Die Parole ‚Solidarität mit Israel!’ – Ausdruck einer verkürzten Antisemitismuskritik

Im falschen Film: FAU-Fahnen auf nationalistischer Demonstration von Antideutschen am 13.12.2009 in Hamburg.
Der folgende Beitrag wurde uns von einem Genossen zugesandt und hat die Kritik der Antideutschen aus anarchistischer Sicht zum Thema. Der Artikel erschien vor knapp zwei Jahren zum ersten Mal und ist eine Wiederveröffentlichung, die wir für die Auseinandersetzung mit Antideutschen nützlich finden, da sie auf anarchistischen Prinzipien beruht. Red. Syndikalismus.tk
– Anarchistische Gedanken zur antideutschen Sichtweise auf die Gründung, Rolle und Situation Israels –
Der antideutsche Antinationalismus basiert auf einer historisch gerechtfertigten Grundannahme: der europäische Nationalismus ist als Ideologie und Herrschaftsinstrument maßgeblich durch den Antisemitismus ermöglicht worden. Für den deutschen Nationalismus gilt dies umso mehr, da das Postulat eines ‚nationalen Traumas’, eine im Vergleich mit etablierten Großmächten verspätete Nation zu sein, in Form des Antisemitismus nach innen manifestiert wurde, während die aggressive Politik des Militarismus und der Expansion diese Funktion nach Außen übernahm.
Der Umstand, dass die – immerhin Grenzen und Verbote schaffende – Nation in der bürgerlichen Gesellschaft nicht als ein repressives Instrument, sondern als ein positiver Wert wahrgenommen wird, wurde, neben weiteren Faktoren, durch das Konstrukt eines Gesellschaftsfeindes bewerkstelligt, welcher durch die Nation bekämpft werden müsse. Hier bediente sich die neuzeitliche Staatenbildung unter anderem desjenigen Feindbildes, welches in den Jahrhunderten der religiös- christlichen Machtlegitimation bereits systematisch für solche Zwecke herangezogen wurde – Menschen jüdischer Herkunft und/oder jüdischen Glaubens. Traditionell stigmatisiert, isoliert und diskriminiert, wurden die gesellschaftlich erzwungenen gemeinsamen Merkmale einer durch den Antisemitismus oft selbst erst herbeigeführten jüdischen (Leidens-) Gemeinschaft weiterhin als boshaft und dem „Judentum“ innewohnende Charaktereigenschaften dargestellt und so mystifiziert. Das in ganz Europa, und auch speziell in Deutschland und Österreich bis in das 20. Jahrhundert weit verbreitete Ghetto ist das historische Sinnbild des Antisemitismus. Unterschiedlichste Menschen wurden gewaltsam und ökonomisch zu einer Zwangsgemeinschaft zusammengefasst, um dieser dann einen kollektiven Charakter unterstellen zu können, der erst aufgrund dieser Zwangslage suggeriert werden konnte. Durch die traditionellen Mythen und nationalistische Hetze ins Unendliche verallgemeinert, wurde „Der Jude“ zur Antithese der eigenen positiven Nationalität.
Der antideutsche Antinationalismus reflektiert dieses Grundelement der nationalistischen Ideologie. Sie als Herrschaftsinstrument abzulehnen bedeutet daher folgerichtig, die negative Konnotation aufzuheben, die der Nationalismus (insbesondere der deutsche) mit dem Begriff ‚jüdisch’ verbindet. Das bedeutet aus antideutscher Perspektive, der traditionellen Feindschaft und Dämonisierung von jüdischen Menschen Solidarität mit eben jenen entgegen zu setzten. Dadurch werde der nationalistischen Ideologie die Grundfeste entzogen; durch konsequentes Eintreten gegen Antisemitismus, durch Solidarität mit der jüdischen Glaubensgemeinschaft sowie allen Menschen jüdischer Herkunft ließe sich der (eigene) Nationalismus auflösen.
Allerdings versucht der antideutsche Ansatz in keiner Weise, die Konstruktion des „Judentums“, die jedem Antisemitismus vorausging, aufzulösen. Vielmehr wird diese weiter bedient: in der vielfach geforderten ‚Solidarität mit Israel’ spielt eine antisemitismus- und herrschaftskritische, historische Reflektion keine Rolle. Unhinterfragt wird der heutige Zustand als „Selbstbestimmung der Juden“ verklärt.
