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Griechenland: „Wir erheben uns“. LehrerInnen besetzen TV-Sender, Akropolis ist besetzt – Morgen Generalstreik

4. Mai 2010

Mit der Besetzung der Akropolis protestieren in Athen rund 200 linke und anarchistische Gewerkschafter-Innen gegen die drastischen Sparpläne, die die griechische Regierung sich hat aufzwingen lassen, um das Kapital und die Kapitalisten zu schützen. Die DemonstrantInnen entrollten zwei Transparente mit dem Aufruf «Völker Europas, erhebt euch». Die Transparente sind direkt unter dem Athener Wahrzeichen weithin sichtbar. Die Aktion bildete den Auftakt eines zweitägigen Streiks im öffentlichen Dienst gegen das Sparprogramm. Für Mittwoch haben die Gewerkschaften zum Generalstreik aufgerufen.

In Deutschland finden Solidaritätsaktionen mit dem Generalstreik in Griechenland statt. In Köln von 12.00-13.00 Uhr vor dem Griechischen Generalkonsulat, Venloer Str. 151-153. Auch in Berlin kommt es zu einer Solidaritätsaktion: Um 10.00 Uhr vor dem Bundeskanzleramt. Ein kurzes zweisprachiges Flugi zur Mobilisierung in Köln findet sich hier als PDF.

In der Nacht auf Dienstag kam es auch zur Besetzung einer TV-Anstalt durch LehrerInnen. Die LehrerInnen und Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind seit heute im Streik. Zur Besetzung findet sich auf Indymedia Athen der folgende Bericht:

Athen: LehrerInnen brechen in staatlichen Fernsehsender ein

Um 00.18 erreichen die Einbruchsgeräusche innerhalb des Studios, wo die Live-Nachrichten gesendet werden, den Bildschirm und die Übertragung des „normalen Programms“ des staatlichen Fernsehsenders muss unterbrochen werden. Arbeitslose LehrerInnen dringen in das Gebäude und nehmen, was ihnen ohne Bezahlung gegeben werden muss: die freie Meinungsäußerung der Informationsmedien in ihre eigenen Hände und die menschlichen Erfindungen in die Hände der Gesellschaft, die die täglichen Bedürfnisse und Unruhe der Menschen befriedigen sollen.

Frei von jeglicher Global-ökonomischen Propaganda der Oligarchie.

40-60 LehrerInnen sind in eine staatliche Fernsehanstalt in Athen eingebrochen und fordern eine offene Diskussion mit dem Bildungsminister. Die Live-Nachrichten wurden gestoppt. Riot cops sind innerhalb und außerhalb des Gebäudes. Mehrere LehrerInnen wurden brutal zusammengeschlagen.

Ca. 1000 AnarchistInnen und LehrerInnen haben sich auf einem Platz im Bezirk Agia Parastkevi versammelt und bewegen sich jetzt in Richtung erwähnter Fehrnsehanstalt. Passanten und AutofahrerInnen begrüßten die Demonstration, indem sie ihre Fäuste in der Luft ballten. Ein Erzieher erschien für kurze Zeit mit einer blutenden Wunde am Kopf im Fernsehen. Die Sendung wurde vorher aufgenommen, nachdem von den LehrerInnen eine Live-Diskussion mit dem Bildungsminister Diamantopoulo verlangt wurde. Den LehrerInnen wurde nur eine Minute Redezeit zugestanden. Kurze Zeit nachdem die LehrerInnen einen Hilferuf aus der Fernsehanstalt geschickt hatten und bekanntgaben, dass sie von Riot Cops angegriffen werden, haben sich sofort ca. 1000 Menschen zu einer Solidemo mit ihnen zusammengefunden, die bis vor den staatlichen Fernsehsender ERT führen wird. Nach mehreren Bedrohungen und Körperverletzungen der Spezialeinheiten gegen die BürgerInnen, dürfen sich die LehrerInnen eine Minute lang über die Auswirkungen der Sparmaßnahmen äußern, die ihnen von der IWF und der EU aufgezwungen werden sollen. Im Folgenden eine Übersetzung der Positionen der LehrerInnen aus dem letzten Videolink:

