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DGB mal knallhart – Zwei DGB-Tagungszentren sollen geschlossen werden

30. März 2011

Bildungswerk des Gewerkschaftsbundes schließt zwei seiner drei Tagungszentren. Verhandlungen mit Betriebsräten gescheitert

Das DGB Bildungszentrum Hamburg-Hasel.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nimmt weiter Kurs auf die Schließung von zwei seiner drei Tagungszentren. Nur noch der Standort in Hattingen bei Düsseldorf soll erhalten bleiben. Wie der Förderkreis Sasel am Wochenende berichtete, hat DGB-Bildungswerk-Geschäftsführer Dieter Eich bereits in der letzten Woche die Verhandlungen mit den Betriebsräten für gescheitert erklärt. Die Bildungsstätten in Hamburg-Sasel und Starnberg-Niederpöcking will er zum Jahresende stilllegen. Bis letzte Woche hatten DGB und Betriebsräte noch versucht, einen Interessenausgleich auszuhandeln. Für seine harte Linie hat Eich nach Angaben des Förderkreises Sasel die Rückendeckung von DGB-Chef Michael Sommer. Dieser habe bei einem Treffen mit Belegschaftsvertretern kein Entgegenkommen signalisiert. Den Abbruch der Verhandlungen wollte der Gesamtbetriebsrat am gestrigen Montag noch nicht kommentieren. Zuerst werde man die Konsultationen mit den Beschäftigten abschließen, sagte die Vorsitzende Ingrid Gohr-Anders auf Nachfrage von junge Welt.

Rund 60 Festangestellte werden in Hamburg und Starnberg ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn die Tagungszentren zum Jahreswechsel ihre Tore schließen. Dazu kommen mehrere hundert Honorarkräfte, die freiberuflich für den DGB tätig sind. Sie würden aber zumindest einen Teil ihrer Aufträge behalten, weil das Bildungswerk weiter Schulungen anbieten wird – künftig aber in Hotels statt in den eigenen Häusern. Auch dagegen wehren sich die im Förderkreis zusammengeschlossenen Gewerkschafter. Ihnen ist der Ablauf von Hotelseminaren durchaus bekannt. Sie bevorzugen jedoch die private Atmosphäre der DGB-eigenen Bildungsstätten, um ungestört gewerkschaftliche Fragen erörtern zu können.

Die Sasel-Unterstützer haben jetzt damit gedroht, keine Kurse mehr beim DGB-Bildungswerk zu buchen, wenn die Tagungszentren den Betrieb einstellen. Die Mitarbeiter werben außerdem auf jeder Schulung für die beiden Standorte. Der Förderkreis hat so mehr als 3500 Unterzeichner für eine Solidaritätserklärung gewonnen, darunter Hamburgs DGB-Chef Uwe Grund. Die Betriebsräte in Hamburg und Bayern hatten außerdem detaillierte Alternativkonzepte zu den Stillegungen ausgearbeitet. Die Geschäftsführung hat dem Vernehmen nach ihre Geschäftsprognosen zwar mehrfach revidiert, war aber immer zum Schluß gekommen, daß Sasel und Starnberg unrentabel seien. Die Belegschaftsvertreter argumentieren dagegen, daß die Bildungsstätten voll ausgelastet seien.

Die letzte Verantwortung für das Bildungswerk liegt bei DGB-Vize Ingrid Sehrbrock und dem Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Anfang März bissen die Beschäftigten bei einer Bundesvorstandstagung aber auf Granit. Schon Ende letzten Jahres hatten Unterstützer ein »Machtwort« der Einzelgewerkschaften gefordert (jW berichtete). Die IG Metall und die Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten wandten sich gegen die Schließungspläne, doch die DGB-Führung blieb hart. Mit dem ergebnislosen Abbruch der Interessenausgleichsgespräche sind nun die rechtlichen Mittel des Betriebsrats erschöpft. Festangestellte und freie Mitarbeiter beraten jetzt das weitere Vorgehen. Der Sprecher des Förderkreises Sasel, Hans Mielke, schlägt für die Referenten und Seminarbegleiter vor, mit »phantasievollen und kreativen« Aktionen Öffentlichkeit zu schaffen. Ob er sich damit durchsetzen kann, ist ebenso ungewiß wie die Antwort des hauswirtschaftlichen Personals in Sasel und Starnberg auf die Machtdemonstration von Geschäftsführer Eich.

Mirko Knoche, Hamburg, Junge Welt 30.03.2011

One Comment leave one →
  1. 31. März 2011 15:44

    Wie doof sind die denn?

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