Interview mit einem ägyptischen Anarchisten
Ein Genosse vom Kurdischen Anarchistischen Forum in Deutschland konnte einen Genossen von der anarchistischen Gruppe Black Flag in Ägypten erreichen. Untenstehend ein Interview mit ihm, nachdem der E-Mail-Kontakt am Mittwoch, den 2. Februar 2011 wieder aufgenommen wurde.
1) Wie heißt du und aus welcher Bewegung kommst du?
Ich heiße Nidal Tahrir von Black Flag, einer kleinen Gruppe von Anarcho-Kommunisten in Ägypten. [AdÜ: da 'Tahrir' Befreiung heißt, offenbar ein Pseudonym)
2) Die Welt schaut auf Ägypten und es gibt sogar Solidarität. Da jedoch das Internet abgestellt wurde, war es schwierig, Informationen zu finden. Kannst du mir sagen, was in der letzten Woche in Ägypten passiert ist? Wie sehen die Ereignisse aus deiner Perspektive aus?
Die Situation in Ägypten ist jetzt äußerst wichtig. Es begann mit einem Aufruf zu einem Tag der Wut gegen das Mubarak-Regime am 25. Januar. Keiner hat so einen Aufruf von einer locker zusammenarbeitenden Gruppe erwartet, von einer Facebook-Seite mit dem Namen "Wir sind alle Khalid Said", die nicht wirklich organisiert ist. Khalid Said war ein ägyptischer Jugendlicher, der von Mubaraks Polizei im letzten Sommer in Alexandria getötet wurde. An dem Dienstag find alles an, dieser Funken brachte ein ganzes Feuer in Gang. Am Dienstag gab es Demonstrationen auf den Straßen jeder ägyptischen Stadt, am Mittwoch begann das Massaker. Zuerst sollten die Sit-Ins auf dem Tahrir-Platz am späten Dienstag abend beendet werden und hielt am folgenden Tag an, insbesondere in der Stadt Suez. Suez hat für die Ägypter einen besonderen Stellenwert, da es 1956 und 1967das Zentrum des Widerstands gegen die Zionisten war. Im selben Bezirk, der damals im Ägyptisch-Israelischen Krieg die Truppen von Sharon zurückschlug, hat Mubaraks Polizei ein Massaker begangen, mit mindestens vier Toten und 100 Verletzten, mit Gasbomben, Gummigeschossen, scharfen Waffen, und einer merkwürdigen gelben Substanz, die über die Menschen geworfen wurde (vielleicht Senfgas).
Freitag wurde Jumu'ah der Wut genannt. Jumu'ah heißt Freitag auf arabisch, das ist das Wochenende in Ägypten und in vielen islamischen Ländern, das ist der heilige Tag im Islam, weil viele Gebete stattfinden. Es war geplant, daß die Demonstranten nach dem Nachmittagsgebet losgehen. Die Polizei versuchte, dies mit all ihrer Macht und Gewalt zu verhindern. Es gab viele Zusammenstöße in Kairo (in der Innenstadt und in Mattareyah östlich von Kairo) sowie überall in Ägypten, insbesondere in Suez, Alexandria, Mahallah (eine Stadt im Nildelta, eines der Zentren der ArbeiterInnenklasse). Vom Mittag bis zum Sonnenuntergang demonstrierten die Menschen in der Kairoer Innenstadt und es gab ein Sit-In am Tahrir[-Platz], das bis zum Rücktritt des Mubarak-Regimes gehen sollte; es wurde eine Parole gerufen: “Die Bevölkerung verlangt den Rücktritt des Regimes”.
Um den Sonnenuntergang herum, also 17 Uhr Ortszeit, rief Mubarak eine Ausgangssperre aus und brachte die Armee in die ägyptischen Städte. Nach der Ausgangssperre gab es einen von der Polizei inszenierten Massenausbruch, bei dem Kriminelle und Gangster, die sogenanten Baltagayyah, und die Polizei wollte, daß diese aus vielen ägyptischen Gefängnissen entkommenen Kriminellen die ägyptische Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen sollte. Da keine Polizei vor Ort war, konnten die Einheiten der Armee die Straßen nicht kontrollieren. Die Leute hatten Angst und danach explodierte die Nachrichtenlage auf den ägyptischen Fernseh- und Radiosendern und in den Zeitungen, über Plünderer in vielen Städten, über Diebe, die auf Menschen schießen. Die Leute haben “Volkskomitees” gebildet, um jede Straße zu sichern. Das Regime war natürlich zufrieden, daß die Bevölkerung wegen der Instabilität im Land verängstigt war, dies war aber auch ein Ausgangspunkt für uns, von dem aus wir ArbeiterInnenräte in Gang bringen konnten.
3) Am Mittwoch gab es ja Zusammenstöße zwischen Pro- und Anti-Mubarak eingestellten Menschen. Ist das so korrekt beschrieben? Wer sind diese “Mubarak-Anhänger”? Wie wirken sich diese Auseinandersetzungen auf die Haltung der durchschnittlichen ArbeiterInnen in Ägypten aus?
