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Auszug: Die jüdische Frage wird endgültig nur mit der sozialen Frage gelöst werden können

17. Dezember 2009

Alexander Schapiro (Mitglied des ersten IAA-Sekretariats 1922)

Die jüdische Frage wird endgültig nur mit der sozialen Frage gelöst werden können

Ein gemeinsames Band zwischen den kapitalistischen und den proletarischen Juden suchen heißt, ein reaktionäres und verbrecherisches Werk betreiben, heißt gegen die eigene Befreiung kämpfen. Seinen eigenen Staat haben, seine eigene Polizei haben, seinen eigenen Gefängnisse haben, heißt nicht begriffen haben, was notwendig ist – nämlich sich von den bestehenden Staaten, den bestehenden Polizeien, den bestehenden Gefängnissen zu befreien. Das soziale Problem – und das ist das einzige, das zählt – kennt keine Religion, keine Nation, keine Rasse, keine Farbe. Der Neger (Anm.: Der Gebrauch des Wortes „Neger“ musste in Schapiros Zeit um 1930 keine Abwertung von Schwarzen bedeuten – viele damalige „Antirassisten“ benutzten ihn) in den Vereinigten Staaten wird für seine Befreiung zu kämpfen versuchen müssen, ohne vorher seinen Negerstaat zu gründen. Die Weißen der Vereinigten Staaten – und von überall anders her – werden mit ihm kämpfen müssen.

Die Juden werden kämpfen müssen, wo sie sich gerade befinden – in Palästina, in Rumänien, in Polen und überall – für ihre Befreiung, ohne dass sie vorher einen jüdischen Staat zu gründen hätten, der sie auf hebräisch unterdrückt. Die Nichtjuden von überall werden ihnen zu Hilfe kommen müssen, denn es handelt sich um die rasche Befreiung aller derer, die nicht frei sind und für die die Menschen aller Rassen und Farben ihr Bestes werden geben müssen,  um das Kommen einer Gesellschaft vorzubereiten, wo der Staat nur noch ein Alpdruck aus der Vergangenheit sein wird.

Die jüdische Frage wird endgültig nur mit der sozialen Frage gelöst werden können.

Alexander Schapiro, in: „Die Internationale“ (1930), erschienen auch in der Direkten Aktion, Nr. 73, S. 11-15.

Wer war Alexander (Sanya) Schapiro?

Der deutschsprachigen Anarchopedia entnehmen wir die folgenden Informationen:

Alexander (Sanya) Schapiro [auch als Shapiro, A.(M.) und Sapiro, A.M. geschrieben] (geb. 1883 in Rostov am Don gest. 05.12.1946 in New York), jüdisch-russischer Anarcho-Syndikalist.

Der Vater war ebenfalls Anarchist. Alexander Schapiro lebte von 1901 bis zum I.Weltkieg in London und war Aktivist in der anarchistischen Bewegung, u.a. in Lokalen Gewerkschaften gegen die Ausbeutungsbedingungen in den ‚Sweatshops‘. Zu dieser Zeit hatte er u.a. Kontakt zu so Prominenten Persönlichkeiten wie Errico Malatesta, Rudolf Rocker und Peter Kropotkin dessen Sekretär er zeitweise war. Er war ein wirklicher Internationalist, seine umfangreichen Sprachkentnisse erleichterten ihm dies, er sprach: russisch, bulgarisch, türkisch, spanisch, englisch, französisch, deutsch und jiddisch. U.a. war er Zusammen mit R. Rocker Vertreter der jüdisch-anarchistischen Föderation Londons auf dem Anarchisten Kongreß 1907 in Amsterdam. Im I.Weltkrieg wurde er in England u.a. mit Rudolf Rocker als „feidlicher Ausländer“ interniert.

Nach der Februar Revolution 1917 war er in Russland Mitglied der anarcho-syndikalistischen Gruppe „Golos Truda“, als Redakteuer redigierte er die gleichnamige Wochen- und später Tageszeitung. 1921 verließ er Russland auf Grund des Terrors der Bolschewiki und ihrer Geheimpolizei Tscheka, zusammen mit Emma Goldman und Alexander Berkman.

Seit Oktober 1922 in Deutschland, dort wurde er Mitglied der FAUD und auf dem Gründungskongress der anarchosyndikalistischen Internationale IAA, zusammen mit Augustin Souchy und Rudolf Rocker deren Sekretär. In der Folge war er dort aktiv und übersetzte und schrieb Artikel in dem Theorieorgan „Die Internationale“, herausgegeben von der Internationale ArbeiterInnen-Assoziation bzw. FAUD und der Wochenzeitung der FAUD „Der Syndikalist“. Nach der Flucht aus Deutschland war er u.a. mit Augustin Souchy und Arthur Lehning im revolutionären Spanien, dort wandte er sich gegen den Kurs der CNT nach 1936. (Arthur Lehning sah übriegens in Schapiro zeitlebens seinen politischen Lehrmeister). In Frankreich war Aleander Schapiro zusammen mit Pierre Besnard Herausgeber des anarcho-syndikalistischen Journal „La Voix du Travail“ in Paris. 1941 gelangte er in die USA, wo er in New York die Schrift „New Trends“ bis zu seinem Tod herausgab. Seine Gefährtin, die Anarchistin Fanny Schapiro verstab kurze Zeit später, ebenfalls 1946.

Quelle: Anarchopedia

6 Kommentare leave one →
  1. ich permalink
    17. Dezember 2009 18:27

    es ist zu bedenken: von wann ist der Text? Wie war damals die situation auf der Welt? Wie ist sie heute? Ist in der zwischenzeit vielleicht was passiert? Vielleicht sogar verschiedene dinge?

    Nicht, dass die Position aus dem Text nicht richtig war, und in ihrer Grundannahme immernoch einen richigen Kern hat. Aber gegen wen soll das nun, Heute, ins Feld geführt werden? Oder sollte hier einfach mal ein Zeitdokument der Öffentlichkeit präsentiert werden?

    MfG

    • Folkert permalink
      17. Dezember 2009 22:18

      @ ich

      Eine ähnliche Argumentation gab es 1989, als wir als DA-Redaktion diesen Beitrag veröffentlicht haben. „Nach Auschwitz“ ist die Welt eher eine Scheibe und richtige Fragen und Aussagen müssen „relativiert“ werden. Die bösartige Gegenfrage könnte auch lauten: was wäre ohne Auschwitz eigentlich passiert?
      Dann gäb’s wohl keinen jüdischen Staat, der wegen seiner „Identität“ (ein ganz böses Unwort der Antideutschen zur Diffamierung von „Arbeiter/innen“ oder anderen Bekenntnissen; reaktionär= Herrschaft, Holloway!) durch eine tote Sprache (Hebräisch) reanimieren mußte. Keiner würde eine neue „deutsche Ideologie“ zusammenzuschustern (hey, Gaston Kirsche, so heißt doch deine DEMONTAGE-Restetruppe, die BrrrICIOLAGE), weil es überflüssig wäre. Also brauchte „Israel“ die Nazis und die Stalinisten. Aber denken gefährdet eben die Gesundheit. Die Alternative der vom britischen Imperialismus benutzten Zionisten lautete übrigens: Sanisbar, wunderbar, deutsche Kolonie oder so.

      Und nochwas: hier hat m.E. kein/e irgendjemand die Dissolotion von Israel gefordert.

      Sollten allerdings in Europa oder hier in BrrrD Flüchtlinge in Sammellager (wie jetzt im Süden Israels) gesteckt und zur Zwangsarbeit gezwungen werden, na, dann wäre hier aber der antiteutonische Derwisch los.

  2. Anarchosyndikalist permalink
    18. Dezember 2009 12:57

    Danke für den sehr interessanten Artikel, ist auch passend zu der Antideutschtümelei-Diskussion. Das ist genau das was ich meinte mit:
    Kein Gott. Kein Staat.
    Punkt.

  3. Bonaventura permalink
    29. März 2010 20:39

    Ich bin gerade über einen hochinteressanten und aktuellen Artikel gestolpert, der sich mit der Allianz der millenaristischen Christen mit den ‚biblischen‘ Zionisten auseinandersetzt. Leider nur auf Englisch, aber er hat es in sich.
    Disenchanting Zionism. By Rachel Tabachnick; in: ZEEK. A Jewish Journal of Thought and Culture

    http://zeek.forward.com/articles/116554/

  4. 10. Dezember 2010 18:37

    ……. „Ich bin froh heutzutage weinen zu können, denn ich bin ein Mensch.“ ……….

    Geheimsache Ghettofilm (ca. 1,5 h)
    http://www.youtube.com/user/syndikalismusTV#grid/user/D6BBE15A90230548

    Wieso die Programmdirektor~innen nach einem solchen Film einen Sexfilm ausstrahlen konnten/wollten, erklärt sich nur aus dem selben Umstand, warum heutzutage „Ghettofotos bei ebay“ verscherbelt werden (siehe Kurzfilm danach)

  5. 10. Dezember 2010 22:10

    Hightech-Nazijäger
    http://www.youtube.com/user/syndikalismusTV#grid/user/2A422B20BBEDEB8B

    WICHTIGER HINWEIS — Teil 4 und 5 wurden im Titel verwechselt (vom selben Hochlader!) sind aber richtig —- die am Ende des Films erwähnte Colonia Dignidad wurde von Franz Josef Strauß geschützt und besucht (Villa Baviera / bayerisches Dorf) — GOOGLEN !!!!!!

    Wie kommen eigentlich die Antideutschen Vollpfosten damit klar, dass ihre geliebte USA die Holocaustmörder~innen nicht nur schützten sondern sogar hofiert wurden? Armes Israel! Schönen Gruß an die antideutsche FAU Hamburg.

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