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Osvaldo Bayer in Bad Bramstedt: Patagonia rebelde – Zu Ehren von Kurt Gustav Wilckens! [Ergänzt 27.02.11]

26. Februar 2011

Osvaldo Bayer am 24. Februar auf der Veranstaltung in Bad Bramstedt.

Im ‚Schloß‘ von Bad Bramstedt fand Donnerstag-Abend eine mehr als denkwürdige Veranstaltung statt. Osvaldo Bayer – 84jähriger deutsch-argentinische Intellektueller, Journalist, Schriftsteller, Filmemacher- stellte sein deutsches Buch Aufstand in Patagonien in der Kleinstadt nördlich von Hamburg vor, aus der der Rächer (»El Vindicator«) der 1.500 ermordeten Landarbeiter des Streiks im südlichen Argentinien von 1921 kam.

Gut 45 einheimische und drei Besucher vom ASK-VAB Hamburg-Altona lauschten Osvaldos Bericht, über seine Flucht vor der Videla-Militärdiktatur 1976, den Fragen an die damalige sozialliberale Koalition, warum sie sechs Fregatten an das faschistische Argentinien lieferte, die Antwort des DGB und der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft auf seine Anfragen wegen ihrer Geschäfte mit der Diktatur … der Hilfe, die einzig und allein durch Freunde (Osvaldo hatte in Deutschland in der 50er Jahren studiert) und die evangelische Kirche kam. Ich erinnerte mich an unser erstes Kennenlernen im Kinderkino und seine Vorführung des Filmes, der 1976 der Silbernen Bären bei der Berlinale erhielt.

Später folgte die Fortsetzung – »El Vindicador – der Rächer« – den der WDR finanzierte über den Anarchisten aus Bad Bramstedt, der den massenmordenden Oberst Varela am 25. Januar 1923 mit Bombe und Pistole zur Rechenschaft für sein planmäßiges Hinrichten und Verscharren der streikenden Landarbeiter Patagoniens zog. Viele Argentinier schämten sich, weil ein »Gringo« aus Deutschland den Mut hatte, den »Schlächter von Patagonien« zu bestrafen. Kurt Gustav Wilckens wurde von einem Studenten der faschistischen Liga Patriótica Argentina im efängniskrankenhaus am 15. Juni 1923 ermordet. Diesen wiederum rächte ein russischer Genosse…

Gewalt mag keine Lösung sein, aber dennoch beharrte Osvaldo auf der anarchistischen Philosophie des »Tyrannenmordes« – eine grundsätzliche Gewaltfreiheit schadet bei der Beseitigung von Diktatoren wie in Libyen und anderswo. Der Vergleich Kurt Gustav Wilckens mit Georg Elser scheint mit falsch zu sein, auch wenn Wilckens als individualistischer Anarchist tolstoier Prägung ein ziemlich verschlossener Einzelgänger war (wie seine damaligen Genossen der anarchistischen Gewerkschaft FORA in Buenos Aires im Film bezeugen), so hatte er also IWW-Agitator und Anführer eines Bergarbeiterstreiks in Arkansas (zusammen mit Joe Hill) doch einen organisierten Arbeiter-Anarchismus-Hintergrund, den Elser nicht hatte. Gleichwohl waren beide derart mutig, daß sie ihren »Tyrannenmord« ganz allein auf ihre Kappe nehmen wollten und keine Genossen involvierten.

Der Dank geht an Hans und Ralph vom Buchladen ‚Hans im Glück‘, die Osvaldo Bayer nach Bad Bramstedt eingeladen haben, wir werden die Resonanz in der lokalen Presse verfolgen – besonders die aufgekommene Idee in der anschließenden Diskussion – zumindest eine Gedenktafel für Kurt Gustav an seinem Geburtshaus – genau gegenüber dem königlichen Schlößchen – anzubringen. Auch die Idee eines Denkmals wurde aufgeworfen. Es war eher ein bürgerliches Publikum, aber sehr interessiert, überrascht über diesen »Sohn der Stadt«. Was wird die Familie wohl sagen, was wird die »lokale Politik« schreiben, wenn eine ausgewanderter Arbeiter geehrt werden soll, der einen faschistischen Militär entsorgte, einen anarchistischen stillen Agitator, der auch in den USA als „unerwünschter Ausländer“ zurück nach Hamburg geschickt wurde?

Auf die Aktion der FAU Hamburg im Jahre 2003 zum 80. Jahrestag des Attentats durch Kurt Gustav Wilckens gab es jedenfalls einen nicht übersehbaren Artikel in der lokalen Presse. Zumindest zwei der damaligen Genossen, die sich nachts mit Plakaten zu Ehren Kurt Gustav auf nach Bad Bramstedt gemacht hatten und die Kleinstadt damit aufweckten, waren gestern anwesend. Die heutige Hamburger FAU glänzte mal wieder durch Abwesenheit.

