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Entzauberung des Zionismus [Disenchanting Zionism]

24. Juli 2011

Von Rachel Tabachnick

»Dies Land ist mein. Gott gab dieses Land mir.« [This land is mine, God gave this land to me.] Für viele mögen diese Worte den musikalischen Ohrwurm aus Otto Premingers Film »Exodus« aus dem Jahr 1960 wachrufen. Allerdings kamen diese Worte nicht in der Oscar-prämierten Musik vor, die Ernest Gold komponiert hat. Der Christliche Zionist und Sänger Pat Boone kritzelte sie auf eine Weihnachtskarte, nachdem der Film aufgeführt worden war, wie die Jerusalem Post in einem Artikel über Boones »Weihnachtsgeschenk an die Juden« [Christmas present to the Jews] berichtete.

Diese Woche sah ich »Exodus« das erste Mal nach vielen Jahren. Die Geschichte, von Leon Uris gleichnamigem Roman adaptiert, unterscheidet sich substantiell von der der realen »Exodus« von 1947, einem mit Juden überladenen schäbigen Packetdampfer, der Frankreich Richtung Haifa verließ. In der schrecklichen Geschichte der wirklichen »Exodus« wurde das Schiff gerammt und von den Briten übernommen, die es nach Haifa schleppten und die Immigranten auf andere Schiffe luden, um sie nach Frankreich zurückzuschicken. Nachdem Frankreich sich weigerte, die im Hungerstreik befindlichen Passagiere an Land zu zwingen, brachten die Briten sie nach Deutschland, wo sie in ehemaligen Konzentrationslagern interniert wurden. Der öffentliche Aufschrei verursachte eine Änderung der britschen Politik, die in der Folge Zypern zur Internierung  jener Juden benutzten, die versuchten, nach Palästina einzuwandern.

In der Filmfassung gelingt es Ari Ben Canaan, gespielt von Paul Newman, Hunderte Flüchtlinge von Zypern auf das Schiff zu schmuggeln, das dort von den Briten blockiert wird. Die amerikanische Krankenschwester Kitty Fremont setzt sich bei einem britschen General, den sie irrtümlich für eine Juden hält, dafür ein zu intervenieren, als die an Bord des Schiffes Befindlichen wegen ihres Hungerstreiks gefährlich schwach werden. Der General antwortet: »Jetzt stelle ich mir die Frage, wie irgendein Mensch dies geschehen lassen kann, sei er nun Jude, Christ, Buddhist, Moslem.« Dieser Film, mittlerweile fünfzig Jahre alt, war ein simplistischer, etwas kitschiger, revisionistischer Blick auf Israels Gründung. Seine massive Popularität gründete sich allerdings auf seine universelle Botschaft der jüdischen Menschenrechte, nicht auf ein »göttliches Recht« auf das Land.

Premingers »Exodus« ist eine Erinnerung an eine Vergangenheit, als Zionismus andere Vorstellungen hervorrief als heute. Damals konnten alle, die glaubten, daß die Juden das Recht haben in Frieden zu leben, als pro-israelisch angesehen werden. Es gab keine Bedingung, eine wörtliche Interpretation zukünftiger biblischer Prophezeiungen zu akzeptieren.

Die negative Besetzung des Wortes »Zionismus« heute – ein Begriff, der weitgehend dahingehend umdefiniert wurde, Einwände gegen die israelische Regierungspolitik zu beschreiben – wird häufig der muslimischen Propaganda und dem Anti-Semitismus zugeschrieben. Sicherlich hat der andauernde israelisch-palästinensische Kampf die primäre Rolle dabei gespielt, seinen Ruf zu beschädigen. Es gibt allerdings einen Faktor in dieser Gleichung, der ständig als Elefant im Porzellanladen auftritt, sobald es um den innerjüdischen Dialog geht. Das Wort Zionismus wird in steigendem Maße gleichgesetzt mit dem Begriff »Biblischer Zionismus«, eine Weltsicht, bei der eine Partnerschaft aus Christen und Juden wie wild daran arbeitet, die Zeiger der prophetischen Uhr zu bewegen und ihre, wenn auch unterschiedlichen, Visionen des Messianischen Zeitalter zu befördern. Man muß kein Anti-Semit oder ein »pro-palästinensischer Propagandist« sein, um diese Agenda und die explosive Mischung jener zu fürchten, die in allen drei abrahamitischen Glaubensrichtungen darauf fixiert sind, die menschliche Geschichte zu beenden.

Premierminister Netanjahu hat das iranische Regime als einen »messianischen apokalyptischen Kult« beschrieben, während er gleichzeitig die Verkündung christlischer Endzeit-Hysterie und jüdischen Extremismus fördert; und er hat seine Feinde als »Amalekiter« bezeichnet, jenen Stamm, den die biblischen Israeliten bis auf die letzte Frau, das letzte Kind und das letzte Haustier auszurotten beauftragt worden waren [siehe 1. Samuel 15, 2, 3].

In diesem Gemeinschaftsunternehmen des Biblischen Zionismus sind die jüdischen Partner in beträchtlicher Minderheit gegenüber den christlichen Millenaristen, die heute eine wachsende Erscheinung in Südamerika, Asien, Afrika und Europa darstellen. Letzte Woche habe ich meine Videosammlung vom »Davidischen Tanz« – ein Ausdruck millenaristischer Inbrunst, in der diese charismatischen Christen ihre »hebräischen Wurzeln« umarmen, indem sie die Rolle der alten Hebräer spielen und sich darauf vorbereiten, in Vorbereitung auf das Ende aller Zeiten über die Amalektiter der Welt herzufallen – weitere zugefügt. Diese Video-Clips stammen aus Argentinien, Brasilien, Kanada, Deutschland, Hongkong, Singapur, Sambia und zahlreichen anderen Nationen. Heutzutage werden diese Ereignisse als Ausdruck der Unterstützung für Israel angesehen, aber der Millenarismus ist launisch, und die Geschichte hat gezeigt, daß die ekstatischen Erwartungen philosemitischer Besessenheit sich in etwas sehr häßliches verwandeln können, wenn die Juden nicht die ihnen zugedachte Rolle in dem Drama einnehmen.

