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Ausgewählte Beiträge aus den Schwerpunktthemen der neuen BARRIKADE Nr.3

10. April 2010

Druckfrisch ist die dritte Ausgabe der anarchosyndikalistischen Streitschrift BARRIKADE. Aus den Schwerpunktthemen des Magazins finden sich hier einige kurze Appetithäppchen. So der Artikel „Zur Betriebsrätefrage“ des Delmenhorster Anarchosyndikalisten Wilhelm Schroers, der damit den Schwerpunkt „Klassenkampforganisation oder Sekte“ im Heft einleitet, sowie zwei Beiträge zu dem reaktionären Geschichtsbuchs über die November-Revolution in Hamburg des Historikers Hans-Joachim Paschen. Der letzte Auszug stellt die von purem Vernichtungswillen beseelte „Anleitung zur Aufstandsbekämpfung“ der preußischen Staats- und Militärführung dar, deren Entsprechung sie dann im vom Sozialdemokraten Gustav Noske befohlenen Blutbad an aufständischen Arbeitern fand.

Wir empfehlen die Barrikade jedem und jeder am Anarcho-Syndikalismus Interessierten.

Hier nun einige Auszüge:

Zur Betriebsrätefrage

Von Wilhelm Schroers (Delmenhorst)

Der Anarchosyndikalist Wilhelm Schroers aus Delmenhorst. Bis zu seinem Tod blieb er seinen Überzeugungen treu.

Die Betriebsrätefrage steht im Mittelpunkt der Debatten innerhalb unserer Bewegung. Als Gegner jeder gesetzlichen Institution waren wir seither Gegner der gesetzlichen Betriebsräte. Nunmehr, da unsere Bewegung im letzten Jahre einen Rückgang zu verzeichnen hatte, vermeint ein Teil unserer Genossen, dies durch Beteiligung an den Betriebsrätewahlen wettmachen und die Bewegung vorwärtstreiben zu können, so daß wir als Massenorganisation ein richtungsgebender Faktor werden. Es ist nun zu untersuchen, ob unsere Sache einen Fortschritt in dieser Richtung hin zu verzeichnen haben wird.

Da gilt es zunächst, die Ursache des Rückganges zu suchen. Das wichtigste Moment, das einer sozialen Umgestaltung vorangehen muß, ist die Gehirnrevolution. Die Erfassung unserer Idee erfordert eine solche. Das ist auch der Kernpunkt, weshalb die Vorbereitung der anarcho-syndikalistischen Idee bei den Massen auf Granit oder vielmehr auf einen Sumpf stößt. Alle Parteien und zentralen Gewerkschaften wollten den Massen etwas bringen.

Wir wollen nun keinem etwas bringen, sondern lehren die harte Notwendigkeit des eigenen Erkennens und Mitwirkens bei der Umstellung der kapitalistischen Wirtschaft in eine herrschaftslose Gesellschaft. Das ist es, was die im zentralistischen Sinne erzogenen Massen scheuen. Die eigene Tatkraft, die durch die Mechanisierung des ganzen Lebens unterdrückt wurde, läßt sie an sich selber zweifeln. Daß eigenes Handeln der einzig richtige Weg ist, begreifen sie alle instinktiv, doch will diese Instinktivität keine Erkenntnis werden. Und die Verbreitung dieser Erkenntnis ist gerade unsere Aufgabe.

In der Nachkriegszeit bekam unsere Bewegung großen Zuwachs. Das war erfreulich und hob die Arbeitsfreudigkeit der agitatorischen und organisatorischen Kräfte. Leider waren es ihrer zu wenige, die in aller Klarheit die anarcho-syndikalistischen Gedanken beherrschten, so daß sie überlastet wurden. Andere ließen genügende Klarheit vermissen. Kurz, es war das Stadium des Kristallisationsprozesses, in dem sich unsere Bewegung befand. Ein Teil der Genossen wurzelte in der Parteibewegung, ein Teil mündete in der Richtung des Individualismus. So kam es bei der Freiheitlichkeit unserer Organisation, daß sie zum Tummelplatz mancher Wortakrobaten wurde. Dort, wo Klarheit bestand, war solches nicht möglich, da wurden solche Geister abgestoßen, oder sie wurden anderen Sinnes.

• Schwerpunkt: ‚Klassenkampforganisation oder Sekte’ – Debatte in der FAUD 1925

Holtz gründet für die Fememörder die Vaterländische Gefangen-Hilfe

»Der Kapitalismus hat sich konsolidiert, der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Und die Arbeiterschaft möge wissen: Wenn der jetzige Siegeszug des Kapitalismus zum Stocken kommt und wenn die Demokratie nicht mehr zum Schutz der herrschenden Klasse genügt, werden Schwarze Reichswehr und Fememorde wieder auferstehen. Wenn diese Zeit sich an unsere Arbeit erinnert, so ist sie nicht vergebens gewesen.« • E. J. Gumbel