Dies ist übrigens eine Aufforderung, das Buch Osvaldo Bayers direkt über die Buchhandlung von Hans & Ralph zu ordern, geht portofrei: www.buecher-hansimglück.de – denn solche Veranstaltungen kosten Geld, das ein kleiner lokaler Buchladen natürlich eigentlich gar nicht aufbringen kann. Aber die beiden haben den Willen, in der Provinz auch mit kritischer Literatur die Leute aufzuklären. Chapeau!

• Folkert – ASK – VAB Hamburg-Altona

Ergänzt 27.02.11

Darf die Stadt Bad Bramstedt einen Anarchisten ehren?

Bad Bramstedt. Spätestens seit 1923 gilt Kurt Gustav Wilckens in Argentinien als Held und Freiheitskämpfer. Er wuchs im Schatten des Rolands auf, sein Elternhaus stand neben dem Bramstedter Rathaus – und doch ist er hier fast unbekannt. Am Donnerstagabend stellte der Buchautor und argentinische Menschenrechtsaktivist Osvaldo Bayer (84) rund 30 Zuhörern im Schloss den Freiheitskämpfer vor. Am Ende warf Veranstalter Hans Arns (Buchhandlung „Hans im Glück“) die Frage auf, warum dem emigrierten Sohn der Stadt nie ein Denkmal gesetzt wurde.

Die Antwort liegt auf der Hand, wenngleich sie nicht als Entschuldigung taugen mag. Der gebürtige Bramstedter gehörte der anarchistischen Arbeiterbewegung an, seit er als junger Mann ausgewandert war. 1923 erschoss Wilckens den „Schlächter von Patagonien“ Héctor B. Varela, weil der die Ermordung von 1500 aufständischen Arbeitern befohlen hatte. Obwohl auch in deutschen Zeitungen von den Vorgängen in Argentinien berichtet wurde, blieb Wilckens in seinem Geburtsort unbekannt. Ein Anarchist passte nicht in die kleinbürgerliche, der Monarchie nachtrauernden Kleinstadt der 20er Jahre, die später mit wehenden Fahnen den Nationalsozialismus begrüßte. Nach dem 2. Weltkrieg war Wilckens vergessen, und es hätte sich wohl auch kaum jemand im konservativen Kleinstadtmilieu für einen Arbeiterhelden interessiert.

Nicht einmal engste Verwandte kannten Wilckens Schicksal. Als der Argentinier Osvaldo Bayer in den 80er Jahren mit seinen Nachforschungen für seine Bücher und Filme über die Vorgänge in Patagonien nach Bad Bramstedt kam, klingelte er an der Haustür einer Familie Wilckens. Bayer erinnert sich noch genau, dass ihm ein gut 80-jähriger Mann öffnete, der sagte: „Seit 40 Jahren versuche ich herauszufinden, was aus meinem Onkel geworden ist.“ Er sei dabei, einen Familienstammbaum zu erstellen, doch über Kurt Gustav Wilckens habe er nichts in Erfahrung bringen können.

Wilckens war als junger Mann zunächst in die USA emigriert, wo er Rädelsführer streikender Arbeiter wurde. Er musste die USA verlassen, kehrte für kurze Zeit nach Bramstedt zurück. Dann zog es ihn nach Argentinien, wo er sich wiederum der Arbeiterbewegung anschloss und von den Streiks der Landarbeiter, darunter viele Chilenen, in Patagonien im Süden Argentiniens zu Beginn der 20er Jahre hörte.

Mit Massakern und Erschießungskommandos wurden die Aufstände vom Militär niedergeschlagen, obwohl die Todesstrafe in Argentinien schon seit dem 19. Jahrhundert abgeschafft war. Verantwortlich dafür war Oberst Varela. Wilckens lauerte ihm auf der Straße auf und warf eine Handgranate auf ihn, die aber nicht tödlich war, woraufhin Wilckens den Oberst erschoss. Der Anarchist verletzte sich selbst durch Splitter und konnte nicht fliehen. Schließlich wurde er zu 18 Jahren Haft verurteilt, jedoch 1923 von einem faschistischen Gefängniswärter ermordet. Seitdem ist Wilckens ein Nationalheld in Argentinien, der in vielen Liedern besungen wird.

