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Bei Hartz IV oder Rente droht Stromsperre

30. April 2012

Viele Haushalte können sich die steigenden Strompreise nicht mehr leisten

Immer mehr Menschen können die teuren Stromrechnungen nicht mehr bezahlen. Ganz besonders betroffen: Rentner und Bezieher von Hartz IV Leistungen. Allein im letzten Jahr sind die Strompreise um rund 10 Prozent gestiegen. Die Folge: Immer mehr Stromabschaltungen.

In Deutschland steigen massiv die Energiepreise. Im vergangenen Jahr 2011 sind die Strompreise im Durchschnitt um zehn Prozent gestiegen. Stromexperten vermuten, dass die Energiepreise auch in diesem Jahr um die selbe Ziffer ansteigen werden. Strom wird somit immer mehr zur Luxus-Ware, die sich bald kaum jemand mehr leisten kann. Laut Angaben der Verbraucherzentralen sind rund 15 Prozent aller deutschen Haushalte von Stromsperren betroffen. „Zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung kämpfen damit, die stetig steigenden Energiekosten zu finanzieren“, mahnt der Vorstandsvorsitzende der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Klaus Müller, in der Zeitung „Welt am Sonntag“. Vor allem Geringverdiener, Rentner und Hartz IV Bezieher sind hiervon betroffen. Arbeitslosengeld II-Bezieher bekommen zwar die Heizkosten erstattet, der Strom muss aber aus den regulären Hartz IV Regelsätzen bezahlt werden.

Bei drohender Stromsperre aktiv werden

Können die Betroffenen „die monatlichen Abschläge geradeso noch bezahlen, so kommt die Not bei der Jahresendabrechnung“, so die Verbraucherschützer aus NRW. Können sie die Kosten nicht in dem vorgegebenen Zeitrahmen zahlen, droht schnell die Abschaltung des Stroms. Stromsperren können bereits ab 100 Euro Rückstand durchgeführt werden. Allerdings muss der Schuldner noch mindestens vier Wochen vor Ankündigung der Abschaltung Zeit bekommen, um etwas gegen die drohende Sperre zu unternehmen. Drei Tage vor dem Einsetzen der Stromabschaltung müssen Betroffene über den genauen Zeitpunkt der Sperre durch den Stromversorger informiert werden. „Wurde eine Abschaltung angekündigt oder ist diese bereits vollzogen, ist es wichtig mit dem Energielieferanten in Kontakt zu treten“, so die Verbraucherzentralen. Denn die Versorger sind dazu gesetzlich verpflichtet, zunächst zu prüfen, ob die Zahlung der offenen Posten nicht mit humaneren Mitteln gesichert werden kann. Daher sei „es wichtig zu verhandeln“. In den meisten Fällen können Kunden Ratenzahlungen vereinbaren.

Früher noch, so der Verbraucherschützer, sei „Energiearmut ein Randphänomen gewesen“. Heute ist es aber zu einem Alltagsproblem avanciert. Jedes Jahr sperren die Energielieferanten rund 600.000 Haushalten aufgrund nicht bezahlter Rechnungen den Strom und die Heizung, wie Johannes Teyssen von „E.on“ berichtet. Statt aber die Preise mindestens für die Menschen mit geringem Einkommen zu senken, schlug dieser einen „Energie-Soli“ vor.

Steigende Strompreise eine „organisierte soziale Schieflage“

Nach Ansicht der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast, habe die schwarz-gelbe Bundesregierung „strom- intensive Betriebe bei den Entgelten massiv entlastet“. Die entstandenen Einnahmeausfälle würden nun auf Kosten der Verbraucher in die Höhe treiben, so die Politikerin. Künast wirft „schwarz-gelb“ vor, sie „organisieren bewusst eine soziale Schieflage“ in diesem Land. Bezieher von Hartz IV Leistungen müssen Stromkosten grundsätzlich aus den Regelleistungen begleichen. Bei entstandenen Stromschulden kann beim Jobcenter ein Antrag auf Übernahme der Stromschulden gestellt werden. Als „Kann-Leistung“ wird die Behörde normalerweise ein Darlehen gewähren. Allerdings werden die Raten von den folgenden Regelsatz-Zahlungen wieder abgezogen. Ein Rechtsanspruch auf Übernahme besteht in der Regel nicht. Es obliegt dem Sachbearbeiter, ob ein Darlehen aus Behördensicht gerechtfertigt ist. Betroffene sollten sich daher auch an eine Erwerbslosen-Beratungsstelle wenden, um gegebenenfalls bei Ablehnung einen Widerspruch zu stellen.

