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Lektüre für Libertäre – Bernd Drücke über Anarchisten, ihre Medien und einen Anarcho namens Wecker

1. September 2010

Bernd Drücke - Koordinationsredakteur der pazifistischen Graswurzelrevolution.

Das folgende Interview mit Bernd Drücke von der Graswurzelrevolution erschien heute im Neuen Deutschland. Interessant ist dabei unserer Meinung nach die Einschätzung, dass die anarchistische Bewegung in Deutschland im Anwachsen befindlich ist und dabei – nach Bernds Auffassung – besonders der Teil, welchen er als „kollektivistischen Anarchismus“ bezeichnet.

Der promovierte Soziologe Bernd Drücke ist Redakteur der anarcho-pazifistischen Monatszeitschrift »Graswurzelrevolution« und Herausgeber des Buches »Ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert.« Mit dem 44-Jährigen sprach Marcus Meier.

ND: Es gibt unzählige, zum Teil konträre anarchistische Strömungen: Kommunistische und individual-anarchistische, auf Fortschritt setzende und welche, die uns von den »Fesseln« der Zivilisation befreien wollen; Anarchosyndikalisten mit ihren revolutionären Gewerkschaften und Anarcho-Kapitalisten; schließlich Anarcho-Pazifisten und Schwarzer-Block-Straßenkämpfer: Was verbindet sie miteinander?

Drücke: Die »Anarchokapitalisten« würde ich nicht als Anarchisten bezeichnen, das sind eher rechte FDPler. Individual-Anarchisten haben auch eher eine marginale Bedeutung. Der Teil, der wachsende Bedeutung hat, ist der kollektivistische Anarchismus. Dazu zählen Anarchosyndikalisten und pazifistische Graswurzelanarchisten. Unser gemeinsames Ziel ist ein freiheitlicher Sozialismus, das heißt, ein menschengerechtes Leben ohne Chef und Staat, das nicht nach den Prinzipien der Konkurrenz organisiert ist, sondern nach dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe. Wir versuchen, einen großen Teil dieser Utopie bereits jetzt in die Realität umzusetzen. Dafür steht beispielsweise die libertäre Kommune-Bewegung, wo in gewisser Weise ein gemeinschaftliches Leben vorgelebt wird. Die Leute, die dort leben und arbeiten, verfallen aber nicht in einen Nischen-Anarchismus, sie sind oft auch aktiv in sozialen Bewegungen.

Nun findet erstmals die Libertäre Medienmesse für den deutschsprachigen Raum statt. Welche Themen debattiert der anarchistische Autor von heute mit seinen Lesern?

Es geht zum Beispiel darum, einen anarchistischen Blick auf die Geschichte zu werfen. Themen sind unter anderem der spanische Bürgerkrieg und die freie Ukraine zu Zeiten der Machno-Bewegung …

… mit Verlaub: Zwei anarchistische Dauerbrenner. Keine neuen Themen?

Doch, wir werden auch nach vorne blicken: Wie können wir uns hier und jetzt organisieren? Wie können wir jetzt schon einen Teil unserer Ideen umsetzen? Wie kann der Anarchismus eine starke Bewegung werden? Ähnliche Veranstaltungen finden auch in anderen Städten statt. Ich würde sagen: Die anarchistische Bewegung in Deutschland war seit 1968 nicht so stark wie heute.

Wie stark?

Der Anarchismus ist zur Zeit gewiss noch keine revolutionäre Kraft, aber er hat positive Wirkungen, zum Beispiel in der Anti-Atom-Bewegung. Und die hat viel erreicht: 200 Atomkraftwerke waren in den 1970er-Jahren angedacht, heute sind noch 17 AKWs in Deutschland am Netz. Das sind 17 zu viel, aber ohne den Widerstand der außerparlamentarischen Bewegung sähe es sicherlich ganz anders aus.

Ist die Anti-AKW-Bewegung aus Ihrer Sicht noch so herrschafts-, staats- und kapitalismus-kritisch, meinetwegen: anarchistisch geprägt wie in früheren Jahrzehnten?

Sagen wir es so: Sie ist größer und breiter geworden. Der Einfluss der Anarchisten innerhalb der Bewegung ist aber nach wie vor groß. Die »Graswurzelrevolution« wird uns bei Demonstrationen oft aus der Hand gerissen. Unsere Jugendzeitung »Utopia« hat eine Auflage von 25 000 Exemplaren. Das zeigt, dass es einen großen Bedarf gibt an freiheitlich-sozialistischen Ideen, die nicht an einer Partei orientiert sind, sondern an sozialen Bewegungen und Selbstorganisation.

Stichwort »Graswurzelrevolution«: Darin hatte der Liedermacher Konstantin Wecker unlängst sein »Coming-out« als Anarchist.

Konstantin liest die »Graswurzelrevolution« schon lange, er hat uns einen Leserbrief geschrieben, und ich habe ihn dann interviewt. Der Anarchismus spielt im kulturellen Bereich eine wichtige Rolle. Übrigens hat sich jetzt Anarchist Academy wiedervereinigt, eine der wichtigsten deutschen Hiphop-Bands der 90er Jahre. Ich freue mich darauf, dass sie auf der Libertären Medienmesse spielen wird.

Quelle: Neues Deutschland vom 01.09.2010


25 Kommentare leave one →
  1. grind! permalink
    1. September 2010 16:10

    „… mit Verlaub: Zwei anarchistische Dauerbrenner. Keine neuen Themen?“

    in deed, wie lange noch, diese verherrlichung vergangener glanztaten und gemeinplätzen?

  2. punky permalink
    1. September 2010 18:51

    oh, oh, was für ein schwaches interview! also die anti-akw- bewegung ist doch eher im umfeld der grünen anzusiedeln…. und konstantin wecker ist verlässlicher gast bei jedem uz-dkp-pressefest……, spanien und die ukraine, geschenkt… aber was haben anarchist_Innen heute zu sagenn, wo intervenieren sie..? zu welchen aktuellen theman? da gibt s keine antwort drauf….. schade!

  3. 2. September 2010 01:41

    ja – schade. der typ der das interview mit b.d. genacht hat, wollte eigentlich auch noch mich anbrufen – hat er nur leider nicht gemacht. ich hätte ihn u.a. auf diese veranstaltungen hingewiesen:

    Freitag, 3. September

    18:15 – 19:00 Uhr
    Gibt es „Anarchistische Verlage“?
    Die Buchbranche und Kapitalismus.
    Andreas W. Hohmann

    20:15 – 21:00 Uhr
    Arbeitskampf im Internet
    Das Projekt chefduzen.de
    Markus Lawrenz

    Samstag, 4. September

    12:00 – 12:45
    Die digitale anarchistische Bibliothek
    Anarchistische Bibliothek Wien & Archiv

    12:15 – 13:00
    Betriebsbesetzungen: Arbeiterwiderstand
    gegen die Pläne des Kapitals
    Rainer Thomann

    Samstag, 4. September

    12:00 – 12:45
    Die digitale anarchistische Bibliothek
    Anarchistische Bibliothek Wien & Archiv

    12:15 – 13:00
    Betriebsbesetzungen: Arbeiterwiderstand
    gegen die Pläne des Kapitals
    Rainer Thomann

    14:00 – 14:45
    Netzwerkbildung mit osteuropäischen anarchistischen Initiativen
    Informationsaustausch mit a3yo

    16:00 – 16:45 Uhr
    Strategien der Transinformation:
    Das Radiokollektiv Volume Maskara Murmansk
    Michael Genderkinger, Irmgard Lumpini (coloRadio)

    16:15 – 17:00 Uhr
    Freiheit und Gerechtigkeit
    Die Geschichte der Ukraine aus libertärer Sicht (von 900 – 2005)
    Danyluk

    17:00 – 18:15 Uhr
    Kurze Dokus über die soziale Bewegung und Repression in Chile und Südamerika / Die Productora de Comunicacion Social stellt ihre Videozeitschrift Sinapsis vor
    Productora de de Comunicacion Social

    18:00 – 18:45 Uhr
    Gegen 1000 Kreuze
    AK »Gegen 1.000 Kreuze«

    18:15 – 19:45 Uhr
    Die »Fundación Anselmo Lorenzo« (FAL) stellt ihren Verlag und ihre Archiv vor.
    Fundación Anselmo Lorenzo, Madrid

    Sonntag, 5. September

    13:15 – 14:00 Uhr
    Leiharbeit abschaffen!
    Inzwischen sind bis zu 30% aller offenen Stellen Jobs beim Sklavenhändler. http://www.leiharbeit-abschaffen.de stellt sich vor.
    FAU Frankfurt/Main

    und das ist noch lange nicht alles, was es an veranstaltungen am kommenden wochenende geben wird! UND nicht zu vergessen all die projekte, verlage usw usf die als austellerInnen kommen!!

    ps: was das wachsen der anarchistischen bewegung im deutschsprachigen raum angeht, so bin ich geneigt diese these als solche zu teilen.
    mit der fas gibt es in österreich nun erstmals seit ende des wkII eine stabile anarcho-syndikalistische organisation. in der schweiz ist die law nicht mehr aus der bewegung wegzudenken und die gruppe karakök sollte nicht vergessen werden. erfreulicher weise hat es mit der fau-bern, nun auch in der schweiz eine stabile anarcho-syndikalistische organisation. in der brd hat sich erst vor ein paar tagen eine anarchistisches netzwerk südwest* gegründet, in das ich persönlich durchaus einige hoffnung lege, da mir die kollegInnen (zumindest diejenigen, die ich das glück hatte persönlich kennen lernen zu können) sehr zuverlässig und engagiert erscheinen!
    die fau wächst (auf gewohnt niedriegem nieveau) und ist eine stabile größe. gruppen wie die vab altona sind ebenfalls stabil und teil der anarchistischen bewegung. nicht zu vergessen die asj-gruppen und das potential neuer asj-gruppen ist auch nicht zu unterschätzen,….
    oder die afb, die es geschafft hat von einer gruppe zu einer föderation zu werden….

    all das läßt auch mich sagen, das die anarchistische bewegung gerade wieder „im kommen“ ist. nun ist es an uns dieses wachstum auch zu nutzen!

    • Anarcho permalink
      2. September 2010 10:37

      Deine Hoffnungen teile ich so (noch) nicht ganz. Aber ich glaube auch, dass das gegen Ende der 90er-Jahre hereinbrechende Tief so langsam überwunden wird. Wenn ich mir überlege, was es in den 90ern noch alles so an Gruppen, Projekten, Zeitungen… gab, so war das doch ein deutlich merkbarer Einbruch. Vieles ist weggebrochen und Debatten auf dem Niveau z.B. eines „Schwarzen Faden“ vermisse ich als eigenständige anarchistische Theoriebildung doch schmerzlich. Oder anders gesagt: es wird vielleicht gerade etwas besser, aber von einem sehr niedrigen Level aus. Bis wir als Bewegung wieder deutlicher wahrnehmbar sind, dauert`s wohl noch etwas.

    • 2. September 2010 12:26

      Auch wenn das Educat und Fans hier neulich leicht ironisch präsentiert worden sind 🙂
      Es gibt immerhin Gruppen in Bonn, (Koblenz?) und Kassel, seit 2003 unabhängig von der FAU. Ihre Webpräsenz mag manchen etwas unbeholfen erscheinen, aber sie sind konstant und werden aktualisiert. Nicht zu vergessen die Übersetzungen, welche hier auf dieser Seite gespiegelt werden, das ist kontinuierliche Arbeit, wo GenossInnen ihre Freizeit für opfern. Das verdient Anerkennung.

    • kritischerBlick permalink
      2. September 2010 16:49

      Das Problem ist doch das der Einfluss noch immer sehr gering ist. Um es überspitzt zu sagen. Wenn ein paar Autonome sich zu einem Netzwerk zusammenschließen entsteht daraus ja nicht automatisch etwas größeres. Es bleiben die gleichen Leute, nur das diese unter einem neuen Namen auftreten. Die DA erscheint noch immer nur zweimonatlich. Wirkliche Libertäre Zentren gibt es noch immer nur eine Handvoll und in der gesellschaftlichen Diskussion tauchen anarchistische oder anarchosyndikalistische Standpunkte nicht auf – stattdessen versucht die Linkspartei die sozialen Themen zu besetzen. Der Kampf beim Babylon war unter dem Strich zwar ein intensiver Kraftaufwand aber nur auf juristischer Ebene erfolgreich. Trotzdem die FAU dadurch auch überregional bekannter wurde schlägt sich das nicht bei den Mitgliederzahlen nieder. Und schaut man in das Innenleben der FAU, dann sieht man dass es da ein paar Dauerwortmelder gibt (was keine Kritik daran sein soll sich zu Wort zu melden) und die große Masse konsumiert und weitgehend passiv ist. Dadurch entstehen gefährliche Entwicklungen, wie erst jüngst bei der Diskussion um die neue FAU-Prinzipienerklärung, wo eine Pressergroup versuchte unter Umgehung der Statuten diese neue Prinzipienerklärung durchzudrücken. Derjenige Genosse der das am nachhaltigsten innerhalb der FAU kritisierte, musste sich dann auch noch von einem allseits bekannten Negativbeispiel von „Genosse“ als Anhänger einer „Verschwörungstheorie“ beleidigen lassen. Ich hab mir die FAU angeschaut und werde nicht eintreten. Zuviele Wichtigtuer und Selbstdarsteller führen dort das große Wort. Nichts desto trotz ist eine anarcho-syndikalistische Organisation notwendig. Die FAU füllt diese Notwendigkeit meiner Meinung nach mehr schlecht als Recht aus. Und die GWR liest zumindest in meinem (erweitereten) Bekanntenkreis überhaupt niemand. (Nix gegen den Bernd, das ist ein feiner Kerl).

      Syndikalismus.tk ist zwar täglich aktuell, aber auch hier fehlt noch ne ganze Menge. Z.B. wären regionale Seiten (Unterrubriken) etwas was auch außerhalb der Szene stehende stärker ansprechen könnte. Und natürlich ein Forum oder Chat, der die Kontaktaufnahme erleichtert. Grüße aus dem Süden!

      • 2. September 2010 17:39

        Ich finde die Inputs hier sehr gut. Zu Berlin muß ich aber sagen, dass sich Babylon und andere Aktivitäten tatsächlich mitgliedermäßiig auswirken. Berlin stellt im Moment etwa ein Fünftel der FAU-Gesamtmitgliedschaft. War nicht immer so 🙂 Es kommt darauf an, das Feuer weiter zu erhalten und die neuen Interessierten und Mitglieder gut einzubeziehen. Das ist ebenso wichtig, wie die Aktion ansich. Es gibt jetzt immer einführende offene Veranstaltungen, danke dass sie hier angekündigt werden! Das ist alles eine Riesenaufgabe und zehrt an den Kräften, aber es gibt eine positive Entwicklung. Wenn ich aktuell nach Kiel und Dortmund schaue, die FAU kommt in die Puschen. Ein paar Nickligkeiten in Foren und Kommentarspalten machen nichts, wir sind nicht aus Zucker. Wenn wir insgesamt an einem Strang ziehen, kann was größeres draus werden. Die Gefahr einer inneren Hierarchisierung und Aushöhlung basisdemokratischer Prinzipien in der FAU sehe ich allerdings auch. Es geht nicht an, dass innerhalb weniger Monate eine neue Prinzipienerklärung zur Abstimmung gestellt wird. So etwas hab ich in der FAU noch nie erlebt! Sonst sehe ich viel Positives und bleibe auch in der FAU und kann sie mit kritischem Blick empfehlen.

      • Markus permalink
        2. September 2010 20:25

        Das angesprochene Thema der Gefahr der Verselbständigung informeller Hierarchien ist für libertäre Organisationen natürlich allgemein wichtig und relevant. Ich komme hier bei aller grundsätzlichen Zustimmung an der Kritik solcher Tendenzen zur Verselbständigung informeller Führer allerdings trotzdem zu einer etwas anderen Gewichtung, was ich weiter unten näher begründen will.
        Ich denke, uns allen ist klar:
        Informelle Führer bilden sich in jeder größeren Gruppe zwangsläufig, was aber erstmal kein Problem ist, wenn die informelle Führung unter direktdemokratischer Kontrolle der Gesamtgruppe/-organisation verbleibt und es gelingt die entsprechenden Kompetenzen bestimmter informeller Führer konstruktiv zu nutzen, ohne dass sich ihre Position verselbständigt. Dazu hat Martinez in der ausgezeichneten Broschüre „Renaissance des Anarchosyndikalismus“ m. E. das Wichtigste gesagt: http://www.scribd.com/doc/28696760/Beltran-Roca-Martinez-Renaissance-des-Anarchosyndikalismus
        Ich vermute, bis hierhin stimmen wir weitgehend überein.
        Wenn nun Tendenzen zur Verselbständigung von informeller Führungsmacht angeprangert werden, ist das natürlich gut und richtig, aber es spricht m.E. keinesfalls gegen die entsprechende Organisation an sich. Vielmehr sind das Probleme, die in jeder länger existierenden direktdemokratischen Organisation irgendwann phasenweise auftreten. Ich vermute mal, dass es wahrscheinlich nie eine längerfristige größere libertäre Organisation gegeben hat, in der sich die informelle Führung nicht zeitweise mal bis zu einem gewissen Grad verselbständigt hat. Entscheidend ist m. E. aber, dass libertäre Organisationsstrukturen vorhanden sind, die es ermöglichen jeglicher Verselbständigung von informeller Führungsmacht potentiell jederzeit entgegenzutreten und sie zu beenden. Solche Organisationsstrukturen hat die FAU – und das ist das Entscheidende. Wird nun die Möglichkeit direktdemokratischer Kontrolle von der Basis nicht ausreichend genutzt, so ist das schwer bedauerlich, solche Phasen würden in jeder anderen längerfristigen größeren libertären Organisation aber auch zeitweise auftreten.
        Ich bin Mitglied in der FAU vor allem wegen ihrer libertären Organisationsstrukturen und ihrer klassenkämpferischen Ausrichtung. Was das konkrete partizipative Verhalten der Mitglieder angeht, das kann potentiell in ein oder zwei Jahren schon wieder ganz anders sein, (abgesehen davon variiert auch das natürlich stark in regionaler und lokaler Hinsicht). Würde der Wert einer libertären Organisation allein daran festgemacht, ob zu einem gegebenen Zeitpunkt eine optimale Nutzung bestehender Partizipationsmöglichkeiten durch die Mehrheit der Mitglieder erfolgt, dann hätten vermutlich alle größeren, längerfristigen libertären Organisationen irgendwann dicht gemacht werden müssen. Phasen größerer und geringerer Partizipation der Mitglieder wechseln sich nun mal ab, wichtig ist, dass libertäre Organisationen überdauern.
        Es gibt in der FAU selbstverständlich die unterschiedlichsten Leute, aber die meisten sind meiner Erfahrung nach freundlich und solidarisch – in meiner Region auf jeden Fall. (Bzgl. anderer Regionen kann ich das nicht mit gleicher Sicherheit beurteilen, weil ich da weniger Leute persönlich kenne.)
        In der FAU-Gesamtorganisation habe ich bisher nur einmal die Erfahrung gemacht, auf eine Person zu stoßen, dessen soziale Verhaltensweisen ich als zeitweise stark problematisch empfand. Solche Leute gibt es aber auch in AS-Kreisen außerhalb der FAU, (wie ich dann ebenfalls erfahren durfte), und innerhalb der FAU gibt es sie nicht häufiger als anderswo.
        Das Anwachsen der anarchistischen Bewegung im Allgemeinen und des Anarcho-Syndikalismus im Besonderen ist m.E. vor allem eine Folge der allgemeinen Verschlechterung der sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen in Deutschland, insbesondere im Zuge der Agenda 2010 und ihrer Folgen. Wo die soziale Verelendung wächst, wächst auch das Bedürfnis nach Widerstandsmöglichkeiten und Alternativen. Gerade wenn sich dieser wirtschafts- und sozialpolitische Trend fortsetzt, ist es sehr, sehr wichtig, dass konstruktive freiheitlich-sozialistische Organisationen wie die FAU vorhanden sind, damit ein organisationsstrukturelles Potential gegeben ist, das helfen kann die Unzufriedenheit von großen Teilen der Bevölkerung in konstruktive und emanzipatorische Kanäle zu lenken. Jede Zeit drastischer Verschlechterung der Lebensbedingungen vieler Menschen birgt ja auch die Gefahr, dass größere Teile der Bevölkerung in reaktionäre Tendenzen abdriften, auf rechte Gruppierungen, autoritäre „Sozialisten“ oder religiöse Fundamentalisten hereinfallen. Das Vorhandensein größerer freiheitlich-sozialistischer Organisationen ist dagegen das beste Mittel und über je mehr Erfahrung eine solche Organisation verfügt, umso besser. Ich finde es daher sehr wichtig, dass es die FAU gibt und schließe mich „Berliner Genosse“ an, dass ich die FAU – nicht ohne kritischen Blick – empfehlen kann.