Der heutige Zionismus wird von christlichen Fernseh-Netzen vierundzwanzig Stunden am Tag um den ganzen Erdball gefördert, sieben Tage die Woche, und in Büchern, von denen Millionen verkauft werden. Dieser Zionismus wird definiert in apokalyptischen Bildern von kommenden Kriegen und mit Karten eines größeren Israel, das sich vom Nil bis zum Euphrat erstreckt. Er ist ein Zionismus, der eindeutig darauf basiert, die Juden der Welt als eine Rasse zu definieren, und daß sie sich auf irgendeine angeborene Art von allen übrigen Menschen unterscheiden. Dies ist ein Zionismus, der natürlich jeden abstößt, gleich welcher Religion oder Nationalität und einschließlich vieler Christen weltweit, die Einspruch erheben gegen eine simplistische und dualistische Erzählung, in der die Mächte, die für Gott arbeiten, und die Mächte, die für den Teufel arbeiten, kurz davor stehen, ihre Entscheidungsschlacht im modernen Staat Israel auszufechten.

Wenn negative Bilder des Zionismus in extremistischen islamischen Medien benutzt werden, so werden sie recht regelmäßig und ziemlich zutreffend als Propaganda mißachtet. Israels millenaristische Verbündete allerdings beschreiben voller Enthusiasmus einen blutdürstigen und tobenden Zionismus, einschließlich bildlicher Darstellungen dessen, was als biblische Prophezeiungen des nuklearen Krieges beschrieben wird. Warum sollte ihre Propaganda nicht ernst genommen werden, wenn sie mit ihren persönlichen Beziehungen zu und mit ihren Auszeichnungen durch jüdische Führer, Politiker und Organisationen werben?

In den letzten Jahren hat Israel versucht, mit einer Anzahl Werbeprojekten den Fokus vom israelisch-palästinensischen Konflikt fort auf andere Bilder zu lenken, auf die Schönheit der Nation, Tourismus, technologischen Fortschritt und andere Errungenschaften. Aber entgegen den Zeitungsenten von der jüdischen Kontrolle der Medien kann Israel nicht damit beginnen, mit dem weltweiten Zugang christlicher Radio- und Fernsehsender in Wettbewerb zu treten, die weitgehend durch dieselbe charismatische Strömung der Christenheit kontrolliert wird, die den internationalen christlichen zionistischen Aktivismus dominiert. Stell einen Fernseher in irgendeinem Hotelzimmer in Asien, Afrika, Europa oder den beiden Amerikas an, und du hast eine gute Chance, einen charismatischen Fernsehprediger zu finden, der der millenaristischen Sorte des Zionismus Vorschub leistet.

In dem Maße, wie das Phänomen des globalen Biblischen Zionismus wächst, wächst seine Umarmung durch israelische Politiker. Netanjahus Ansprache auf der Versammlung der ‚Christians United for Israel‘ (CUFI), gehalten am Abend des jüngsten Besuches von Joe Biden in Israel, demonstriert die signifikante politische Rolle seiner Christlichen Zionistischen Unterstützer. In seiner Rede auf der AIPAC Policy Conference [American Israel Public Affairs Committee – wichtigste pro-israelische Lobby-Organisation der USA] wiederholte er eine Warnung, die er zwei Wochen zuvor auf der CUFI-Veranstaltung ausgesprochen hatte. Netanjahu beschrieb eine »unbarmherzige internationale Kampagne, die Israels Existenzrecht unterminieren soll«. Kurz bevor er Netanjahu auf der CUFI-Veranstaltung einführte, hatte John Hagee festgestellt: »Es gibt einen blödsinnigen Versuch in den globalen Medien, Israel von seinem historischen Bund zu trennen, den Gott mit Abraham, Isaak und Jakob schloß. Israel existiert nicht wegen eines Erlasses der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1948. Israel existiert wegen eines Bundes, der vor 3.500 Jahren mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen wurde, und dieser Bund besteht immer noch.«

Das ist ein religiöser Glaube, der von vielen Juden und Christen geteilt wird; aber welche Konsequenzen hat es, diesen Glauben der restlichen Welt als politisches Handeln aufzuzwingen?

»Israel, der jüdische Staat, ist keine politische Entität,« schreibt Gary Cooperberg, der ehemalige Auslandspressesprecher von Meir Kahane, in seinem post von 2001 mit dem Titel »Biblischer Zionismus ist der einzige Pfad zum Frieden.« Er fährt fort: »Es ist der Anfang der Erfüllung der biblischen Bestimmung. Es betrifft nicht nur das jüdische Volk, sondern alle Nationen der Welt. Die Erlösung hat eindeutig begonnen, und alle Nationen werden von G-tt gerichtet werden. Auch die Nation Israel wird danach gerichtet werden, wie sie sich verhält. Der Terror, den wir heute in Israel sehen, steht in direktem Bezug zu dem Versagen unserer Führer hier, nationale Politik entsprechend den biblischen Aufträgen zu betreiben.«