Osvaldo Bayer, der auf Einladung der Buchhandlung „Hans im Glück“ von Köln nach Bad Bramstedt gekommen war, hat vier Bücher über den Streik in Patagonien geschrieben und für zwei Filme die Drehbücher geliefert. Er wurde damit selbst zum Verfolgten der Militärdiktatur (1976 bis 1983) in Argentinien, konnte aber mithilfe der deutschen Botschaft fliehen. Später wurde er rehabilitiert und durfte als Professor für Menschenrechte an der Universität in Buenos Aires arbeiten.

Für Bayer steht außer Frage, dass Wilckens auch in der Lokalgeschichte Bad Bramstedts seinen verdienten Platz finden muss. „Ein Tyrannenmord ist legitim“, brachte der Buchautor die Diskussion auf den Punkt. Wäre Johann Georg Elsner 1938 das Attentat auf Hitler im Münchener Bürgerbräukeller gelungen, wäre der Menschheit viel Leid erspart geblieben. Wilckens habe Varela ermordet, weil er der Überzeugung war, dieser werde wieder aufständische Arbeiter erschießen lassen.

SPD-Kommunalpolitiker und Lokalhistoriker Jan-Uwe Schadendorf schlug vor, mit dem Eigentümer des Hauses neben dem Rathaus (früher „Der Anzeiger“) Kontakt aufzunehmen. Das Elternhaus von Wilckens steht nicht mehr, es wurde bei einem Bombenabwurf 1942 zerstört. „Vielleicht willigt der Besitzer ein, dort eine Gedenktafel anzubringen“, schlug Schadendorfs vor. Das erspare Diskussionen in der Stadtverordnetenversammlung, ob ein Denkmal auf städtischem Grund für den Anarchisten aufgestellt werden soll.

Siehe auch Segeberger Zeitung vom 26.02.11

http://www.segeberger-zeitung.de/segeberg/219999-Darf-die-Stadt-Bad-Bramstedt-einen-Anarchisten-ehren.html

21 Kommentare leave one →
  1. Guckst Du ... permalink
    26. Februar 2011 13:45

    … wenn Du spanisch kannst.

    • Kurt Gustav Wilckens und der Kampf für die Freiheit Vor 130 Jahren wurde der Arbeiter u. Anarchist in Schleswig-Holstein geboren permalink
      4. November 2016 09:43

      Vor 130 Jahren, am 3. November 1886, wurde im schleswig-holsteinischen Bramstedt, dem heutigen Bad Bramstedt, Kurt Gustav Wilckens geboren. Das wäre, wenn sein ganzes Leben so verlaufen wäre wie die ersten Jahre, wohl kaum der Rede wert.

      Wilckens wurde als eines von acht Kindern in eine gutbürgerliche Familie hineingeboren. Sein Vater war Viehhändler, seine Mutter kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt. Er besuchte neun Jahre die Schule, ging danach bei einem Gärtner in die Lehre und leistete schließlich in Berlin beim kaiserlichen Wachregiment seinen Wehrdienst ab. Ein völlig normaler Lebensweg im damaligen Deutschen Reich also. Doch dabei blieb es nicht. Irgendwann kam Wilckens in die falsche, will sagen: die richtige Gesellschaft, und begann sich zu radikalisieren.
      […]
      Quelle: Neues Deutschland / ND – https://www.neues-deutschland.de/artikel/1030928.kurt-gustav-wilckens-und-der-kampf-fuer-die-freiheit.html

      ——–
      Flowers for the rebels who failed: Rebellion in Patagonia by Osvaldo Bayer [Book Review]

      In Rebellion in Patagonia Osvaldo Bayer rescued this tragedy from historical oblivion. ‘The 1921 massacre of the rural workers of Patagonia is no longer a taboo subject, mentioned as if it were but a legend.’ (p467) Patagonia, in the far south of Argentina, dominated by the livestock runs of large landowners, is a long way from Buenos Aires. It may be a long way from where you are, but this is a story that resonates.

      Rebellion in Patagonia tells how the anarchist-organised rural workers strike in 1920-21 and win historic concessions, after the army and reformist politicians opt for compromise. The landowners are intent on destroying the workers’ organisation and resist implementing the agreement, which leads to the second strike (of 1921). The owners want a solution, one that leaves them in full control. ‘If the military doesn’t intervene, “there will be nothing but ruins and desolation.”’ (p148 quoting La Nación) Why is there a problem? ‘“Outside agitators, the aftertaste of unrestricted immigration, profess doctrines in which those who were once slaves will take the place of their oppressors.”’ (p121, quoting La Unión) Class interests are sprinkled with patriotic rhetoric. Political pressure is applied to the reformists. The army is encouraged – this time – to return things to ‘business as usual’. In other words, to massacre the strikers. Not simply to break the strike, but to drown it in blood. (…)
      Source: Kate Sharpley Library – http://www.katesharpleylibrary.net/905rp9