Dass den Überlebenden der Shoa in Europa keine Heimat mehr geblieben war, und somit auch keine Alternative, wird aus antideutscher Sicht bei der Gründung Israels nicht als erneuter Zwang, sondern als Aufbruch in die Freiheit dargestellt. Das tatsächliche Gefühl der Hoffnung bei den nach Israel Auswandernden kann aber nur vor dem Hintergrund der Shoa richtig eingeordnet werden: nach dem die eigene Heimat genommen wurde, bedeutete die neue Heimat Zukunft. Insgesamt war das allerdings keine Frage der Selbstbestimmung, sondern eine durch die Shoa entstandene Notwendigkeit. Hier ist es wichtig anzumerken, dass die Rolle des Zionismus in der heutigen innerlinken Debatte sowohl von Israel solidarischen, wie auch Israel kritischen bis feindlichen Strömungen hinsichtlich der Entstehung Israels weit übertrieben wird. Vor der Staatsgründung Israels war der Zionismus peripher, weil die fremdbestimmte Konstruktion der ‚jüdischen Gemeinschaft’, des „Judentums“ bis 1933 von den Betroffenen immer mehr aufgeweicht werden konnte. Erst als realpolitische Strömung im später neu gegründeten Staat Israel wurde der Zionismus politisch relevant.
Vielmehr stellt sich die Frage, ob die Gründung Israels nicht als bürgerliche Reaktion auf den bürgerlichen und dem aus ihm folgenden nationalsozialistischen Antisemitismus entstanden ist. Wenn, auch mit der antideutschen Argumentationslinie gedacht, der Antisemitismus wechselseitig sowohl strukturell durch das Bestehende ermöglicht wird, wie wiederum elementare Grundlage bestehender Denkmuster und Zustände ist (wie etwa der allgemein verorteten „verkürzten Kapitalismuskritik“ sowie vor allem des deutschen Nationalismus), ist es dann nicht auch angebracht, das so aufwendig gepflegte Denkmuster auf die heutigen Zustände und einem, wenn nicht dem zentralen Element der ganzen Debatte anzuwenden- also der Rolle und Situation Israels? Es ist schon bemerkenswert, wie es zwar auf der einen Seite in atemberaubender Weise gelingt, jedem und jeder im jugendlichen Protesteifer auf „die da Oben“ schimpfenden TeenagerIn den solcher Äußerungen zugrunde liegenden latenten Antisemitismus nachzuweisen, den in mannigfaltiger Weise in die Gründung des israelischen Staates hineinwirkenden Antisemitismus aber gänzlich zu ignorieren.
Dass die Wahl Israels als neue Heimat in den meisten Fällen nicht freiwillig erfolgte, sondern ein mittels des Horrors der Shoa durch den Nationalsozialismus hervorgerufener Massenexodus war, der mehr mit Vertreibung als mit einem selbst bestimmtem Staatsgründungsakt gemein hatte, ist eingangs bereits umrissen worden. Hier sei kurz – und aufgrund der Kürze natürlich eigentlich unangebracht – der Plan deutscher NationalsozialistInnen vor der Durchsetzung der „Endlösungsidee“ erwähnt, die jüdische Bevölkerung nach Afrika zu vertreiben; diese Bemerkung ist selbst verständlich nicht als Vergleich gemeint, sondern soll nur verdeutlichen, dass es den deutschen FaschistInnen neben der Vernichtung der Juden auch vor allem darum ging, sie aus dem Land zu jagen- was ihnen letztendlich trotz der totalen militärischen Niederlage zu großen Teilen gelungen ist. Wurden die als „fremder Volkskörper“ bezeichneten Menschen jüdischer Herkunft bzw. jüdischem Glaubens Jahrhunderte lang aus den nach ethnischer und religiöser Homogenisierung strebenden Stadteilen hinaus in die Ghettos getrieben, gibt es in vielen europäische Städten nun seit über 60 Jahren überhaupt kein jüdisches Leben mehr. Die Existenz des Staates Israel hat es den deutschen und restlichen europäischen Antisemiten erspart, sich als TäterInnen direkt mit den Opfern und somit der eigenen Schuld auseinandersetzen zu müssen, was ihnen jedes „Entnazifizierungsprogramm“ ungemein weniger schmerzvoller gestaltete, als wenn sie von den Alliierten z.B. zum Wiederaufbau der niedergebrannten Synagogen verdonnert worden wären.
Dass die Überlebenden der Shoa allerdings selbst meist alles andere wollten, als sich erneut in den Ländern anzusiedeln, in denen ihre Freunde und Verwandten in den Vernichtungslagern ermordet worden waren, ist natürlich unstrittig. Wieso aber war für eine Vielzahl von ihnen in den – heute von einigen Teilen der (deutschen) Linken als Hauptakteure des antifaschistischen Kampfes angesehenen – Alliierten Ländern ein Leben ebenfalls die schlechtere Alternative, als die Mühen eines Neuanfanges in einem weit weniger entwickelten Land mit äußerst ungewohnten äußeren Bedingungen auf sich zu nehmen? Die Antwort führt zu dem wesentlichen Widerspruch, den die Parole ‚Solidarität mit Israel’ in sich birgt, und sie geht weiter, als den Antisemitismus als Grundelement des bürgerlichen Nationalismus in Europa bestätigt zu sehen. Dass dieser Antisemitismus in Frankreich, im Vereinigten Königreich und der Sowjetunion – nur in den USA war Antisemitismus für das Nationalismuskonzept nicht von Bedeutung – sich auf niedrigerem Niveau bewegte als der in Deutschland, muss zwar angemerkt werden, täuscht allerdings nicht über die Tatsache hinweg, dass die dortigen Bevölkerungen den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland, Österreich, Italien, Polen, der ehemaligen Tschechoslowakei, dem Balkan, der Ukraine und dem Baltikum mit Ablehnung bis Feindschaft gegenüber traten. Die Essenz dieser Feststellung ist nun nicht eine Zurückweisung der Bezeichnung ‚Antifaschismus’ für den Kampf dieser Alliierten Länder gegen Nazideutschland – die Frage, wo Antifaschismus anfängt und aufhört steht auf einem anderen Blatt – sondern die weiterführende Beurteilung der Strukturen, die die Alliierten zu ihrem Engagement für die Schaffung eines israelischen Staates bewegten.
