZ-Anfrage die Lohnkürzungen und begründete sie mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses.

    „Als Arbeitsort für Menschen mit Behinderungen und psychisch Erkrankte ist der Hof ein Erfolg“, sagt Michael Horst, Öffentlichkeitsreferent des Diakonischen Werkes. Ein Erfolg sei auch die Vermarktung der auf dem Hof erzeugten Produkte im hauseigenen Bioladen, sagte im Herbst Betreuerin Sabine Ridderskamp.
    Ansteigende Betriebskosten und Preisdruck

    Das hat nach Angaben des Diakonischen Werkes aber dieses Jahr nicht gereicht. „Auftragsrückgänge, ansteigende Betriebskosten sowie der Preisdruck durch die Arbeitgeber haben zu einem Ergebnisrückgang geführt“, schreibt die Geschäftsleitung an die Beschäftigten. Gleichzeitig sei die Anzahl der Lohnempfänger weiter stark steigend“, sagt Michael Horst. Das Betriebsergebnis müsse auf eine steigende Zahl von Lohnempfängern verteilt werden.

    Hintergrund: Beschäftigte in sozialen Werkstätten haben neben ihrer Grundsicherung Anspruch auf ein „Grundentgelt“ von 75 Euro monatlich. Darüber hinaus zahlen gemeinnützigen Einrichtungen Löhne an die Beschäftigten, die an die Zahl der Arbeitsstunden, an die individuellen Leistungen oder die Anforderungen an den Arbeitsplatz gekoppelt sind – und eben an das wirtschaftliche Ergebnis des jeweiligen Betriebes.
    Strukturelle Schwäche des Standortes

    Damit schlägt nach Horsts Einschätzung die strukturelle Schwäche des Standortes durch auf die Behindertenwerkstätten, die Aufträge aus der Wirtschaft einzuwerben versuchen. Horst: „Mit einem stärkeren Mittelstand hätten auch wir es leichter.“

    Die Mitarbeiter der Kirchhellener Einrichtung, die die Beschäftigten betreuen, sind nach Angaben von Michael Horst nicht betroffen von den Kürzungen. Insgesamt sind bei den Bottroper Werkstätten 487 Menschen in Bottrop und Dorsten beschäftigt: neben dem Rotthoffs Hof im Lebensmittelmarkt „CAP“ in Grafenwald, in der Rheinbabenwerkstatt mit 287 Plätzen und in den Werkhäusern 1-3 in Bottrop und Dorsten. Ob auch auf diese Beschäftigten Kürzungen zukommen, konnte Horst noch nicht sagen: „Die Berechnungen sind noch nicht abgeschlossen.“ Das soll im Januar passieren.

    Kai Süselbec

    http://www.derwesten.de/staedte/bottrop/diakonie-in-bottrop-kuerzt-beschaeftigten-den-lohn-id8781231.html

Trackbacks

  1. 08.09. 2012: Bundesweiter Aktionstag gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz « Entdinglichung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: