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Telefonscherz – oder was?! Drohung wegen Demobericht!

14. Juni 2010

Der DGB und Meinungsfreiheit und kritische Berichterstattung: Das passt nicht. Wie schon bei der Demo am 12. Juni in Stuttgart wurden nach Lippenbekenntnissen der verdi-Funktionärin Breymeier zur Meinungsfreiheit SPD-kritische Künstler von der Bühne verbannt. Nun scheint ein „ranghoher DGB-Funktionär“ einen Blogbetreiber wegen dessen kritischem Bericht über dieselbe Demonstration zu bedrohen.

Ganz und gar nicht gut auf die Meinungsfreiheit zu sprechen, scheinen bestimmte Kreise im Deutschen Gewerkschaftsbund zu sein. Nachdem auf dem Blog Kopperschlaeger ein kritischer Bericht zum Verhalten und der Kooperation von Polizei und DGB gegen TeilnehmerInnen der Stuttgarter Krisendemo erschien, (Syndikalismus.tk berichtete) wurde der Blogbetreiber gestern Abend von einem Anrufer mehr oder weniger deutlich bedroht. Dabei gab der Anrufer sich als „ranghoher Funktionär des DGB“ aus und bezeichnete den Artikel im Blog als „Dreck“. Kopperschlaeger hat angekündigt herauszufinden, wer hinter dem Anruf steckt. Durch die nicht-Unterdrückung der Handynummer des Anrufers kann dies auch durchaus möglich sein. Wir geben hier den Bericht von Kopperschlaeger ungekürzt wieder und werden weiter berichten.

Wenn am späten Sonntag abend um 22:40 Uhr mein Handy klingeln würde und eine mir fremde Person zunächst einen meiner Artikel als Dreck bezeichnen würde, um anschließend auch noch mich als Person zu beleidigen, wäre meine normale Reaktion eigentlich, dem Anrufer noch “ein schönes Leben” zu wünschen und dann aufzulegen. Zum Glück habe ich so etwas noch nie erlebt – zumindest bis zum gestrigen Sonntag abend.

Da ruft mich doch glatt ein Zeitgenosse an, stellt sich als ranghoher Funktionär des DGB vor und zieht dann eine an Unhöflichkeiten kaum mehr zu überbietende Vorstellung ab, um mir am Ende des eher als Monolog geführten Telefonates mit “ernsthaften Konsequenzen” zu drohen. Im ersten Moment glaubte ich, mich vielleicht verhört zu haben und fragte noch einmal nach dem Namen, der Anrufer gab sich daraufhin erneut als hoher DGB-Funktionär aus.

Ich habe dann schon aus reiner Neugier nicht einfach aufgelegt, sondern mir die Unhöflichkeiten bis zum bitteren Ende angehört.

Worum es ging? Nun, Thema des Anrufers war mein gestriger Artikel (Link zum Artikel) zur Demonstration in Stuttgart, in welchem der DGB als Mitorganisator der Demo nicht gerade gut wegkommt. Den Artikel kurz als Dreck bezeichnend, über den man nicht weiter reden müsse, kam der Anrufer dann zum wohl eigentlichen Anlass seines Anrufes. Ein Foto im Artikel zeigt einen Ordner des DGB im Gespräch mit einem Polizisten, die Beschreibung der Szene ist besagtem Artikel zu entnehmen. Das Gesicht des Ordners ist – nach berechtigtem Einwand des Abgebildeten – von mir unkenntlich gemacht worden. Die Bitte der Person um Unkenntlichmachung ist in den Artikelkommentaren dokumentiert und wurde von mir unverzüglich umgesetzt. Ferner habe ich besagte Person sowohl mittels Kommentarantwort als auch per E-Mail unverzüglich über die Unkenntlichmachung informiert!

Nun fordert der angebliche Funktionär am Telefon die sofortige Entfernung des besagten Fotos und droht mir per Ultimatum bis “morgen früh” (Montag) mit “ernsthaften Konsequenzen”.

Als optimistischer Mensch bin ich zunächst einmal geneigt, davon auszugehen, dass ich hier einem Scherzbold aufgesessen bin, der den Namen eines hohen Gewerkschaftsfunktionärs missbraucht, um mir für meinen kritischen Artikel eins auszuwischen. Also werde ich mir wohl morgen früh erst einmal die Mühe machen, beim entsprechenden Funktionär anzurufen, um mir ein Dementi oder aber eine Bestätigung des Anrufes geben zu lassen.

Sollte es zu einem Dementi kommen, kann ich dem DGB gerne die Telefonnummer des Anrufers übergeben – er hatte die Handynummer nämlich nicht unterdrückt. Sollte der Anruf hingegen tatsächlich von diesem Funktionär stammen, werde ich morgen früh einige Fragen an ihn haben.

Der telefonischen Drohung werde ich zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls keine Folge leisten, da ja in der Tat jeder beliebige Scherzkeks, der irgendwie an meine Handynummer gekommen ist, diesen Anruf getätigt haben kann. Und wie ich verfahre, sollte der Anruf tatsächlich im Namen des DGB erfolgt sein, erfahrt Ihr Montag im Laufe des Tages nach meinem Telefonat mit dem DGB.

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Noch ein paar Links zu anderen Berichten von der besagten Stuttgarter “Krisendemo”:

http://www.antiferengi.de/cgi-bin/environ?line=blogs&act=show&bnr=344&cnr=&bcnr=

http://gheimraetinsarchive.wordpress.com/2010/06/13/12-06-2010-benztown-downtown/

https://syndikalismus.wordpress.com/2010/06/13/wenige-zehntausende-bei-den-krisendemos-in-berlin-und-stuttgart-%E2%80%93-polizei-geht-massiv-gegen-antikapitalistinnen-vor/

http://www.scharf-links.de/47.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=10733&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=3af5e42d0e

Quelle: http://kopperschlaeger.net/2010/06/telefonscherz-oder-was-drohung-wegen-demobericht/

7 Kommentare leave one →
  1. glouton permalink
    14. Juni 2010 13:49

    Ja, Ja, Ja! Mehr davon!
    Wieviel verdient eigentlich solch eine telefonierende DGB-Bonze?

  2. OROPAXI permalink
    14. Juni 2010 13:52

    Droht auch dir der DGB – tun dir bald die Ohren weh.

  3. 14. Juni 2010 15:00

    Also ich wüßte da ein angemessenes Mittel gegen unliebsame Anrufe 🙂 🙂 🙂

  4. 14. Juni 2010 16:53

    fefe´s kommentar zu berlin geb ich hier mal weiter:
    Hier kommen gerade diverse Mails rein, dass die Splitterbombe nur Agitprop von Springer ist. Das freut mich zu hören. Ich habe das nur im Vorbeilaufen im Fernsehen gesehen, und da hat der interviewte Polizeisprecher (?) von zweistelligen Verletztenzahlen und lebensgefährlichen Verletzungen und Krankenhaus und Körperschutz durchschlagen geredet.
    Die Mails gehen von „ich hab da keinen Krankenwagen Polizisten abholen sehen“ über „das würde ich als Law-and-Order-Innenminister genau so machen“ bis hin zu „auf dem Video sieht man, dass das nur ein Böller war“.
    In einem der mittlerweile gelöschten Kommentaren zum ersten Sprengsatz-Video soll jemand geschrieben haben, dass es sich um ein Produkt namens „Cobra 6“ handelt, mailt mir gerade jemand. Habe ich noch nie von gehört, und Googeln hilft auch nicht sonderlich weiter, aber auf youtube findet man Videos damit. Das erscheint mir plausibel von der Rauchentwicklung her. Und bei den Metall- und Glasteilen könnte es sich auch um Teile des Autos handeln, unter dem das Ding wohl losgegangen sein soll. Ich gebe das mal alles so weiter, habe keine Ahnung von Sprengstoffen.

  5. 15. Juni 2010 00:00

    Ein Artikel bei Koppenschlaeger befasst sich mit der DGB Aktion:

    http://kopperschlaeger.net/2010/06/von-fotos-nachtlichen-anrufern-und-falschen-kritikern/

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