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Ramón „Mone“ Cambra – Möge die Erde Dir leicht sein Companero!

11. Januar 2011

Ramón Cambra: Geboren am 28. März 1917 in Barcelona. Gestorben am 26.12.2010 in Hamburg

Ramon als junger Mann 1939.

Ramón (genannt »Mone«) galt nach eigener Aussage als das „schwarze Schaf“ in seiner Familie (ein älterer Bruder und eine jüngere noch lebende Schwester). Seit seinem 14. Lebensjahr Vegetarier. Seine spätere Frau Maria Cambra-Turias (geboren 8. Juli 1923) lernte er zuerst 1933 kennen, da die Geschwister von beiden verlobt waren.

Aufgewachsen ist Ramón in Barcelona. Er kannte Durutti und  Luís Andrés Edo – sie waren Nachbarn. Als junger Mann trug Ramón lange Haare und schrieb Gedichte, er beteiligt sich in einer Kulturvereinigung und kämpfte gegen den Militarismus. Er machte eine Lehre als Buchdrucker und trat in die CNT ein. Eine Woche vor dem Militärputsch war er mit anderen Genoss/innen Tag und Nacht im Gewerkschaftslokal, weil deutlich war, daß bald etwas passieren würde; innerhalb von zwei Tagen gelang es den Arbeiterinnen und Arbeitern die Militärs in Barcelona zu besiegen. Als wir ihm das Buch La Barcelona rebelde schenkten, blätterte er darin und zeigte  uns stolz das Bild der Barrikade vom 19. Juli 1936 – „das war meine Barrikade, auf der Placa Pes de la Palla“.

Nach dem Putsch der faschistischen Militärs kämpfte er für die Soziale Revolution innerhalb der Kolonne Ortiz; es ist die erste Columna, die nach dem 19. Juli an die Front nach Aragon geht. Er, der Antimilitarist und noch ein halbes Kind, wie er sagte, empfand das auch rückblickend als Ironie. Krieg und Waffen behielten für ihn nach diesen Erfahrungen eine seltsame Faszination. Im November 1936 wollte er ursprünglich nach Madrid, um die Stadt vor den faschistischen Horden zu verteidigen, was aber nicht möglich war. Ramón wurde im Kampf von einem Panzer überollt, da er in einem Graben lag überlebte er. Nach einer Zeit der Genesung kämpfte er schließlich in der Columna Rojo y Negro bei Huesca in Aragon. In der Einheit wurde er Feldwebel. Im Februar 1939 ging er mit seiner ganzen Kolonne (300? Mann) über die Grenze nach Frankreich.

Ramóns Ausweis der republikanischen Armee.

In Frankreich wird er in Arles (Südfrankreich) festgenommen und muß in einem Kohlebergwerk arbeiten. Er übt Sabotage, indem er falsche Zahlen nennt. Er kämpft in der Resistance  versucht, einen Viadukt zu sprengen, während englische Truppen in Dieppe landen. Aber die 50 Mann starke Gruppe wird vom „eigenen“ Funker verraten, alle bis auf Ramon kommen ums Leben. Gefangenschaft, Folter in zwei Konzentrationslagern in Südfrankreich, er kommt vor einen schwarz gekleideten SS-Mann, der ihn fragt, ob er Ramón Cambra sei. Er sagt „Ja“ und denkt sein Tod stehe kurz bevor, aber der Mann ist ein Agent der Resistance und sagt nur, er solle verschwinden; Ramón flieht.

Ramón im Jahre 1949.

Von 1943 bis 1963 lebt er illegal wieder in Spanien bei Marias Familie unter dem falschen Namen von Marias Schwager. Zuerst als Hafenarbeiter, dann verschiedene Jobs, ab 1950 als Fotograf tätig, geheime Tätigkeit als Verbindungsmann/Leutnant der republikanischen Untergrundarmee „Agrupación de fuerzas Armadas de la Espanola“. Seinen Ausweis mit dem dortigen Decknamen José Manen Eglesias trägt er versteckt im Gürtel bei sich.

Zwei Tage nach Beendigung des II. Weltkrieges, am 10. Mai 1945, heirateten Maria und Ramón, seit 1947  haben sie eine Tochter, Montserrat. 1956 gelingt es Ramón über einen Bischof, der Affären mit Frauen hat und so ‚überzeugt‘ werden kann, Ramons Identität zu „waschen“ und so bekommt er seinen richtigen Namen wieder. Die Familie lebte dann in Frankreich in Castres, ca. 70 km von Toulouse entfernt.

CNT-Mitgliedsausweis von Ramon.