Christliche Nationalisten in den USA benutzen eine ähnliche Terminologie, wenn sie beschreiben, daß dieses Land göttlich dazu bestimmt sei, sowohl Teil des Erlösungsprozesses der Welt als auch Werkzeug Gottes zu sein, um andere Nationen zu richten. Ein Textbuch mit dem Titel ‚America’s Providential History‘ enthält eine Zeitlinie, die 1789 als die Gründung »der ersten Christlichen Republik« markiert. Der Text endet mit Amerikas Niedergang, verursacht durch Apostasie [bewußtes Abwenden von einer Religion], und liefert Anleitungen zur Transformation Amerikas durch eine Rückkehr zum Willen Gottes. Nach der Transformation, so beschreibt der Text, »wird die Außenpolitik in dieser christlichen Weltordnung von Missionaren und Mitgliedern der christlichen Handelsgemeinde betrieben werden, die wissen, wie die Sache Christi außerhalb zu vertreten ist.« (Die Autoren des Textbuches bedanken sich bei zwei Geschichts-»Experten«, David Barton und Peter Marshall, die zur Zeit im Beratergremium des ‚Texas State School Board of Education‘ arbeiten, dessen Änderung der Lehrplanrichtlinien eine nationale Kontroverse ausgelöst haben. [1])

Ist es Israels Existenzrecht, das angegriffen wird, wie Netanjahu und Hagee behaupten, oder der Glaube des Biblischen Zionismus an ein göttliches Recht auf ein größeres Israel? Wird Israels Status als ein moderner Staat unterstützt oder beschädigt durch die wachsende Gleichsetzung des Begriffes pro-israelisch mit Biblischem Zionismus? Sicherlich liegt politisches Potential in der Partnerschaft mit dem christlichen Millenaristen in den Nationen auf der ganzen Welt. Umgekehrt droht die Umarmung des Biblischen Zionismus als Rechtfertigung der Existenz Israels, alle Anderen permanent zu entfremden sowie Israel weiter in die Fänge seiner millenaristischen christlichen Partner zu treiben. Für den millenaristisch gestimmten christlichen Flügel dieser Partnerschaft ist die wachsende Entfremdung Israels kein Problem, da es eine notwendige Voraussetzung ihrer endzeitlichen Erzählung ist.

Gershom Gorenberg zitiert in seinem Buch ‚End of Days. Fundamentalism and the Struggle for the Temple Mount‘ [Das Ende der Tage. Fundamentalismus und der Kampf für den Tempelberg] den Kahanisten Gary Cooperberg. Gorenberg zufolge sandte Cooperberg nach dem Purim-Massaker von 1994, das Kahanisten-Kamerad Baruch Goldstein an 29 muslimischen Gottesdienstbesuchern während der der Gebete in der Grabkammer der Patriarchen in Hebron verübte, an Journalisten ein Fax. Er konstatierte, daß Goldsteins »verzweifelter Akt der Liebe für sein Volk … eines Tages von allen Juden als der Wendepunkt erkannt werden wird, der die Erlösung über uns brachte.« Gorenberg erklärt, daß Goldstein Tage vor dem Massaker seinen Freunden erzählt hatte, daß er einen Plan habe, den Friedensprozeß zu beenden.

John Hagee beschreibt den Mord an Jitzhak Rabin als einen göttlich gefügten Plan. »Der Schuß, der  Jitzhak Rabin tötete, brachte die biblische Prophezeiung auf die Überholspur«, erklärt er in seinem Buch ‚Beginning of the End‘ [Der Anfang vom Ende] und beschreibt dann jene Juden, die Frieden wollen, als »kulturelle oder ethnische Juden, die dem religiösen Glauben des jüdischen Volkes keine   große Bedeutung zumessen.« Hagee setzt sein regelmäßig benutztes Thema fort, daß Israel in seiner Suche nach »Frieden um jeden Preis« »seine Sicherheit dem Anti-Christ in die Hände legen« würde und somit an der Entstehung der »New World Order« [Neuen Weltordnung] mitarbeite.

Es ist merkwürdig, daß Juden, die nicht daran denken würden, mit dem Kahanismus gemeinsame Sache zu machen, fröhlich die Partnerschaft mit Christen unterstützen, die den Kahanismus und ihren eigenen parallelen religiösen Fanatismus verbreiten. Aus verschiedenen Gründen wird die christliche Version von vielen, sowohl auf der Linken wie der Rechten, als irgendwie harmlos und inkonsequent angesehen.

Die Sprache sowohl der christlichen wie der jüdischen Extremisten wird in steigendem Maße von israelischen politischen Führern benutzt. Bürgermeister Nit Barkat [israelischer Bürgermeister von Jerusalem] wurde für die BBC von Owen Bennett-Jones zu der Kontroverse um den Wohnungsbau in Ost-Jerusalem interviewt. Barkat, der auch auf der Veranstaltung der CUFI am 8. März gesprochen hat, wurde als der »sekuläre« Kandidat beschrieben, als er sich als Bürgermeister für Jerusalem bewarb. Letzte Woche verteidigte er das Bauprogramm in Ost-Jerusalem auf eine Art und Weise, der seinen BBC-Interviewer ganz offensichtlich schockierte.