Es ist völlig falsch, dies als Auseinandersetzungen zwischen anti- und pro-Mubarak zu beschreiben. Die Demonstration pro Mubarak bestand aus vielen Baltagayyah und Geheimdienstmitarbeitern, die die Demonstranten auf dem Tahrir[-Platz] angriffen. Das ging erst nach Mubaraks gestriger Rede los, nach der Rede von Obama. Ich persönlich meine, daß Mubarak sich vorkommt wie der geschlachtete Ochse und versucht jetzt, noch ein bißchen Blut zu verspritzen. Der kommt sich vor wie Nero und möchte vor seinem Rücktritt Ägypten brennen sehen, damit die Leute glauben, er sei ein Synonym für Stabilität, Sicherheit und Gefahrlosigkeit. Er hat auf diese Weise auch einen gewissen Erfolg gehabt. Die heilige nationale Allianz wurde jetzt gegen die ‘Tahrirer’ (die Protestierenden auf dem Tahrir) gebildet, und die Gemeinschaft des Tahrir.
Viele Menschen, insbesondere aus der Mittelklasse meinen jetzt, daß die Demonstrationen aufhören müssen, weil Ägypten gebrannt hat, weil der Hunger anfängt, und das stimmt überhaupt nicht. Das ist reine Übertreibung. Jede Revolution hat ihre Probleme und Mubarak nutzt Angst und Terror, um im Sessel zu bleiben. Persönlich meine ich, selbst wenn die Protestierenden für diese Lage verantwortlich wären, selbst dann muß Mubarak weg, er muß abhauen, wegen seiner Unfähigkeit, mit der Situation jetzt umzugehen.
4) Was vermutest du wird in der nächsten Woche passieren? Inwieweit beeinflußt die Haltung der US-Regierung die Situation bei euch?
Keiner kann sagen, was morgen oder nächste Woche geschieht. Mubarak ist ein sturer Idiot und in den ägyptischen Medien läuft die größte Kampagne in ihrer Geschichte, um die Proteste am Freitag, den 4.2. aufzuhalten. Es gibt Aufrufe für einen weiteren Marsch der Millionen zum Tahrir-Platz, unter dem Motto “Freitag der Rettung”. Die Haltung der US-Regierung wirkt sich auf uns mehr aus als auf die Demonstrationen. Mubarak ist ein Verräter, der eher die gesamte Bevölkerung ermorden läßt, als seinen Herren und Meistern etwas zu verweigern.
5) Wie haben sich die auf Klassenkampf orientierten AnarchistInnen beteiligt? Wer sind ihre Verbündeten (hier mußt du natürlich auf die Sicherheit bedacht sein)
In Ägypten ist der Anarchismus keine breite Bewegung. Man findet einige Anarchisten, aber noch keine breite Bewegung. Die Anarchisten in Ägypten haben sich an den Protesten beteiligt und an den Volkskomitees, die die Straßen gegen die Gangster verteidigen. Die ägyptischen Anarchisten setzen einige Hoffnung in diese Räte. Die Verbündeten der ägyptischen Anarchisten sind natürlich die Marxisten, wir sind im Augenblick nicht in einer ideologischen Debatte. Die gesamte Linke ruft zur Einheit auf, argumentieren können wir später. Die ägyptischen Anarchisten sind Teil der ägyptischen Linken.
6) Welche Formen der Solidarität können zwischen den Revolutionären in Ägypten und denen im “Westen” aufgebaut werden? Was kann sofort getan werden und was langfristig?
Das schwierigste Hindernis, mit dem die ägyptischen Revolutionäre konfrontiert sind, ist die Abschaltung der Kommunikation. Westliche Revolutionäre müssen auf ihre Regierungen Druck ausüben, daß ägyptische Regime davon abzubringen. Das wäre es für jetzt, aber niemand kann sagen, was langfristig passieren wird. Wenn die Revolution gewinnt, müssen die westlichen Revolutionäre Solidarität mit ihren ägyptischen Genossen gegen eine erwartete Repression durch die USA und Israel aufbauen. Wenn die Revolution besiegt wird, erwartet alle ägyptischen Revolutionäre ein Massaker.
7) Was sind die hauptsächlichen Aufgaben, wenn Mubarak das Land verläßt? Gibt es da Planungen auf der Straße? Was schlagen die antikapitalistischen Revolutionäre vor?
Soweit es die Forderungen der Straße anbelangt, ist jetzt die Hauptaufgabe eine neue Verfassung und eine provisorische Regierung und dann Neuwahlen. Es gibt viele Pläne von vielen politischen Strömungen hier zu diesen Themen, insbesondere von der Muslim-Bruderschaft. Die antikapitalistischen Revolutionäre sind in Kairo nicht sehr stark vertreten – die Kommunisten, die demokratische Linke und die Trotzkisten fordern auch eine neue Verfassung und Neuwahlen. Aber als Anarchisten sind wir antikapitalistisch und auch gegen den Staat – wir werden versuchen, die Komitees zu stärken, die sich gebildet haben, um die Straßen zu sichern und zu schützen, und möchten versuchen, die in richtige Räte umzuwandeln.
8) Was möchtest du den Revolutionären im Ausland mitteilen?
Liebe Genossen, überall in der Welt, wir brauchen solidarität, eine große Solidaritätskampagne, dann wird die ägyptische Revolution gewinnen.
