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Hartz-IV-Genuß des Tages: Spanische Gurken

28. Mai 2011

Tafeln und Suppenküchen haben nicht nur die Funktion, den Staat der Verpflichtung zu entheben, durch bedarfsdeckende Grundsicherungsleistungen die Ernährung aller Bedürftigen sicherzustellen. Sie sind mittlerweile auch fester Bestandteil der Logistikkette vieler Lebensmittelhändler. Denn wer am kommenden Tag nicht mehr verkäufliche Lebensmittel von ehrenamtlichen Helfern der Tafeln abholen läßt, spart sich nicht nur Arbeit, sondern auch Entsorgungskosten. Zudem läßt sich diese Form der Resteverwertung auch hervorragend als »soziales Engagement« vermarkten.

Als wahre Glücksfälle für die Armenversorgung erweisen sich natürlich Lebensmittelskandale. Dank einer besonders aggressiven Variante des EHEC-Erregers ist vielen deutschen Konsumenten schlagartig die Lust auf frisches Gemüse im allgemeinen und Salatgurken im besonderen vergangen. Spanische Ware ist derzeit praktisch unverkäuflich. Und so können sich die Tafeln in mehreren Bundesländern kaum noch vor entsprechenden Angeboten retten. In Potsdam seien die Essensabholer bereits angewiesen worden, »nicht zu viele« spanische Gurken anzunehmen, hieß es am Freitag.

Da werden offensichtlich von kleingeistigen Bedenkenträgern große Chancen vertan. Wer, wenn nicht auf Lebensmittelspenden angewiesene Menschen eignen sich optimal zu einem großangelegten Feldversuch über die Ausbreitung des Erregers. Durch die bundesweite Streuung der Testesser ließen sich die befallenen Chargen viel schneller identifizieren. Zudem sind mögliche Erkrankungen von Erwerbslosen und armen Rentnern volkswirtschaftlich wesentlich besser zu verkraften, als Ausfälle von Lohnabhängigen. Statt die Empfänger wie derzeit mit speziellen Unterweisungen zum gründlichen Waschen von Obst und Gemüse zu nerven, sollte daher bei allen Tafeln und Suppenküchen der unbeschwerte Gurkenkonsum propagiert werden.

(balc) in der JW vom 28.05.2011

14 Kommentare leave one →
  1. gunther permalink
    28. Mai 2011 12:03

    nach der katastrophe von tschernobyl gab es in bundesdeutschen knästen erstaunlich viele konserven mit russischer aufschrift — nach fukushima und ehec erwarten wir für die gefangenen jetzt wahre luxusmenus (garnelen auf biosalat)—-

  2. Erik Alfredsson permalink
    29. Mai 2011 20:59

    Das war nicht nur in „bundesdeutschen Knästen“ so.
    Auch im größten deutschen Gefängnis der damaligen Zeit, mit immerhin 16 Mio. Inhaftierten, gab es nach Tschernobyl Obst, Gemüse und Früchte in Hülle und Fülle.
    Wesr-Ware!

  3. Grimmiger Bruder permalink
    30. Mai 2011 02:03

    Beides gehört ins Reich moderner Märchen, sowohl die Russenkonserven in BRD-Knästen, als auch das West-Obst-Gemüse in der DDR.

  4. Erik Alfredsson permalink
    30. Mai 2011 18:30

    Sag mal Du Märchenerzähler, bist Du Wihelm oder Jacob Grimm?

    Kann es sein, daß Dir fünf an der [Göttinger] Sieben fehlen?

    Zu den russischen Konserven im BRD-Knast kann ich nix sagen.

    Aber das mit dem erstaunlichen Angebot gewisser Produkte in den Kaufhallen im Sommer 1986 ist Fakt.

    … und: „Bruder Grimm“;
    wenn Du tatsächlich Hintergrundwissen zum Thema hast:

    DANN BITTE RAUS DAMIT!!!

    • Grimmiger Bruder permalink
      31. Mai 2011 00:40

      Scherzkeks, Du hast da was behauptet, was wie ein modernes Volksmärchen müffelt, also beweis, dass Du kein Fake verbreitest. Die Behauptung das das FAKT wäre ist kein Beweis. Wir haben in der DDR davon nichts bemerkt, also … RAUS DAMIT!!! Viel Spass beim googeln.