Barkat: »Jerusalem wird in der Bibel 663 Mal erwähnt … Jerusalem wird im Koran nicht einmal erwähnt …«

Bennett-Jones: »Sagen Sie wirklich, weil es vor 2.000 Jahren jüdisch war, muß es jetzt jüdisch sein? Und die Grundlage dafür ist, daß ihr vor 2.000 Jahren da wart, und Jerusalem wird in der Bibel öfter erwähnt als im Koran?«

Barkat: »Das ist Punkt eins, und das andere ist selbstverständlich natürlich – wir sind die Mehrheit in der Stadt, und wir beanspruchen sie mehr als jeder andere; und tatsächlich wurde sie ’67 vereinigt …«

Bennett-Jones: »Wenn alle dorthin gehen würden, wo wir vor 2.000 Jahren waren, ich meine, das wäre eine verrückte Welt. Es würde überall Kriege geben.«

Barkat: »Was ist denn nun ihre Frage?«

Bevor er Netanjahu am 8. März hereinbat, hatte John Hagee sehr deutlich gemacht, daß die CUFI-Demonstration eine Veranstaltung politischer Macht zugunsten eines »ungeteilten und ewigen jüdischen Jerusalem« war. Hagees Auswahl an Bibelversen war beunruhigend, betrachtet man den Schwerpunkt des Abends. Er zitierte frei aus dem Deuteronomium 6: »Er wird euch Häuser geben, die ihr nicht gebaut habt, er wird euch Quellen geben, die ihr nicht gegraben habt, und er wird euch Weingärten geben, die ihr nicht gepflanzt habt.« [5. Mose 6, 10, 11]

Wenn wir schon Verse aus der Torah als Anleitung für politische Aktivismus wie Rosinen aus einem Kuchen herauspicken wollen, dann ist Deuteronomium 16 [5. Mose 16] vielleicht eine bessere Wahl, die Pesach [Passah] beschreiben und auch die Worte einschließen: »Tzedek, tzedek, tirdof« – »Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollst du nachjagen, auf daß du lebest und das Land besitzest, welches der Herr, dein Gott, dir gibt« [5. Mose 16, 20]. Dies ist ein Vers, der für Jahrhunderte die Grundlage für die jüdische soziale Gerechtigkeit bildete.

Es gibt jene, die ihre Hingabe an soziale Gerechtigkeit nicht verloren haben. Didi Remez ist wohlbekannt für seine Teilnahme an den regelmäßigen Freitags-Protesten in Ost-Jerusalem und seinen eigenen blog ‚Coteret‘ [2]. Vor zehn Tagen, während er in Bili’in protestierte, wurde Didi fünfmal mit Plastikgeschossen in die Beine und in die Leistengegend geschossen. Trotz seiner Wunden, die genäht werden mußten, spielte Didi seine eigenen Verletzungen herunter, machte in Facebook Witze über seine kaputte Jeans und zeigte Hochachtung für die Palästinenser, die viel schlimmer verwundet wurden. Erst seitdem ich Bernard Avishais Artikel las, weiß ich, daß Didi der Urgroßenkel von David Remez ist, der ein enger Freund von David Ben-Gurion war und Israels erster Minister für Transport; und daß Didi auch ein Offizier im Kampfeinsatz war sowie der Enkel von Israels ehemaligem Luftwaffenchef Aharon Remez [3].

Diejenigen, die in Ost-Jerusalem protestieren, kämpfen für Gerechtigkeit für Familien wie die Ghawis, die im August aus ihrem Heim in Sheik Jarrah vertrieben wurden – eine Familie, deren Geschichte zusammen mit der von der Familie Al Badr aus Hebron erzählt wird von Leon Wieseltier in der ‚New Republik‘ [4]. Das einstige Heim der Gahwis kam jüngst in die Nachrichten, als die Siedler, die dort eingezogen waren, dabei gefilmt wurden, als sie Purim feierten mit einem Lied zu Ehren des Andenkens von Baruch Golstein.

Hoffentlich kann das Wort »Zionismus« eines Tages zurückerobert werden. Nicht einfach, um jene einzuschließen, die schlicht Israel lieben, sondern die auch an Gerechtigkeit für alle glauben.

aus: ZEEK. A Jewish Journal of Thought and Culture (New York). 29. 3. 2010

http://zeek.forward.com/articles/116554/

Übersetzung: Bonaventura

Fußnoten

[1] siehe etwa: James C. McKinley jr., Texas Conservatives Win Curriculum Change (The New York Times, 12. 3. 2010) http://www.nytimes.com/2010/03/13/education/13texas.html?hp&ex=&ei=&partner=

Texas Textbook MASSACRE: ‚Utraconservatives approve eadical Changes to State Education Curriculum (Huffington Post, 13. 3. 2010) http://www.huffingtonpost.com/2010/03/13/texas-textbook-massacre-u_n_498003.html#s73765&title=Thomas_Jefferson_Whos

Jeremy Binckes, Backstory: How the Texas Textbook Revision Came to Be (Huffington Post, 14. 3. 2010) http://www.huffingtonpost.com/2010/03/14/backstory-how-the-texas-t_n_496831.html

[2] http://coteret.com/

[3] Bernard Avishai, Didi’s Generation (25. 3. 2010) http://bernardavishai.blogspot.com/2010/03/didis-generation.html

[4] Leon Wiesltier, Mean Streets. Washington Diarist (The New Republic, 17. 3. 2010) http://www.tnr.com/article/books-and-arts/washington-diarist-mean-streets

Alle Fußnoten und Anmerkungen in [eckigen Klammern] stammen vom Übersetzer

17 Kommentare leave one →
  1. günther permalink
    28. Juli 2011 16:40

    zu der jetzigen situation in israel (sprich mieten, rasant steigende lebenshaltungskosten, androhung von streiks , die von israelischen arbeitern gegen ihre eigene regierung organisiert werden). ist das nicht alles höchst antisemitisch? was sagen eigentlich diejenigen, die für sich die definitionsmacht(recht) gepachtet haben dazu? und bin ich, wenn ich mich mit den streikenden solidarisiere antisemit?