Quelle: FdA-IFA
















heute Solidemo in Tel Aviv: http://www.wac-maan.org.il/en/article__186
Eigenartig, wie der Genosse Tahrir die Muslim-Bruderschaft quasi verharmlosend erwähnt. Deren Herrschaft wäre vermutlich um keinen Deut besser als die Mubaraks. Da brauchen wir nur auf Gaza verweisen, wo ihre Filiale, die Hamas, ein Schreckensregiment errichtet hat. Das kommt davon, dass man Israel und die USA als Hauptfeinde begreift, nicht sehend, dass zumindest derzeit aus den USA der offenbar notwendige Druck von außen auf das Mubarak-Regime kommt, auf Gewalt zu verzichten. Er bezieht sich auch ganz stolz auf die anti-israelischen Aktionen in Suez, außer Acht lassend, dass es Ägypten war, das das junge Israel mehrere Male mit Krieg überzog. Mubarak selbst hat zwar Sadats Friedensvertrag mit Israel eingehalten, aber trotzdem gerne die antizionistische Karte gespielt. Er war und ist keineswegs ein Freund Israels. Das sollten die GenossInnen in Ägypten berücksichtigen, um nicht in falsche Frontstellungen zu geraten. Trotzdem von hier aus viel Glück bei der Verteidigung der Revolution….
Inzwischen schimpft Mubarak auf Merkel, weil die ihm ein Exil in einer deutschen Klinik nahegelegt hat. Ich denke, es wäre besser, er faulenzte in unseren Landen, als dass er noch mehr Unheil in Kairo anrichtet.
Danke für den Hinweis, aber dass mit der Muslim-Bruderschaft nicht gut Tollkirschenessen ist, war uns durchaus bekannt.
Eigenartig ist eher Dein Linkverweis auf dieser “SDS”-Seite, ist aber viel aufschlußreicher, zeigt es doch, dass Deine “Geisteshaltung” zu illustren Figuren der rechtskonservativen und rechtsradikalen Szene tendiert.
Auf dieser offensichtlichen Querfrontseite liest man dann folgendes:
Thilo Sarrazin Schreibt über den Islam: „Bei keiner anderen Religion ist der Übergang zu Gewalt und Terrorismus so fließend“ (Bild, 26.8.10).
Kommentar [von den "SDS"-Seitenbetreibern]:
Hat nicht der Papst, nur etwas vornehmer, ähnliches in seiner Regensburger Rede bereits ausgedrückt?
Darunter gleich
Multikulti? Nicht für meine Kinder!
Zitty berichtet aus Neukölln, Kreuzberg oder Moabit
DANN noch direkte Links zu Artikeln des Ex-SDS-Führer und heutigen Neonazi Bernd Rabehl (interessant wird es bei anderen Themen auf diesem Naziblog):
Bernd Rabehl: Zum 70. Geburtstag von Dieter Kunzelmann. Heute lebt er äußerst zurückgezogen in seiner Heimatstadt Bamberg. Am 14. Juli wird Kunzelmann 70 Jahre alt. Inzwischen sollte er an seinen frühen Leistungen gemessen werden. (Anschläge, 14. JULI 2009)
Bernd Rabehl: Ping-Pong mit dem Teufel. Verändern können habe er nichts. Der Knast habe seinen Lebensplan zerstört. Ich blickte ihn erstaunt an. Sein Lächeln überzeugte mich. Wir waren beide Verlierer. Wir bereuten nichts. (Anschläge, 8. JULI 2010)
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http://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_Rabehl
Interessante Zitate von dem rotbraunen Bastard
Querfront NEIN DANKE
Lieber Anachosyndikalist. Deine Reaktion auf meinen Kommentar scheint mir darauf zurückzuführen sein, dass ich irgendwie einen wunden Punkt bei dir getroffen habe. Warum wohl sonst hättest du in der von mir angegebenen Website (isioma.net) rumgewühlt, um mir einige dort enthalten Links um die Ohren zu hauen und gar daraus zu schlussfolgern, dass es sich dabei um einen “Naziblog” handele.
Zunächst also: Was gefiel dir nicht an meinem Kommentar?
Zweitens: Aus ein paar Links auf meine “Geisteshaltung” zu schlussfolgern, finde ich reichlich kühn. Du hättest genauso gut Links zu Al Kaida Texten auswählen können. Dann stünde ich da als Anhänger Osama bin Ladens. Oder Links zu RAF-Texten usw…
Drittens: Sarrazins Buch habe ich absichtlich nicht gelesen, weil ich den Typ noch nie leiden konnte. Schon als Berlins Finanzsenator fand ich den Kerl unmöglich.
Viertens: Multikulti in Berlin-Neukölln. Ich bin selbst überzeugter Neuköllner, dort geboren und aufgewachsen und habe dort mein Zuhause. Zwischendurch habe ich im Kreuzberger Kiez zwei Jahrzehnte verbracht. Dabei blieb es nicht aus, dass ich viele türkische und arabische Freunde gefunden habe. Ich meine deshalb also, einen Artikel wie den in der Zitty beurteilen zu können. Was gefällt dir nicht an diesem Artikel? Darüber schweigst du dich leider aus.