„Wir sind MitgliederInnen der Gewerkschaft der LehrerInnen mit eingeschränkten Arbeitsrechten und der Panhellenischen Gewerkschaft der Erwerbslosen LehrerInnen. Wir entschieden uns aus zwei Gründen heute hier in das Studio des staatlichen Fernsehsenders zu kommen: 1. Seit sechs Monaten schweigen die Massenmedien jetzt zu den ökonomischen Maßnahmen der Regierung. 2. Wir wollen praktisch den Monolog des Bildungsministers Diamantopoulou, der zu der Multi-gesetzlichen Vereinbarung schweigt, die verabschiedet werden soll und die öffentliche/unkommerzionelle Bildung zerstören wird, brechen. Wir wurden innerhalb und außerhalb des Studios durch die MAT, die bereit war uns zusammenzuschlagen, willkommen geheißen. Wir verurteilen beide, das Bildungsministerium, sowie die Autoritäten des NET-Senders für die derzeitigen Vorkommnisse, Sie sehen, dass wir die Spuren der Gewalt an uns tragen.

In der Wirklichkeit bringt die Regierung das „Stabilitätsprogramm“, indem sie mehr als 30 SchülerInnen in jeden Klassenraum packen und Tausende LehrerInnen aus der Schule ausschließen. Die „Neue Schule“, wie die Regierung sie nennen will, ist in Wirklichkeit nicht neu. Sie ist sehr alt und wird uns in der Zeit zurückwerfen. Sie wird gegen die Bedürfnisse und die Rechte der Gesellschaft in Griechenland sein, gegen die ArbeiterInnen, die Eltern, die SchülerInnen und die LehrerInnen. Die Regierung ruft uns auf, für die Bildungskosten zu bezahlen. Ruft euch die Eltern, die Kinder, die lernen und uns, die lehren auf. Nach Diamantopoulous’ Multigesetz werden wir gefeuert; sie feuert ca. 17.000 LehrerInnen, die auf Honorarbasis oder befristet beschäftigt sind. Wir dachten, dass wir eine Minderheit sind, aber wie es aussieht werden wir zu einer Mehrheit, nachdem der IWF zu uns gebracht wurde, was zum Anstieg der Armut und der Arbeitslosigkeit Tausender ArbeiterInnen führen wird.

Alle raus auf die Straße, um die ökonomischen Maßnahmen zu blockieren, schmeißt den IWF und all jene, die sie hier reingelassen haben raus. Morgen werden wir, um die ökonomischen Maßnahmen zu verhindern, die das Bildungssystem zerstören, demonstrieren. Am Mittwoch, dem 5. Mai wird jeder streiken, keiner wird arbeiten. Wir treffen uns vor dem Archäologischen Museum um 11 Uhr, um die ökonomischen Maßnahmen zu verhindern.

Wir kommen raus auf die Straße, wir erheben uns!“

Videos and Fotos : http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=1162715

Aus dem Studio, wo die LehrerInnen eine offene Live-Diskussion mit dem Minister und Entscheidungen auf kollektiver Basis fordern: http://www.alfavita.gr/ank_b/ank3_5_10_1515.php

Zusammengestellt nach Informationen von Indymedia Deutschland vom 04.05.2010 und Indymedia Athen

http://de.indymedia.org/2010/05/280212.shtml

http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=1162715

11 Kommentare leave one →
  1. 5. Mai 2010 13:37

    musstet ihr unbedingt ein Foto mit Transpis der national-stalinistischen KKE nehmen?

    Anmerkung Syndikalismus.tk: Es soll sogar vorkommen, dass wir hier im Forum Trotzkisten zu Wort kommen lassen 🙂

    • 5. Mai 2010 15:48

      Ist auch Okay wenn hier auch spinnerte Graswurzler und realitätsparalysierte THWler oder PDSler~innen auch freigeschaltet werden.

      Aber dieses Transpi ist voll Scheiße: «Völker Europas, erhebt euch»!!!
      Was soll der Scheiß, Genoss~innen???
      Wenn das BILD-Leser~innenvolk hierzulande sich erhebt, dann können die Griech~innen aber ihr blauweises Wunder erleben. Dann schallt es ihnen wohl so entgegen:
      >Nix unser Geld Ihr bekommen! – Wenn nix hören, auf Finger bekommen!Erheben wir Arbeiter~innen uns endlich!
      Vom Atlantik bis zum Ural und
      vom Polarkreis bis zum Mittelmeer<

    • Anarchosyndikalist permalink
      5. Mai 2010 15:53

      Was ist denn mit dem Kommentar passiert?????? Komisch, sowas kam das erste mal. Der Computer hat da ein paar Zeilen verschluckspecht…………………….
      DENN:
      Nach „auf Finger bekommen!“ sollte es so weitergehen:

      Waren da wirklich Anarchist~innen auf der Akropolis dabei? Seh (auch bei starker Vergrößerung) nur rote Fähnchen, nicht eine einzige schwarzrote oder schwarze Fahne. Haben die sich so gut versteckt? Haben sich sicher so geschämt 😉

      Wenn Ihr wenigstens einen kritischen Kommentar drunter gesetzt hättet, so eine nationalbolschewistische Scheißparole geht gar nicht.