  2. 27. September 2011 13:20

    Rolf Cantzen: Verschwörungstheorien – SWR2 Radio-Feature —— in 3 Teilen

    Mythos Jüdische Weltverschwörung: Die Protokolle der Weisen von Zion

    Verschwörungen und Verschwörungsideologien

    Neuere Verschwörungstheorien und ihre politische Bedeutung

  3. 3. Oktober 2011 00:29

    Die Gruppe Anarkomm wurde vor vielen Jahren bundesweit bekannt durch ein antisemitisches Israelboykott-Flugblatt. Die in den obenstehenden Videos nur am Rande erwähnte Bilderbergverschwörung wird nicht nur von Rechtsradikalen aller Art herangezogen, sondern auch von der Gruppe Anarkomm. Ihre kruden Verschwörungsphantasien hat die Gruppe Anarkomm in einem Flugblatt zur letzten SIKO wie folgt dargestellt:

    Klicke, um auf kaefer_innen.pdf zuzugreifen


    Sie gewann damit den Wettbewerb um den maximal-enthirnten Demonstrationsaufruf, welcher damit für alle Zeiten auch einmalig in anarchistischen Kreisen sein dürfte. Der Antisemistismus ist das Zentrum ihres Weltbildes einer sich selbst als anarchistisch und rätekommunistisch titulierenden Sekte.

    • 4. Oktober 2011 18:30

      ist diese gruppe anarkomm in der fau noch immer dabei? auf deren seite geht ein link zur fau münchen führt aber nach nirgends. kein wunder das die sikogegendemo kaum noch leute anzieht bei solchen spinnern.

      • 16. Oktober 2011 22:52

        @ fritz: die seite die du meinst ist anarchie.de, von der aus wiederum links zur fau münchen und zu anarkomm führen, was wiederum nicht heisst, dass das eine gruppe wäre. die seite der FAU München findet sich unter http://www.fau-m.de

      • Was hat die Anarkomm mit der Bilderbergverschwörung zu tun? permalink
        18. Februar 2012 02:18

        Die geheime Weltregierung

      • RTL und die Weltherrschaft! ;-) --- Holger Kreymeier von Fernsehkritik-TV und der Verschwörungstheoretiker permalink
        9. Oktober 2012 19:23

        Der Typ könnte von der Anarkomm seien, die haben genauso herumgedruxt 😆

        Holger Kreymeier von Fernsehkritik-TV und der Verschwörungstheoretiker

        RTL und die Weltherrschaft! 😉 Die Gesichtsausdrücke der beiden während sie sich den Schwachsinn anhören müssen sind unbezahlbar! 😆

        Hier geht es zum Video in voller Länge: http://www.youtube.com/watch?v=0aihXX5r2b0

    • 6. Oktober 2011 13:13

      gute Münchener Tradition: in den 1980ern soll die „Münchner Anarchistische Fraktion in den Autonomen“ (M.a.F.i.A.) bei Demos anstatt eigener Redebeiträge schon einmal seitenweise aus Gaddafis „Grünem Buch“ vorgelesen haben … insgesamt eine komische Stadt, wo der „Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD (und von Atomkraftwerken)“ eine der dominierenden Gruppen links von Die LINKE ist und bei den selbsternannten „Anti“-Deutschen sich mit der „gruppe monaco /// verein freier menschen (ao)“ ein Haufen tummelt, gegen den pro-Strauss-MaoistInnen der Marxisten-Leninisten Deutschlands der 1970er wie geistige Riesen wirken

      • punk permalink
        16. Oktober 2011 20:16

        der antisemitismus der anarkommler is stark vom katholischen antisemitismus geprägt. immer diese verkorksten südstaatler. was der gute alte erich mühsam von diesen antisemiten halten würde, mit denen tät der keine münchner räterepublik machne wollen

  4. Die Gruppe Anarkomm und Fidel Castro permalink
    10. Oktober 2011 12:29

    Die Gruppe Anarkomm hat sich wohl von Fidels atomaren Holocaustphantasien infizieren lassen. Antisemitismus gibt es schließlich nicht nur bei den Nazis.

    Fidel Castro spricht von Bilderberg-Verschwörung

    Mit ungewöhnlichen Äußerungen macht Kubas ehemaliger Regierungschef Fidel Castro auf sich aufmerksam. Die Jugend der Welt ist nach Meinung des kubanischen Revolutionsführers Opfer der Verschwörung einer Weltregierung, die sie in einen „atomaren Holocaust“ führen will. ……………….

    http://www.hintergrund.de/201008191088/politik/welt/fidel-castro-spricht-von-bilderberg-verschwoerung.html

  5. Bilderberger 2011 permalink
    12. Oktober 2011 16:00

    Peer Steinbrück neuer Kanzler?

    Streng geheim: Der Mythos Bilderberg-Konferenz (3sat kulturzeit)

  6. Daniel Kulla permalink
    12. Oktober 2011 16:06

    Entschwörungstheorie spezial: Die Republik der Netzdynamiker

  7. Hey, Neturei Karta —thanks, but no thanks! permalink
    15. Juli 2012 12:00

    Hey, Neturei Karta —thanks, but no thanks!

    Every other day on my Facebook wall, some earnest anti-Zionist posts a photo like the one above of Neturei Karta in their ultra-orthodox garb wielding anti-Israel placards. The posters think that having these guys with their beards and peyas on their side inoculates them against charges of anti-Semitism. Hopefully, after the latest incident at Israel’s Holocaust museum, they are disabused of such illusions.