Fünftens: Alt-SDSler. Die von mir angegebene Website versteht sich als Organ der ehemaligen SDSler. Es will zur Geschichte dieser Organisation beitragen und aufzeigen, was aus den Ehemaligen geworden ist. Auf dieser Plattform wurde in scharfer Form das Abdriften einiger ehemaligen Genossen wie Mahler und Rabehl kritisiert, noch bevor irgend jemand sonst darauf eingegangen war. Mahler sitzt nun im Knast und Rabehl spielte mit Fritz Teufel Pingpong, bis dieser elendig an Parkinson gestorben ist. Macht das gemeinsame Spiel mit einem Nationalbolschewisten Teufel auch zu einem solchen? Die beiden von dir inkriminierten Rabehl-Texte zu Kunzelmann und Teufel finde ich informativ. Sie enthalten nach meinem Befinden auch keine rechte Propaganda oder sehe ich das falsch? Bitte zeige mir Nazi-Inhalte in diesen Texten.
Summa summarum: Ich finde deinen Beitrag völlig daneben und sind mit libertären Überzeugungen nicht vereinbar. Auf der isioma-website kannst du übrigens einen Link zu Texten von Nestor Makhno finden. Lies bitte Makhnos Auseinandersetzung mit einigen seiner Kritiker, die ihm Antisemitismus vorwarfen. Das war alles gelogen, denn das Gegenteil war richtig. Er hat Antisemiten aus seiner Truppe ausgeschlossen, bestraft, und einige sogar exekutieren lassen. Er befand sich ja auf Lenins Befehl mitten im Krieg gegen die von Trotzki geleiteten Truppen….
wenn man die Muslimbruderschaft mit Hamas auf eine Stufe stellt, muss man sich entweder kenntnisfrei/ ignorant geben, oder es ist absichtliche Panikmache-so scheisse ich Islam,d.H. Religion überhaupt und Islamismus sowieso auch finden mag! – da sie nicht die Mehrheit haben, hängen sie sich an den “Demokratisierungsprozess” dran und sind nur durch Westpresse und die sonst nicht so vorhandene Bereitschaft, mit dem alten Regime verhandelt zu haben, mehr in Fokus als ihrer realen Rolle gerecht wird.
Die in Ägypten revoltierenden Kräfte bestehen in der Hauptsache aus überhaupt nicht islamistischen jungen Menschen, die allerdings erst mal ihre Illusion in westliche Demokratiebegriffe verlieren müssen, aus immer nmehr auch ganz armen Leuiten aus dem ganzen Land, aus Großstädtern, die nicht den Ansatz religiöser Äusserungen hergeben, ja undsogar aus der Kooperation sogar von betenden Muslimen und Christen, die gegenseitig ihre Symbole ehren und auch nicht über Atheisten herfallen!
von diesen Bildern können alle Ideologiepäpste dieser Welt noch was lernen!
und- das haben dies Menschen im Kapf gegen ne ziemlich krasse Staatsmacht gelernt!
apropos
– die Muslimbruderschaft kann bei der Landbevölkerung auf bestenfalls 30 % Rückhalt rechnen, in den Städten weht ein ganz anderer, nicht so religiöser Wind- wohin das führt, da bin ich zum Glück zu wenig “Prophet” und welche Kräfte wir da unterstützen, ist ebenfalls klar- die nach Freiheit schreienden, sich in Stadteilkommitees organisierenden Menschen, die immer stärker streikenden Arbeiter – die Camper und Demonstrierenden, die mehr Freiheitswillen als Angst bewiesen haben und sich schon sehr tiefgehende Gedanken gemacht haben, wie Freiheit überhaupt für sie aussieht!
Micha, was meinst du mit “auf eine Stufe stellt”? Wikipedia informiert:
“Die Hamas wurde 1986 während eines geheimen Treffens in Hebron südlich von Betlehem als palästinensischer Arm der Muslimbruderschaft gegründet.”
Das ist es auch, was den Israelis Sorgen bereitet und für ihr kontraproduktives Verhalten gegenüber Mubarak verantwortlich zu machen ist. Keine guten Aussichten für die Zukunft also, was Israels Beziehungen zur ägyptischen Revolution angeht.
@ eric: lies mal die neuesten stellungnahmen, auch der amis, dass in dem gesamten aufstand und seit einigen jahren die ägyptische muslimbruderschaft eher eine säkuläre vereinigung ist, die in der jetzigen auseinandersetzung jedenfalls keinen islamischen staat anstrebt. wie auch- sie spielen nicht die große rolle in ägypten, die von der westpresse, den ami-kriegern und auch israel herbeigeredet wird.
die muslimbruderschaft in ägypten scheint danach jedenfalls kreide gefressen zu haben -
so lange wir Menschen irgendwelchen Mächten die Welt überlassen, bleibt der Planet sowieso lebensgefährlich. Die Millionen, die bis heute in Ägypten ihre Angst gegen Courage eingetauscht haben, haben uns jedenfalls gezeigt, daß das anders gehen kann!
