Neuerscheinung: Philippe Kellermann – Marxistische Geschichtslosigkeit
Soeben ist ein Buch erschienen, das sich kritisch und fundiert mit der Nicht-Beachtung des Anarchismus durch die aktuelle marxistische Bewegung auseinandersetzt. In der Beschreibung dazu heißt es:
Von Verdrängung, Unwissenheit und Denunziation: Die (Nicht-)Rezeption des Anarchismus im zeitgenössischen Marxismus.
In vier großangelegten Aufsätzen diskutiert Philippe Kellermann marxistische Arbeiten der Gegenwart auf ihr Verhältnis zum Anarchismus und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Ob kritisch oder orthodox, im Marxismus tut man sich nach wie vor schwer mit dem Ernst nehmen einer Bewegung und Idee, die sich von Anfang an als Widerpart des „autoritären Sozialismus“ verstand und dessen Resultate noch heute die Menschen zu recht eher verängstigen, als dass sie uns zum Träumen und Kämpfen ermuntern. Neben der Kritik an gegenwärtigen marxistischen Diskursen ist es die anarchistische Bewegung selbst, ihre ProtagonistInnen, Ideen und ihre Geschichte, welche in Umrissen skizziert und dargestellt wird, so dass in Ansätzen deutlich gemacht wird: Die sozialistische Bewegung war stets mehr, breiter und vielfältiger, als es das gängige Bild vermittelte. Es gibt vieles zu entdecken …
Das Buch erschien beim Verlag Edition AV
Philippe Kellermann - Marxistische Geschichtslosigkeit
ISBN 978-3-86841-060-0
390 Seiten
19,50 €
Zu beziehen ist es u.a. über den Black Mosquito Mailorder















Inhaltsverzeichnis (leider vom Verlag nicht auf der Website gestellt)
Vorwort (Seite 9 ff)
„Basiswissen“ ohne Basis. Eintönige Geschichtsschreibung „von oben“: Georg Fülberts Einführungsband zum Thema Sozialismus (Seite 15 ff)
Vom „Abbau des Staates“ bis „Bisweilen historisch unbedarft“. Historisch-Kritische Anmerkungen zu einem marxistischen Wörterbuch (Seite 107 ff.)
Pluralistische Marxozentrik. Die PROKLA und der „Sozialismus“ (Seite 149 ff)
Die Ignoranz des Parteisoldaten. Über Domencio Losurdos Geschichte des allgemeinen Wahlrechts (Seite 323 ff)
Literatur (Seite 367 ff)
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Voran gestellt ist dem Vorwort ein Zitat von Lucio Urtubia: “Es ist unsere Geschichte, es geht um die Wiedererlangung der Erinnerung.” Philippe Kellermann versucht aus der leidvollen Erfahrung der Anarchisten mit dem Marxismus, den heutigen Marxismus (“und Marx”) auf seinen emanzipatorischen Gehalt vorallem mit konkurierenden Sozialismusvorstellungen, hier des Anarchismus zu untersuchen. Und stellt eine weitestgehende Verdrängung, Unwissenheit, Denunziation und Nicht-Rezeption im zeitgenössischen Marxismus fest. Kellermann belegt sein ernüchterndes Urteil sehr sorgfältig und im Detail, anhand der vier im Inhaltsverzeichnis aufgeführten Schriften wichtiger heutiger marxistischer Autoren. Zum Glück ohne den Marxismus zu verteufeln und in einen vulgären Antimarxismus zu verfallen. Der Autor wendet sich entschieden gegen eine selbstgenügsame und selbstgewälte Isolierung. (Für die Zukunft wäre eine kritische Auseinandersetzung mit dem Anarchismus von Philippe Kellermann eine wahrscheinlich sehr lohnende Arbeit, ich hoffe er kann sie eines Tages umsetzen). Die durchgängig, penibel (bzw. wissenschaftlich) ausgewiesenen Quellenangaben, erlauben es der Leserin und dem Leser, die Ausführungen zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen. An dem Fazit des Autors über den heutigen Marxismus und Marx, wie er im Untertitel des Buches zum Ausdruck kommt, kann es nach meiner Ansicht leider keinen Zweifel geben. Es ist ein weitverbreitetes Problem, daß die “Identität” und das Dogma das denken und lernen ersetzt, die autoritären Marxisten machen da leider keine Ausnahme, nicht in der Vergangenheit und leider auch nicht in der Gegenwart!
Leute dieses Buch ist eine lohnende Investition für das Selbstbewußtsein von freiheitlichen Sozialisten, Anarchisten (und hoffentlich) selbstdenkenden Marxisten.
Danke für die weiteren Informationen zum Buch. Ich ärgere mich auch immer wieder über die schlechte Webpräsenz der Edition AV. Das der wohl aktivste anarchistische Verlag eine so lausige Präsentation hat ist sehr dumm. Keine Onlinebestellmöglichkeit. fehlerhafte interne Links und leider auch viele Schreibfehler. Das ganze könnte frau wirklich ansprechender Gestalten.
Das Titelbild ist arg rückständig.