      „Erheben wir Arbeiter~innen uns endlich!
      Vom Atlantik bis zum Ural und
      vom Polarkreis bis zum Mittelmeer“

    • 5. Mai 2010 16:22

      😉

  2. 5. Mai 2010 17:43

    Fotos sind nun mal zum dokumentieren der Ereignisse gut, und nicht zum dokumentieren des Wünschenswertesten – wenn nun ausgerechnet Betonkommies ihre Riesentranspies da runterbaumeln lassen, würde ich mich auch verpissen, weil ich nich dazugehören mag!
    – mit besetzt haben werden die Anarchos die Akropolis schon –
    Im Dezember 2008 hingen da ja deutlich anarchistische Parolen…

    Anmerkung Syndikalimus.tk: Danke Micha. Das ist der Punkt. Wäre doch stalinistisch wenn wir jetzt anfangen würden Fotos zu fälschen und aus roten Flaggen schwarz-rote machen. Unsere grundsätliche Position gegenüber autoritären und nationalistischen Organisationen sollte eigentlich klar sein.

    • Anarchosyndikalist permalink
      5. Mai 2010 18:46

      Wer hat denn was von stalinistischer Bildbearbeitung gesagt? Wenn Ihr dieses Foto schon dokumentiert, dann bitteschön mit entsprechender Kommentierung, entweder direkt unter dem Foto oder im Artikel. Mit meiner Kritik an der Art und Weise der Verwendung mit dem Foto wollte ich sicherlich nicht Eure grundsätliche Position gegenüber autoritären und nationalistischen Organisationen nicht in Frage gestellt haben, wenns recht ist, danke.

      • Bela Rethy permalink
        5. Mai 2010 18:56

        Mit deinem PC-Diskurs wärste jetzt in Dresden bei den A-Tagen genau richtig.
        Die Realität wegblenden hilft nunmal nicht. Die Anarchos sollten sich mal lieber fragen, warum so etwas passieren kann. Sie machen einfach immer wieder die selben Fehler. Ums mal ganz duetlich zu machen: Unter Machno wäre das nicht passiert.
        Also, Selbstkritik ist angebracht statt dieses ewige hilflose Gejaule.
        In Dresden passiert schon wieder derselbe Murks, und dann wird wieder gejammert…ändern tut sich mal wieder nichts.

        Ändert ihr Anarchos das Erscheinungsbild der Proteste, kommt dazu erstmal aus den Betten, wenns geht noch vormittags, und dann gibts in der Öffentlichkeit auch andere Bilder.