Hier rückt nun ein anderer Aspekt der ideologischen Grundlagen des Antisemitismus in den Vordergrund. Seit jeher, und so auch um 1945 in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und der Sowjetunion, baute die Konstruktion der Fremdartigkeit, der Besonderheit aller jüdischen Menschen auf dem Glauben auf, „Die Juden“ seien zwar ein Volk – allerdings ohne Nation, ohne Herkunft. Dies unterschied jüdische Menschen in der Wahrnehmung der Bevölkerungen in den alliierten Ländern von anderen Flüchtlingen, die im 2. Weltkrieg vor dem deutschen Terror geflohen waren. Während z.B. polnischen Flüchtlingen mit der Einschätzung gegenüber getreten wurde, dass diese ja nun entweder in eine klar verortete Heimat zurückkehren könnten, oder sich aber möglicherweise gewinnbringend in die eigene Gesellschaft integrieren würden, galten jüdische Flüchtlinge- egal, aus welchem Land sie nun stammten- erneut als ‚fremdartiges Volk’ mit homogenen Eigenschaften.
Die Gründung des Staates Israel geschah nicht bloß aus der Motivation heraus, einen Schutzraum für jüdische Menschen zu schaffen. Schon allein dieses offizielle Anliegen zeigt ein ebenfalls wesentliches Problem auf, nämlich dass nach 1945 eben nicht das Bemühen im Vordergrund stand, möglichst überall auf der Welt – nicht nur in Deutschland, sondern halt auch in den Alliierten Ländern selbst – Verhältnisse zu schaffen, in denen jüdische Menschen nicht unter den Bedingungen des Antisemitismus leben mussten, sondern der bequemere Weg der Schaffung eines Ortes eigens für jüdische Menschen gewählt wurde. Doch die der Staatsgründung Israels anhaftende Dialektik geht noch ein ganzes Stück weiter. In ihr spiegelt sich der Zwang der bürgerlichen Gesellschaft wieder, dass jedes Individuum in das ‚Blut und Boden’ Schema der nationalstaatlichen Konzeption zu passen hat. Die Behauptung, „Die Juden“ seien – egal, in welchem Land geboren und sozialisiert – heimatlos, deshalb international zusammenhängend und daher immer fremd – wurde durch die Gründung Israels ideologisch untermauert. Das herbeihalluzinierte Defizit jüdischer Menschen sollte mit der Existenz Israels nun endlich beseitigt werden; dem antisemitischen Vernichtungswahn der NationalsozialistInnen wird somit bei der Begründung für die Notwendigkeit eines jüdischen Staates indirekt sogar noch ein rationales Moment unterstellt.
Israel steht in diesem Zusammenhang symbolisch für den Mythos vom „ewigen Juden“: Egal in welchem Land geboren und aufgewachsen, egal ob arbeitslos, IndustriearbeiterIn oder UnternehmerIn, egal ob jüdisch orthodox, liberal oder linksradikal – im Gegensatz zu allen anderen Menschen auf der Welt waren jüdische Menschen für ihre MitbürgerInnen immer zuerst Juden (mit leichter Einschränkung hinsichtlich der US amerikanischen Gesellschaft), und dann erst alles andere. Es ist dieser Antisemitismus, der zur Gründung Israels führte, und der diesen Staat nach wie vor prägt. Jüdischen Menschen musste nun nicht mehr, wie es so oft in den letzten Jahrhunderten der abendländisch- christlichen Kultur geschah, ein Hinweis auf ‚ihr Judentum’ in den Pass geschrieben werden, damit sie klar gekennzeichnet seien; die neu geschaffene israelische Staatsbürgerschaft erfüllte ab nun diese Aufgabe mehr als ausreichend. Ein deutscher Staatsbürger ist ein Deutscher, eine französische Staatsbürgerin eine Französin- ein israelischer Staatbürger jedoch wird nicht bloß als Israeli, sondern zugleich auch immer als Jude wahrgenommen; der Stempel „jüdisch“ wurde durch die Schaffung eines „jüdischen Staates“ den vor dem europäischen Antisemitismus Flüchtenden nur noch fester aufgedrückt.