1964 dann Übersiedlung nach Deutschland und Hamburg, hier arbeitet Ramón viele Jahre bei der Post,  u.a. fährt er nachts Lkw. Das Verhältnis zu seinen KollegInnen beschreibt Ramón als sehr gut. Beim Be- und Entladen erleidet er einen schweren Arbeitsunfall. Er tritt um 1970 kurzzeitig in die SPD ein und gründet einen linken Kreis, kehrt der Partei aber bald wieder den Rücken. Ramón und Maria beantragen beide die Deutsche Staatsangehörigkeit, weil beide meinen, wenn sie „alle pflichten haben, wollen sie auch alle Rechte!“

Anfang der achtziger Jahre findet Ramón wieder Kontakt zur CNT und wird wieder Mitglied in seiner alten Gewerkschaft Sindicato Artes Graficas in Barcelona. Er übersetzte in einer Artikelserie für deren Zeitung „Tinta Negra“ aus der deutschen Sprache Volin’s „Unbekannte Revolution“ über die Rolle der Anarchisten während der russischen Revolution – u.a. die beiden Bände über die „Machno-Bewegung“ und „Die Kronstadt Rebellion“. Es folgen weitere Artikel für die „Soli“, die Soldaridad Obrera bis Anfang der 90iger Jahre. Nachdem ihm die Soli nach einem Aborückstand nicht mehr geliefert wird, beendet er seine Tätigkeit für die CNT und die Soli.

Ramón rechts – mit dem CNT-Generalsekretär José Luís Coronado (Mitte) aus Madrid 1986 in Hamburg.

1984 wirkt er mit an der Wiedergründung der FAU Hamburg. 1986 ist er am 11. Oktober zur Eröffnung des Libertären Zentrums in der Lagerstraße dabei und hält eine kurze Ansprache. Immer wieder ermunterte er uns, etwaige Probleme nach und nach aufzuarbeiten und – weiter zu machen!

Ramón war sehr belesen und ein kluger Kopf und blieb immer ein sehr bescheidener Mensch, der kein Aufhebens um sich machte. Ramón und Maria waren beide Vegetarier und sehr tierlieb, fast bis zuletzt hatten sie immer Haustiere. Über die Zeit des Spanischen Bürgerkrieges mochte Ramón nicht gerne sprechen, wir haben ihm wohl manchmal mehr zugemutet als wir ahnten. Die Erinnerung an die vielen ermordeten Brüder und Schwestern waren ein Alptraum für ihn. Die Arbeitersolidarität unter den Mitgliedern der UGT und CNT hob er aber hervor. Und die jungen GenossInnen sollten ihre eigenen Antworten auf die Fragen ihrer Zeit geben. Auf die Frage, wie die Bauern auf dem Lande auf die Revolution reagierten, antwortete er nur knapp: ‚Natürlich freuten sie sich, sie waren begeistert!’ Dann war das Gespräch beendet.

Ramón im Mai 2010 in Hamburg.

Ramón war bis ins hohe Alter interessiert an der Entwicklung der anarchistischen Bewegung und der FAU und fragte immer: „Was machen die Freunde?“ Ramón war ein begeisterter Autofahrer, und die Aufgabe seines Führerscheins mit 90 Jahren erlebte er als  einen großen Einschnitt. Die sich häufenden Krankheiten von beiden ertrug er jedenfalls mit dem ihm eigenen Humor.

Ramon wollte keine Trauerfeier sondern eine anonyme Bestattung. Dieser Nachruf wäre ihm wahrscheinlich eher nicht recht, aber wir erinnern uns an ihn und wollen uns an  ihn erinnern und seiner Gedenken! Mone – wir werden Dich und Deinen Witz, Dein Lachen, Deine widerständige Haltung, Deine Menschlichkeit und Deine liebenswürdige Art vermissen!

Unsere Anteilnahme gilt Maria, Montserrat und der ganzen Familie!

Maria sagte oft „Das Leben ist hart“, wahrscheinlich auch, weil sie oft Angst um ihren Mone haben mußte, und sich damals oft fragte, ob er wieder kommt oder sie beide verraten und entdeckt würden.  Ramón sagte trotz des vielen Leids, das er erlebt hatte: „Das Leben ist schön“ und wenige Tage vor seinem Tod, „Ich habe mein Leben gelebt“.

•  Einige Deiner jungen Freunde und Companeros aus Hamburg

24 Kommentare leave one →
  1. Frank Pott permalink
    11. Januar 2011 08:56

    Das ist einer der schönsten Nachrufe, den ich seit langem gelesen habe!
    Danke!

    • 11. Januar 2011 09:15

      ja, da muss ich aufs Herzlichste zustimmen, und ich möchte jetzt gerne besonders seine EnkelInnen ganz doll umarmen! Wenn so friedensbewusste Menschen, die dennoch so sehr kämpfen mussten, gehen, dann müssen wir da weiter machen, wo sie so viele Jahre ihre Arbeit getan haben. Seinen doch friedlicheren Lebensabend konnte er, glaub ich eine Weile geniessen. jetzt muss ich doch mal einen Moment meine Mütze abnehmen…

      • Ara permalink
        11. Januar 2011 18:37

        Micha, danke. Wir sehen uns.

    • Jamie Balius permalink
      16. Februar 2011 12:47

      Der Nachruf auf unseren Lieben Ramon Mone Cambra ist in spanischer Sprache in der Februar Ausgabe der CNT, Seite 17 & 18 zu finden, hier:
      http://cnt.es/periodico/periodico-cnt-375-febrero-2011

      • Ramon Cambra - Kate Sharpley Library permalink
        15. April 2012 00:43

        Ramón ‚Mone‘ Cambra

        Ramón was raised in Barcelona, with Durruti and Luis Andrés Edo as near neighbours. As a youngster Ramón wore his hair long and wrote poetry, took part in cultural societies and was involved in anti-militarist campaigning. During this time he trained as a printer and shortly after that joined the CNT.
        (…) Kate Sharpley Library
        Translated by: Paul Sharkey http://www.katesharpleylibrary.net/v9s636

  2. glouton permalink
    11. Januar 2011 13:52

    Möge die Erde Dir leicht sein! Wir vergessen Dich nicht!

  3. Ara permalink
    11. Januar 2011 18:57

    Im Namen der Familie möchte ich mich für diesen schönen Nachruf bedanken. Habe grade nen Kloss im Hals.

    Ara ( Enkelin)

  4. Erik Alfredsson permalink
    11. Januar 2011 19:45

    Auch ich trauere um Ramon.

    Obwohl das wahrscheinlich gar nicht in seinem Sinne ist, daß man um ihn trauert.

    Als wir ihn einst im Krankenhaus besuchten, hielten es die lieben GenossInnen von der FAU für eine gute Idee, ihm Schnittblumen mitzubringen.
    „Blumen gehören in den Garten!“
    So war seine Reaktion.

    Ramon hat niemals unnötg viele Worte gesagt.

    Aber Humor hatte er!!!
    „Hier ist alles erlaubt“, waren seine Worte, bevor wir völlig vorschriftswidrig durch Einbahnstraßen usw. uns unseren Weg zum „Industriepfarramt“ in Hannover bahnten. Dort sollte damals das „Regionalplenum“ der FAU stattfinden.
    (Als Beifahrer hätte ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht, aber Ramon hat uns souverän zum Ziel gebracht.)

    So einer war er!!!

    Und:
    Als ich vor einigen Monaten mit Ramon zusammentraf, hatte er nur noch wenig Lebensmut.

    !Hasta siempre, companero!

    • Ralph permalink
      12. Januar 2011 16:48

      Stimmt, zum Schluß hatte ich manchmal den Eindruck, er war vorallem noch da, weil er Maria ja nicht allein lassen konnte. Und Maria war immer besorgt um ihn. Jetzt ist er voraus gegangen, friedlich im Schlaf, wie schön für ihn. Trotzdem ich werde ihn vermissen.

  5. Nestor Burma permalink
    11. Januar 2011 21:21

    Möge die Erde dir leicht sein Genosse. Durch diesen Nachruf werden dich auch diejenigen nicht vergessen, die dich zu Lebzeiten nicht kennenlernen konnten.

  6. Jenny permalink
    12. Januar 2011 10:22

    Danke für diesen schönen Nachruf.
    Jenny (Enkelin)

  7. 12. Januar 2011 11:12

    ¡Ramón presente!

  8. Montserrat Cambra-Fischer permalink
    12. Januar 2011 13:30

    Von Papa habe ich die politische Arbeit von Kindesbeinen an gelernt. Was habe ich Ängste ausgestanden, wenn ich aus der Schule kam und die Rolläden an den Fenster runtergelassen waren, hisst es: die Schergen Francos suchten ihn und waren zu Hause gewesen, ich würde meinen Vater nun wochenlang wieder nicht sehen. Er musste sich dann bei Freunden verstecken. Er fand aber immer einen Weg um mir eine Nachricht zukommen zu lassen, das es ihm gut geht. Er konnte selbsterdachte Märchen erzählen wie kein anderer, alle Kinder unsere Familie haben ihn, den „Geschichtenerzähler“ geliebt und hingen an seinen Lippen wenn er von Guixeta (kleine Linse) erzählte, seinen Held in den Märchen.

    Papet (Väterchen), ich hoffe dir geths gut, da wo du bist und kannst, wie du immer sagtst, in der Hölle weiter politische Arbeit machen, in den Himmel willst du ja nicht. Adeu i petonets, ya ens veurem.

    Deine Nena

  9. Torben permalink
    12. Januar 2011 19:12

    Lieber Ramon.

    Alles gute für Dich, wohin dich unsere ewige Reise durch die Welt auch führen mag.

    Torben Koop

  10. Folkert permalink
    12. Januar 2011 20:31

    Liebe Genoss~innen und Freunde, liebe Angehörige,

    Wir haben den Nachruf an unsere Genoss~innen in Spanien weitergeleitet, damit auch in der „CNT“ oder der „Soli“ seiner würdig gedacht werden kann.

    Dank an @lle, die mit uns trauern und Ramón in Erinnerung bewahren werden.

    ASK – VAB Hamburg-Altona

  11. Ara permalink
    13. Januar 2011 00:22

    Mein Opi hat mich gelehrt, selbständig zu denken und etwas zu tun gegen die Ungerechtigkeiten in dieser Welt. Nich zuletzt dank ihm bin ich auch seit 25 jahren schwarzrot. Wir haben viel zeit miteinander verbracht, geredet, Schach gespielt. Die letzten Monate waren allerdings eine Qual für ihn, er wollte nicht mehr. Einmal nahm er meine Hand und sagte : warum kann ich nicht gehen ?
    Er ist friedlich zuhause eingeschlafen, wie es sein Wunsch war.
    Ich werde nie vergessen, wie er da lag. Ich vermisse ihn sehr.

  12. Jamie Balius permalink
    13. Januar 2011 11:04

    75 Jahre Spanische Revolution

    In diesem Jahr – 2011 – sind es 75 Jahre her, daß es den einfachen Arbeiter/innen und Landarbeiter/innen gelang ,den Militärputsch der Franco-Faschisten auf der Hälfte des Gebietes von Spanien zurückzuschlagen!

    Ihr Schicksal in den eigenen Händen haltend und den Augenblick nutzend, verwirklichten die Arbeiter/innen und Landarbeiter/innen (unter ihnen als größte organisierte Kraft die Anarcho-Syndikalisten/innen und Anarchist/innen) den „kurzen Sommer der Anarchie“.

    Unter vielen zehntausenden Namenlosen war einer dieser Kämpfer Ramón „Mone“ Cambra, er kämpfte fast ausschließlich an der Front gegen die Franco-Faschisten.. Der Nachruf steht als ein Beispiel für eine ganze Generation, von denen bald alle verstorben sein werden.
    Jeder Mensch mit nur ein bischen Hirn und Herz wird diesen Menschen danken, weil sie uns ein Beispiel für die Verteidigung der widerständigen Menschenwürde gaben und zeigten, wieviel solidarisch und organisiert möglich ist! Ramón „Mone“ Cambra presente!

    30 Veteranen der Anarchisten/innen haben in dem Dokumentarfilm „Vivir la utopía – Die Utopie leben“ von Juan Gamero [1997] (siehe den Film, mit Literaturliste: http://de.anarchopedia.org/Die_Utopie_leben ) Zeugnis abgelegt über die Erfolge, die unter schwierigsten Bedingungen während der Spanischen Revolution erreicht wurden.

    Sie wollten eine Gesellschaft ohne Herrschaft (=Anarchie). Eine Gesellschaft unmittelbarer, direkter Selbstorganisation und Selbstverwaltung in allen Lebensbereichen. Eine Gesellschaft ohne Gewalt und Ausbeutung durch Kapital und Staat (oder sonst Jemanden).

    Gegen die Übermacht aus Kapital, den Faschisten (Spaniens, Italiens, Deutschlands), dem Militär, der Kirche,dem Bürgertum und seinen Medien, westlichen ‚Demokratien‘, der ‚Sowjet‘-union und der ‚Kommunistischen‘ Partei konnten sie letztlich nicht gewinnen.
    Sie konnten aber unter Beweis stellen, daß eine andere Gesellschaft möglich ist!
    Darum: Es lebe der libertäre Sozialismus! (Siehe: http://en.wikipedia.org/wiki/Libertarian_socialism )

    Der Spanische Bürgerkrieg forderte (je nach Quelle) 150.000 bis 300.000 Tote. Über 270.000 Menschen sind in Gefangenschaft geraten, 190.000 wurden bis 1944 hingerichtet und ca. 400.000 flüchteten ins Exil. (Nach Angaben i. d. Booklet/CD/Film „Ein Volk in Waffen – un pueblo en armas“, Edition AV [2008] ).