Holtz war auch derjenige, der 1927 die Vaterländische Gefangenen-Hilfe gründete und damit die Feme-Mörder (»Auf Vaterlandsverrat steht der Tod«, »Säuberung der Arbeitskommandos der Schwarzen Reichswehr von Verrätern« wurde durch die SPD-Regierung gedeckt, in Sachsen gab‘s dafür sogar eine Spezialpolizeitruppe!) über eine ‚Amnestie für a l l e  politischen Gefangenen‘ rausholte. Es bestand eine Arbeitsgemeinschaft mit der Nationalen Nothilfe, die als Gegenstück zur KPD-Roten Hilfe die Verteidigungskosten und »für jeden Kameraden ein Entlassungsgeld bereitzustellen« Grundlage dieser Kampagne war die seit Jahren praktizierte Straffreiheit und –straflosigkeit für die politischen Morde der Nationalisten: »Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig!« Nach dieser Devise wurden weder die rechtsradikalen Morde bis 1923 (Gumbel) nie gesühnt, einzige Ausnahme war der Mord an dem Reichsaußenminister Rathenau. Die Mörder von Rosa Luxenburg, Karl Liebknecht und all den anderen niedergemetzelten Arbeiter und Arbeiterinnen oder auch von Erzberger brauchten nichts zu befürchten.

Aber bereits 1933 wird F.C. Holtz von Wilhelm Freiherrn von Müffling als ‚Wegbereiter und Vorkämpfer für das neue Deutschland’, als einer der ‚Schöpfer des neuen Reiches’, erwähnt:

»Friedrich Carl Holtz schuf sich im ‚Fridericus’ eine scharfe Waffe gegen die November-Gewinnler und die republikanische Mißwirtschaft. Weil er für Ludendorff eintrat, wurde seine Wochenschrift in Bayern verboten. Unvergessen soll ihm sein, wie er die gesamte nationale Front für die Rettung der ‚Femerichter’ aufrief.« [Müffling]

• Der lange Schatten des F.C. Holtz auf der November-Revolutionsbuch des Hans-Joachim Paschen

»Demokratie ist für Paschen offensichtlich ausschließlich bürgerliche Demokratie. Um diese seine Einschätzung zu problematisieren, möchte ich dem vom Verfasser goutierten eingeschränkten bzw. beschränkten Demokratiebegriff einige problematisierende Formulierungen des spanischen Schriftstellers Jaume Cabré gegenüberstellen. Dieser konstatiert: „… und dann kommt die Demokratie, und du stellst fest, daß sie dich überhaupt nicht braucht, weil die Demokratie die perfekteste Form ist, die Politik auszuschalten.“ Und Cabré ist m.E. zuzustimmen, wenn er feststellt: „Es (d.h. das Proletariat — P.K.) hat Blut vergossen, wo immer die Bourgeosie sie hingeschickt hat, und mußte dort sowohl die Rolle des Schlächters wie die des Ochsen spielen, der, an den Pfosten gebunden, darauf wartet, daß der Metzger ihm den Bolzenschuß gibt.“ Cabré führt diesen Gedankengang weiter: „Wenn die Proletarier aber für ihre eigenen Interessen Blut vergießen wollen, dann verweigert man ihnen dieses Recht.“ Und genau ebendiese inakzeptabale Position nimmt der Verfasser der Publikation über die Revolution in Hamburg ein! Kurzum: Die Darstellung der Revolution 1918/19 in Hamburg entspricht nicht meinen Vorstellungen von Political Correctness, der Verf. vertritt einen reaktionären politischen Standpunkt.«

• aus der Rezension von Peter Kuckuk (Bremen) zu Paschens Buch „Frieden, Freiheit, Brot“ (2009)

Das Ziel der Militärbehörden war laut den Richtlinien vor allem die „schnelle und gründliche Unterdrückung“ des Aufruhrs. Die Richtlinien forderten von den Militärbehörden deshalb die sofortige Verhaftung der „Führer des Aufstandes“, der „Redakteure der Hetzblätter“, die Schließung aller „staatsfeindlichen Klubs“ sowie die Durchsetzung eines wirksamen Verbots aller Versammlungen. Der Einsatz der Truppe hatte unbedingt offensiv zu erfolgen, wobei der Artillerie eine besondere Bedeutung im Kampf gegen die Barrikaden zufiel. Jede Verhandlung mit Aufständischen, geschweige denn die Annahme ihrer Forderungen, war verboten. Die Militärbehörden waren angewiesen, mit den Meuterern einen „Kampf auf Leben und Tod oder bedingungslose Unterwerfung auf Gnade und Ungnade“ zu führen. Diese bemerkenswerte Studie schloß mit dem Satz: „Es ist nötig, die volle Strenge des Gesetzes gegen die Aufständischen unbarmherzig anzuwenden“.

• aus dem Beitrag zur Königlich preußischen Aufstandsbekämpfung – Noske setzte sie dann ab 1918 durch …

Barrikade Nr.3, 40 Seiten, 3.50 EUR.

Zu beziehen über den Syndikat-A Medienvertrieb

Abonnement: 3 Ausgaben – 10 €uro – ab 5 Exemplaren Wiederverkäufer/innen-Rabatt

Empfohlener Verkaufspreis in der Kolportage: 3,50 €uro (alle Preise inkl. 7% USt. und Versand) • Es gibt keine Buchpreisbindung!

Siehe auch den Beitrag BARRIKADE Nr.3 – Streitschrift für Anarchosyndikalismus erschienen vom 28. März 2010 auf Syndikalismus.tk

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