      • kritischerBlick permalink
        3. September 2010 09:47

        Hallo Markus,

        vielen Dank für deinen Beitrag. Den Text aus Spanien kenne ich bereits – es ist aber immer gut auf ihn hinzuweisen, denn er ist sehr empfehlenswert. Ich gehe mit dir in großen Teil konform. Nur was eben die FAU anbelangt da komme ich zu anderen Schlüssen. Das heisst aber nicht das ich keine FAU-Kampagnen (z.B. die gegen die Leiharbeit) unterstütze oder keine DA´s auf meiner Arbeitsstelle verkaufen. Nur guten Herzens Mitglied werden kann ich nicht und ich kanns auch nicht empfehlen. Ist ja aber auch nicht so wild. Wenn 9 von 10 sagen „FAU-Supii“ dann ist das doch auch ne Aussage und gut. Ich sehs aufgrund meiner Erfahrungen anders. (Das alles auszuführen würde hier zu weit führen. Hat aber auch mit Antideutschen zu tun). Grüße!

        Hallo Berliner Genosse,

        auch dir dank für deinen Beitrag. Mir geht es nicht um „Nickligkeiten“. Ich bin bestimmt auch nicht aus Zucker. Mir geht es um eine Kultur die ich in der FAU tatsächlich erlebt habe, die andere Meinungen Einschüchtern will und dadurch mundtot machen will. (Nicht ernst nehmen, aufbrausen und drohen! Und im konkreten Fall mit der Prinzipienerklärung auch noch beständig auf einer falschen Auslegung der Statuten beharren und den Kritikern unterstellen, sie würden falsch liegen, etc.). Das kenn ich alles von den Autonomen und so stell ichs mir auch in K-Gruppen vor – darauf hab ich keine Lust. Ansonsten habe ich nicht so den Einblick nach Berlin, das dort nun ¼ der FAU organisiert ist. Wenn die GenossInnen dort vorwärts kommen, freuts mich. In anderen Städten habe ich auch wirklich gute Erfahrungen mit FAUlern gemacht.

  4. Mutter Erde... permalink
    2. September 2010 13:23

    wirds euch danken, ihr die ihr dahindarbt und euch in der anarchistischen Geschichte langweilt.

    Mother Earth jetzt online zu haben:
    http://www.archive.org/details/motherearth00berk

    • 2. September 2010 15:07

      wobei der angegebene Jahrgang von Mother Earth nicht wie auf archive.org angegeben 1906 sondern 1911/12 ist

  5. sancho pansa permalink
    2. September 2010 23:44

    interessant – ein Graswurzler, der m.W. nicht Mitglied der FAU ist, gibt ein Interview in einer ehemals orthodox-marxistischen Zeitung und in der debatte dazu geht es plötzlich um eine PE der anarchosyndikalistischen FAU. Jemand der nach Eigenaussage nicht mal Mitglied ist, behauptet, hier würde eine „Pressuregroup“ die Statuten umgehen wollen, um ihren Willen durchzubekommen. dann ist auch noch von „allseits bekannten Negativbeispielen“ die Rede. Ein solches Mobbing-Verhalten widerspricht jeder Etikette. Es wäre ja nun ausdrücklich genauso scheisse, wenn jemand schriebe „Genosse XY ist ein Arsch“, aber so kann sich noch mal jeder sein Teil denken und jedeN beliebigen innerhalb der FAU als Arsch verdächtigen. Werter „kritischer Blick“, besten Dank für solch konstruktive Aufbauarbeit.

  6. kritischerBlick permalink
    3. September 2010 09:44

    Hallo S.P.

    Was willst du eigentlich mit deiner Stellungnahme ausdrücken? Ich habe bewusst nicht den Namen des „Genossen“ erwähnt, der übrigens ausdrücklich NICHT wollte, das seine Stellungnahmen dazu in der Debatte (dem internen FAU-Diskussionsorgan) erscheinen. Ausgangspunkt der Diskussion hier war die Auffassung von Bernd, das der kollektivistische Anarchismus im Anwachsen ist. Dazu habe ich meine Meinung geäußert und zwei interessante Replies bekommen – von „berliner Genosse“ und „Markus“.
    Selbst wenn ich FAU Mitglied wäre, würde ich solche Kritk äußern Weshalb auch nicht? Was ist schlimm daran Missstände offen zu benennen – zumal ich keinen Namen genannt habe. Wenn du nun das Verdächtigen anfängst, dann ist das deine Sache! Deine Denke, deine negativen Unterstellungen und nicht meine. Und wenn du FAU-Mitglied bist, dann müsstest du doch eh wissen wen ich meine. Besten Dank also für deine konstruktive Arbeit.