    Und heute? Die Bourgeoisie hat den Seidehandschuh übergezogen und die Francisten erstmal ins Halbdunkel verwiesen. Es gibt süße Limonade fürs Gehirn durch die
    Gedankenkontrollinstrumente und anderen Konsum.
    Natürliche Auslese 2011: Die stärksten der Armen, die die Barrieren der Wohlstandsfestungen überwinden konnten und nicht abgesoffen sind, dürfen Europas Gurken und Tomaten pflücken und helfen die heimischen (afrikanischen) Märkte zu überschwemmen, auf daß mehrs Outlaws im ‚freien‘ Westen in Favelas vegetieren und ausgebeutet werden können.

    Überschwemmungen (Pakistan, Australien) und Dürren – d.h. die beginnende (Staats- und Privatkapitalistisch erzeugte) Klimakatastrophe – , Atomklos, die Ökologische Krise, die Hungerkrise, die Währungs- und Finanzkrise, all diese Krisen reichen nich aus, daß sich an der Deregulierungspolitik und der Bereicherungsorgie der Banken und Reichen und der Belastung und Ausbeutung der Armen etwas ändern würde!

    Es sieht nicht gut aus für die Menschheit und für unsere Mitgeschöpfe, unseren Planeten Erde!

    Wir alle wissen das oder könnten es wissen.

    Adelante! Wir haben unsere Würde zu verteidigen!

    Die Mächtigen erscheinen uns nur deshalb so groß, weil wir vor ihnen auf den Knien liegen!

    Erheben wir uns!

  13. Jamie Balius permalink
    13. Januar 2011 11:43

    Einen hab ich noch, dann halte „ich“ die Klappe! Ihr die Ihr dies lest wisst das alles natürlich selbst:

    Worum ging es ging es Millionen Menschen? Worum ging es auch Ramón “Mone” Cambra?

    Hier geben Augenzeugen der Soziale Revolution in Spanien Auskunft:

    Der Schriftsteller George Orwell schildert eine Szene in Aragón während dieser Zeit, in seinem Buch ‚Mein Katalonien‘ (Homage to Catalonia):
    “Ich gelangte mehr oder weniger durch Zufall in die einzige Kommune jeglicher Größe in Westeuropa, in der politischen Bewusstsein und das Misstrauen gegen den Kapitalismus normaler war als das Gegenteil. Hier oben in Aragón war man unter zehntausenden Leuten, die zumeist nicht vollständig der Arbeiterklasse entstammten, die alle auf demselben Stand lebten und sich mit Begriffen der Gleichheit befassten. In der Theorie war dies perfekte Gleichheit, und auch in der Praxis war es nicht weit davon entfernt. Dort ist eine Stimmung, in der es wahr wäre zu sagen, dass man einen Vorgeschmack des Sozialismus ausprobierte oder erfuhr, zu dem ich der Ansicht bin, dass die vorherrschende mentale Atmosphäre die von Sozialismus ist. Viele der normalen Motive bürgerlichen Lebens – Snobismus, Geldscheffeln, Furcht vor dem Chef und so weiter, waren schlicht verschwunden. Die gewöhnliche Einteilung der gesellschaftlichen Klassen verschwand in einem solchen Ausmaß, das nahezu undenkbar ist in der geldgeschwängerten Luft von England. Da war niemand außer uns selbst und den „peasants“, und niemand betrachtete einen anderen außer sich selbst als seinen Herren.“

    Drei weitere Augenzeugen: Professor Antres Oltmares, Universität Genf erklärte: „Inmitten des Bürgerkrieges haben die Anarchisten sich als politische Organisatoren ersten Ranges erwiesen. Sie entzündeten in jedem das nötige Verantwortungsgefühl und verstanden es, den Opfermut für das allgemeine Wohl im Volke wachzuhalten…Mit innerer Freude und aufrichtiger Bewunderung spreche ich hier als Sozialdemokrat über meine Erfahrungen in Katalonien. Der antikapitalistische Umschwung ging hier vor sich ohne jede Diktatur. Die Mitglieder der Syndikate sind ihre eigenen Meister und regulieren die Produktion und die Verteilung der Arbeitsprodukte unter ihrer eigenen Verwaltung und mit der Beratung erfahrener Techniker, zu denen sie vertrauen haben. Die Begeisterung der Arbeiter ist so groß, daß sie jeden persönlichen Vorteil verschmähen und ausschließlich für das Wohl aller Sorge tragen”.