      ——-
      „Ein deutsches Schicksal: KURT GUSTAV WILCKENS – Vom Friedensengel zum Todesengel“,
      der Film von Osvaldo Bayer und Frieder Wagner in deutscher Sprache:

      Kurt Gustav Wilckens Part 1/3:

      Kurt Gustav Wilckens Part 2/3:

      Kurt Gustav Wilckens Part 3/3 (mit dem Lied für Wilckens gesungen von Felix Pando):

  2. Folkert permalink
    26. Februar 2011 14:32

    Hier der aktuelle Zeitungsartikel Segeberger Zeiotung von heute:

    http://www.segeberger-zeitung.de/segeberg/219999-Darf-die-Stadt-Bad-Bramstedt-einen-Anarchisten-ehren.html

  3. Folkert permalink
    26. Februar 2011 15:43

    Nachtrag:

    http://www.alt-bramstedt.de/Inhalt/KurtWilckens/kurtwilckens.htm

    Flugblatt von damals:

    Segeberger Zeitung vom 27.1.2003 zu unserer Aktion:

  4. Jamie Balius permalink
    7. März 2011 18:02

    Eintrag zu Kurt Gustav Wilckens, siehe > http://de.anarchopedia.org/Kurt_Gustav_Wilckens

    Zu Osvaldo Bayer und dem Buch „Aufstand in Patagonien“ 423 Seten mit Fotos, Trotzdem Verlag bei Alibri, 2010. Siehe: > http://www.aufstand-in-patagonien.de

  5. Folkert permalink
    14. März 2011 13:25

    Osvaldo Bayer am Samstag in der argentinischen Tageszeitung PAGINA/12
    zu seinem Besuch in Bad Bramstedt … en castellano …

    http://www.pagina12.com.ar/imprimir/diario/contratapa/13-163984-2011-03-12.html

  6. Origenes del modelo sindical en Argentina FORA AIT (1896-1945) 1ra. parte permalink
    8. Oktober 2012 22:06

    Origenes del modelo sindical en Argentina FORA AIT (1896-1945) 1ra. parte

  7. 31. Dezember 2012 17:36

    Osvaldo Bayer risked his life with his books; the four books about the killings carried out by the Argentine Patriotique League in the south of Argentina was hidden for nearly 50 years; they did an almost perfect censorship job ant it’s known what happened thanks to his research wich nearly got him killed that’s why he had to emigrate.

    For those who are interested, write on google „Desiderio Funes pdf“ and you will find pictures of that anarchist trying to kill the leader of the patriotic league; (he failed twice).

    Unfortunately there are many things about that period here that will remain unknown forever, for exemple, there were a lot of blacks up until 1910 who disapeared misteriously; history books don’t say anything about it; it was probably those right-winged sons of bitches who created the league officially in 1919 and carreid out pogroms, it existed long before that; write „Argentine Patriotic League“ in google and you will find info in the wykipedia page in english that is not allowed here, such as the fact that it’s members were about 300 hundred thousand and that it evolved into the „Argentine Civic Legion“; on clicking on „succeded by Argentine civic…“ there are many interesting things that they don’t want us to know here (internet is not really free anywhere, not only here).

    Osvaldo Bayer did a great job who nobody else did and now other historians are selling more books with his researches than himself.

  8. R.I.P. permalink
    20. Februar 2013 16:20

  9. Massaker an der Escuela Santa Maria de Iquique (21.12.1907 in Chile) // Antonio Ramón Ramón permalink
    9. März 2013 12:33

    Hinweisen wollte ich immer auf ein anderes, früheres noch größere Massaker an Arbeitern im Nachbarland Chile:

    Das Massaker der Escuela Santa Maria de Iquique war ein Gemetzel in Chile am 21. Dezember 1907. Während dieser Ereignisse wurden eine unbekannte Anzahl von Nitrat Arbeitern (zwischen 2200 und 3600 Menschen) verschiedener Nationalitäten, die in den Streik involviert waren, ermordet, während des Aufenthalts in Santa Maria einer Sonntagsschule im Hafen von Iquique.

    Die Ereignisse geschahen unter parlamentarischer Regierungen. Der Streik auf Grund der miserablen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung der Arbeiter verursacht, wurde durch den wahllosen Einsatz von Waffengewalt durch die Regierung von Präsident Pedro Montt unterdrückt.

    General Roberto Silva Renard, kommandierenden militärischen Einheiten unter Anleitung von Innenminister Rafael Sotomayor Gaete.

