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Auszug aus der Barrikade Nr.5: Tarifkritik von Carl Windhoff (1932)

9. Mai 2011

Zur Zeit wo ich diese Zeilen schreibe, am 8. Dezember 31 ist die neueste Notverordnung der Regierung in Vorbreitung. Die Löhne und Gehälter sollen erneut abgebaut und das Tarifrecht um einige Loch zurück gesteckt werden. Die „freie“ Gewerkschafts- und S.P.D.-Presse macht wieder in radikalen Tönen und kündigt ihren Gläubigen und der Regierung mit bombastischen Phrasen an, dass ein weiterer Lohnabbau oder gar ein Einbruch in das Tarifrecht unter keinen Umständen geduldet und energisch zurück gewiesen würde.

Wenn auch die Hühner und Enten darüber lachen –schadet nichts- es gibt immer noch organisierte Arbeiter, die an solche Phrasen glauben. Doch warten wir ab, was kommen wird.

Eins aber wissen wir bestimmt: wenn am 10. Dezember die Notverordnung erscheint und weiterer Lohnabbau nebst Abbau des Tarifrechts verordnet ist, dann verschwinden die radikalen Töne in der S.P.D. und Gewerkschaftspresse, – bis die nächste Notverordnung geplant wird. Übrigens ist es nicht lächerlich, ist es nicht Hohn und elende Heuchelei, wenn diese sogenannten freien Gewerkschaften zusammen mit der S.P.D. davon reden und schreiben, dass sie das Tarifrecht der Arbeiter verteidigen wollen? Haben nicht die „freien Gewerkschaften“ Arm in Arm mit der „christlichen“ Gewerkschaft seit 30 Jahren mit Erfolg daran gearbeitet, ihren Hunderttausenden von Mitgliedern jedes Selbst- und Mitbestimmungsrecht bei dem Abschluss von Tarifverträgen zu nehmen?

Hiess es den Mitgliedern gegenüber nicht immer: „Wer sich nicht fügt, der fliegt??“ Ist es nicht Tatsache das diese Gewerkschaften immer danach gehandelt und gestrebt haben, die links von ihnen stehenden oppositionellen Organisationen der F.A.U.D. und des Industrie-Verbandes von dem Tarifrecht auszuschalten? Müssen wir daran erinnern, dass die Häuptlinge dieser zentralgewerkschaften dabei gemeinsame Sache gemacht haben mit den Unternehmern und deren Syndicis? Hat diese Sorte Arbeiterführer vergessen, dass sie in den vielen Fällen die Staatsgewalt, die Gerichte und Polizei zur Hilfe heran gezogen haben, um den oppositionellen Organisationen das Tarifrecht zu nehmen?

Haben diese Herrschaften nicht immer das Tarifrecht mit dem Schlichtungswesen benutzt, um Hunderttausenden Arbeitern den Lohnabbau aufzuwingen und das Streikrecht zu nehmen? Sind alle diese Schandtaten nicht immer von der S.P.D. und deren Presse verteidigt worden? Und eine solche Gesellschaft spielt sich nun auf als Kapitolswächter des Tarifrechts.

Bauarbeiter – ALLER-Orts!

Wir fragen Euch: Sind wir berechtigt, die hier gekennzeichnete Handlungsweise der Gewerkschafts- und Parteiführer als Demagogie und Heuchelei zu bezeichnen?

Zu beziehen ist die Barrikade wie immer über den Syndikat-A-Medienvertrieb in Moers. Barrikade Nr.5, 52 Seiten, 4.50 Euro, http://www.syndikat-a.de oder email: syndikat-a@fau.org. Ab 5 Exemplaren Wiederverkäufer/innen-Rabatt. Kontakt zur Redaktion: email: barrikade@archiv-karl-roche.org

Siehe auch

Barrikade Nr. 5 – Streitschrift für Anarchosyndikalismus soeben erschienen vom 1. Mai 2011 auf Syndikalismus.tk

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