    Der italienische Antifaschist und ehemalige Professor der Ökonomie in Genua Carlo Rosseli urteilte wie folgt: „In 3 Monaten ist Katalonien imstande gewesen, eine neue soziale Ordnung auf den Trümmern eines alten Systems aufzurichten. Dies ist hauptsächlich den Anarchisten zu verdanken, die einen ganz hervorragenden Sinn für Proportion, realistisches Verständnis und organisatorische Befähigung bewiesen haben…Alle revolutionären Kräfte Kataloniens haben sich für ein Programm syndikalistisch-sozialistischen Charakters geeinigt: Sozialisierung der Großindustrie; Entgegenkommen dem Kleinbesitz gegenüber; Kontrolle der Arbeiter…Der Anarcho-Syndikalismus, den man bisher geschmät hat, hat sich als große konstruktive Kraft erwiesen…Ich bin nicht Anarchist, aber ich betrachte es als meine Pflicht, meiner Meinung über die Anarchisten Kataloniens hier Ausdruck zu geben, die nur allzu oft als destruktives, wenn nicht als verbrecherisches Element der Welt vorgestellt wurden. Ich war mit ihnen an der Front, im Schützengraben und habe sie bewundern gelernt. Die katalonischen Anarchisten gehören zu der Avantgarde der kommenden Revolution. Eine Welt wurde mit ihnen geboren, und es ist eine Freude, dieser Welt zu dienen.”

    Fenner Brockway, der Sekretär der ILP (Independent Labour Party) in England, der Spanien nach den Mai-Ereignissen in Katalonien (1937) bereiste, gab seine Eindrücke in den Worten kund: “I was impressed by the strenght of the CNT. It was unnecessary to tell me that it is the lagest and most vital of the working- class organisations in Spain.That was evident on all sides. The large industries were clearly, in the main, in the hands of the CNT – railways, road transport, shipping, engineering, textiles, electricity, building, agriculture. At Valencia the UGT had a greater control than in Barcelona but generally speaking the mass of manual workers belonged to the CNT. The UGT membership was more of the type of ‚white-collar‘ worker…I was immensely impressed by the constructive revolutionary work which is being done by the CNT. Their achivement of worker‘ control in industry is an inspiration. One coult take the examples of the railway or engineering or txtiles…There are still some Britishers and Americans who regard the Anarchists of Spain as impossible, indisciplined uncontroll-ables. This poles away from the truth. The Anarchists of Spain, through the CNT are doing one of the biggest constructive jobs ever done by the working-class. At the front they are fighting Fascisme.” (Die drei Aussagen sind dokumentiert in Rudolf Rocker, ‚Anarcho-Syndikalismus‘, Orginal von 1937, Online-Druckfassung, 2/2, Seite 14, 2010 von http://www.syndikalismus.tk).

    Nur falls das je-mensch noch nicht wußte/kannte. Und leider wissen immer noch viel zu wenige, um dieses fantastische und doch wahre Kapitel aus der Menschheitsgeschichte!
    >> Also, laßt uns nicht nur an schon Gleichgesinnte wenden! << Herzliche Grüße!

    • Freiheit für Rudolf Rocker's Texte permalink
      29. März 2011 12:26

      Fenner Brockway’s Zitat geht noch etwas weiter…(At the front they are fighting Fascisme). Behind the front they are constructing the new Workers Society. They see that the war against Fascisme and the carrying through the Social Revolution are inseperable. Those who have seen and understood what they are doing must honour them and be grateful to them. They are resisting Facism. They are at the same time creating the New Workers‘ Order which is the only alternative to Fascism. That is surley the biggest thing now being done by the workers in any part of the world.“ Und an einer anderer Stelle: „The great solidarity that existed among Anarchists was due to each individual relying on his own strength and not depending on leadership…The organisations must to be successful, be combined with a free-thinking people; not a mass, but free individuals.“ (Die drei Aussagen sind dokumentiert in Rudolf Rockers, ‚Anarcho-Syndikalismus‘, Orginal von 1937, Online-Druckfassung, 2/2, Seite 14/15, Fußnote [1], 2010 von http://www.syndikalismus.tk).

    • J.B. permalink
      19. April 2011 18:44

      [Nochmal der Bericht von G.Orwell, der Anfang war ja etwas holprig, da hab ich nochmal nachgelesen, die erste Version hatte ich von de.anarchopedia.org kopiert, sie unterscheidet sich ziemlich von dieser Version, vielleicht lag es an der vorherigen Übersetzung? Auch auf anarchopedia hab ich diese (längere) Version gestellt:]

      Der Schriftsteller George Orwell beschreibt seine Eindrücke während der Zeit der Sozialen Revolution in Spanien, in seinem Buch ‚Mein Katalonien‘, Diogenes TB, Zürich, Auflage 1996, Seite 132-134. [Orginal (englisch):’Homage to Catalonia‘, 1938].