    Matanza de la Escuela Santa María de Iquique
    http://es.wikipedia.org/wiki/Matanza_de_la_Escuela_Santa_Mar%C3%ADa_de_Iquique

    Antonio Ramón Ramón:
    http://es.wikipedia.org/wiki/Antonio_Ram%C3%B3n_Ram%C3%B3n
    —-
    http://es.wikipedia.org/wiki/Semana_roja_(Argentina)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sim%C3%B3n_Radowitzky

  10. tina permalink
    10. März 2013 13:27

    http://radiochiflado.blogsport.de/2012/03/07/1-wenn-sich-gewehre-senken-ist-alles-so-still/ (mit einem Bericht zu Santa Maria und Ramon Ramon

    [audio src="http://taibo.podspot.de/files/z.B.Kurt+Wilckens.mp3" /]

  11. Las putas de San Julián // Bloß ein paar Huren permalink
    16. April 2014 17:15

    http://www.cultura.gob.ar/agenda/las-putas-de-san-julian/

    Anne Phillips-Krug, 17.04.2011, auf freitag.de
    Bloß ein paar Huren

    Argentinien: Ein Bordell in Patagonien verweigert sich ­Soldaten, die streikende Arbeiter erschossen haben. Bis heute gilt die Episode aus dem Jahr 1922 als Beispiel für Zivilcourage

    Eines der alten Gräber auf dem Friedhof in Puerto San Julián im Süden Argentiniens ist stets mit frischen Blumen geschmückt. Weshalb dies geschieht, erklärt der Schriftsteller Osvaldo Bayer im Arbeitszimmer seines Hauses in Linz am Rhein und erzählt von den Heldinnen des kleinen Städtchens in Patagonien. Noch heute kämen oft Männer und Frauen vorbei, um das Grab von Paulina Rovira – der ehemaligen Besitzerin des Bordells La Catalana – zu besuchen. In seinem Roman Aufstand in Patagonien schildert der 83-jährige Bayer im Kapitel Des Siegers einzige Niederlage den Widerstand von fünf Prostituierten aus Puerto San Julián gegen die Willkür des argentinischen Militärs. Um gegen die Erschießung von über 1.500 streikenden Landarbeitern durch einen Trupp des Oberstleutnants Varela zu protestieren, weigerten sie sich Anfang 1922, den Soldaten gefällig zu sein. Der Erinnerung an die Arbeiteraufstände in Patagonien während der zwanziger Jahre gilt dieses Aufbegehren bis heute als einsames Beispiel von Zivilcourage. Das Geschehen von damals liegt nun auch dem Film Die schwarze Legende des argentinischen Regisseurs Adrián Jaime zugrunde, der im Mai abgedreht werden soll. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Frauen, die ein Theaterstück proben, das auf Osvaldo Bayers Des Siegers einzige Niederlage aufbaut. Die widerständigen Huren werden durch Frauen unterschiedlicher Nationalität dargestellt, die im heutigen Argentinien als Prostituierte arbeiten.

    Generalstreik für gerechtere Löhne

    Anfang des 20. Jahrhunderts prägten Schaffarmen das Bild Patagoniens. Vier Fünftel des Landes gehörten englischen Großagrariern – den Nachfahren derer, die ab 1890 die Falklandinseln verließen, um sich an der patagonischen Küste anzusiedeln. Der Wollboom begann im Jahr 1877 mit der Einfuhr von Schafen, das Übermaß an Land und überaus billiger Arbeitskraft stellte die patagonische Wollindustrie bald über jede Konkurrenz. Die auf den Estancias beschäftigten Arbeiter – unter ihnen viele Chilenen – lebten dabei oft in extremer Armut und ohne soziale Rechte. Politik und Polizei arbeiteten den Latifundisten zu. Erst als Arbeiter wie der Spanier Antonio Soto, der Gaucho Facón Grande oder der Deutsche Pablo Schulz auftauchten, die sich zur Arbeiterbewegung zählten, sollte sich das ändern, meint Osvaldo Bayer. „Argentiniens Arbeiterbewegung war vom Anarchismus italienischer und spanischer Einwanderer geprägt, während der Marxismus mit den Deutschen kam, die bald eine Sozialistische Partei gründeten. Anarchismus, Syndikalismus und Marxismus – das waren einst die großen Bewegungen.“

    Angeführt von russischen, polnischen und deutschen Anarcho-Syndikalisten begannen die Landarbeiter in der Patagonien-Provinz Santa Cruz Anfang der zwanziger Jahre, für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, und traten in einen Generalstreik für gerechtere Löhne, ausreichend Lebensmittel und Kerzen für ihre Unterkünfte. Die englischen Großgrundbesitzer verglichen daraufhin ihr Schicksal umgehend mit dem Los russischer Aristokraten nach der Oktoberrevolution. Und Präsident Hipólito Yrigoyen schickte Oberstleutnant Varela, um mit den Streikenden abzurechnen.