    • 3. September 2010 14:12

      hey, danke für die klare Haltung- dem füg ich nur noch meinen solidarische Respekt hinzu und wünsche mir so was als grundsätzliche Haltung in der Diskussion.
      Bernd hat sich auch erst mal gewundert, was sein Beitrag hier losgetreten hat, kann da aber glaub ich mit leben, so wie ich es verstanden hab.

      • 3. September 2010 14:13

        ps, nicht sein Beitrag, sondern das Posten seines ND-Interviews..sry.

    • sancho pansa permalink
      5. September 2010 21:12

      erstens: bin in der tat mitglied der FAU. zweitens: nö, ich weiß nicht, wen du meinst. drittens: ich will es auch explizit nicht wissen.

      • Kickersfan permalink
        5. September 2010 21:39

        Tja.. wenn du wirklich FAUler bist dann vermittelst du mal wieder nen schlechten Eindruck von dem Verein. Arrogant und Eingebildet… (Ich weiss, ich weiss – nicht alle in der FAU sind so…)
        Und jetzt will ich wissen wer der „Genosse“ ist 🙂

  7. punky permalink
    3. September 2010 16:38

    wäre ja mal prima, wenn man im libertären lager mal eine solidarisch-konstruktive diskussion hinbekommen würde. dies scheint ja leider nicht der fall zu sein. also kein wunder, wenn die libertären läden und projekte stagnieren oder nicht groß vorwärtskommen…

  8. Anarchosyndikalist permalink
    3. September 2010 20:12

    Wie schwache ist das denn ? Interview vom GWR-Meisterinterviewer BernD.
    Reichlich peinlich. Packt der doch tatsächlich das seit Jahrzehnten unter dem Sattel der A-Geschichte mürbegerittene Trockenfleisch als Agenda aus. Es geht nicht um eine verstaubte (A)ntiquariatsbüchertage sondern um eine auf die Zukunft ausgerichtete Veranstaltung namens Libertäre Medienmesse – dort sollte die Agenda auf aktuellen Kampffeldern liegen. (Danke an Rudolf) . Klar, dass dann der ND-Fuzzi ganz genüßlich auf die Vollbremse latschen kann.

    Dann das Gefasel von wegen 200 AKWs, die in den 1970ern geplant gewesen wären. Damals verrannten sich die Vorstellungen soweit, dass wir heute schon Unterwasserstädte und eine Mondkolonie haben müssten. Noch nicht mal eine Hundehütte gibts, weder hier noch da. Flop auf Flip. Die völlig weltfremde Selbstanmaßung und -überschätzung von BerD, die Anti-AKW-Bewegung habe 183 AKWs in der BRD verhindert, ist hahnebüchend. Da wusste ich echt nicht mehr, verarscht der sich selber oder ist der wirklich so neben der Kappe, aber dann musste ich doch noch herzhaft darüber lachen.
    Die WAA in Wackersdorf wurde nicht durch den AKW-Widerstand verhindert, sondern lediglich von der Atommafia nach La Hague und Sellafield ausgelagert. Wie tobte Strauß, als die endgültige Absage der Stromkonzerne kam und wie bettelte er vergeblich, dass diese doch noch gebaut werden würde. Da lag wohl ein besseres Angebot für die Konzerne vor.
    Die Auslaufzeiten der AKWs sind schlicht und ergreifend zu beachten, ein bisschen Geschacher um 10 oder 20 Jahre mehr oder weniger, was völlig irrelevat ist, ebenso wie eine sofortige. Die Probleme sind schon so G I G A N T I S C H und werden uns noch über Jahrzehntausende beschäftigen, dass selbst in der Anti-AKW-Bewegung inkl. ihres libertären Flohzirkuses im Schafspelz dieser Bewegung, diese kaum bis garnicht behandelt werden, da geht es immer noch um „Unser Dorf soll schöner … äh kein Endlager werden“.
    Wie scheißegal das ist, wird einem klar, wenn mensch weiß, dass es weltweit noch nicht mal eins gibt. Selbst wenn Gorleben als Standort begraben würde, dann wird halt in Sellafield mehr ins Meer verklappt, per Rohr, nicht mehr diese doofen Fässer die sich einfach so auflösen, nach ein paar Jahren.