Israel musste gegründet werden, weil Europa weder Willens noch fähig war, sich dem eigenen Antisemitismus zu stellen, denn das hätte eine Infragestellung der für die jeweiligen nationalen und religiösen Identitäten elementaren Traditionen und Denkmuster notwendig gemacht. Einen Ort geschaffen zu haben, an den alle jüdische Menschen, von Spanien bis Russland, gehen konnten und sollten, ließ die europäischen Antisemiten aufatmen.
Aus dieser Sichtweise erscheint die Gründung Israels nicht mehr als ein Akt gegen den Antisemitismus auf der Welt, sondern vielmehr als die Schaffung eines modernen, den Kontext der Globalisierung vorwegnehmenden Ghettos. Und tatsächlich waren schon die alten Ghettos der europäischen Städte auf zynisch-perfide Weise ‚Schutzräume’ für jüdische Menschen. Solange nicht ein ultra- antisemitisches Terrorregime wie der Nationalsozialismus die Staatsführung bestimmte, schützte der Staat das Ghetto – mal mehr, mal weniger energisch – vor antisemitischen Pogromen. Die Existenz solcher durch den bürgerlichen sowie religiösen Antisemitismus entstandener Orte wurde so notwendig, da die Opfer dieser Ghettoisierung nur im Ghetto selbst einiger Maßen sicher sein konnten. Gesellschaftlich jedoch wurde der Antisemitismus so noch weiter gefestigt; der ‚Volksfeind’ konnte nun nicht nur personell, sondern auch lokal verortet werden; in den Armen- und ArbeiterInnenvierteln der europäischen Städte ballte sich der Hass häufig nicht in Richtung des Regierungsviertels oder der Paläste des Adels, sondern gegen das Ghetto, gegen die partout als ‚Fremde’ angesehenen Menschen, die das ‚Volk’ um seinen Wohlstand brächten.
Solch ein historischer Vergleich ermöglicht einen herrschaftskritischen Blick auf die heutige Lage im so genannten „Nahen Osten“ sowie der übrigen „arabischen Welt“. Hier, wo eine neuartige Form des Antisemitismus seit Jahrzehnten an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnt, erfüllt Israel die Funktion, die dem europäischen Ghetto innewohnte – die Zielscheibe des Hasses, das Objekt des instrumentalisierten Sündenbocks. In Ländern, in denen eine hoch autoritäre Hierarchie ein enormes Gefälle zwischen Arm und Reich organisiert, in denen vor allem ein prekarisiertes Ölproletariat die Basis des nationalen Reichtums ausmacht, in Gesellschaften, in denen die Verhältnisse zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern so klar zu liegen scheinen wie in Europa zu Zeiten der industriellen Revolution, genau dort ist nicht etwa eine herrschafts- und ausbeutungskritische, linke revolutionäre Bewegung zur politischen Ausdrucksweise der Benachteiligten avanciert, sondern im Gegenteil ein tief religiös-reaktionärer, hoch nationalistischer, und vom Wesen her aggressiv antisemitischer islamistischer Fundamentalismus. Der zu weiten Teilen Armut bedingte Hass algerianischer oder afghanischer Staatsbürger auf das so weit von ihnen entfernte Israel ist genauso unrational wie die Überzeugung der nationalsozialistischen ArbeiterInnenschafft, die hauptsächlich ebenfalls prekarisierten und zur ArbeiterInnenklasse zählenden jüdischen Menschen hätten als AusbeuterInnen Schuld am Elend des Landes.
Wenn im Mittelalter, der Renaissance oder auch in Zeiten der Aufklärung der hasserfüllte Mob sich anschickte, das Ghetto zu stürmen, und die vom Antisemitismus profitierenden Herrschenden das Ghetto schützten, so wurde dies als Beweis für den Mythos herangezogen, „Die Juden“ hätten die Gesellschaft unterwandert; wenn heute die ehemaligen Alliierten Frankreich, das Vereinigte Königreich und die USA Israel bei der Verteidigung gegen antisemitische Milizen, Terroristen und Armeen unterstützen – erneut mal mehr, mal weniger energisch -, dann deuten Antisemiten auf der ganzen Welt dies als Ausdruck der geheimen Weltherrschaft des „Judentums“- die Schaffung des Staates Israels beförderte und befördert die Reproduktion und Globalisierung des Antisemitismus bis heute.
