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Eingesandt: „Ehrgeiz ist geil!“ – das Hartz-IV-Wunder-Programm der Bundesregierung

27. März 2010

Dieser „Hartz-IV --- Arbeit macht frei“-Slogan, des nationalliberalen Flügels der F.D.P., konnte sich in der schwarzgelben Bundesregierung nicht durchsetzen.

Um an den großen Nachkriegserfolg des berühmt-berüchtigten „Wirtschaftswunder“ anknüpfen zu können, hat die schwarzgelbe Bundesregierung, unter Führung des „Großen Bundesmerkel“, ein neues jungfräulich geborenes Reformpaket aus der christlich-liberalen Taufe gehoben, welches auf den schönen Namen „Hartz-IV-Wunder-Programm“ hört.

Mit diesem ehrgeizigen Arbeitsbeschaffungsprogramm will die Bundesregierung die mehr als 6.000.000 arbeitsfähigen Hartz-IV-EmpfängerInnen beglücken. Dieses wird mit einem knallhart durchkalkulierten „Wasser-und-Brot“-Tarifvertrag ummantelt, welcher gleichzeitig zum gesetzlichen Mindestlohn deklariert wird. Somit wird sich dieses zukunftsorientierte Arbeitsmarktreformwerk auch selbst finanzieren können und nicht den Bundeshaushalt unnötigerweise belasten. Damit wird aber auch der notorisch-nörglerischen Daueroppositionspartei „Die Linke“ der Wind aus den Segeln genommen und die selbsternannten ArbeiterInnenführer Gysi und Lafontaine sind dann mehr als nur verschnupft – sie werden wohl keuchen vor Husten.

Gleichzeitig strebt die Bundesregierung damit eine ähnliche Beschäftigungslage wie in den „Goldenen 1950er und 1960er Jahren“ an, was wie damals, als die Vollbeschäftigung für Alle wahrgenommen werden wird. Die dann arbeitslosgewordenen KundenbetreuerInnen der „Agentur für Arbeit“, der ARGEN und aller privaten Arbeitsvermittlungsagenturen werden sich dann in diese Schicksalsgemeinschaft selbst übergeben und somit einer ebenso sinnvollen Beschäftigung nachgehen können, wie ihre ehemaligen KundInnen.

Die Oppositionsparteien im Reichstag witterten sogleich die Gefahr, dass sie bei diesem historischen Schicksalsmoment das Nachsehen haben könnten, wenn sie der Bundesregierung Stöcke zwischen die durchmarschierenden Füße werfen würden. Die SozialdemokratInnen möchten nicht abermals als VerräterInnen an der ArbeiterInnenschaft in Verruf geraten und unterstreichen den eigentlichen durch und durch erkennbaren sozialdemokratischen Grundcharakter dieses arbeitsmarktpolitisch-revolutionären Durchbruchs bei der Endlösung der Arbeitslosenfrage.

Die Grünen wollen sich auf ökologisch-liberale Verbesserungsvorschläge beschränken, die sie noch einbringen möchten, um sich eine zukünftige Regierungsfähigkeit mit der CDU/CSU nicht selbstverschuldet zu verbauen. „Die Linke“ zieht sich endgültig in die oppositionelle Schmollecke zurück und wird auf ihrem nächsten Parteitag ein endgültiges Schweigegelübde ablegen, weil sie weiterhin zukünftig nichts zu melden haben werden, im dem vor uns liegenden 1000-jährigen Reichstagsprozedere.

Der DGB kündigte an, dass zum nächsten 1. Mai alle Mitglieder der Einzelgewerkschaften mobilisiert werden sollen, um die nun endlich in greifbare Nähe rückende Umsetzung ihrer uralten Forderung nach dem „Recht auf Arbeit“ gebührend mit Kind und Kegel abzufeiern und sich hernach mit dem CGB zu verbrüdern und zu verschwestern, schließlich seien sie Fleisch vom Fleische.

Darüber hinaus bot der Gewerkschaftsführer Sommer der Bundesregierung an, dass der DGB zukünftig völlig selbstlos und ehrenamtlich die ArbeitsplatzwechslerInnen koordiniert, um das Gespenst der Arbeitslosigkeit endgültig zu verbannen, auf den Misthaufen der Geschichte. Hinter vorgehaltener Arbeiterfaust ließ er verlautbaren, dass Professor Sinn auf dem nächsten DGB-Kongress der Ehrenvorsitz angeboten werden soll, schließlich forderte dieser erst kürzlich auf einem FDP-Forum, dass alle Gemeinden unter Androhung von hohen finanziellen Strafen, dazu verpflichtet werden müssen, jedem/r Arbeitslosen einen Arbeitsplatz im Gemeinwesen zur Verfügung zu stellen, was mit den Vorstellungen des DGB zum „Recht auf Arbeit“ völlig deckungsgleich ist.

Die namentlich nicht weiter erwähnte Werbeagentur, die von der Bundeskanzlerin persönlich mit dieser Kampagne betraut wurde, gehört ganz selbstverständlich zu den ganz großen Spendern der CDU, was sich an dem auf die CDU beschränkte Logo bemerkbar macht. Frau Merkel hat diese in der Geschichte des „Neuen Deutschland“ wohl einmalige PR-Aktion zur alleinigen Chefinsache erklärt und unterstreicht damit ihren uneingeschränkten Führungsanspruch im großeuropäischen Reich als neue „Eiserne Lady“ – sie beerbschleicht damit Margaret Thatcher, aber auch Ludwig Erhard mit ihrem visionären Reformvorhaben als neue Wirschaftswunderheilerin.

