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PmC: Der Film „Résiste!“

22. Mai 2012
„Résiste!“ ist peinlich.

„Résiste!“ ist peinlich – sagt Pour ma Classe und hat damit sicherlich Recht.

„Résiste!“ ist eine Komödie von 2009 und entstammt der Feder des Drehbuchautors Jonas Grosch. Es spielen unter anderen Hannes Wegener, Christoph und Katharina Wackernagel. Es geht maßgeblich um Till und Sydelia. Till repräsentiert einen Karrieristen, der sich nicht wie erhofft durch ein Praktikum in einem Betrieb anbiedern konnte. Nach dem Abschluss seines Praktikums, in welchem er schamlos ausgenutzt wurde, wird er nicht übernommen, sondern bekommt vom Chef das Angebot, noch ein Praktikum abzuleisten.

Das erzürnt den bisher willenlosen Sklaven Till und so entschließt er sich auf einen seiner kapitalistischen Denkweise entsprechenden Gegenschlag – er gründet „Pakt“. Diese Beraterfirma führt nach Wunsch eines Praktikanten oder einer Praktikantin eine Kampagne gegen deren Ausbeutungsverhältnisse mit dem Ziel, für die Betroffenen eine Festeinstellung zu erzwingen. Ein Mal wird im Film der Preis von 500 € für diese Methode genannt, den eine Praktikantin bezahlen muss. Sie wird schließlich eingestellt, weil „Pakt“ ihrem Chef im Verborgenen gemachte Fotos zusendet, die diesen mit einer Prostituierten zeigen, mit dem Rat, sich besser um die Arbeitsverhältnisse einer seiner Praktikantinnen zu kümmern.

Das Unternehmen „Pakt“ floriert.

An diesem Punkt stößt Sydelia zu Till. Die beiden waren in ihrer Kindheit in einander verliebt, verloren sich aber durchs Sydelias Leichtlebigkeit aus den Augen. Nun möchte Sydelia – die nach einem geplatzten Jobangebot in Deutschland noch keine Lebensgrundlage hat – bei „Pakt“ arbeiten und Till willigt nach einigem Weigern ein.

Sydelia hingegen repräsentiert eine linke Revolutionärin und möchte die Lebensverhältnisse der Unterdrückten Praktikanten ändern. Sie favorisiert Methoden wie den „Generalstreik der Praktikanten“ oder Demonstrationen. Die dritte Partei in diesem Ringkampf sind die Herrschenden. Also Politiker und besonders Unternehmer die sich gegen die Aufmüpfigen wehren. Sie versuchen durch Aufkaufen, machtpolitische und wirtschaftliche Intrigen, sowie Gewaltakte gegen Till die Emanzipation der Praktikanten aufzuhalten.Die Situation schaukelt sich irgendwann hoch, weil Sydelia Till durch ihre Appelle, Liebe und Temperament überzeugen kann einen revolutionären Weg zu gehen. Nun kommt es doch zum Streik, indem sie durch kollektives Krankmachen dem Streikverbot von Praktikanten in Deutschland entgehen. Am Ende sehen wir die erfolgreichen Akteure der „Praktikantenbewegung“, die ihre Anführer Sydelia und Till feiern, die nun eine Agentur für Revolution gründen wollen. Hier endet der Film.

„Résiste!“ bedeutet im Deutschen „Widerstehe!“ oder „Leiste Widerstand!“.Typischerweise trägt ein deutscher Film über sich zur Wehr setzende Praktikanten einen französischen Titel und hat eine französische Protagonistin… nach dem Stammtischspruch „Die lassen sich nix gefallen, wenn da einer sowas beschließt, dann brennen die Straßenbahnen“.Neben Zitaten des Völkermörders Josef Stalin, der bloßen Reproduktion einiger Alt-68iger Klischees und einem Hoch auf den Zentralismus bietet der Film nicht wirklich viel. Die Praktikanten und Arbeitnehmer werden als lächerliche Opfermenschen dargestellt, die entweder den „Jungunternehmer des Jahres“ nötig haben, oder Sydelia, die den zumeist depressiven, antriebslosen jungen Menschen zunächst Selbstbewusstsein einhaucht, aber am Ende doch wieder in die fremdgesteuerte Institution der „Agentur für Revolution“ – ein Äquivalent der historischen Kommunistischen Partei – zurückkehrt. Der Film geht nicht über diese hilflose anarchokapitalistische oder parteikommunistische Idee hinaus, er vermählt sie bestenfalls miteinander durch die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen Till und Sydelia. Somit hat der Film nichts Innovatives und spielt mit den falschen Begriffen. Revolutionär sind die Handlungen nicht, eher in die Vergangenheit gerichtet. Das findet auch dadurch Ausdruck, dass die Eltern von Till nach einem anfänglichen Konflikt zwischen ihren Hippie-idealen und seinen kapitalistischen Recht bekommen, weil Till dann schließlich zur „linken“ Linie der Familienpolitik zurückkehrt.Der verstaubte marxistische Muff, der die Handlung so vorhersehbar macht, sorgt auch dafür, dass er den eigentlich interessanten Teil – n a c h der „Revolution“- weglässt.

Es gibt eine ganze Reihe Produktionen, die mit dem revolutionären Label versehen sind, aber bei genauerem Hinsehen diesem Maßstab nicht gerecht werden. Man muss sich hier vor Augen führen, dass unsere Gesellschaft, weder in Stalins Gulags, in den Betrieben der Kapitalisten noch in irgendwelchen bescheuerten Agenturen Antworten findet. Diese langweiligen Rezitationen von immer demselben Mist, machen solche Filme langweilig, brav und inspirationslos.Darüber kann auch die kitschige Fassade nicht hinwegtäuschen. „Résiste!“ ist lediglich peinlich.

Quellen:
http://www.imdb.com
DVD „Résiste!“ (2010) ASIN: B003BFCO28

Quelle: Pour ma Classe

One Comment leave one →
  1. Erika permalink
    27. Mai 2012 22:15

    Booaah…

    Welch eine Zumutung!

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