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Zum 6. Mai 1980 in Bremen und was es uns heute noch zu sagen hat

11. August 2010

Brennende Bundeswehrfahrzeuge auf dem Bremer Osterdeich am 6. Mai 1980.

Die bürgerlichen Massenmedien lassen nichts unversucht, uns alte und inzwischen in ihrem Sinne geläuterte Kämpfer zu präsentieren. Angelehnt an diesen gönnerhaft herablassenden Spruch: „Wer mit 20 kein Anarchist war hat kein Herz, wer mit 40 noch Anarchist ist, hat keinen Verstand“.

Dabei gibt es sehr viele Aktive von einst, die diesen Schmu nicht mitmachen. Sie kommen nicht zu Wort. Es soll dazu veranlassen, solch ein fatalistisches Lebensgefühl entstehen zu lassen, zu resignieren. Je mehr man in der Öffentlichkeit steht, desto mehr wird man unter Druck gesetzt, entgegen dem gesunden Menschenverstand Worthülsen von sich zu geben, die dann von den Massenmedien in romantisierend verbrämter Form gestreut werden. Es hat sich eine regelrechte Kitschindustrie entwickelt, die von den Aufständen der 1960er bis 80er Jahre lebt. Welche Sendung vom „Tatort“ bis „In aller Freundschaft“ kommt ohne aus?

So dramaturgisch gut diese Dinge manchmal gemacht werden: Schöner ist es, nach all den Jahren auf Leute zu treffen, die sich diesem Meinungsterror nicht unterwerfen, unbeugsame, frei denkende, die ihren Willen behalten und klar sehen – Menschen eben!

Die Bremer Bourgeoisie ist bekannt für ihre Umarmungstaktik, die sie sehr erfolgreich über die Jahrzehnte praktiziert. So kam es zu diesem Beitrag im Bremer Lokalsender „Buten un Binnen“ vom 05. Mai 2010. Das Flair in Beitrag und Studio gibt exakt diese Stimmung wieder. Doch fallen sie damit auf die Nase.

Der Fortschritt muß erkämpft werden, und Bremen ist nicht nur mit diesem 06. Mai 1980 ein positives Beispiel dafür, dass dahinter opfermutige Aktivisten standen. Man denke nur an Fallingbostel 1983.

Im Gegensatz zu den Polizeibeamten machen sie es in ihrer „Freizeit“, sie sind nicht versichert, sie bekommen keine Gehälter, werden sie juristisch belangt, sind sie viel schlechter ausgerüstet, sie werden nicht befördert, sondern ernteten Berufsverbote, Arbeitslosigkeit u.a.. Die Kleidung war mitnichten Schwarz. Sie trugen Turnschuhe, Bluejeans, Hemden und Jeansjacken, dazu weiße Mopedhelme, oft lange Haare und Knüppel.

München – es regnet: Dreiwettertaft

Berlin – Sturm: Dreiwettertaft

Bremen – Steinhagel und gegen Reizgas Zitronensaft

Die Aktiven kamen aus vielen Teilen der Bevölkerung: Spontis, Bürgerrechtler, Anarchisten, K-Grüppler, andere Kommunisten, Stadtteilaktive, Lehrlinge, Studies, Schüler, Lebensreformer…und so mancher Pazifist warf seinen ersten Stein 🙂

An diesem 06. Mai 1980 hat David den Kampf gegen Goliath einmal gewonnen. Ein Beitrag mit Seltenheitswert, der Mut machen kann für kommende Kämpfe!

Filmbericht und Gespräch bei Radio Bremen – Ankündigung des Senders:

Krawall gegen Massengelöbnis vor 30 Jahren

Veit Bendixen wollte eigentlich eine friedliche Massendemonstration mit seiner Kamera filmen und war plötzlich mittendrin in einer Straßenschlacht. 10.000 Demonstranten wollten das mitlitärische Spektakel im Weserstadion stören: 1500 Rekruten sollten vereidigt werden. Doch dann lief alles aus dem Ruder. Der Hobbyfilmer Veit Bendixen zeigt uns bisher unveröffentlichte Bilder eines chaotischen Tages. Dazu im buten un binnen-Studio: Holger Münch, damals Polizist in der Ausbildung und heute Polizeipräsident in Bremen. Und: Horst Wesemann, damals Gelöbnisgegner, heute Rechtsanwalt.

Autor(in): Marianne Strauch

Länge: 12:48

Datum: Mittwoch, 5. Mai 2010

Sendereihe: buten un binnen Magazin | RB TV

Stichwörter: 6.Mai 1980, Gelöbnis, Bundeswehr, Demonstration, Filmaufnahmen, Weserstadion

Video hier: http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=028641

Und hier: http://www.radiobremen.de/fernsehen/buten_un_binnen/video15150-popup.html

2 Kommentare leave one →
  1. 11. August 2010 22:38

    Schönes Ding!!! Hier noch der Original Werbespot

Trackbacks

  1. Neues aus den Archiven der radikalen (und nicht so radikalen) Linken « Entdinglichung

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