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Auf zur Bakuninhütte!

4. September 2010

Vor knapp 90 Jahren bauten Anarcho-Syndikalisten in der Nähe von Meiningen (Thüringen) die Bakuninhütte. Sie diente fortan als Ausflugsziel und Treffpunkt der Bewegung. Von den Nazis wurde sie 1933 enteignet, später fiel sie unter Staatsbesitz der DDR. Seit 1990 gab es immer wieder Bestrebungen von Libertären, die Bakuninhütte zurückzugewinnen. Geschafft hat es schließlich der „Wanderverein Bakuninhütte“. Dieser veranstaltet zu Ehren des ehemaligen Anarcho-Syndikalisten und Hüttenwarts Fritz Scherer am Samstag/Sonntag, den 11./12. September ein Festwochenende,  u.a. mit der Herausgabe einer Schrift und der Einweihung eines Gedenksteins.

Aufruf des Wandervereins

Wir möchten daran Anteil nehmen mit der Verbreitung des Aufrufs des Wandervereins und einen dokumentarischen, hier erstmals wiederveröffentlichten Beitrag „Seid Helfer beim Aufbau!“

Syndikalismus.tk

Seid Helfer beim Aufbau!

Mit zähem Fleiß und stiller Hingabe haben unsere FAUD-Genossen in Meiningen (Thüringen) durch jahrelange Arbeit auf der Höhe des Thüringer Waldes in wundervoller Höhenlandschaft eine Stätte geschaffen, die berufen sein soll, in der Zukunft noch viele Kameraden zur Erholung von den Anstrengungen des Kampfes und der Arbeit oder zu ernster Schaffens- und Studiengemeinschaft zu vereinigen: Die Bakuninhütte.

Ein umfangreiches Gelände, in schönster Lage an Wiesen und Wald, ist allmählich zu einem mit vielen Büschen und Bäumen bepflanzten Garten geworden, der in nicht allzu ferner Zukunft ein prächtiger, einladender Park sein wird. Mitten darin erhebt sich die alte Bakuninhütte, die schon jetzt einer ganzen Anzahl Gäste Quartier geben kann und nach erfolgtem Erweiterungsbau 50 und unter Umständen mehr Menschen aufnehmen kann. Die Hütte ist etwa ¾ Stunden von Meiningen entfernt und auf bequemer, allmählich ansteigender Straße und nach kurzer Waldwanderung zu erreichen. Von der Hütte schweift der Blick weit über die Höhen des Thüringer Waldes und der Rhön, Bergkuppen, wie Dolmar, Wasserkuppe und Kreuzberg sind von erhöhtem Standpunkt zu sehen. Seit langer Zeit wird alles getan, das Hüttengelände wohnlich zu machen. In unendlich mühsamer Arbeit bohren die Genossen einen Brunnen, während sie jetzt noch das Wasser weit her holen müssen. Am Hausbau und an der Herstellung eines Kellers wird unaufhörlich gearbeitet, trotz größter Schwierigkeiten der Materialbeschaffung. Ein Kinderspielplatz mit Schaukeln und lustigem Karussell ist angelegt. Ein Planschbecken wird ebenfalls gebaut. Ein Pavillon wird den Aufenthalt im Freien unter schützendem Dache ermöglichen. Langsam schreitet die Arbeit fort, die von einem kleinen Kreis opfermutiger, fleißiger Kameraden unermüdlich geleistet wird. Das ganze Werk ist vollkommen schuldenfrei und stellt einen positiven Besitz, und nicht die geringste Belastung der PAB Groß-Thüringen dar, die jetzt das Patronat über die Bakuninhütte ausübt und die Kameraden im ganzen Reiche aufruft, das ihre zu diesem Werke genossenschaftlichen Aufbaus beizutragen.

Ob wir ein solches Gelände brauchen, fragt man? Diese Frage ist zu bejahen. Auch eine revolutionäre Bewegung bedarf über die rein organisatorische Bindung hinaus der Schaffung kameradschaftlich-geselliger Gemeinschaftszentren, die dem inneren menschlichen Kern der Idee Ausdruck verleihen, aus schöpferischem Solidaritätswillen geboren sind und immer wieder neue Verbundenheit zeugen.

Für private Erholung einzelner Genossen ist hier eine herrliche Gelegenheit geschaffen, die Absonderung und Naturverbundenheit zugleich mit einem Erlebnis des Gemeinschaftsgeistes der Bewegung zu bieten vermag. Noch mehr aber wird hoffentlich die Bakuninhütte künftig dienen können zur Abhaltung von Kursen und Arbeitszirkeln, die von kleinen Kreisen tätiger Kameraden auf der Grundlage mehrwöchentlicher kommunistischer Lebensgemeinschaft abgehalten werden können. Die Ferienlager der SAJD haben erfreuliche Ansätze zu solcher Aufbauarbeit gezeigt. In den kommenden Jahren wird hoffentlich die Einsicht in den Wert derartiger kollektiver Schulungsarbeit noch zunehmen und stärkere praktische Auswirkung finden – die Bakuninhütte wird dann der ideale Ort für solches Gruppenleben und solche Gemeinschaftsarbeit unter älteren wie jugendlichen Kameraden oder mit Kindern unserer Genossen sein.

Wie wir uns alle am weiteren Aufbau dieses erfreulichen Werkes beteiligen können? Dadurch, daß wir den Kameraden in Thüringen bei der Aufbringung von Geldern zum Aufbau und zur Weiterarbeit helfen. Die PAB Thüringen hat geschmackvolle Postkarten mit Bildern der Bakuninhütte herausgegeben, die zum Preise von 10 Pfennig für das Stück abgegeben werden und durch Emil Zehner, Erfurt, Yorckstrasse 48, zu beziehen sind.

Ansichtspostkarten braucht jeder. Warum dann irgendwelchen gleichgültigen Kram oder gar Kitsch, wenn wir durch Benutzung von Karten der Bakuninhütte Solidarität gegenüber einer so wertvollen Sache leisten können? Bestellt Karten von der Bakuninhütte! Jede Organisation legt sich einen Vorrat zu und sorgt dafür, dass die Karten laufend abgesetzt werden, sorgt für pünktliche und schnelle Abrechnung! Um so eher wird das Bakuningebäude fertig und im Sinne seiner Begründer für alle gebrauchsfähig werden!

Aus: „Der Syndikalist“, Nr. 38/September 1931.

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