Um zur innerlinken deutschen Debatte zurückzukehren: Wird die Gründung und Existenz Israels nicht, wie es in der antideutschen Sichtweise der Fall zu sein scheint, als eine Art ‚Stunde Null’ mystifiziert, also nicht als grundlegende Zäsur gegen die jahrhunderte bis jahrtausende alte Geschichte des Antisemitismus verklärt, lassen sich im Kontext der üblichen linken Diskussionen um das „Thema Israel“ einige zentrale Punkte als müßig und überflüssig abtun. Werfen Israel kritische bzw. feindliche Gruppierungen Fragen wie um das „Recht auf Verteidigung der palästinensischen Nation“ bis hin gar zur Infragestellung der „Existenzberechtigung des Staates Israels“ auf, können diese, ganz ohne Israel- Button an der Mütze, ihrer demagogischen Ideologie überführt werden. Denn Israel entstand eben nicht – im Gegensatz zu allen europäischen Staaten – aus dem bürgerlichen Wunsch nach einem eigenen starken Staat heraus, die Bewohner und Bewohnerinnen des neuen Landes erschufen sich eben nicht selbst ihren Leviathan, dem sie sich unterordneten, sondern die Gründung und Besiedlung Israels wurde durch die feindlichen Umstände der Geschichte und Gegenwart erzwungen. Diese Notlage als Aggression zu deuten, ist eine an Maßlosigkeit kaum zu überbietende Verdrehung von geschichtlichen Prozessen, derer sich verschiedenste K-Gruppen in den Siebzigern und Achtzigern sowie – trauriger Weise – etliche autonome und anarchistische Strömungen schuldig gemacht haben. Es gibt also auch keinen Grund, die derzeitige Politik Israels mit einem strengerem Maß zu messen als die aller anderen Nationalstaaten – im Zuge einer Verkürzung ihrer Kapitalismuskritik tun dies viele Linksradikale nach wie vor, genauso wie es mit ihrer Sichtweise auf die US amerikanische Politik der Fall ist.
Mehr aber braucht bei der Betrachtung der Realpolitik nicht in Richtung des übrig gebliebenen Gedankenguts des so genannten „anti- imperialistischen Kampfes“ der 70’er und 80’er Jahre gesagt werden. Die damalige Linke war in ihrer Mehrheit einem sich ‚revolutionär’ nennenden nationalistischen Etikettenschwindel aufgesessen, wie er vor allem im maoistischen China, aber – mittlerweile – auch der Sowjetunion oder Cuba zur Staatsdoktrin erklärt worden war. Interessanterweise ging in die Anfänge eines solchen linken Antiamerikanismus, zu dem Antideutsche heute in so fundamentaler Opposition stehen, ein ähnliches gedankliches Konstrukt ein, wie es auch bei der antideutschen Parole ‚Solidarität mit Israel’ festgestellt werden kann. Der damaligen bedingungslosen Zuwendung und Wertschätzung gegenüber den USA seitens der BRD – vom höchsten Regierungsleiter bis zum besitzverliebten Kleinbürger – lag ein tief sitzender Antikommunismus und anti- russischer Komplex zu Grunde. In ihrer ewigen Feindschaft entgegen den „bolschewistischen Horden“, ihrem Hass gegen die „Kosaken“, schlugen sich die Deutschen in der BRD mit der Waffe in der Hand auf die Seite des ehemaligen Kriegsfeindes, den USA. Wie es heute ein Anliegen der Antideutschen ist, antisemitische Strukturen ans Licht zu bringen und diese zu bekämpfen, wollte die Linke ab ´68 mit dem den Nationalsozialismus überdauernden Antikommunismus und der Feindschaft gegen Russland brechen. Und ähnlich wie heutige Antideutsche beim Propagieren ihrer ‚Solidarität mit Israel’ versuchten auch die damaligen Linken ihre in den Grundzügen vollkommen richtige Kritik – dass die Deutschen in der BRD ungebrochen ihrem Hass gegenüber KommunistInnen und Russland nachhingen – in der theoretischen Adaption der gegenwärtigen nationalstaatlichen Wirklichkeit zu manifestieren. Massendemonstrationen und gewalttätige Ausschreitungen gegen US Einrichtungen und amerikanische Politiker bis hin zu Anschlägen seitens RZ und RAF sollten – neben irgendwann äußerst haarsträubenden Theorien über das Wesen des Kapitalismus – immer auch die Politik der BRD angreifen, und sich gegen den Neuanfang der faschistischen Elterngeneration richten.