    Four young members of the anti-Zionist sect have been arrested in Jerusalem in connection with the vandalism attack on the Yad Vashem museum, and searches of their homes turned up such activist icons as spray-paint canisters and PLO flags. Curb your enthusiasm. The charming graffitos they left on Yad Vashem’s walls include „Hitler, thanks for the Holocaust“—presumably, a reference to the fact that Israel owes its existence to the genocide. Continuing into perverse smarm, they couldn’t resist adding, „If Hitler didn’t exist, the Zionists would have had to invent him.“ Playing upon the legitimate grievance of Ashkenazi supremacy in Israel, they add: „Israel is the secular Auschwitz of the Sephardic Jewry.“ And: „Jews wake up—the Zionist regime is dangerous.“ Well, it certainly is, but hailing Hitler is a brilliant way to appeal to Jews. Way to go, fellas! (Source: YNet, June 30)

    We expect nothing less from these sinister clowns, who notoriously attended Mahmoud Ahmadinejad’s Holocaust-denial confab in 2007. They of course deny they are denialists, but they had no problem embracing David Duke with their honored presence in Tehran.

    Anyway, if we can thank Hitler for the state of Israel, we can also thank him for Neturei Karta! From a Jan. 15, 2007 profile on the sect in the New York Times:

    Founded in the 1930s to counter the Zionist movement in what was then Palestine, Neturei Karta, which translates to „guardians of the city“ in the ancient language Aramaic, has a few thousand members — in New York, the United Kingdom and Canada, among other places. They believe that according to the Torah, Jews were exiled from Israel because they sinned and that God has forbidden the formation of a Jewish state until the Messiah arrives.

    Meanwhile, 34 Jewish graves were desecrated in Vienna’s main cemetery, with stones and slabs toppled and damaged. (AP, June 29) Hoodlums painted swastikas and the words „white power“ on garage doors of several Black-owned homes in the Los Angeles district of Baldwin Hills. (LAT, June 24) In more workaday stupidity, a school in Burnaby, BC, and a sports arena in Nashua, NH, were defaced with swastikas and racist slogans. (Shalom Life, Nashua Telegraph, June 29) In the latest in a string of such cases in New York City, swastikas were painted on several buildings in the Jewish neighborhood of Borough Park, Brookyln. (Gothamist, June 18) But now every idiot who spouts the Jews-bring-it-on-themselves line can point to the Yad Vashem attack. Thanks, fellas!

    And all you anti-Zionists who are looking for anti-Zionist Jews to give your position legitimacy—Did you ever try talking to secular, progressive anti-Zionist Jews? Hey, just a thought.

    http://newjewishresistance.org/article/hey-neturei-karta-%E2%80%94thanks-no-thanks

  8. Gedenkfeier zum 20. Todestag von Dr. Heinz Galinski ~ Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des 1992 verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, im kurzen Gespräch mit Ken Jebsen während der Gedenkfeier zum 20. Todestag ihres Vaters. permalink
    20. Juli 2012 12:13

    KenFM auf der Gedenkfeier zum 20. Todestag von Dr. Heinz Galinski

    Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des 1992 verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, im kurzen Gespräch mit Ken Jebsen während der Gedenkfeier zum 20. Todestag ihres Vaters.

    Ein weiteres, 90-minütiges Gespräch mit Hecht-Galinski wird in wenigen Wochen ebenfalls auf diesem Kanal veröffentlicht.

    http://www.kenfm.de

  9. Der Tod ist nicht immer traurig permalink
    15. Oktober 2013 00:56

    Der Tod ist nicht immer traurig

    Vor einer Woche verstarb Ovadja Josef, ehemaliger Großrabbiner von Israel und geistliches Oberhaupt der orientalischen Juden, im Alter von 93 Jahren. Am Begräbniszug durch Jerusalem nahmen laut Medienangaben 750.000 Gläubige teil. Ein etwas anderer Nachruf auf ihren spirituellen Führer.

    Christian Stan

    Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten raten, wer wohl sagte, dass Ungläubige ausschließlich zu dem Zweck erschaffen wurden, den Gläubigen zu dienen, dass die im zweiten Weltkrieg ermordeten Juden wiedergeborene Sünder gewesen seien, denen lediglich Gottes gerechte Strafe zu Teil wurde, dass Unwetter eine Vergeltung für Gottlosigkeit seien und dass Frauen das Tragen von Jeans verboten sein sollte. Wenn Sie gefragt werden, von wem solche Äußerungen stammen könnten, würden Sie wohl an Mahmoud Ahmadinedschad denken, oder einen mottenzerfressenen alten Mullah. Mal ganz abgesehen davon, dass der Gedanke durchaus glaubwürdig ist, stammen diese Äußerung von niemand anderem, als dem verstorbenen Ovadja Josef, der als israelischer Oberrabbiner zu einer der größten Autoritäten des Landes avanciert ist.

    Manch einem mag Jeffrey Fisher noch in Erinnerung geblieben sein, der in seiner Funktion als Erzbischof von Canterbury noch fest davon überzeugt war, ein nuklearer Weltkrieg, wäre der Startschuss in eine schönere Zukunft. Es verwundert niemanden, derartige Aussagen aus dem Mund eines islamistischen Predigers zu hören, weil so etwas mittlerweile dermaßen trivial geworden ist, dass kaum noch jemand davon überrascht ist. Wie verwunderlich ist es aber, Äußerungen ähnlichen Kalibers aus dem Mund eines englischen Erzbischofs oder dem des israelischen Oberrabbiners zu hören. Erschrecken kann es einen, wundern sollte es jedoch keinen, der die Lebensfeindlichkeit monotheistischer Religionen längst durchschaut hat.

    Wenn also jemand wie Ovadja Josef nach 93 langen Jahren endlich ablebt und über 500.000 Anhänger seinen Trauerzug begleiten, so lässt sich darauf wetten, dass weltliche Juden zur gleichen Zeit, in Anerkennung des größten Hochstaplers seit Jassir Arafat, ein Bierchen trinken und bedauern, dass es keine Hölle gibt zu der er fahren kann. Dabei hat der Zombie von Jerusalem bereits alle Zeit der Welt gehabt, Millionen von Israelis, durch diverse Forderungen dazu zu bringen, sich die Hand an die Stirn zu klatschen und diese Zeit nutzte er auch effektiv.