      • Bonaventura permalink
        31. Mai 2011 23:11

        Freunde aus Schwerin waren im Sommer 1986 mal wieder in Bulgarien unterwegs und batz erstaunt, daß es plötzlich Tomaten, Paprika und andere Feldfrüchte in Hülle und Fülle und vor allem billig gab. Allerdings hatten sie vor ihrer Reise Westfernsehn gesehen und konnten sich darauf einen Reim machen.

        Von Westkonserven haben sie nichts erzählt, aber es gilt immer noch der Satz des englischen Gewerkschafters Thomas J. Dunning: »Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.«
        Thomas Joseph Dunning, Trade’s Unions and Strikes: their philosophy and intention, London 1860, S. 35f

  5. gunther permalink
    31. Mai 2011 09:01

    @ ach grimmiger bruder: „Das gehört beides in den bereich moderner Märchen“ – und ich wartete darauf, daß du das inhaltlich näher erläuterst – kam aber nix – und daß „ihr“(wer?) davon nix in der DDR gemerkt habt — ja, die Deutschen „zu Hause“ haben auch nix von den KZs gemerkt – oder doch?
    was die konserven betrifft – gibt aussagen von ex-gefangenen in bayern, die ich dir hier selbstverständlich nicht öffentlich nenne — kannst mich aber gerne „privat“ kontaktieren

  6. Erik Alfredsson permalink
    31. Mai 2011 21:50

    Ich fasse es nicht.
    Anstatt die eigene — gewagte — Aussage zu unterfüttern, greift „Bruder Grimm“ hier zum Taschenspielertrick.
    Juristen nennen soetwas „Beweislastumkehr“.
    Wieso bitte sollte ich die Existenz der Sonne beweisen?

    „Bruder Grimm“:
    DU hast Gunther und mich als Lügner dargestellt. Da liegt es doch an Dir, Gründe (Begründungen) dafür zu liefern.

    So, wie für Nachwuchs-Akademiker einzig die passende Fußnote als „Tatsache“ gilt, gibt es offenbar für die „Generation Internet“ nur solche Sachen, die man googeln kann.

    „Googlo ergo sum“.
    Wenn Google bei Deinem Namen „Null Treffer“ zeigt, dann gibt es Dich gar nicht.
    Glückwunsch zur Nicht-Existenz!

    Zum Thema zurück:
    Verseuchte Nahrungsmittel werden immer wieder den Schwächsten angedreht.
    Verstrahlter Fraß für Knastologen ist daher naheliegend.
    Das Angebot der DDR-Kaufhallen im Sommer 1986 ist damit auch erklärbar.

    Dennoch:
    Der zynischen Realität von Suppenküchen und Tafeln gehört der Kampf angesagt.

  7. Grimmiger Bruder permalink
    2. Juni 2011 01:54

    Also: ich habe nicht gesagt das Ihr LÜGT, sprich: bewusst Falsches behauptet.
    Sondern, dass diese Geschichten nach modernen Märchen/Legenden klingen, da ich immer kritisch Informationen aufnehme.

    So in diese Richtung
    Die Spinne in der Yucca-Palme
    http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=22693
    Wenn man auf das Buch klickt kann man darin schmökern (fast das ganze Buch).

    Wie entstehen solche „Geschichten“?

    So wie hier auch —– gunther schreibt einen einzigen Satz:
    „nach der katastrophe von tschernobyl gab es in bundesdeutschen knästen erstaunlich viele konserven mit russischer aufschrift — (Rest Polemik)“

    Erik dazu:
    „Das war nicht nur in „bundesdeutschen Knästen“ so.“

    Er glaubt es einfach UND ergänzt das mit seiner Ein-Satz-Behauptung:
    „Auch im größten deutschen Gefängnis der damaligen Zeit, mit immerhin 16 Mio. Inhaftierten, gab es nach Tschernobyl Obst, Gemüse und Früchte in Hülle und Fülle. West-Ware!“

    Daraufhin erlaubte ich mir, dies in Zweifel zu ziehen …. auch mit einem Satz.
    „Beides gehört ins Reich moderner Märchen, sowohl die Russenkonserven in BRD-Knästen, als auch das West-Obst-Gemüse in der DDR.“

    Nun soll ich beweisen das etwas nicht stimmt, was von ihnen behauptet wird. Mir wird mit der Unterstellung der „Beweisumkehr“ genau das zugemutet.

    Erst war es FAKT, dann wurde es mit der EXISTENZ DER SONNE gleichgestellt.
    Netter Versuch, wirklich sehr amüsant, hab herzhaft gelacht. 🙂

    Also: Woher weiß ein HHer, dass in der DDR damals West-Obst-Gemüse in Hülle und Fülle gegeben haben soll?