    Osvaldo Bayer erzählt, seine Eltern hätten damals in Río Gallegos gewohnt, der Hauptstadt von Santa Cruz. „Auch als wir schon lange in Buenos Aires lebten, erzählte unser Vater oft, was er in Patagonien erlebt hatte. Er war ein sensibler Mensch und hatte unter diesen Erfahrungen sehr gelitten. In den sechziger Jahren studierte ich dann Geschichte und begann, die Streiks von 1921/22 zu erforschen, über die zuvor nie irgendetwas veröffentlicht worden war. Ich recherchierte, sichtete Dokumente der Armee, sprach mit Zeitzeugen und schrieb schließlich mein Buch Aufstand in Patagonien. Das Ganze dauerte acht Jahre und kostete mich acht Jahre Exil, als 1976 die Obristen um General Videla in Argentinien eine Militärdiktatur errichteten.“

    Bayer verfasste auch das Szenarium für Héc­tor Oliveras’ gleichnamigen Film Aufstand in Patagonien, der 1974 bei den Westberliner Filmfestspielen einen Silbernen Bären gewann und überall mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Ursprünglich – erinnert sich Bayer – sollte der Film mit der Episode über die Prostituierten von Puerto San Julián enden und zeigen, wie Varela seine vom Töten erschöpften Soldaten in die Bordelle der Umgebung schickt. Als eine Gruppe in Puerto San Julián eintrifft, kommt ihnen die Madame des Freudenhauses La Catalana schon auf der Straße entgegen. Es gebe ein Problem, teilt sie den Männern mit. Und tatsächlich: als die Soldaten den Salon betreten wollen, verweigern ihnen Maud Foster, Consuelo García, Ángela Fortunato, María Juliache und Amalia Rodríguez den Zutritt. Vom Massaker an den Arbeitern entsetzt, gehen sie mit Besen und Geschrei auf die Soldaten los: „Mörder!“, „Schweine!“, „Mit Mördern gehen wir nicht ins Bett!“, rufen sie. Den Soldaten vergeht die Lust – die Frauen werden bald verhaftet, der Nachtklub bleibt fortan geschlossen.

    Doch dieser geplante Schluss fiel der Zensur zum Opfer. In letzter Minute – die antikommunistischen Todesschwadronen haben schon sein Todesurteil in einer juntafreundlichen Zeitung veröffentlicht – kann Osvaldo Bayer 1976 mithilfe des deutschen Kulturattachés vor den Schergen der Militärjunta ins Ausland fliehen. Er lebt zunächst in Essen, dann in Westberlin, später in Linz am Rhein. Dass der vierte Band von Aufstand in Patagonien, der in Argentinien nicht mehr veröffentlicht werden konnte, schließlich in Deutschland erschien, erstaunt den Schriftsteller bis heute: „Das ist doch eine unglaubliche Sache, wenn ein Buch, das von einem solchen Augenblick in der argentinischen Geschichte handelt, auf Spanisch in Deutschland veröffentlicht werden muss. Aber ich war eben im Exil. Als das 1983 vorbei war, traf ich auf ein komplett verändertes Land. Die Militärs mussten gehen, weil sie 1982 den Falkland-Krieg gegen Großbritannien verloren hatten. Triumphieren konnten sie trotzdem: Argentinien war zu einem anderen, der Angst ausgelieferten Land geworden. Es gab eine Jugend, die nicht mehr über Politik reden, sondern sich nur noch mit alltäglichen Dingen und Rock’n’ Roll beschäftigen wollte. Während der sechziger und siebziger Jahre hatten sich junge Argentinier für die Revolution begeistert und Kuba als Beispiel empfunden.”

    Denkmal auf dem zentralen Platz

    Dennoch hat sich im vergangenen Jahrzehnt in puncto Geschichtsbewusstsein viel getan. Mittlerweile erinnert eine Reihe von Monumenten in Santa Cruz und an anderen Orten an die Textilarbeiter, die einst in den großen Streiks des frühen 20. Jahrhunderts ihr Leben ließen. Was die couragierten Frauen aus Puerto San Julián betrifft, so ist über ihr weiteres Schicksal wenig bekannt. Man weiß, dass die meisten des Ortes verwiesen wurden und niemals wiederkamen – bis auf Paulina Rovira, die Prinzipalin des Hurenhauses.