      “Ich war mehr oder weniger durch Zufall in die einzige Gemeinschaft von nenenswerter Größe in Westeuropa gekommen, wo politisches Bewusstsein und Zweifel am Kapitalismus normaler waren als das Gegenteil. Hier oben in Aragonien lebte man unter zehntausenden von Menschen, die hauptsächlich, wenn auch nicht vollständig, aus der Arbeiterklasse stammten. Sie lebten alle auf dem gleichen Niveau unter den Bedingungen der Gleichheit, und selbst in der Praxis war man nicht weit davon entfernt. In gewisser Weise ließe sich wahrhaftig sagen, daß man hier einen Vorgeschmack des Sozialismus erlebte. Damit meine ich, daß die geistige Atmosphäre des Sozialismus vorherrschte. Viele normale Motive des zivilisiertenn Lebens – Snobismus, Geldschinderei, Furcht vor dem Boß und so weiter, hatten einfach aufgehört zu existieren. Die normale Klasseneinteilung der Gesellschaft war in einem Umfang verschwunden, wie man es sich in der geldgeschwängerten Luft Englands fast nicht vorstellen kann. Niemand lebte dort außer den Bauern und uns selbst, und niemand hatte einen Herrn über sich. Es war einfach ein zeitlich und örtlich begrenzter Abschnitt in einem gewaltigen Spiel, das augenblicklich auf der ganzen Erdoberfläche gespielt wird. Aber es dauerte lange genug, um jeden, der es erlebte, zu beeindrucken. Wie sehr damals auch geflucht wurde, später erkannte jeder, daß er mit etwas Fremden und Wertvollen in Berührung gewesen war. Man hatte in einer Gemeinschaft gelebt, in der Hoffnung normaler war als die Gleichgültigkeit oder der Zynismus, wo das Wort Kamerad für Kameradschaft stand und nicht, wie in den meisten Ländern, für Schwindel. Man hatte die Luft der Gleichheit eingeatmet. Ich weiß sehr genau, wie es heute zum guten Ton gehört zu verleugnen, daß Sozialismus etwas mit Gleichheit zu tun hat. In jedem Land der Welt ist heute ein ungeheurer Schwarm Parteibonzen und schlauer, kleiner Professoren beschäftigt zu ‚beweisen‘, daß Sozialismus nichts anderes bedeutet als planwirtschaftlicher Staatskapitalismus, in dem das Motiv des Raffens erhalten bleibt. Aber zum Glück gibt es daneben auch eine Version des Sozialismus, die sich hiervon gewaltig unterscheidet. Die Idee der Gleichheit zieht den normalen Menschen zum Sozialismus hin. Diese ‚Mystik‘ des Sozialismus läßt ihn sogar seine Haut dafür riskieren. Für die große Mehrheit der Menschen bedeutet der Sozialismus die klassenlose Gesellschaft, oder er bedeutet ihnen überhaupt nichts. Unter diesem Gesichtspunkt aber waren die wenigen Monate in der Miliz wertvoll für mich. Denn solange die spanischen Milizen sich hielten, waren sie gewissermaßen der Mikrokosmos einer klassenlosen Gesellschaft. In dieser Gemeinschaft, in der keiner hinter dem Geld herrannte, wo alles knapp war, es aber keine Privilegien und kein Speichellecken mehr gab, fand man vielleicht in groben Umrissen eine Vorschau davon, wie die ersten Schritte des Sozialismus aussehen könnten. Statt mir meine Illusion zu rauben, fesselte mich dieser Zustand. Die Folge war, daß ich noch viel stärker als vorher wünschte, der Sozialismus möge verwirklicht werden. Teilweise kam das daher, weil ich das Glück gehabt hatte, unter Spaniern zu leben. Mit ihrer angeborenen Anständigkeit und ihrem immer gegenwärtigen anarchistischen Gefühl würden sie selbst die ersten Stadien des Sozialismus erträglicher machen, wenn man ihnen nur eine Chance gäbe“.

  14. Jamie Balius permalink
    14. Januar 2011 19:13

    Spanien 1936 – das ist ein langer Augenblick der Freiheit. Angesichts eines Europas, das von Faschismus und Krieg unheilvoll gezeichnet ist, sprengen die proletarisierten Massen diese für sie bedrohliche Kontinuität der Geschichte auf. Sie finden eine Antwort auf die Krise des Kapitalismus und der Bürgerlichen Demokratie.
    (Lutz Schulenburg (Hg.) in seiner Einleitung „Dossier zu Spanien 1936“, Zeitschrift ‚Die Aktion‘, Heft 161/164, Dez. 1996, Hamburg, Edition Nautilus. [Das sehr empfehlenswerte kleine Heft ist noch erhältlich])

    Kolonne und Revolution

    Im Gedenken an Ramón Cambra noch ein paar Stimmen zu den Columnas, (aus dem obigen Heft):