    Josefs Chauvinismus wurde nur von seinem politischen und gesellschaftlichen Einfluss übertroffen, der gelinde gesagt, enorm war. So hat die von ihm gegründete ultraorthodoxe Schas-Partei immerhin knapp neun Prozent der Sitze in der Knesset und wurde nicht nur durch Betrug und Korruption bekannt, sondern auch durch zukunftsweisende Forderungen, nach Einführung eines religiösen Justizsystems, durch frauenfeindliche Äußerungen und der Gleichstellung von Homosexualität mit einer „Plage, die so ansteckend sei, wie die Vogelgrippe“. Es dürfte da auch nicht überraschen, dass die Mehrheit ihrer Mitglieder einer Verhandlung über eine Zwei-Staate-Lösung mit den Palästinensern ablehnend gegenüber steht.

    Wer sich verwundert darüber zeigt, dass sich eine solch pionierhafte Partei mit einem vorwärtsgewandten Führer wie Josef, einer Zwei-Staaten-Lösung verschließt muss sich nur ansehen, wodurch die Verhandlungen behindert werden: Laut mittlerweile zahlreichen Umfragen, sowohl unter Palästinensern als auch Israelis würde die überwältigende Mehrheit beider Völker eine Zwei-Staaten-Lösung befürworten. Es wäre für beide Parteien sicherlich nicht die unbelastete Traumlösung, jedoch die einzige, die angesichts der Situation vernünftig erscheint und eine Aussicht auf Erfolg hätte. Es wäre eine Lösung für dutzende von Problemen, die man damit auf einen Schlag lösen oder zumindest lindern könnte. Das große Hindernis dabei sind – wie nicht selten zuvor – die strenggläubigen auf beiden Seiten.

    „Gott hat uns dieses Land vermacht, und zwar nur uns“, so spricht die jüdisch-orthodoxe Seite, während die islamistische Seite entgegnet, dass das Land tatsächlich gottgegeben ist, „aber nicht den einen, sondern den andere“. Natürlich liegen beide Seiten falsch – Gott ist kein Immobilienmakler – bedenkt man aber, wie klein beide Gruppen sind, stellt man schnell fest, dass ihr Einfluss auf beiden Seiten viel zu groß ist.

    Nur neu Prozent – würden manche sagen – ist auch nicht besonders viel. Wenn Benjamin „Alphamännchen“ Netanjahu allerdings auf eben diese neun Prozent als Mehrheitsbeschaffer angewiesen ist, um überhaupt regieren zu können, bekommt so manch säkularer Israeli bereits weiche Knie. Und schneller als es ihnen lieb war, versuchte Josef den israelischen Frauen vorzuschreiben, welche Kleidung sie zu tragen hatten. Stellen Sie sich auf der anderen Seite nur einmal vor, was Ihnen durch den Kopf gehen würde, hätte die Partei Bibeltreuer Christen nach der Bundestagswahl einen derartigen Anteil im Parlament bekommen.

    Die Forderung nach der Einführung eines religiösen Justizsystems stößt nicht nur auf, wenn sie in islamischen Gesellschaften praktiziert wird, die Idee eines Rechtesystems nach religiösem Vorbild ist von vorne herein eine dämliche. Einst sagte Josef, israelische Soldaten würden getötet, weil sie ihre Mitzwot, also 613 zum Großteil typisch religiös-unsinnige Ge- und Verbote missachten, wie beispielsweise, der eigenen Frau den Beischlaf während der Periode zu verweigern, oder keine Kleidung zu tragen, in der Leinen und Wolle gleichzeitig enthalten ist. Welcher Verstand – wenn nicht ein religiös fanatischer – könnte die Vorstellung entwickeln, seine eigene Frau zu befriedigen, könnte dazu führen, erschossen zu werden? Glücklicherweise sind 91 Prozent der wählenden Israelis vernünftig genug, keine Partei zu wählen, die eines der modernsten Militärs der Welt in eine Art Dschihadistentruppe zu verwandeln droht.

    In Israel wird eine Liste der 200 großartigsten Israelis geführt, die je gelebt haben. Einige Plätze sind durchaus verdient, wie zum Beispiel, die Spitzenposition, die von Jitzchak Rabin belegt wird. Auf der anderen Seite wird diese Liste auch durch Männer wie Menachem Begin belastet, der unter anderem als Drahtzieher des Paketbombenanschlags auf Konrad Adenauer und des Bombenanschlags auf das King-David-Hotel in Jerusalem mit 91 Todesopfern einen Friedensnobelpreis verliehen bekam und den vierten Platz belegt. Wen würde es da noch wundern, dass Ovadja Josef immerhin auf Platz 23 kommt.

    Ovadja Josef starb und Millionen Menschen fragten sich: Warum? Warum Gott? Warum hast du Billy Graham und Yusuf al-Qaradawi nicht auch noch mitgenommen? Gibt es einen Grund, aus dem die Welt Menschen, wie Josef, Graham und al al-Qaradawi braucht? – Einen einzigen: Sie erinnern uns immer wieder daran, dass man mit so ziemlich allem davonkommt, solange man nur einen religiösen Titel vor seinem Namen führt. In diesem Sinne: Zum Wohle.

    http://www.diesseits.de/menschen/kommentar/1381615200/tod-nicht-immer-traurig

  10. Die Erfindung des jüdischen Volkes ~ מתי ואיך הומצא העם היהודי permalink
    2. Februar 2015 01:28

    Die Erfindung des jüdischen Volkes

    Die Erfindung des jüdischen Volkes – Israels Gründungsmythos auf dem Prüfstand (original „מתי ואיך הומצא העם היהודי?“) ist ein Buch des israelischen Historikers Shlomo Sand.