Die Kritik an den USA erschien als ein geeignetes und legitimes Mittel, schließlich erregte sie in der BRD enorme Empörung. Mit diesem bereits tief im bürgerlichen Denken verstrickten (und daher längst im Widerspruch mit einer emanzipatorischen Utopie und Praxis liegenden) Ansatz einher ging dann sehr bald die Folgerung, mit allen mit den USA im Konflikt sich befindenden Nationalstaaten solidarisch sein zu müssen. Angefangen damit, dass nicht mehr den unter dem Krieg leidenden Vietnamesen, sondern unter der Parole „Ho- Ho- Ho Chi Minh“ tatsächlich einer vietnamesischen Nation die Solidarität ausgesprochen wurde, über die Verherrlichung Che Guevaras und der daraus folgenden Cuba Solidarität, richtete sich – im Zuge der sich verselbstständigten, aus der Ablehnung der US freundlichen Haltung der BRD resultierenden, ständigen Kritik an den USA – in den 70’ern der Blick auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Dass zu diesem Zeitpunkt bei dem Beginn der Palästina Solidaritätsbewegung nicht mehr historisch und herrschaftskritisch, sondern rein ideologisch argumentiert wurde, liegt auf der Hand; genauso, wie dass im Laufe der Jahrzehnte diese damals schon ideologische Parteinahme seitens USA kritischer Linker sich glänzend mit den gepflegten Strukturen des deutschen Antisemitismus vermengt hat.
Dass es in der Linken zu einer kritischen Auseinandersetzung mit solchen Entwicklungen gekommen ist, wurde maßgeblich durch die antideutsche Strömung ermöglicht, und ist natürlich äußerst begrüßenswert. Doch die Art und Weise, wie die Notwendigkeit der Aufdeckung und Bekämpfung antisemitischer Strukturen in antideutscher Theorie und Praxis vollzogen wird, stellt sich für uns als AnarchistInnen als spiegelverkehrte Wiederholung der verengten Sichtweise der Folgegeneration der 68’er dar. Wir können nicht erkennen, dass es Ziel der antideutschen Israel-Solidaritätskampagne ist, die Existenz dieses angeblichen ‚Schutzraumes für jüdische Menschen’ auf der Grundlage der Überwindung des Antisemitismus unnötig zu machen, sondern sehen vielmehr anstatt der Dekonstruktion von Identitäten die Verfestigung eines abstrakten Theorie Musters, in dem jüdische Menschen nicht als Individuen, sondern nur in der ihnen zu geteilten ‚Funktion als Juden’ vorkommen.
Israel scheint für Antideutsche die Rolle zu übernehmen, die für die untergegangenen K- Gruppen wahlweise Cuba, die Sowjetunion oder China innehatten. Dass die Parole „Solidarität mit Israel“ in Deutschland so massiv auf Widerspruch trifft, kommt natürlich nicht zustande aufgrund der allgemeine Reflektiertheit hierzulande, sondern wird durch den tief sitzenden Antisemitismus der Deutschen hervorgerufen. Die Grundlage dieses Antisemitismus – jüdische Menschen immer zu erst als solche wahrzunehmen, und sie kollektiv als solche zu beurteilen – kann aber durch die antideutschen Parolen nicht erschüttert werden; es besteht im Gegenteil vielmehr die Gefahr, dass so zentrale Strukturen des Antisemitismus unerkannt bleiben und sich über die Hintertür reproduzieren.
Gewinnbringend ist, soviel sei zum Schluss noch gesagt, sicherlich auch die Frage, warum der vor allem in den USA in den 30’ern und 40’ern aufkommende Links- bzw. Libertärzionismus bald nach der Gründung Israels so gut wie verschwand – spätestens mit dem Niedergang der Kibbuzim Bewegung endgültig vergessen wurde – und viele Antideutsche heute positiv auf die (noch existente) religiös- konservative Richtung des Zionismus Bezug nehmen; doch diese Frage müssten die jeweiligen Personen selber beantworten.
Als Fazit stellen wir fest, dass so manche aus dem Bauch heraus fallende Äußerung wie „alle Staaten sind scheiße“ weit mehr emanzipatorische Utopie und Praxis befördert, als die einem komplexen gedanklichen Zusammenhang entspringenden antideutschen Thesen, die in die propagierte „Solidarität mit Israel“ eingehen- gerade auch dann, wenn sich mensch ernsthaft dem Problem des Antisemitismus stellen will. Wir sind überzeugt, dass nur die konsequente Dekonstruktion von nationalstaatlich zugewiesenen Identitäten, die Entlarvung der Nation als Herrschaftsinstrument, in einen Zustand mündet, in dem jüdische Menschen aufgrund ihrer Herkunft mit keinerlei gesellschaftlichen Stigmatisierungen konfrontiert werden. Diese Utopie aber muss gelebt werden – in einem Leben ohne nationalstaatliche Rhetorik und Symbolik.
gez. Anarchistische Arbeitsgruppe ‚Holocaust- & Antisemitismusforschung‘



















Nie wieder Zionismus – Wahres Judentum heute
http://www.youtube.com/user/syndikalismusTV#grid/user/F134AE83E531EB50
Wie jüdische Rabiner gegen den Zionismus positinieren und was solche Fundamentalisten für Wahnvorstellungen statt dessen umsetzen möchten.
sehr guter und ausführlicher text.