    „Wenn die drei dünnen Menschenströme über die Avenuen ziehen, so zieht das ganze Volk mit. Neben den Milizionären mit der schwarz-roten Feldmütze und der Waffe am Gurt läuft ein Freund, ein Kind, eine Mutter, die Ehefrau, die Schwester, manchmal die ganze Familie, Eltern und Freunde. Kurze Worte werden gewechselt, Namen gerufen, Hände geschüttelt, eine brüderliche Umarmung mit den Begleitern – es ist wirklich das ganze Volk, das die Kolonne begleitet…
    A. und D. Prudhommeaux, Seite 15/16

    „Die Kolonnen hatten die Bergketten den Faschisten gegenüber besetzt. Unten in den Dörfern begann man, die Kollektivwirtschaft aufzubauen. Man schuf Straßen, schachtete Kanäle aus, gründete Schulen, Krankenhäuser und organisierte die gesamte Versorgung der Dörfer. Der militärische Erfolg wirkte sich unmittelbar sozial aus“. Carl Einstein, S 21.

    „Wir alle hassen den Krieg, doch wir begreifen ihn als revolutionäres Mittel. Wir sind keine Pazifisten und kämpfen leidenschaftlich. Der Krieg – diese überalterte Idiotie – wird nur durch die Soziale Revolution gerechtfertigt. Wir kämpfen nicht als Soldaten, sondern als Befreier.“
    Carl Einstein S.20

    „Knaben, fast noch Kinder flüchteten an unsere Seite. Sie reden wenig, aber haben viel und früh begriffen. Manche können weder lesen noch schreiben. Die Kameraden unterrichten sie. Die Kolonne Durruti wird ohne Analphabeten aus dem Feld kommen. Sie ist eine Schule.“
    Carl Einstein, S. 17

    „Ich glaubte damals – wie heute noch -, in jenen Menschen dämmerte ein neuer Mensch herauf. Der spanische Traum aber…verschwand. (…) Doch die Erinnerung an sie verläßt mich nicht mehr. Unter jedem Himmel, bei allen Menschen sucht er sie, träumt davon, sie eines Tages wiederzufinden, ohne zu wissen wo – vielleicht sogar unter seinen Nächsten.“ Octavio Paz, S. 20

    (…) Leute lest selbst!

    Die Aneignung/Herstellung von Informationen durch die libertäre Bewegung, war und ist auch ein großer K(r)ampf ob in Spanien, Deutschland oder sonst wo,
    die Geschichte wird bekanntlich von den Siegern geschrieben.

    Viel ist nachdem Franco 1975 endlich abgenibbelt ist, in Spanien bis jetzt erreicht worden, nun gibt es auch dort ENDLICH eine reichhaltige Fülle an Informationen, Büchern, Filmen…aber es war und beibt ein Kampf durch die permanente Berieselung und Falschinformationen und Lügen mit unseren Informationen durchzudringen und Gegengewichte zu setzen!

    Leute lest und verbreitet unsere Bücher, Zeitungen, Medien!

    • Folkert permalink
      14. Januar 2011 21:26

      Leider kann bei Lutz Schulenburg und seiner privaten Edition Nautilus (nix offizielles Kollektiv oder gar nur Genossenschaft, Privatfirma auf seinen Namen) wohl kaum mehr als von „unseren Medien“ gesprochen werden. Lutz bezahlt Angestellte, die an seinem Investment aus „Tanöd“-Profiten wohl nicht so viel von haben (Ausbau einer alten Fabrik in Bahrenfeld-Altona zum Firmensitz mit eigens ausgebautem Dachgeschoss). Man munkelt auch von Lohnkürzungen. Und wer den Schwarzen Kanal publizistisch abgrast und Ché Guevara anhimmelt (und dafür kassiert) gehört für mich – trotz Durutti-Buch und anderen guten Büchern – nicht zu unserer Bewegung. Das war vielleicht mal, von x Jahren.

      Sorry, immer ‚Butter bei die Fische‘.

  15. In memoriam Ramon Cambra - katalanische Übersetzung permalink
    16. April 2014 11:36

    El 28 de març de 1917 neix a Barcelona (Catalunya) l’anarcosindicalista Ramon Cambra, conegut com Mone. De ben jovenet s’interessà per la literatura i començà a escriure poemes i participar en associacions culturals. Quan tenia 14 anys es va fer vegetarià, formà de vida que mantingué la resta de sa vida. Aprengué l’ofici d’impressor i s’afilià a la Confederació Nacional del Treball (CNT) de Barcelona. El 19 de juliol de 1936 participà activament en la resposta popular contra el cop d’Estat feixista, especialment en la barricada de la plaça del Pes de la Palla de Barcelona. Després, encara que profundament antimilitarista, lluità al front d’Aragó formant part de la «Columna Ortiz».
    (…)
    http://www.estelnegre.org/documents/cambra/cambra.html

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  1. Ramón „Mone“ Cambra (1917-2010) « Entdinglichung

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