    Dennoch: „Diese Frauen gelten mittlerweile als Heldinnen, besonders unter Studenten“, freut sich Bayer. „Bei einem meiner Besuche sagten sie mir: Osvaldo, wir müssen ihnen ein Denkmal errichten und zwar auf dem zentralen Platz der Stadt. Ich fand das eine wunderbare Idee und war sofort bereit, mich für ein solches Monument einzusetzen. Am nächsten Morgen kam der Bürgermeister in mein Hotel und meinte: Herr Bayer, glauben Sie nicht, dies geht ein bisschen zu weit? Sehen Sie, an diesem Platz erinnern wir an San Martín, unseren großen Nationalhelden, da können wir nicht ein Mahnmal für ein paar Huren danebenstellen. Eine Bronze-Plakette mit den Namen der Frauen sei genug. Im Endeffekt haben sich die Studenten zerstritten, und aus dem Projekt wurde sowieso nichts. Aber wenn Touristen nach Puerto San Julián kommen, ist der Platz, an dem damals das Bordell stand, eines ihrer Ziele. Und alle kennen die Geschichte der fünf Frauen.”

    http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/bloss-ein-paar-huren

    • Denkmal für die ermordeten streikenden Landarbeiter aus dem Jahre 1921. // Facón Grande - bio Wikipedia permalink
      11. Januar 2015 06:56

      CONTRATAPA
      Los mártires del trabajo – por Osvaldo Bayer

      Pasó el tiempo, pero la verdad se impuso. La reivindicación. En Cañadón León (hoy Gobernador Gregores, Santa Cruz), han vuelto a ocupar la atención del pueblo los peones fusilados en 1921. Sí, los trabajadores rurales fusilados en 1921 por el Ejército Argentino por orden del presidente Yrigoyen. Se levantó en la ruta que lleva a esa ciudad un cenotafio bajo las palabras definitivas: “Memoria, Verdad y Justicia. A los caídos por la libertad”. Ahí está en plena estancia Bella Vista. Fusilados. Por pedir un poco más de dignidad en el trabajo. Fue un acto pleno. Con representantes de los sectores populares. Al frente, el intendente de la sociedad, Juan Vázquez, un trabajador de la tierra elegido por el pueblo. En el acto dijo las palabras justas. Habló de los peones rurales fusilados en 1921 por pedir tan poco. Mientras nos miraba el suave cielo patagónico, profundamente celeste, con un sol oro que abarcaba todo el paisaje.

      Sentí que mi investigación La Patagonia rebelde sobre el fusilamiento de centenares de peones rurales había valido la pena. (…)
      http://www.pagina12.com.ar/diario/contratapa/13-257288-2014-10-11.html


      José Font, más conocido como Facón Grande http://es.wikipedia.org/wiki/Fac%C3%B3n_Grande ,
      (Concepción del Uruguay, 1883 – Cañadón de la Muerte, provincia de Santa Cruz, 22 de diciembre de 1921) fue un obrero y carrero anarcosindicalistas1 entrerriano, radicado en la Patagonia Argentina

      ————
      el film „Awka Liwen“ (Macanudo Films, 2010)
      http://www.lanzanos.com/proyectos/nuevo-film-con-osvaldo-bayer/


      https://es-es.facebook.com/pages/Osvaldo-Bayer/55780052859

    • Teatro Nacional Cervantes: "Las putas de San Julián" / - via youtube clip permalink
      4. November 2016 10:03

      La obra -versión libre de Rubén Mosquera sobre un episodio de „La Patagonia rebelde“, de Osvaldo Bayer, recupera la historia de cinco mujeres de un prostíbulo de San Julián, provincia de Santa Cruz, que mostraron su fortaleza al enfrentar desde lo que puede pensarse como debilidad física y social, lo que consideraron una injusticia. El hecho que refiere Bayer en el Capítulo XV del tomo II de “La Patagonia rebelde” ocurrió el 17 de febrero de 1922 durante la denominada “Patagonia trágica” -cuando Hipólito Yrigoyen era presidente- y tuvo como protagonistas a cinco mujeres prostitutas o pupilas de cabaret que ofrecían sus virtudes en “La Catalana” de Puerto San Julián, en la provincia de Santa Cruz. Ese día se convirtieron en símbolo de resistencia frente al ejército, negándose a atender a quienes, con las manos manchadas de sangre buscaron sus servicios como premio y espacio de descanso luego de ejecutar y enterrar en fosas comunes a los peones y trabajadores en huelga.