@Micha. Danke für die Klarstellung. In einem Punkt, glaube ich wenigstens, hast du Recht. Die Brüderschaft ändert ständig ihr Vorgehen, ist also irgendwie pragmatisch, aber ich teile nicht deine Ansicht, sie wäre nun eine eher “säkulare Vereinigung”. Meines Erachtens hat sie längst nicht genug “Kreide gefressen”, zumindest, wenn man einem Bericht der BBC Glauben schenken darf. Leider stehen mir z.Zt. noch keine libertären ägyptischen Quellen zu diese Frage zur Verfügung. Deshalb hier nur die Meldung der BBC:
“Critics pointed to a draft political platform published by the group in 2007, which called for a council of religious scholars to be set up to approve all laws passed by Egypt’s civilian institutions. The platform also stated that Christians or women could not become president or prime minister. Moderates within the Ikhwan openly disagreed with the manifesto at the time, saying they wanted only an Islamic frame of reference for legislation, while conservatives noted that Article 2 of the constitution stated: “Islam is the religion of the state and the principles of the Islamic Sharia are the main source of legislation”. It is clear, however, that the Ikhwan’s leaders are deeply committed to increasing the role of Islam in Egyptian public life; that adhering more to Sharia has widespread popular appeal; and that many of the group’s supporters expect it to place Sharia at the centre of its political agenda.”
(Quelle: http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-12313405, 9.2.2011).
Abgesehen davon, dass die BBC hier betont, dass sogar die gegenwärtige Verfassung des angeblich säkularen Diktators sich auf die Scharia beruft, wird hier angedeutet, welchen Kurs die MB vermutlich einschlagen wird, wenn sie ihr nicht allzu altes Manifest von 2007 umsetzen will. Christen oder Frauen würden als führende Politiker nicht akzeptiert und die Scharia würde für sie im Mittelpunkt stehen. Ob sich die von der BBC erwähnte moderatere Minderheit in der MB inzwischen durchgesetzt hat, wissen wir nicht. Das können wir nur hoffen, damit deine Vorhersage auch wirklich eintrifft und sich nicht als verfrühte, zu rosige Prognose herausstellt. Die GenossInnen und DemokratInnen in Ägypten haben noch viel zu tun…
wohl wahr: “Die GenossInnen und DemokratInnen in Ägypten haben noch viel zu tun…” – vorbei is da gar nix – es fängt erst an.
meine Hoffnung ist, ich behielte darin Recht dass die MB nicht den Einfluss hat oder kriegt, den die US/EU/-Demokratoren da ständig herbeireden…
Klar muss die herrschende Klasse Israels die ägyptischen Revolution fürchten, könnte doch der revolutinäre Funke auch dort die ArbeiterInnen erfassen und dieses Faschoregime fortfegen, wird Zeit.
@ Eric
Es ist wohl eher so, dass ich Deinen wunden Punkt getroffen habe. Deine Reaktion erinnert mich an ein aufgeschrecktes Huhn, oder bessergesagt Gockel, denn warum liest Du nicht richtig? Ich habe den Blog von Rabehl als Naziblog bezeichnet, nicht diesen ominösen SDS-Blog, welcher für mich einen Querfrontcharakter hat und das ist nun doch noch mal was ganz anderes. Dein Vorwurf der Wühlarbeit gegen mich, erinnert mich arg an die Wortwahl der Nazis, die selbige den Juden und Jüdinnen vorwarfen. Kleines Zitat gefällig?
„Seit im dritten Reiche der Abwehrkampf der Deutschen Rasse gegen das jüdische Volk in strengen Gesetzen seine Gewähr gefunden, sehen wir daher mit Schrecken, daß es Millionen Deutsche gibt, die sich auch heute noch der trügerischen Hoffnung hingeben, der Jude sei nun überhaupt nicht mehr eine Weltgefahr. Indessen wühlt der Schlaue noch heute durch seine geheimen Kampfscharen im Volke und wühlt erst recht in all den Völkern, in denen er noch herrscht, gegen unser kraftvoll wiederauferstandenes Deutsches Reich.“
Was mir an deinem Kommentar nicht gefiel? Wenn Du abermals richtig gelesen hättest, wäre Dir mein erster Satz aufgefallen, in dem die Überflüssigkeit desselben zum Ausdruck kam. Danach bin ich auf die von Dir verlinke SDS-Seite eingegangen. Deine Aufgeregtheit legt es nahe, dass Du wohl mit zu den Betreiber~innen dieser Seite gehörst/gehören könntest.
Zu Zweitens:
Du als Anhänger Osama bin Ladens? Würde wohl schlechterdings möglich sein, wenn auf Eurer Seite so gegen den Islam gehetzt wird.
Wie Euer Verhältnis zu den Leninist~innen mit Knarre ist, ist mir zu mühselig, dass alles heraus zu „wühlen“. Die RAF war mir schon immer zu rechts.
http://www.anarchismus.at/txt3/raf1.htm
Mit dem Bolschewismus halte ich es wie Otto Rühle.
http://klassenkampf.uuuq.com/071.pdf
Zu Drittens:
Oha, mit voller Absicht hast Du den Bestseller von Sarrazin nicht gelesen, aber auf Eurer Seite sind mehrere Artikel (BILD, FAZ) wohlwollend aufgenommen worden, um gegen den Islam zu hetzen.
