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Deutsche Unternehmen mitverantwortlich für Tote bei Textilarbeiter-Protesten in Bangladesh

14. Dezember 2010

Das Bild zeigt zwei Gewerkschafterinnen aus Bangladesh, die sich 2008 an einer Rundreise der „Kampagne für saubere Kleidung“ in Deutschland beteiligten.

„Deutsche Unternehmen sind indirekt mitverantwortlich für Tote und Verletzte bei den Textilarbeiter-Protesten in Bangladesh. Die andauernde Missachtung des erst im Juli diesen Jahres durchgesetzten Mindestlohns von knapp 32 Euro zeigt deutlich: Freiwillige Zusagen von deutschen Unternehmen haben vor Ort in den Fabriken keine Wirkung. Sie dienen einzig dem Image und sind meist reine Schönfärberei“, so Niema Movassat, Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Fraktion Die Linke (Linkspartei) anlässlich der Berichte über Proteste gegen das fortgesetzte Lohndumping gegenüber der Textilarbeiterinnen und Textilarbeiter in Bangladesh. Movassat kritisiert:

„Sogenannte selbstverpflichtende Kodices, wie der europäische Gemeinschaftskodex Business Social Compliance (BSCI), erweisen sich als vollkommen nutzlos, Sozialstandards in den Produktionsländern zu verbessern. Denn die Unternehmen halten sich nicht daran und profitieren weiterhin von den sklavenähnlichen Bedingungen in den Fabriken. Verletzungen der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Genf sind die Regel, das heißt unmenschliche Arbeitsbedingungen und Überstunden ohne Bezahlung. Der monatliche Mindestlohn, der selbst die Kosten einer Unterkunft in den Slums von Dhaka nicht deckte, lag zuvor bei gerademal 19 Euro.

Die deutsche Textilindustrie muss zu den zu Tode gekommenen Demonstranten Stellung nehmen. Sie haben es als Auftraggeber in der Hand, endlich faire Arbeitsbedingungen für die Arbeiterinnen in Bangladesh zu schaffen. Deutsche Unternehmen wie Lidl oder KIK dürfen sich nicht weiterhin auf Kosten der Näherinnen in Bangladesch hemmungslos an der Ausbeutung von Menschen bereichern. Auch die Bundesregierung darf sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen und muss unverzüglich geeignete Maßnahmen zur Durchsetzung der ILO-Kernarbeitsnormen ergreifen.“

Quelle: Scharf-links.de

Siehe auch

Bangladesh: „Sicherheitskräfte“ töten drei Arbeiter bei Massenprotesten vom 13. Dezember 2010 auf Syndikalismus.tk

Vier Arbeiter in der Chittagong Export Processing Zone (CEPZ) von den Bullen getötet auf Entdinglichung (in englischer Sprache) vom 13.12.2010

 

4 Kommentare leave one →
  1. 14. Dezember 2010 13:15

    Wen es interessiert, u.a. Wal-Mart, Marks&Spencer und Lidl lassen dort produzieren.

  2. Folkert permalink
    15. Dezember 2010 18:01

    TEXTILFABRIK in FLAMMEN- 22 TOTE ARBEITER~INNEN

    Die Arbeitsbedingungen sind schlecht – doch viele internationale Bekleidungsfirmen lassen aufgrund extrem niedriger Löhne in Bangladesch produzieren. Ein Feuer in einer riesigen Textilfabrik des Landes kostete mehr als 20 Menschen das Leben, etwa hundert weitere wurden verletzt.

    Ashulia – Bei einem Großbrand in einer Textilfabrik in Bangladesch sind am Dienstag mindestens 22 Arbeiter ums Leben gekommen. Die Beschäftigten des Werks nahe der Hauptstadt Dhaka seien nach Sprüngen vom Dach des Gebäudes gestorben. Etwa hundert weitere Arbeiter seien zum Teil schwer verletzt worden, teilte die Polizei mit. Brände in Textilfabriken kommen in Bangladesch wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen häufig vor.

    Die Feuerwehr brachte den Brand Polizeiangaben zufolge nach einigen Stunden unter Kontrolle. An den Löscharbeiten beteiligten sich demnach dutzende Hubschrauber. Sie waren auch zur Rettung von Arbeitern im Einsatz, die sich auf das Dach des Hauses geflüchtet hatten. Nach ersten Erkenntnissen habe ein elektrischer Kurzschluss den Brand verursacht. Arbeiter berichteten, Notausgänge des Gebäudes seien verschlossen gewesen. Die Regierung kündigte eine Untersuchung an.

    Das Feuer war in der Kantine im elften Stock des Gebäudes ausgebrochen und hatte sich rasch ausgebreitet. Ein Verantwortlicher des Unternehmens bezeichnete es als „in gewisser Weise glücklich“, dass der Brand in der Mittagspause entstanden sei, in der viele Arbeiter das Haus verließen. In der Fabrik der Hameem Group in Ashulia in einem Industriegebiet nördlich von Dhaka sind rund 14.000 Menschen beschäftigt.

    In Textilfabriken in Bangladesch brechen wegen Kurzschlüssen oder mangelhafter elektrischer Leitungen häufig Brände aus. Ihnen fallen jährlich Dutzende Arbeiter zum Opfer, die manchmal unter schwierigsten Bedingungen bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten. Seit mehreren Monaten protestieren Textilarbeiter in Bangladesch dagegen, dass Fabrikbesitzer den im Sommer vereinbarten gesetzlichen Mindestlohn nicht zahlen.

    Die Textilindustrie ist mit etwa 4000 Fabriken der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Die Waren im Wert von etwa zehn Milliarden Dollar werden vor allem nach Europa und in die USA exportiert. Wegen der extrem niedrigen Löhne lassen in Bangladesch zahlreiche internationale Bekleidungsfirmen produzieren – etwa der Jeans-Hersteller Levi Strauss, die Kette H&M und der Textildiscounter Kik.

    wit/AFP/dapd

  3. Let's make money permalink
    29. August 2011 18:52

    Let’s make money

Trackbacks

  1. Freiheit für Moshrefa Mishu! « Entdinglichung

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