Weil aber in der allermeisten Fällen nur ein Darlehen von den Behörden gewährt wird und obendrein die Schulden von den laufenden Regelleistungen wieder ratenweise abgezogen werden, geraten viele in noch größere Nöte. Denn bei steigenden Energiepreisen „findet eine Unterdeckung des Regelbedarfs statt“, so Sebastian Bertram von „Gegen Hartz“. Der Gesetzgeber sei daher dazu aufgefordert, endlich die Regelleistungen bedarfsgerecht anzuheben. (sb)

Quelle: Gegen Hartz

8 Kommentare leave one →
  1. Zieht Euch warm an permalink
    30. April 2012 13:48

    Spanier demonstrieren gegen Sparpläne

    In Spanien ist am Sonntag einmal mehr gegen die Sparpläne der Regierung demonstriert worden. Diese hat angesichts der immensen Schulden des Landes allerdings kaum Alternativen. Quelle: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=10336324

    • Rentner, wollt ihr ewig leben? * Demo für eine Mindestrente, Berlin 4.Okt.2014 permalink
      5. Oktober 2014 19:51

      Rentner, wollt ihr ewig leben? * Demo für eine Mindestrente, Berlin 4.Okt.2014

      Die Situation vieler alleinstehender Rentner/innen, die knapp über dem Regelsatz der Grundsicherung liegen, wird immer prekärer.

      http://www.Reiches-Deutschland.webs.com

      Wir fordern für uns eine Mindestrente von Euro 1250,00 monatlich. Diese Summe ist real und lebensnotwendig.

  2. Sklavenmarkt Deutschland permalink
    30. April 2012 14:51

    Sklavenmarkt Deutschland

    Lohndumping ist überall. Millionen Geringverdiener arbeiten in prekären Verhältnissen. Und das Heer der Ein-Euro-Kräfte und Mini-Jobber wächst. Ganz unten: Saisonarbeiter und Illegale. Wer verdient alles mit, wenn Menschen billig schuften? Quelle: SWR

    http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8888486

  3. Granado permalink
    30. April 2012 17:37

    anders als die Springerpresse wieder lanciert: Energiearmut nicht wegen Energiewende:
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verbraucherzentrale-15-prozent-der-deutschen-droht-energiearmut/v_detail_tab_print/6570848.html
    Verbraucherzentrale: 15 Prozent der Deutschen droht Energiearmut
    29.04.2012, 15:32 Uhr
    Die Strompreise steigen – und gerade Bürger mit niedrigem Einkommen leiden darunter. Ihnen droht Energiearmut. Der Sozialverband VdK kritisiert, die Regierung habe „die soziale Dimension der Energiewende nicht im Blick“.
    Berlin. Steigende Energiekosten bringen immer mehr Verbraucher in die Klemme. „Früher war Energiearmut ein Randphänomen, doch mittlerweile ist es für viele ein Alltagsproblem geworden“, sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Klaus Müller, der „Welt am Sonntag“. Nach seinen Worten kämpfen inzwischen 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung damit, die Energiekosten zu finanzieren. Einer Umfrage der Verbraucherschützer bei Versorgern zufolge wird deswegen bei rund 600.000 Haushalten jährlich der Strom wegen offener Rechnungen der Strom abgedreht.
    Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, kritisierte, die Bundesregierung habe „die soziale Dimension der Energiewende nicht im Blick“. Bei niedrigen Einkommen schlügen die steigenden Stromkosten „voll durch“.
    Der Aufwärtstrend bei den Strompreisen setzt sich im ersten Halbjahr 2012 unvermindert fort. Nach jüngsten Angaben des Verbraucherportals Toptarif haben seit Januar rund 420 Grundversorger ihre Preise um durchschnittlich 3,5 Prozent angehoben. Je nach Haushaltsgröße bedeutet das eine jährliche Mehrbelastung von 20 bis 60 Euro, in manchen Regionen sogar von mehr als 150 Euro. Im Mai und Juni wird der Strom bei 30 Unternehmen um 4,9 Prozent teurer.
    Doch schon in den Jahren zuvor kannte der Strompreis nur eine Richtung: nach oben.