Mit hysterisch-orgastischer Begeisterung durfte der Vizekanzler Westerwelle nun, auf einer eigens einberufenen Weltpressekonferenz, die erste Plakatserie mit der Losung „Hartz-IV-Empfänger auch zu niederer Arbeit verpflichten“ der informationshungrigen Pressemeute präsentieren, die von seinem politischen Kopulationspartner Seehofer, verkleidet als Boxringnummernmädchen, einzeln dargereicht wurden. Angela Merkel beschloss die Konferenz mit den an Westerwelle und Seehofer gerichteten Dankesworten: „Heute habt Ihr mich aber mal so richtig nass gemacht.“ Bisher unbestätigten Gerüchten zufolge, sollen daraufhin beide gleichzeitig gekommen sein.

Nun sollen die LeserInnen aber nicht länger auf die Regierungsfolterbank gespannt werden:

„Hartz-IV-Empfänger auch zu niederer Arbeit verpflichten“

Sabine Q. aus Bremen kann damit eine alte Familientradition aufgreifen, alle ihre Vorfahrinnen im vorletzten Jahrhundert waren in dieser Branche tätig, und das noch zu einem Lohn der sich gewaschen hat.

Petra W. aus Leipzig ist abgebrüht genug für diesen Traumjob und liebt den freundlichen Umgangston mit den KundInnen.

Robert W. aus Berlin ist zwar ein bisschen klaustrophobisch veranlagt, jedoch kann er ganz nebenbei seinen voyeuristischen Neigungen frönen.

Heinz K. aus Bonn leistet seinen Frondienst wirklich gerne, für einen Lohn, der natürlich nicht an den Ölpreis gekoppelt wird, nur sein altes Laster Rauchen sollte er sich doch noch abgewöhnen.

Frederike Z. aus Düsseldorf liebt Süßigkeiten über alles und kann bei diesem konkurrenzlosen Lohn auch im Winter, wenn es schneit, arbeiten gehen.

Quellenachweis der verwendeten Fotos:

Bei Google

http://wareluege.files.wordpress.com/2009/07/hartz4tor.jpg

Gefunden auf

http://direkteaktion.over-blog.de/article-cdu-harz4-empfanger-auch-zu-niederer-arbeit-verpflichten-43543549.html

http://ptrace.fefe.de/cduadbust1.jpg

http://ptrace.fefe.de/cduadbust2.jpg

http://ptrace.fefe.de/cduadbust3.jpg

http://ptrace.fefe.de/cduadbust4.jpg

http://ptrace.fefe.de/cduadbust5.jpg

Danke für die Anregung, diese weiterzuverarbeiten 😉

4 Kommentare leave one →
  1. Hennes W. permalink
    27. März 2010 23:30

    Auf einem Plakat der Grünen wären unter der Parole:

    „Hartz IV schützt die Umwelt“

    riesige Fabrikhallen zu sehen, ausstaffiert im Öko-Design, wo übergewichtige Arbeiter wie in Legebatterien Radfahren, um die Krankenkassen zu entlasten und Strom ohne Risiken zu erzeugen.

    Schön, wie alles zusammenpasst zum Wohle der Volksgesundheit:
    „Denk an deine Kinder: Bleib gesund ohne AKW!“, FDP und NPD sind mit dabei!

  2. 27. März 2010 23:48

    seht ihr da keinen unterschied zwischen der deportation in ein vernichtungslager und der auflage, für den erhalt von staatskohle bestimmte jobs annehmen zu müssen ?? klar bin ich auch für sanktionsfreiheit, aber solche vergleiche sind panne.

    • 28. März 2010 10:33

      auch wenn es da deutlich Unterschiede gibt, ist die Reaktion mit fast unverschleierten Arbeitslager-Rufen unterwegs, die Richtung isses auf jeden Fall! Und da kann mensch, besonders Satyriker, schon mal gerne übertreiben -Holocaustverniedlichung wird man seriöser Weise hoffentlich Anderen als Uns vorwerfen- oder?!

    • 29. März 2010 17:19

      Genau micha, Vorturnervater Prof. Sinn ist nur ein Beispiel dafür und es gibt sicher noch viel extremere, die in der Öffentlichkeit nicht so in Erscheinung treten. Durch solche nationalliberale ExtremistInnen werden Teile der Bevölkerung zu noch extremeren Einstellungen motiviert. Wer aufmerksam dem „Volk“ am Maul lauscht, kann sehr extreme Meinungen hören, z. B. vernahm ich mal, wie eine hasserfüllte Frau „meinte“, dass die „Ossis alle (!) erschossen gehören“ weil sie alle faule SchmarotzInnen seien, die die alles erarbeitenden „Wessis“ aussaugen, nur um ein Beispiel zu benennen.
      Warum ich dieses Bild auswählte, ich finde es natürlich völlig übertrieben, ist, dass einige Nationalliberale auf dem besten Wege sind, sich dem nationalsozialistischen Erbe anzunähern. Um dies auch wieder zu entschärfen, schrieb ich extra darunter, dass dieser „Vorschlag“ sich eben nicht (!) durchsetzen konnte. Die anderen Fotos der Plakate finde ich nämlich viel zutreffender auf die heutige Consumo-ergo-sum- und Dienstleistungsgesellschaft in der BRD.
      Schön zu sehen, dass sich aber trotzdem immer wieder irgenwelche Linken wie r. in dieses Fettnäpfchen hineinstürzen, um ein Wellnessbad darin zu nehmen und sich danach wieder einmal mehr moralideologisch gestählt fühlen, aber das Laubblatt auf ihrem Schulterblatt nicht bemerken und dann kommt es eben immer wieder zu der allgemein bekannten „Panne“.
      Lesen ist eben durch Nichts zu ersetzen.

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