      • Markus permalink
        5. Mai 2010 20:58

        Na ja, ich könnte mir vorstellen, dass gerade Machno ebenfalls nicht besonders begeistert über das Bild gewesen wäre. Auf autoritäre Sozialisten (einschließlich des Anarchistenschlächters Trotzki) und deren Propaganda war er insbesondere in seinen letzten Lebensjahren nicht so gut zu sprechen.
        (Trotzdem gut, dass in diesem Forum unterschiedlichste Meinungen zu Wort kommen, wäre ja sonst langweilig.)
        Wo wir gerade bei Machno sind: Hier ein Link zu einer deutschen Übersetzung des Grundlagentextes der anarcho-kommunistischen Strömung des Plattformismus, an dem Machno maßgeblich beteiligt war.
        http://www.zabalaza.net/theory/txt_plattform_de.htm
        Wenn wir Anarchosyndikalisten auch gewiss nicht mit allen Ansichten der Delo Truda-Gruppe übereinstimmen, ist der Text doch bis heute lesenswert und diskussionswürdig. Auch ist er eine der frühesten Zeugnisse der Kritik am Lifestyle-Anarchismus (wenn auch die Pauschal-Verdammung des Individualistischen Anarchismus in diesem Text zweifellos zu undifferenziert ist.)
        Die damals in der anarchistischen Bewegung im Zusammenhang mit diesem Text breit diskutierte Frage ist auch heute noch relevant: Handelt es sich um die konkrete Ausarbeitung notwendiger Grundsätze gegen den in der Tat verderblichen Einfluss organisationsfeindlicher und überzogen-individualistischer Tendenzen oder handelt es sich um den Versuch einer Bolschewisierung des Anarchismus, wie manche anarchistischen Kritiker der Delo Truda-Gruppe polemisch vorwarfen? Oder liegt die Wahrheit in der Mitte?
        Wenn die Delo Truda Gruppe m.E. auch in manchen Ansichten etwas zu sehr über das Ziel hinausschießt und ausgehend von ihren Erfahrungen mit den Bolschewisten etwas zu verbissen rüberkommt (verständlicherweise), finde ich die Ernsthaftigkeit, mit der hier ausgehend von historischen Erfahrungen Lösungen für organisatorische Probleme gesucht werden als Anregungen für heutige Diskussionen doch weit zuträglicher als die extreme Organisationsfeindlichkeit, die heutzutage von manchen operaistischen und rätekommunistischen Kreisen propagiert wird.
        Und hier noch ein Link zu einem lesbaren Telepolis-Artikel über den bedeutenden libertären Revolutionär Nestor Machno:
        http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29735/1.html

      • Martin permalink
        6. Mai 2010 09:52

        Hallo Marcus,

        ich bin der Auffassung dass von Machno und der Machnotschina eine Menge zu lernen ist. Auch mit den AnhängerInnen der „Plattform“ habe ich viel weniger Probleme – eigentlich gar keine – als mit den Lifestyle-AnarchistInnen, Hippies und reinen Theoretikern. Ich schliesse mich nicht allen Auffassungen der Plattform an, aber ich verstehe die Beweggründe und kann das nachvollziehen. Die GenossInnen wollen die Revolution nicht nur vorbereiten sondern auch gewinnen 🙂 Das wollen wir AnarchosyndikalistInnen ja schließlich auch. Ich kämpfe auch lieber mit jemandem, der sich freiwilliger Organisationsdisziplin anschließt, als mit jemandem, der in den Tag hinein lebt und Lari-Fari ist. Insofern kann ich auch dem Kommentar von Bela Rethy nur zustimmen.

        Zu den Trotzkisten: Wir sind hier in Deutschland oder Österreich und der Schweiz nicht in einer revolutionären Situation. Auch wenn der Trotzkismus als ganzes eben nur eine weitere reaktionäre, marxistisch-leninistische konterrevolutionäre Strömung ist, die im Machtkampf mit einer anderen reaktionären marxistisch-leninistischen konterrevolutionären Strömung (dem Nationalkommunismus Stalins) unterlag, kann man zuweilen mit deren AnhängerInnen diskutieren. Parolen von wegen „Revolution“ und „Generalstreik“ sind nun mal – besonders für Jugendliche – ansprechend. Mit an Revolution und Generalstreik interessierten sollten wir sprechen, wenn es sich ergibt und ihnen die wirklich revolutionäre Perspektive des Anarchosyndikalismus vorstellen. Der Marxismus ist Dröge, hat keine Lebendigkeit, keine Kreativität. Das von den Führern der zahlreichen Sekten nichts positives für uns ArbeiterInnen zu erwarten ist, dürfte klar sein. Aber wir AnarchosyndikalistInnen haben uns nicht zu verstecken und können mit den wirklich an wahrhafter Veränderung interessierten diskutieren. Wenn es dann zu einer revolutionären Situation kommt – im anarchosyndikalistischen Sinne mit Generalstreik und Arbeiterversammlungen etc. – dann muss jeder Einfluss von Parteien und staatsbefürwortetenden Organisationen gebrochen werden.

  3. Anarcho-Revolutionärer-Depeschendienst permalink
    5. Mai 2010 18:38

    Die Nachrichten werden deutlich gepuscht, aus 20 Menschen in der Bankfiliale (im Text)
    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/griechenland742.html

    werden im Sendebericht 200 Menschen im gefährdeten Bereich (Video)
    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video699000.html

  4. Frank Freidenker permalink
    5. Mai 2010 18:55

    Bei der ARD waren es nur die KKE, ohne die Anarchisten.
    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video698472.html

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