Zum Inhalt springen

Freistoß für die Anarchie! Fußball für Anarchist*innen ¡!!

29. Mai 2011

Das Logo von Atlas Mexico.

Fußball für Anarchist*innen? Dieses Multimillionengeschäft, dieses nationale Gedröhne , mit Leistungs- und Wettbewerbsgedöns als Opium fürs Volk?! – Dies ist der Fußball des „Spektakels“!

Dabei ist dies eine Sportart, die anders als bei den Individualsportarten wie Radfahren oder Laufen u.ä. als Mannschaftssportart durchaus soziale Lernerfahrungen bietet bzw. soziale Werte transportieren kann – und Erfolg der jeweiligen Mann- bzw. Frauschaft Auskunft darüber gibt, inwieweit sich Individuen in einem Kollektiv ergänzen können.

So können wir das Fußballteam als einen sozialen Mikrokosmos sehen, wo Menschen zusammenkommen, ein Kollektiv bilden um etwas zu erreichen. Zumindest war dies in der Vergangenheit für viele anarchistische Arbeiter*innen z.B. in Argentinien Anlass genug, sich dafür in so genannten Sport-und Sozialklubs zu treffen. Hier waren es vor allem die Einwanderer aus Europa, die sich Sonntagnachmittag zum Fußball und am Abend dann zum Tangotanzen trafen – anfangs sehr zum Leidwesen der jeweiligen anarchistischen Organisationen. So schrieb die „La Protesta“ 1917 über eine „verderbliche Verdummung durch Tritte gegen ein rundes Objekt“ und verglich es mit der Religion „Kirche und Fußball – Opium fürs Volk“.

Als jedoch in jedem Stadtteil die ersten Fussballclubs entstanden, änderte sich schnell die Meinung und es bildeten sich Mannschaften mit illustren Namen wie z.B. „ Die Märtyrer von Chicago“, die sich später in „Argentinos Juniors“ umbenannte, mit einem großen A bei „Argentinos“ und in den schwarzen und roten Fahnen der Anarchie. Was regelmäßig zu Polizeieinsätzen führte, war doch um diese Zeit jeder Hinweis auf den Anarchismus verboten.

“ target=“_blank“>http://youtu.be/H1kUzKU0svQ“> (Video in spanisch zur Entstehung der „Argentinos Juniors“)

Ein neues Bewusstsein entstand, Fußball als eine Gemeinschaft, wo Kommunikation und Zusammenhalt geübt werden konnte – ein weiteres Element in den sozialen Kämpfen, neben den Streiks, der „direkten Aktion“, den Organisationen, Kultur- und Arbeitervereinen nun die sportlichen Klubs, die körperlich, mental und sozial den Widerstand verstärkten. Es entstanden nun auch in anderen Ländern Fussballclubs, die das Wort „libertär“ in ihrem Namen trugen – z.b. durch die syndikalistischen Arbeiter einer Ziegelei in Montevideo, die neben den Farben Schwarz und Rot auch ein Gelb auf ihren Trikots einnähten, eine Hommage an Katalonien, der anarchistischen Region in Spanien – und der Herkunft vieler der Arbeiter. Vereine in Chile und Bolivien folgten.

Das gleiche passierte in anderen lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien und Mexiko – und in Europa. Hier vor allem in England, wo es heute noch einen Klub gibt mit dem Namen „Easton Cowgirls and Cowboys“.

In Kroatien war es „Hajduk Split“, der von Libertären gegründet wurde und ursprünglich “ Anarkhan“ hieß . In Spanien wurden Klubs wie Barcelona und Athletic Bilbao Symbole des Widerstands gegen die Francodiktatur. Die Verbindungen zwischen Fußball und sozialen Kämpfe sind nicht verschwunden, sondern bringen neue Formen hervor, die ihren Wert sehen im kollektiven Spiel und einem von ihnen mitgestaltetem sozialen Raum. Erwähnt werden soll hier die EZLN in Chiapas, die bei einem Fußballturnier mit politischen und weniger politischen Gruppen sogar einmal den Profiverein von Inter Mailand zu Gast hatten.

Fußball gibt die Gelegenheit für alle eine richtige Balance zwischen individueller Freiheit und kollektiver Verantwortung einzuüben – wie in einer sonstigen sozialen Gemeinschaft. Selbstredend ist der heutige Profifussball damit nicht vergleichbar – dort finden sich die gleichen kapitalistischen Beziehungen wie überall – soll auch nicht hier unser Thema sein — für uns gilt der Fußball auch als ein Einüben in soziale Gemeinschaften, die nicht von vorneherein einen gemeinsamen sozialen oder kulturellen Hintergrund haben – Fußball kann so etwas wie „Weltsprache“ sein und soziale Konflikte aufgreifen als ein Mechanismus, der aus den Unterschieden vorhandene Konflikte entschärfen kann.

Es bleiben natürlich gerade für Anarchist*innen Vorbehalte, wenn wir die herkömmliche Art des Fußballspiels weiter so lassen. Ein wichtiger Punkt ist dabei der so genannte „Wettbewerb“, also gewinnen oder verlieren. Aber da sind es gerade die Anarchist*innen, die die Ideen und die Möglichkeiten haben, da andere Varianten hineinzubringen — das (leider nur in Englisch erschienene) Buch von Gabriel Kuhn „Anarchist Football (Soccer) Manual“ bietet da eine ganze Palette…

Und – die Fußballspiele können der Auftakt sein zu anschließend stattfindenden Workshops, Turniere die Klammer, wo Versammlungen, Konferenzen, Kampagnen entstehen und stattfinden auch im Sinne einer Gemeinwesen- bzw. Stadtteilarbeit.

So bleibt – in leichter Abwandlung des Satzes von Emma Goldmann – „Wenn ich nicht Fußballspielen kann, ist das nicht meine Revolution.“

Diesen Artikel haben wir von der Homepage des Radio Chiflado übernommen. Zum Thema Anarchismus und Fußball finden sich auch in der aktuellen Barrikade Nr.5, der Streitschrift für Anarchosyndikalismus, ein Schwerpunktthema. Ein Auszug daraus findet sich hier:

Auszug aus Barrikade Nr.5: Fußball, Community und Politik vom 2. Mai 2011 auf Syndikalismus.tk

 

2 Kommentare leave one →
  1. sozialhackler permalink
    29. Mai 2011 11:28

    es gibt ja so ´ne art anarchistsiche version von fußball einem situationisten entworfen … kann mich aber nicht mehr genau erinnern

  2. Wer hat hier was gegen pure Lebenslust? permalink
    29. Mai 2011 16:45

    http://strassenauszucker.blogsport.de/2010/10/14/wer-hat-hier-was-gegen-pure-lebenslust/

    Aus der Nr 5 der Zeitung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s