Zu Viertens:
Es ist ja ganz nett, dass Du aus Deiner Kindheit plauderst, aber das hebt nicht Deine Titelzeilenverlinkung zu der PI-NEWS-Seite auf — beim Klick auf den Zitty-Link kommt nur noch „Die von Ihnen angeforderte Seite konnte nicht gefunden werden.“ — dort wird die Geisteshaltung der PI-Gefolgschaft offenbar in den 149 Kommentaren (dieser Bereich wird 24 Stunden nach Erscheinen eines Artikels geschlossen). Diese stören Dich anscheinend nicht, da Du auch schon in Deinem ersten Kommentar deutlich gemacht hast, dass Du pro-israelische und Pro-USA-Positionen vertrittst, wie diese PI-Seite auch. Ich darf mal aus den Kommentaren zitieren:
„Migrantenbälger… Verlogenes, heuchlerisches LRG-Multi-Kultigesindel … orientalischer Abschaum … zwischen all diesem Dreck aufzuwachsen … 31 Kinder, 26x orientalischer Dreck, 5x deutsch … Der Bürgerkrieg rückt immer näher … wann fängt das Volk denn mal entlich an sich zu wehren gegen diese Zustände … die Deutschen haben ihr Recht als ethnische Volksgruppe zu existieren durch ihre immerwährende Schuld verwirkt … geht es bei PI auch nicht um “Ringelpitz mit Anfassen.” Fakten, fakten, fakten … Was genau unterscheidet die Türken jetzt noch von den Verbrechen der Nationalsozialisten? … unterstellt Thilo Sarrazin speziell Türken eine “Tradtion von Inzucht und Behinderungen” … 68er: Unter langen Haaren der Muff von 40 Jahren! … sind die ersten Anzeichen für einen bevorstehenden ethisches-religiösen “Bürger”Krieg in der BRD.“
Wieso wird auf diese rechtsradikale Scheiße auf SDS verlinkt??? Unkommentiert!!!
Da werben Junge Freiheit und andere Deutschtümler~innen, da wird über die Talibanisierung der Schweiz schwadroniert — geht’s noch naturblöder?
Was wäre wohl auf syndikalismus.tk los, wenn hier Artikel dieser Seite in dieser Form angepriesen würden?
Zu Fünftens:
Leider hat die SDS-Seite keine Suchfunktion, und ich habe wirklich besseres zu tun, als die ganze Seite zu „durchwühlen“, um diese zu finden.
Was den armen Teufel geritten hat — war es die Vereinsamung eines Todgeweihten ? —, sich mit diesem rotbraunen Bastard auf seine alten Tage noch einzulassen, entzieht sich meiner Kenntnis. Hat er wirklich nur „Mit einem Kichern kommentierte er das Gerücht, ich würde mich als Kandidat der „falschen Partei“ für das Amt des Bundespräsidenten aufstellen lassen.” Hat Teufel die NPD wirklich nur als „falsche“ Partei verharmlost? Hat Fritz etwa gemeint, dass Rabehl ein geeigneter Bundespräsident wäre, wenn er für eine andere Partei kandidieren würde? Stimmt das, was Rabehl schreibt? Fritz kann es nicht mehr richtig stellen, da Rabehl es wohl bewusst nach seinem Tod schrieb.
Es gibt wahrlich mehr als ausreichend Literatur von und über die 68er, als dass mensch auf Rabehl zurückgreifen müsste. Ich habe auch nicht behauptet, wenn Du abermals richtig gelesen hättest, dass in diesen beiden Texten Nazi-Inhalte enthalten wären, sondern sicher in anderen Texte auf der Rabehlseite. Ich würde noch nicht einmal auf ein Kochrezept von diesem Nazi verlinken, weil mensch von seinem Braunkohl-WeiSSe-Bohnen-Rotlinsen-Eintopf nur furchtbare Blähungen und heftigen Dünnschiss bekommt.
Zu Summa summarum:
Ich amüsiere mich immer köstlich über Leute, die einem oberlehrerhaft vorschreiben wollen, was die einzig wahren „libertären Überzeugungen“ zu sein haben.
Nestor — auch dies alles ist mir durchaus bekannt gewesen — würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, auf was für einer Querfrontseite er gelandet ist. Es gehört schließlich zur Querfrontrezeptur (von PI, über Rabehl und Schwarzer bis zu Machno), alles zu vermischen, zumal er wohl nur dazu dienen soll, Eure Proisraelposition zu garnieren. Glaubt Ihr wirklich, er würde solch eine Islamhasserseite unterstützen? Er würde Euch Antiislamist~innen wohl eher ebenso behandeln wie seinerzeit die Antisemit~innen, und das zu Recht!
Abschluss:
Auf der SDS-Seite ist noch ein bezeichnender FAZ-Artikel, von Alice Schwarzers Burkaverbotsforderung. Sie konstruiert da den Begriff der „Fremdenliebe“ als Kehrseite des Fremdenhasses. Die Kehrseite ist aber der Selbsthass. Dazu empfiehlt sich, mal Arno Gruen zu lesen „Der Verrat am Selbst“. Ein Burkaverbot ist völlig sinnlos, da es das Problem „Religion“ nicht löst, sondern lediglich verschleiert, als gäbe es eine „gute“ Religion, die gibt es ebenso wenig wie einen „guten“ Nationalismus. Schwarzer hatte einst massiv dafür geworben, dass Frauen nicht nur in der Bundeswehr als Soldatinnen marschieren dürfen, sondern auch als Generälinnen Kriege befehligen sollen, was den Militarismus lediglich noch mehr normalisiert.
Das Problem mit den Religionen kann nur durch deren Auflösung gelöst werden, nicht durch einseitige Diskriminierung und Ausgrenzung. Alle Religionen sind gleichermaßen schädlich für den menschlichen Geist. So wie auch alle Staaten aufgelöst werden müssen.
Kein Gott – Kein Staat !