aber ich denke die meisten antideutschen werden nach 3 gelesenen sätzen einfach nur laut schreien: „ANTISEMITEN!!!!!“ -.-
gegen jeden staat! (A)
aber das ist bei nationalsozialist_innen und bolschewik_innen auch nicht anders, bei antifaschistischen texten
München – Mossadterror versus PLO-Terror
Rechtsradikale in Israel, um ihren Antisemitismus zu verstecken
aufschlussreicher Beitrag bei Telepolis:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33797/1.html
Extreme Rechte: Der Islamhass wird zur dominierenden Ideologie
Der Islamhass soll Kräfte bündeln und neue Bündnisoptionen schaffen. Doch diese Strategie bleibt innerhalb des rechten Lagers umstritten. Soll man Juden mehr hassen als Araber respektive Muslime? Oder lieber umgekehrt? Ungefähr so laufen Theoriedebatten auf der extremen Rechten ab. Durch die [extern] Reise von Prominenten dieses politischen Lagers ([extern] unter ihnen die Leithammel der FPÖ aus Österreich und des Vlaams Belang aus dem flämischen Norden Belgiens) nach Israel am Montag dieser Woche wurde neues Öl ins Feuer des mitunter hitzig ausgetragenen Streits gegossen.
Vielleicht erleben wir ja noch den Schulterschluss Israel besuchender Nazis mit US- Militärs und Antideutschen – alle gegen den Islam „an sich“… will gar nicht wissen, was die dann zusammen singen würden.
vor einigen Jahren wurden zumindest Mitglieder der Partei Bibeltreuer Christen (die eine aus der Johannes-Apokalypse abgeleitete Pro-Israel-Haltung mit einem klassischen theologischen Antijudaismus verbinden) und des BaHamas-Umfeld auf der gleichen Kundgebung gesichtet
MEIN GOTT!!!…
… möchte man als Atheist da nur schreien.
Da steht viel richtiges (und manch falsches) im Text.
ABER DIE SPRACHE!!!
Geht es nicht vielleicht auch auf Deutsch?
Der Duktus nervt, soll heißen er macht Kopfschmerzen.
In ordentlicher deutscher Sprache verfasst, wäre der Text höchstwahrscheinlich lesenswert. Aber in dieser Form ist dieses Elaborat schlicht eine Zumutung. Die pseudo-akademische Ausdrucksweise macht den Text schlicht unlesbar.
Zur Sache:
Ein sehr wichtiger Beitrag zum Thema ist — nach wie vor — „Palästina, England und die jüdische Frage“ von Alexander Schapiro.
(Quelle: Die Internationale [Theorie-Organ der FAUD], Heft 6 und 8, 1930; auch: Direkte Aktion Nr. 73, Januar 1989)
Gewissermaßen ist der Genosse Schapiro als anarchistischer Jude „unangreifbar“.
Lesenswert!
(Dumm nur, daß die wenigsten Bibliotheken den Stoff zur Hand haben werden; aber fragt mal ältere GenossInnen: Die haben es evtl. tatsächlich noch im Regal stehen…
Kannste das mal freundlicherweise abtippen und an Tk einschicken, dann gibts das als Artikel hier.
Anmerkung Syndikalismus.tk: Wir haben den Text bereits von einem Genossen erhalten und werden ihn im Lauf des Tages einstellen.
„pseudo-akademische Ausdrucksweise“ ist doch ein Markenzeichen der Antideutschen. Insofern vielleicht stilistisch nicht schlecht gewählt 😉
Ich finde die Diskussion nicht wertvoll. Jeder Staat ist Freiheitsberaubung und jeder Gedanke an eine feste, rassisch definierte Volksmasse / Religionsgemeinschaft ist rassistisch und xenophob. Warum es immernoch Leute gibt, die das gut finden….
Das Bild ist voll peinlich.
Die FAUflaggen hinter so nem Scheißbanner. „Antisemitische Schläger“ als Inhalt einer Demonstration zu machen, ist etwa so brisant und zeitgemäß, wie die Häutung von Dinosauriern verbieten zu wollen.
Gähn, da gibts doch wirklich wichtigeres.
Hat die Anarchistische Arbeitsgruppe ‚Holocaust- & Antisemitismusforschung’ noch mehr verfasst? Wo erschien denn der Artikel vor 2 Jahren?
wenn ihr mal lachen wollt (auch wenn es vllt. eher zum schreien ist) – der dümmste antideutsche blog von welt ist der hier: http://www.x-cess.blogspot.com/ viel „spaß“
Ein jüdischer Professor sagt die Wahrheit
Was für eine Ironie. Was die Antideutschen praktizieren, ist eine Verhaltensweise, wie sie „deutscher“ nicht sein könnte. Einfach so lange konsequent an einem im Grunde nicht schlechten Denkansatz festzuhalten und es durchzuziehen, bis es total hanebüchen wird.
deutsch, deutscher, antideutsch!!!!!!!!!!!!