    Schön finde ich aber, dass BernD seinen rosaroten Tunnelblick in seinem belanglosem Blabla offenbart. Natürlich ist Widerstand gegen alle Mißstände dringender als je zuvor erforderlich. Wenn die pazifistischen GWR-Anarchist~innen sich als Bruchteil einer Einzelbewegung wie die AKW-Bewegung verstehen, welche schon viel bessere Zeiten kannte, aber nach dem die ehemaligen Chäffchen dieser außerparlametarischen Bewegung sich in die parlamentarischen Baumwipfel aufschwangen und gesetzliche Lösungen ersannen, zerbröselte sie ebenso wie die „Friedensbewegung“. Ich höre heute noch die Stimme eines damaligen pazifistischen Vollpfostens, der sagte, dass die Dinosaurier~innen ausgestorben wären, weil sie zu kleine Gehirne und zu große Körper(Panzerung) gehabt hätten. Dieser Schwachsinn ist auch noch zum geflügelten Friedenstäubchensprüchlein avanciert. — Shithappens.
    Natürlich muss an dieser Stelle nicht betont werden, dass das Bewusstsein für Natur schon früh in die anarchistische Bewegung einfloss, da die Menschen selbstbestimmt leben wollen. Die anarchistische Bewegung soll kein Anhängsel irgendwelcher Teilbewegungen werden, sondern muss zu einer eigenständigen Bewegung werden, mit der die Hauptprobleme beseitigt werden können und um dann die Basis dafür zu haben, alle relevanten Problemfelder im Sinne einer herrschaftlosen und gewaltfreien Gesellschaft anpacken und lösen zu können.

    Der Klassenkampf tobt tagtäglich von Oben nach Unten, und genau dort muss gehandelt werden, um die Teilprobleme wirklich lösen zu können.

  9. 5. September 2010 22:44

    Hier ist Klassenkampf. So kanns gehen, wenn man optimistisch nach vorne schaut, gut FAU!

  10. punky permalink
    5. September 2010 22:50

    wo ist klassenkampf…? doch nicht etwa bei der fau in hamburg, die sind voll am boden

  11. punky permalink
    5. September 2010 22:56

    also mit voll am boden, meine ich, mit sich selbst beschäftigt… kaum aktionen, die nach aussen wahrnehmbar wären……. schade, und intellektuell seh ich auch nicht, wo sich die fau wirklich einbringt und auch neue akzente setzt….

  12. chiflado permalink
    6. September 2010 15:38

    zu den diskussionen innerhalb und um die fau kann ich nicht viel sagen… hier in koeln hat sich gerade erst eine (neu) gegründet, mal sehen, inwieweit sie sich in der praktischen arbeit entwickelt ..
    was ich aber nicht ganz nachvollziehen kann, sind viele beiträge, die die libertäre oder anarchistische bewegung hier in deutschland kaum oder nur in „entwicklung“ sehen… mit welchem blick geht ihr da ran? dem einer föderation, oder sich anarchistisch nennnenden ortsgruppe wie bei der fau? Hier in koeln sind die mir bekannte Anarchist*innen z.t. schon seit langem in verschiedenen gruppen und bewegungen dabei, die sich nicht unbedingt „anarchistisch“ nennen oder wo einer von uns die schwarze fahne immer dabei hat … sei es bei der antiknastarbeit, oder speziell jetzt bei leuten vom forum, in der migrat*innenarbeit( es gibt eine sehr interessante entwicklung bei anarchistischen und anarchafeminstischen menschen hier in koeln und umgebung), jede /r bringt halt die anarchistischen inhalte in die gruppen und projekte mit ein, die sie jeweils für angebracht halten … und entdecken im alltäglichen handeln viele „anarchistische“ denk-und handlungen – so verstehe ich zumindest eine tägliche arbeit als hier: anarchokommunist —- soweit erst mal ein kleiner gedankenstoss, ich denke, jede/r wird für sich ähnliches sagen können

    libertad und umarmung

  13. 6. September 2010 16:37

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