    Energiewende ist nicht der Hauptgrund
    2005 lag er im Schnitt noch bei 18,2 Cent pro Kilowattstunde. Heute sind es je nach Anbieter rund 26 Cent. Bei einem Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden können derzeit mehr als 1000 Euro pro Jahr an Stromkosten anfallen. Daher lohnt es sich, zu vergleichen und von dem meist recht unbürokratischen Anbieterwechsel Gebrauch zu machen.
    Für den Anstieg verantwortlich ist aber nicht in erster Linie die Förderung erneuerbarer Energien, wie oft behauptet wird. Diese über den Strompreis zu zahlende Umlage ist in den vergangenen zwölf Jahren meist deutlich geringer gestiegen als der Strompreis – allerdings gab es 2010 einen Sprung von 2 auf rund 3,5 Cent. In diesem Jahr sind knapp 3,6 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen.
    Fast die Hälfte des Strompreises entfällt auf staatliche Abgaben: Mehrwertsteuer, Ökostrom-Umlage, Konzessionsabgabe und Stromsteuer. Trotz des Aus für acht Kernkraftwerke sind die Beschaffungskosten für Strom gesunken, daher taugt die Energiewende hier nicht als Argument für Preissprünge. Für die aktuellen Anstiege sind vor allem stark erhöhte Kosten für die Netznutzung verantwortlich sowie neue Befreiungsregelungen etwa bei der Ökostromförderung und bei den Netzentgelten für Unternehmen mit einem hohem Stromverbrauch.
    Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, gibt der Bundesregierung die Schuld an der zunehmenden Energiearmut. „Schwarz-Gelb hat stromintensive Betrieben bei den Netzentgelten massiv entlastet – dieser Einnahmeausfall treibt die Kosten für Verbraucher und Mittelstand in die Höhe“, sagte Künast der „Welt am Sonntag“: „Hier werden soziale Schieflagen bewusst organisiert.“

    http://www.welt.de/wirtschaft/article106237307/Wenn-kein-Strom-mehr-aus-der-Steckdose-kommt.html?config=print
    29.04.12
    Energieversorgung: Wenn kein Strom mehr aus der Steckdose kommt
    Es ist „demütigend und peinlich“, ohne Strom leben zu müssen, sagt ein Hartz-IV-Empfänger. Doch noch mehr sind Geringverdiener und Rentner betroffen. Viele können sich den Strom nicht mehr leisten. Von D. Siems und D. Wetzel

  4. Volker permalink
    8. Februar 2013 15:46

  5. Hartz 4 und Rentner permalink
    8. Februar 2013 16:17

    Hartz 4 und Rentner

  6. Die Macht der Stromkonzerne permalink
    29. Oktober 2014 20:16

    Die Macht der Stromkonzerne

    Kaum ein Thema wird derzeit so heftig diskutiert wie die Energiewende. Selten beleuchtet wird dabei allerdings, wie die Strukturen entstanden sind, auf deren Basis die Stromerzeuger jahrzehntelang ein profitables Geschäft betrieben haben und so zu einer der mächtigsten Branchen Deutschlands wurden. Wir zeigen auf, wie die Elektroriesen ihr profitables Geschäftsmodell in Deutschland etablieren konnten und die Energiepolitik nach ihren Interessen beeinflusst haben.

  7. Student erfindet Miniofen, der mit nur vier Kerzen einen ganzen Raum heizen kann permalink
    2. März 2015 23:59

    Manche denken bei Winter an verschneite Wiesen und kuschelige Stunden mit einem Buch und einer Tasse Tee. Anderen bereiten die niedrigen Temperaturen hingegen Sorgen, denn Heizkosten können ein tiefes Loch in die Haushaltskasse reißen.

    Knapp 10 Cent Heizkosten für einen Tag Wärme hören sich in diesem Zusammenhang ziemlich absurd an. Doch eine Erfindung von Marco Zagaria verspricht genau das.

    Energie ohne Elektrizität

    http://www.huffingtonpost.de/2015/02/26/miniofen-kerzen-heizen_n_6757764.html

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