Palestine-Israel: Nabi Salih, the death of a stone-thrower
A courageous Palestinian has died, shrouded in stones
The army spokesman was right – Mustafa died because he threw stones; he died because he dared to speak a truth, with his hands, in a place where the truth is forbidden.
Nabi Salih, the death of a stone-thrower
Mustafa Tamimi threw stones. Unapologetically and sometimes fearlessly. Not on that day alone, but nearly every Friday. He also concealed his face. Not for fear of the prison cell, which he had already come to know intimately, but in order to preserve his freedom, so he could continue to throw stones and resist the theft of his land. He continued to do this until the moment of his death. —- According to British newspaper The Daily Telegraph, in response to the reports about the shooting of Tamimi, the spokesman of the GOC Southern Command wondered on his Twitter account: „What was Mustafa thinking running after a moving jeep while throwing stones #fail.“ Thus, simply and mockingly, the spokesman explained why Tamimi was to blame for his own death.
Mustafa Tamimi, from the village of Nabi Saleh – son to Ikhlas and Abd al-Razak, brother to Saddam and Ziad, to the twins Oudai and Louai and sister Ola – was shot in the head at close range on Friday. Hours later, at 9:21 on Saturday morning, he died of his wounds. A gas grenade was fired at him from an armored military Jeep at a distance of only a few meters. It was not out of fear that the person who did fired the shot hit him. He poked the barrel of the rifle through the door of the armored vehicle and fired with clear intent. The shooter is a soldier. His identity remains unknown and perhaps it will always remain unknown. Maybe this is for the best. Identifying him and punishing him would only serve to whitewash the crimes of the entire system. As if the indifferent Israeli civilian, the sergeant, the company commander, the battalion commander, the brigade commander, the division commander, the defense minister and the prime minister had no part in the shooting.
The army spokesman was right. Mustafa died because he threw stones; he died because he dared to speak a truth, with his hands, in a place where the truth is forbidden. Any discussion of the manner of the shooting, its legality and the orders on opening fire, infers that the landlord is forbidden to expel the trespasser. Indeed, the trespasser is allowed to shoot the landlord.
Mustafa’s body is lying lifeless because he had the courage to throw stones on the 24th anniversary of the first intifada, which begot the Palestinian children of the stones. His brother Oudai is imprisoned at Ofer Prison and was not allowed to attend the funeral, because he too dared to throw stones. And his sister was not allowed to be at his bedside in his final moments, even though she is not suspected of having thrown stones, but because she is a Palestinian.
Mustafa was a brave man killed because he threw stones and refused to be afraid of a soldier bearing arms, sitting safely in the military jeep covered in armor. On the day Mustafa died, the frozen silence roaming the valley was only slightly less chilling than the shrilling sound of his mother’s laments which fell upon it occasionally.
Thousands of stone-throwers followed him at his funeral. He was lowered into his grave and stones covered his body. Soldiers stood at the entrance to his village. Even the anguish and solitude of separation was intolerable for the army, who set their soldiers and arms to shower mourners with teargas as they went down to village lands following the funeral. While the soldier who shot Mustafa is at large, six of the demonstrators were put behind bars.
Mustafa, we walk behind your body with our heads bowed and eyes full of tears. We cherish you, because you died for throwing stones and we did not.
Jonathan Pollak*
Article first published in Haaretz.com on-line, 13.12.11.
http://www.haaretz.com/print-edition/opinion/a-courageous-palestinian-has-died-shrouded-in-stones-1.401102
The author is of the founders of the Israeli Anarchists Against the Wall initiative and a spokeman of the West Bank Committee of grassroots popular committees.
Verwandter Link: http://awalls.org
Quelle
http://www.anarkismo.net/article/21384
Deutsche und Juden – Trotz allem Versöhnung?
Kein Verbrechen, das je an einer Bevölkerungsgruppe begangen wurde, war so menschenverachtend und dabei so systematisch organisiert wie der Holocaust. Die Reichspogromnacht jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. Dies ist für Guido Knopp Anlass, sich 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in History LIVE mit dem Holocaust und seinen Folgen für das deutsch-jüdisch-israelische Verhältnis auseinander zu setzen.
Sechs Millionen Menschen wurden von den Deutschen kaltblütig und methodisch vernichtet. Der Zweite Weltkrieg wurde vor allem wegen des Holocausts zu einer noch größeren Zäsur der deutschen Geschichte als es der Erste Weltkrieg war. Die Menschlichkeit, die das deutsche Volk in jenen barbarischen Jahren in jeder Hinsicht vermissen ließ und die Würde, die es seinen Opfern geraubt hat, hat das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden seitdem geprägt.
Wie gestaltete es sich kurz nach dem Krieg? Welche Entwicklungsschritte hat es seitdem gemacht? Und wo stehen wir heute? Guido Knopp diskutiert mit den Historikern Michael Wolffsohn und Götz Aly sowie dem Publizisten Yves Kugelmann.