@anarchosyndikalist. Zunächst einmal muss ich mich wohl dafür entschuldigen, eine falsche Wortwahl getroffen zu haben. Mir war das von Dir erwähnte Zitat leider nicht bekannt. Wenn man das allerdings auf die Goldwaage legt, wie ich das bei Dir empfinde, dann müssten wir wohl auf eine Kommunikation in deutscher Sprache völlig verzichten, da Deutsch nun mal von den Nazis exzessiv genutzt wurde. Hitler selbst hat ja ein ganzes Buch auf Deutsch zusammengefaselt, und leider nicht nur er. Was immer ich also in meiner Muttersprache schreibe, kann daher bei dieser Sachlage mit einem Nazizitat konterkariert werden. Da Du Dich aber ebenfalls der deutschen Sprache bedienst, ist es vielleicht angebracht, es dabei zu belassen. Aber sei’s drum. Die „Wühlerei“ nehme ich offiziell zurück und ersetze sie durch den englischen Begriff „Surfen“. Letzterer dürfte unverfänglich sein, da die Nazis vermutlich noch nichts von dieser neuen Art der Informationsgewinnung wussten.
Im übrigen bin ich nun auch durch Deine Website „gesurft“ und habe dabei zwei interessante Beiträge zu unserem Thema entdeckt, den Artikel von Schapiro zum Zionismus aus den dreißiger Jahren und einen neuen, der sich mit Israel und den Antideutschen befasst. Hier meine ich, liegt der Hase im Pfeffer für Dein Unbehagen mit meinem ersten Kommentar zu dem Interview mit dem ägyptischen Genossen. Es geht um die Einschätzung Israels. Dir hat meine Kritik an dem ägyptischen Genossen nicht gepasst, die sich auf den antiisraelischen Vorfall in Suez bezog. Statt darauf einzugehen, hast Du es vorgezogen, zu surfen und mich aus anderen Gründen in die rechte Ecke verorten zu können. Heraus kam Dein Vorwurf der „Querfront“.
Soweit ich weiß, wird gemeinhin in der linken Szene dieser Vorwurf gegen ein Zusammengehen von Nazis und Antiimps usw. erhoben, die von einigen Rechten zeitweilig angestrebt wurde. Horst Mahler hat das dann aufgenommen und öffentlich vertreten, bis er sich dann selbst als Neonazi verstanden hat. Eine zeitlang tauchten auch Personen auf, die von sich behaupteten Nationalanarchisten zu sein und ebenfalls eine Verbindung nach links suchten. Ich sehe durchaus Schnittpunkte von einigen rechtsradikalen Gruppen mit denen von einigen Linksradikalen. Ich nahm erst fälschlich an, Du meintest, ich würde das befürworten, weil Du mir Tendenzen zu Rechtsradikalen unterstelltest. Ich möchte deshalb meine Position präzisieren.
Rabehls Blog würde ich als nationalbolschewistisch einschätzen im Sinne von Ernst Niekisch, nicht nazistisch, aber wohl in unserem gemeinsamen Verständnis rechts. Niekisch hat übrigens als einer der Ersten eine scharfe Kritik an den Nazis formuliert: „Im Reich der niederen Dämonen“. Rabehl ist, so glaube ich wenigstens, bewusst nicht mit seinem ehemaligen SDS-Genossen Mahler zusammen gegangen. Gut ist von daher zu wissen, dass Du mir wenigstens nicht unterstellst, einem Naziblog zu huldigen. Bleibt der Vorwurf der „Querfront“. Ich sehe die von mir erwähnte SDS-Website nicht als ein politisches Organ in dem Sinne, dass es einer bestimmten Politik zum Erfolg verhelfen will, sondern, wie schon früher erwähnt, versteht sie sich der Geschichte und der Aufarbeitung eben dieser ehemaligen antiautoritären Studentenorganisation, sowie der heutigen Verteidigung der Menschenrechte weltweit verpflichte. (Deshalb der Doppelname „Isioma-SDS-Website“).
Leider sind einige Ex-SDSler nach rechts abgedriftet. Dass das in der Website nicht verschwiegen wird, war sogar ihr Gründungsauftrag vor nunmehr mehr als zehn Jahren. Dieser Tradition bleibt sie offenbar verpflichtet. Ein Mittel dazu ist, Links zu setzen. Das hat nichts mit Querfront zu tun. Du verweist darüber hinaus auf Links, die zu Alice Schwarzer zielen oder gar auf die PI-News. Über Links zu RAF, al Kaida usw. hast Du Dich bisher nicht aufgeregt. Warum eigentlich nicht? Ich sehe Alice Schwarzer und selbst die mir ansonsten eher unsympathischen PI-Leute (die von Dir angeführten Leserkommentare von dort sind natürlich das allerletzte) nicht im Naziumfeld. Ich meine, sie gehören noch ins Spektrum von Demokraten, im Fall der PI vielleicht bereits mit Ausfransungen, insbesondere bei den LeserInnenbeiträgen. Links auf Emma oder PI dienen, so weit ich das sehe, zu Informationen, nicht zu Solidarisierungen. Es ist eben leider so, dass dort manche Informationen verbreitet werden, die in unseren linken Publikationen unterbelichtet sind, z.B. die Verfolgung von religiösen Minderheiten wie der Bahai oder der Christen in einigen islamischen Ländern (z.B. Iran, Pakistan, Ägypten usw.) Wer sich den Menschenrechten verpflichtet fühlt, und das sollten auch Libertäre für sich in Anspruch nehmen, sollte sich auch um solche Dinge kümmern. Von daher sehe ich die Links bei Isioma.net anders als Du. Gegen eine Querfront von Demokraten und Libertären gegen Menschenrechtsverletzungen habe ich nichts einzuwenden. In Ägypten hat übrigens eine solche Querfront gerade einen üblen Diktator verjagt. Die Querfront dort erstreckte sich bekanntlich von AnarchistInnen bis zur Moslembrüderschaft. Ähnliches scheint sich nun auch in Libyen abzuspielen. Zum Problem Multikulti hat sich Johann Hari auf der libertären Site libcom.org auseinandergesetzt: How multiculturalism is betraying women. Er unterscheidet sich nicht von den Positionen, die Du zu diesem Thema auf Isioma.net findest. Würdest Du auch Johann Hari verdächtigen, Querfront mit Rechtsradikalen zu suchen?
