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Fußball-EM 2012. Aktion in Warschau: Wohnungen statt Spiele

9. Juni 2012

Der folgende Bericht der ZSP-AIT dokumentiert den Widerstand des MieterInnen-Verteidigungs-Komitees (Komitet Obrony Lokatorów) und der Basisgewerkschaft ZSP (Związek Syndykalistów Polski) gegen das in Polen und der Ukraine abgehaltene Fußballspektakel, das gestern in Warschau begann. Während die Presse und das Fernsehen in Deutschland die Proteste gegen die Fußball Europameisterschaft zwar punktuell am Beispiel der Femen-Bewegung dokumentiert, wenn auch alleinig aus voyeristischen Gründen, zeigt der nun folgende Text, dass das soziale Aufbegehren gegen das Großereignis wesentlich breiter gefächert ist, als es in den deutschen Medien dargestellt wird.

Am 8. Juni ist die Fußball Europameisterschaft in Warschau eröffnet worden. Die Stadt war voller Polizei, Militärpolizei und Fußballfans. Die ZSP und das MieterInnen-Verteidigungs-Komitee organisierten Proteste gegen die Politik dieser Veranstaltung. Die Aktion fand in der Umgebung des Stadions statt, so dass tausende Menschen davon Notiz nehmen mussten. Wir sprachen über das Geld, das für die Europameisterschaft ausgegeben wurde, und die Tatsache, dass nur die UEFA, die im übrigen steuerfrei agiert, und eine Handvoll Unternehmen von dem Ereignis profitieren. Ungefähr 26 Milliarden Euro wurden aus dem öffentlichen Haushalt dafür ausgegeben – Geld aus der Tasche der ArbeiterInnen.

Während Polen Unsummen für die Spiele ausgibt, bleiben Kinder hungrig, da die Stadt Warschau Cafeterias in Schulen privatisiert, Einschnitte im Sozialwesen vornimmt und überhaupt sämtliche Kosten erhöht. Ein Genosse der ZSP wies in seiner Rede darauf hin, dass das Unternehmen, welche das Nationalstadion von Warschau gebaut hat, vergangene Woche Konkurs anmeldete, da es Probleme mit Zahlungen gab. Das bedeutet, dass eine Menge Subunternehmen und damit eine Menge ArbeiterInnen nicht ausbezahlt wurden. Sie drohten damit die Europameisterschaft zu blockieren, taten es aber nicht. Die im Stadion beschäftigten ArbeiterInnen wurden ebenso betrogen, da sie weniger Lohn erhalten als ihnen zugesagt wurde. Auch sie drohten mit einem Streik, verzichteten aber darauf. Diese Situation, bei der eine große Masse an unorganisierten ArbeiterInnen durch Defätismus zum Schweigen gebracht wird, in einem Land mit versöhnlichen Gewerkschaften, erzeugt mehr und mehr soziale Probleme. Die Protestierenden riefen zur Selbstorganisation auf, um sich gegen diese Arten des Missbrauchs zu verteidigen.

Ein Guillotine wurde herbeigeschafft und die Demonstrierenden erklärten, dass wenn die PolitikerInnen so weitermachen, man Gebrauch davon machen müsste. Wenn die sozialen Kürzungen weitergehen, werden wir die Köpfe der Regierung kürzen.

Nach den Protesten gingen einige GenossInnen zur Polizeistation um gegen die Verhaftung der Aktivistinnen von Femen zu protestieren.

Quelle: Inoffizieller IAA-Blog

8 Kommentare leave one →
  1. Oli permalink
    9. Juni 2012 09:36

    Bei dem Spiel gestern haben die Polen die ganze Zeit über gepfiffen wenn ein griechischer Spieler den Ball hatte. Der Schiedsrichter war schlecht, gab gelb-rot gegen einen Griechen unberechtigt. Ob er von der nationalistischen Stimmung im Stadion angesteckt war?

  2. Adporno permalink
    9. Juni 2012 14:57

    Die anarchosyndikalistische Bewegung in Polen muss sich mit den Hooligans vermischen. Das hat bei den Nazis auch geklappt – man stelle sich vor, so ein Mob von 10 geht nicht mehr auf einen Afrikaner los, sondern ein Mob von 300, mit dem Afrikaner zusammen, geht auf die Bullen los.
    Ich möchte nur an das Spiel Spartak gegen den Armeeverein Moskau erinnern, in den 1990er Jahren, da mußten die Bullen aus dem Stadion fliehen. Geil oder?

    Dann treten auch keine Hippies mehr den 0rganisationen bei und reden die Arbeit der seriösen Leute kaputt.

    Außerdem stelle man sich vor, dass kontaktsportorientierte Leute Streikwächter sind – dann hält der Chef schnell das Maul. Der wohnt ja auch schließlich irgendwo.

    Wir brauchen anarchosyndikalistische Hooligans!

    • Traurig permalink
      9. Juni 2012 21:57

      „Wir brauchen anarchosyndikalistische Hooligans!“

      Es gibt doch die IAA. Die schlagen mit ihrer Dogmatik und Verbohrtheit doch genug kaputt. Und von einer vernünftigen Position zur Gewalt scheinen sie genauso wenig zu halten wie du, wie man beim Foto von der IAA-Sektiererin hinter der Guillotine sehen kann. Ist doch alles traurig.

      • Adporno permalink
        9. Juni 2012 23:31

        Ja! Schlimm ist das mit der Gewalt. Ich lese grade „Gewaltfrei gegen Hitler?“ und freue mich, dass nicht alles so traurig realistisch ist.
        Tragisch, sehr tragisch…

        Aber leb du mal in Armut, dann sprechen wir uns wieder.
        Rein profilaktisch, falls jetzt so ein Hippiegeseusel kommt, von wegen, „in meiner Studienzeit hat ich’s auch schwer“: Lass es lieber, denn wenn das tatsächlich keine Profilneurose ist, verrätst du dich, neben meiner Wenigkeit auch selbst und das wäre dann noch peinlicher.

        Ich fass es nicht, dass es für manche so ein geiles Gefühl ist, statt ihren instinktiven Hass gegen Unterdrückung auszuleben, lieber devot zu kriechen. Das Leben kann so schnell zu Ende sein – Krankheit, Alter, Unfälle oder die Yorikke bedrohen uns ständig. Da vertuh‘ ich doch meine Zeit nicht damit, so zu tun, als ob das beschissene, erlogene Häufchen Elend, dass solche Kriecher Gesellschaft nennen, was tolles ist und befolge ihre Regeln. Eine lautet da „Gewalt ist ganz schlimm – wenn dir einer Gewalt antut, lass es geschehen, denn Opfermentalität macht glücklich.“

        Bah ist das kulturlos!

    • Redskin permalink
      10. Juni 2012 02:46

      Adolfoporno halts Maul

      • Adporno permalink
        12. Juni 2012 22:33

        Redskins steigen ab, hab ich gehört – deshalb bist du sauer. Ok, kann ich verstehen.

  3. Adporno permalink
    9. Juni 2012 23:33

    Schlagt die Scheiß-Fußball-EM kurz und klein!

  4. Werner permalink
    10. Juni 2012 23:30

    Fußball

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