    Die DDR hatte nichts besseres zu tun, als für superharte Westdevisen das Scheißdrecks-BRD-gemüse aufzukaufen? Die war kurz vor Zusammenbruch, auch wenn FJS ihr noch einen Todesstoßmilliardenkredit gewährte!!!

    Es gab auch in der DDR immer wieder Schwankungen in der Versorgung, d. h. meistens war alles verdammt knapp, aber es gab auch immer wieder Obst und Gemüseschwemme zur Erntezeit, in der wurde oft auch weggeworfen, weil sie es nicht mehr loswurden.

    Das gilt auch für Bulgarien ………… Kann mich noch gut an die Wassermelonenberge in Ungarn erinnern und die sonst auch sehr üppigen Märkte ………..

    Die Menschen neigen nun mal gerne zur „Märchenstunde“, sie glauben sie ja selber.
    Klar kann es sein, dass in der DDR solche Gerüchteküchen mal eine neue Story bei einer erneuten Ernteschwemme mit Tschernobyl und der dekadenten BRD in Verbindung gebracht haben ……………. Wie gesagt das Buch ist sehr lesenswert 😉

    Nenn doch mal eine Informationsquelle, anstatt Dich überflüßigerweise und sinnfrei über Google oder Fußnoten auszulassen.

    Zu den sowjetischen Konserven:
    Auch hier kann ich mir nur sehr schwer vorstellen, dass dem so war. Ich kannte und kenne in meinem Leben verdammt viele Knackis und ihre „Gschichterl“, die oft an Seemannsgarn erinnern — zB Hormonpräparate im Essen, die den ominösen „Sextrieb“ dämpfen sollten, die Story kannte ich schon von Jugendlichen aus allen möglichen Heimen, kann nur aus eigener Erfahrung sagen: hat wirklich nicht die Bohne was genützt.
    Was ist denn an denn von Dir erwähnten Aussagen der damaligen Knackis so unglaublich verräterisch, dass Du es nicht wenigstens etwas ausführlicher darlegen könntest, ist doch nach über 25 Jahren längst alles verjährt, zumal Du ja auch nicht mit Klarnamen oder so operieren müsstest.

    Ach ja, Dein Vergleich mit dem Holocaust ist gelindegesagt bescheuert.

    Nochmal:
    Es ist an Euch, Eure jeweiligen Ein-Satz-Behauptungen zu untermauern, nicht an mir Euch das Gegenteil zu belegen, nur weil ich es für wenig glaubhaft halte.

  8. Granado permalink
    2. Juni 2011 16:42

    Ich erinnere mich an die Meldung, dass damals bestimmte Erntegüter aus der DDR nicht exportiert wurden, also vermehrt für die einheimische Bevölkerung blieben – das wäre aber noch lange nicht importiert. Russische Konserven exportiert? Bei geringerer Information und daher geringerer Ablehnung?

  9. Erik Alfredsson permalink
    3. Juni 2011 21:57

    „Grimmiger Bruder“
    hat recht,

    Die Leute, die ihn beim Schwindeln erwischt haben,
    sind dummerweise im Unrecht.

    Die Erde ist eine Scheibe.

  10. Erik Alfredsson permalink
    3. Juni 2011 22:18

    Spätestens, wenn „Bruder Grimm“ mit der Shoah „argumentiert“, wird es ekelig.

    • Granado permalink
      4. Juni 2011 13:51

      „argumentiert“ hat damit aber Gunther #2
      : „ja, die Deutschen „zu Hause“ haben auch nix von den KZs gemerkt“

  11. gunther permalink
    4. Juni 2011 12:07

    @grimmig, grimmiger bruder: ich habe dir angeboten, mich „privat“ zu kontaktieren – o.k. dann fang ich schon mal an, das ist mir dann doch mit dir zu albern: mayrajoffe@googlemail.com – und warum ich es nicht gleich tue: ich habe a – nicht ihr einverständnis – b- mit dem was du über deine subjektiven gefängnis oder heimerfahrungen kann hier seitenlang ent-oder widersprochen werden – warum lässt du dich also – wenn du informationen haben willst – nicht auf diese ebene ein- woher kommst du und wer bist du ?– also, du kannst mich anmailen, ich habe von einem signalisiert bekommen, daß er dir gerne mehr erzählen will –

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