Aber nun zurück zum Kern der Sache: Israel. Schapiro hat m.E. die mehrheitslinke Position gegenüber dem Zionismus in den Zwanzigern bzw. Dreißigern des letzten Jahrhunderts gut beschrieben. Er ging davon aus, dass in den europäischen Ländern, einschließlich der SU, der Antisemitismus prinzipiell bereits überwunden war und von daher keine Notwendigkeit mehr bestand, eine Heimstatt für Juden im Sinne von Herzl in Angriff zu nehmen. Deutschland schloss er ausdrücklich ein in diese Beurteilung. Heute wissen wir, dass die Geschichte ihn leider widerlegt hat. Der von mir o.g. zweite Beitrag versucht deshalb, eine neue libertäre Einschätzung zu liefern. Bei diesem Beitrag fand ich den Vergleich des alten Ghettos mit dem heutigen Israel besonders bemerkenswert. Beiden wird dort eine Schutzfunktion zugeschrieben und von daher die Existenzberechtigung Israels bejaht. Ist das auch die Linie Deiner Website? Es scheint nicht so, da Du bei der SDS-Website eine Pro-Israelposition scharf anprangerst. Wenn aber doch, warum gibt es bei Dir dann keine Rubrik Antisemitismus und keine Rubrik Israel?
Du hast auf einen prozionistischen Leserbeitrag übrigens geantwortet, Deine Website sei nicht „links“. Was dann? Ich habe bislang den Anarchismus immer als „links“ eingestuft. Ist das falsch?
Du schließt Deinen letzten Beitrag mit „Kein Gott – kein Staat“. Wo setzt Du Dich aber mit „Gott“ auseinander. Du hast nur einen Link gesetzt, der ins nichts zielt. Das ist alles. Aber Du zeist die Isioma-SDS-Website (sie hat übrigens eine Suchfunktion rechts oben auf der Portalseite) der Islamhetze. Du kannst da natürlich auch Christen“hetze“ finden. „Hetze“ ist allerdings ein böses Wort, das häufig von DDR Autoren gegen Kritiker genutzt wurde. Willst Du Dich da einreihen? „Wühlen“, „hetzen“, wo ist der Unterschied im Sprachgebrauch? Wenn Du von Hetze sprichst, werde doch bitte konkreter.
Du schreibst: „Ich amüsiere mich immer köstlich über Leute, die einem oberlehrerhaft vorschreiben, was die einzig wahren „libertären Überzeugungen“ zu sein haben.“ Umgekehrt, scheint mir, wird ein Schuh draus, denn Du bist es doch, der Zensuren verteilt wie „Nazi“, Querfront“, „rotbrauner Bastard“, Islamhasser“ usw. Das klingt mir verdächtig so, wie die unsäglichen Zitate, die Du von PI berechtigterweise kritisch zitierst. Ich finde, Deine Website unterscheidet sich prinzipiell im Charakter von dem der SDS-Website. Deine hat sich dem Anarchosyndikalismus verschrieben. Von daher beschränkt sie sich auf Texte und Links, die direkt diesem Spektrum zuzuordnen sind. Die SDS-Site ist naturgemäß viel breiter angelegt, da nur eine Minderheit der Ex-SDSler sich als libertär versteht.
Zum Schluss habe ich noch eine Frage, die sich mir beim googeln nach Alexander Schapiro gestellt hat. Ich fand den Namen zweimal und zwar mit sehr ähnlichem Lebenslauf: Beide nahmen Teil an der russischen Revolution, beide waren Anarchisten und hatten Kontakt zur Makhnovtschina, beide emigrierten nach Westeuropa (teilweise nach Berlin). Unterschiede sind ihre ca. 5 Jahre auseinander liegenden Geburtstage und ihre Todestage. Der eine starb 1942 in Auschwitz und der andere 1946 in New York. Weißt Du da mehr?
Es würde mich freuen, wenn wir, statt in Verdächtigungen bzw. Beschimpfungen zu verfallen, uns konstruktiv auseinandersetzen könnten. In diesem Sinne, es lebe die Revolution im Nahen Osten, in der Hoffnung, dass nicht die Reaktionäre die Oberhand gewinnen werden! Wir erleben z.Zt. ja nur den ersten notwendigen Schritt. Noch ist leider nichts wirklich entschieden.