      El mismo Osvaldo Bayer comparte escena con el numeroso elenco. A través de su memoria, de sus recuerdos, de los valores que lo sostuvieron ante la adversidad, el exilio y la muerte que lo rondaba de manera cierta, se desarrolla el relato. “Encarnándose a sí mismo como personaje -expresa Mosquera- Bayer nos permite también homenajearlo (en un país donde se afirma con liviandad que ‘nadie resiste un archivo’), reconociéndole una vida dedicada a la recuperación de la historia, la reivindicación de los olvidados y vulnerados, y la lucha por los derechos humanos. Recuperar los hechos ocultos o ninguneados de esta historia, -continúa el autor y director- nos da la oportunidad de reflexionar sobre nosotros mismos como colectivo social acerca de la vida, la valentía, la dignidad, el amor, contrapuestos a las más bajas vilezas, la infamia y la muerte”.

      Mariela Acosta, Valeria Castro, Lucio Cerdá, Mercedes Ferrería, Hilario Laffitte, Maite Mosquera, Pablo Palavecino, Sergio Pascual, Daniela Salerno, Alejandra Shanahan, Mónica Soruco y Laura Wich, componen el elenco que junto a Bayer recrearán la historia de estas mujeres heroicas.

      El espectáculo tiene banda de sonido de Agustín Demicheli, coreografía de Mónica Soruco, diseño de iluminación de David Seldes, y de vestuario y escenografía de Vanesa Abramovich. La asistencia de dirección es de Michelle Saffores y la producción del TNC de Lucero Margulis.
      Source: http://www.cultura.gob.ar/agenda/las-putas-de-san-julian/

      Consuelo García, argentina, 29 años; Angela Fortunato, argentina 31 años; Amalia Rodríguez, 26 años; María Juliache, 28 años, española y Maud Foster, 31 años, inglesa, con 10 años de residencia en el país. http://www.elpatagonico.com/la-rebelion-las-putas-n693904

      Las Putas de San Juliàn

  12. autonomia permalink
    17. April 2014 11:46

    „Erst als Arbeiter wie der Spanier Antonio Soto, der Gaucho Facón Grande oder der Deutsche Pablo Schulz auftauchten, “ Auf die höchst unterschiedlichen Aktivitäten von Soto bzw. Facon Grande siehe hier: „

    „““Anarchobanditen“ hatte die FORA 1921 die Gruppe „ Roter Rat“(Consejo rojo) um Facon Grande genannt, die in bewaffneten Aktionen und Enteignungen gegen die Großgrundbesitzer in Patagonien kämpfte

    Um die Verhandlungen mit diesen nicht zu gefährden, distanzierte sich die FORA um Antonio Soto offiziell von diesen „Banditen“, soll sogar Standorte des „Roten Rates“ an das Militär weitergegeben haben. Die Antwort der Landbesitzer und des Militärs war die Erschießung von 1500 streikenden Landarbeiter*innen und die Zerschlagung der Streikbewegungen in Patagonien.“““

    aus: http://digitalresist.blogspot.de/2013/08/anarchobanditen-und-anarchistische.html

  13. "Las putas de San Julián" / Osvaldo Bayer permalink
    4. November 2016 10:15


    La Obra de Teatro en la que participa Osvaldo Bayer y que realizan integrantes del Teatro Nacional Cervantes, se presentó a sala llena en el Salón de Usos Múltiples municipal en El Calafate. Aplausos, reconocimientos y la palabra del escritor en CMT.

  14. Wie ein Bramstedter zum Volksheld wurde permalink
    14. August 2017 13:21

    Quelle: https://www.abendblatt.de/region/norderstedt/article211440179/Wie-ein-Bramstedter-zum-Volksheld-wurde.html

    Wie ein Bramstedter zum Volksheld wurde
    Von Frank Knittermeier

    Viele Ereignisse sind in Vergessenheit geraten. Das Abendblatt geht auf Spurensuche. Heute: Die Geschichte von Karl Gustav Wilckens.

    Bad Bramstedt. 25. Januar 1923. Schon am frühen Morgen ist es heiß in Buenos Aires. Mit der Straßenbahn kommt ein nordeuropäisch aussehender Mann aus der Innenstadt, steigt an der Plaza Italia im Stadtteil Palermo aus und geht in Richtung Fitz-Roy-Straße. Der ruhig und gelassen wirkende Mann trägt ein Päckchen, dass sein Mittagessen enthalten könnte. Er stellt sich unauffällig an die Straßenecke – es sieht aus, als warte er auf einen Freund. Aber das täuscht: Seit Tagen schon beobachtet er das Haus von Oberst Varela, der bei den Arbeitern „Schlächter von Patagonien“ genannt wird.
    (…)

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  1. Darf die Stadt Bad Bramstedt einen Anarchisten ehren? « Entdinglichung

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