    Das Buch, dessen Originaltitel direkt übersetzt „Wann und wie wurde das jüdische Volk erfunden?“ lauten würde, löste unter anderem in Israel und Frankreich Kontroversen aus.

    Im 2009 zur deutschen Ausgabe geschriebenen Vorwort gibt Sand an, „dass die Kluft zwischen meinen Forschungsergebnissen und der in Israel und anderswo verbreiteten Geschichtsauffassung erschreckend groß ist“. Dabei habe er nichts anderes gemacht, als von der israelischen zionistischen Geschichtsschreibung schon lange präsentiertes, aber vergessenes Material zu verarbeiten, wobei in seiner Arbeit „nichts wirklich Neues“ erschienen sei.[1]

    Inhaltsverzeichnis

    1 Inhalt
    2 Rezeption des Buches
    2.1 Rezeption in Israel
    2.2 Internationale Stimmen
    2.3 Rezeption in Deutschland
    3 Einzelnachweise

    Inhalt

    Nach der Einleitung über „Identität und Gedächtnis“ lauten die Überschriften zu den fünf Kapiteln des Buches: „I. Nationen erschaffen: Souveränität und Gleichheit“; „II. Mythohistorie: Am Anfang schuf Gott die Nation“; „III. Die Erfindung des Exils: Bekehrung und Konversion“; „IV. Regionen des Schweigens: Auf der Suche nach der verlorenen (jüdischen) Zeit“; „V. ‚Wir‘ und ‚sie‘: Identitätspolitik in Israel“.

    In den ersten beiden Kapiteln folgt Sand der Kritik des Nationenbegriffs, wie sie von Karl W. Deutsch, Ernest Gellner und Benedict Anderson entwickelt wurde. Dabei beruft er sich auf ein Verständnis von Nation, wie es vor allem Ernest Renan 1882 dargelegt hat.[2]
    Wie überall im Europa des Nationalismus hätten auch jüdische Intellektuelle bezüglich der Juden eine lange gemeinsame Identitätsgeschichte konstruiert, indem sie die Bibel nicht mehr als ein theologisches Werk, sondern als ein Geschichtsbuch lasen. Die Deutschen etwa habe die nationale Suche nach Wurzeln zu Arminius geführt, die Franzosen zu Vercingetorix oder Chlodwig I. Dieses Bedürfnis nach einer weit in die Geschichte zurückreichenden Nationalgeschichte habe auch bei Thomas Jefferson gewirkt. Während diese Gründungsgeschichten inzwischen als überwunden gelten können, findet es Sand erstaunlich, dass das für das heutige Israel nicht gelte, weil nämlich die Bibel weiter als Gründungsbuch gelesen und gedeutet werde.

    Im zentralen Kapitel III weist Sand die Auffassung vom jüdischen Exil als einer historischen Realität zurück. Dabei beruft er sich vor allem auf das 1918 in New York erschienene Buch Das Land Israel in Vergangenheit und Gegenwart, das David Ben Gurion und Jizchak Ben Zwi auf Hebräisch schrieben, bevor sie es für das amerikanische Publikum ins Jiddische übersetzten. Bei ihnen findet sich die Überzeugung, dass die modernen Bewohner Palästinas ethnisch eng mit den verstreuten Juden verbunden seien.[3] Sand folgert in Anlehnung an diese beiden Autoren, dass die Juden sich im Zuge natürlicher und freiwilliger Migrationen verstreut hätten. Viele Heiden im Mittelmeerraum hätten sich zum Judentum bekehrt, auch im Römischen Reich, wo sich das Christentum bald als Konkurrent etabliert habe. In Kapitel IV. geht er dem jemenitischen Königreich Himjar, den Chasaren und den Berbern im Maghreb nach; überall sei es zu Konversionen gekommen.

    Sand beendet sein Buch mit einem Plädoyer für einen Staat Israel, in dem sich die Staatsbürgerschaft nicht mehr auf die Religion bezieht und aus der Ethnokratie eine wirkliche Demokratie werde, damit Juden wie Nicht-Juden gleichberechtigt nebeneinander leben können.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Erfindung_des_j%C3%BCdischen_Volkes

    —————————-

    Die Erfindung des Jüdischen Volkes (Shlomo Sand) – Die Nachkommen der Chasaren?

    Aus dem Land vertrieben, in der Welt verstreut, und eine späte Rückkehr in die Heimat 2000 Jahre später: Etwa so verstehen sehr viele Israeli ihre Geschichte. Doch der israelische Historiker Shlomo Sand demontiert diese Auffassung. Da war keine Vertreibung, da war kein Exodus – und ein jüdisches Volk gibt es auch nicht. Stattdessen waren jene Menschen, die Israel einst aufbauten, Nachkommen eines skythisch-türkischen Volkes: die Chasaren. Sie waren blond/rothaarige Kriegernomaden aus Zentralasien. Später im 7. Jh. gründeten sie ein Khaganat im nördlichen Kaukasus. Ab dem 8. bis frühen 9. Jahrhundert wurde die jüdische Religion zur wichtigsten Religion im Reich. Ihre türkischsprachigen Nachfahren migrierten in die Ukraine, nach Russland, Polen, Deutschland und Ungarn.

    Sein Buch «Die Erfindung des jüdischen Volkes» ist in Israel und in Frankreich zum Bestseller geworden.

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