Linkspartei und Antideutsche
Nicht nur innerhalb autonomer und anarcho-syndikalistischer Strukturen und Organisationen, wie z.B. der FAU Hamburg, versuchen Antideutsche staatskonforme und kriegsbejahende Positionen zu etablieren. Auch innerhalb der sozialdemokratischen Linkspartei (Die Linke) versuchen Antideutsche zunehmend an Einfluss zu gewinnen. Offenbar mit dem Ansinnen die Partei Regierungsfähig zu machen. Nun sind Parteien für uns AnarchosyndikalistInnen kein Mittel zur wirklichen sozialen und politischen Veränderung in einem freiheitlichen Sinne und die Linkspartei selber zeigt in ihrer Praxis das ihr soziales Mäntelchen nichts als haltlose Propaganda ist. Das wir diesen Beitrag dennoch auf Syndikalismus.tk veröffentlichen liegt daran, das er sehr gut aufzeigt welcher Netzwerke und Methoden sich die Antideutschen bedienen. Wir entnehmen ihn der Homepage der Zeitschrift Hintergrund.
Mit Dank an Mi. für den Hinweis.
Die LINKE – Von innen umzingelt
Von JENS MERTENS, 17. März 2010 -
Innerhalb der Partei Die LINKE gibt es ein Netzwerk von Mitgliedern, das gezielt an der Demontage linker Positionen arbeitet und zu dem Spektrum der sogenannten „Antideutschen“ gehört. Die „Antideutschen“ sind eine nach der Wiedervereinigung aus der radikalen Linken hervorgegangene Strömung, die angesichts einer Welle fremdenfeindlicher Gewalt und eines erstarkten Nationalismus eine Art „Viertes Reich“ befürchtete. Antisemitismus sei „den Deutschen“ wesentlich und daher als Hauptwiderspruch zu begreifen. Als Gegenentwurf bezieht man sich auf die „antideutsche“ Koalition der Alliierten im Zweiten Weltkrieg und auf den Staat Israel als Konsequenz aus dem Holocaust. Dies führte zu ungewohnten Bildern: „Linksradikale“ liefen nun auf einmal mit USA-Fahnen auf Demonstrationen herum und forderten „unbedingte Solidarität“ mit Israel ein.
„Antideutsche“ haben sich dann im Laufe der Jahre immer stärker den Positionen der Neokonservativen angenähert und können mittlerweile als eine mit einem linken Habitus agierende Variante des Neokonservatismus betrachtet werden. Insbesondere nach den Anschlägen des 11. September 2001 traten die ideologischen Gemeinsamkeiten hervor. Der US-amerikanische Neokonservative Daniel Pipes, der Anfang Februar dieses Jahres in der Welt die Bombardierung Irans forderte, gilt als Erfinder des Begriffs „Islamfaschismus“. Dieser ist zum zentralen Bestandteil „antideutscher“ Ideologie geworden. Die Kritik am kapitalistischen System sei zwar nach wie vor richtig, müsse aber in der Praxis aufgrund der Bedrohung durch den internationalen Islamfaschismus zurückgestellt werden. Das bürgerlich-kapitalistische System sei gegen diesen als das kleinere Übel zu verteidigen.
Neben Islamfeindlichkeit sind auch andere Versatzstücke rechtsextremer Ideologie zentraler Bestandteil „antideutscher“ Ideologie, wie die Verherrlichung von Krieg und Militär, das Denken in völkischen Kategorien, die Relativierung des Holocausts und die Denunziation kollektiver Kämpfe sozial Benachteiligter. (1) Wenn im weiteren Verlauf von „Antideutschen“ gesprochen wird, dann unter dem Vorbehalt, dass dieser Begriff unscharf ist, da es nicht DIE „Antideutschen“ gibt. Auch würden sich die wenigsten der im weiteren Verlauf den „Antideutschen“ zugerechneten Personen selbst als solche identifizieren. Im Gegenteil haben sich einige von ihnen selbst schon von den „Antideutschen“ abgegrenzt.
Aber es geht letztlich nicht um die Etikettierung, sondern um die Inhalte, für die „Antideutsche“ einstehen. Neben der Unterstützung der Kriege der USA und der bedingungslosen Solidarität mit Israel sind dies der Kampf gegen linke Essentials wie Antiimperialismus oder das Eintreten für die Interessen der Werktätigen.
Um dem begrifflichen Dilemma Rechnung zu tragen, werden daher immer Anführungszeichen verwendet, wenn von „Antideutschen“ die Rede ist. Auch in der LINKEN besteht seit einigen Jahren eine „antideutsche“ Plattform, die die Kriege der USA und Israels unterstützt und Stimmung für einen Angriffskrieg gegen Iran macht. Obwohl sie sich damit mit der überwältigenden Mehrheit der Parteimitglieder auf Kriegsfuß befindet, steht sie in der Partei keineswegs isoliert da. Im Gegenteil, der Einfluss des „antideutschen“ Netzwerks reicht bis in die obersten Spitzen der Partei. Die „Antideutschen“ können weitgehend ungehindert in der Partei agieren, weil sie in der großen Strömung der „Pragmatiker“ aufgehen. Denn für die Regierungsfähigkeit auf Bundesebene müssen zwei inhaltliche Grundpfeiler der Partei geschliffen werden. Einerseits ihre Ablehnung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr und andererseits ihre Ablehnung zu einer EU neoliberaler Ausprägung, wie sie in dem Lissabonvertrag festgeschrieben wird. An diesen beiden Punkten gibt es eine Übereinstimmung zwischen den „Antideutschen“ und den Pragmatikern, wobei die „Bearbeitung“ der Antikriegshaltung das Hauptanliegen der „Antideutschen“ darstellt.
Rosa Luxemburgs Erben
Der Einfluss der „linken“ Neokonservativen innerhalb der LINKEN wurde einer breiteren Öffentlichkeit erst durch die Ferienakademie der parteinahen Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) im vergangenen Jahr vor Augen geführt. Zum Thema „Naher Osten“ referierten ausschließlich Vertreter bellizistischer Positionen, namentlich Thomas von der Osten-Sacken, Stephan Grigat und Sebastian Voigt. Alle drei schreiben für die neokonservative Achse des Guten um Henryk Broder. Osten-Sacken und Grigat sind auch Autoren für die „antideutsche“ Publikation Bahamas, wo man den französischen Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen für dessen „vernünftige Einwände gegen die ungebremste Islamisierung“ lobt und als Bündnispartner betrachtet. (2)
Auf der Iran-Konferenz des Mideast Freedom Forum Berlin 2008 in Berlin äußerte sich von der Osten-Sacken bezüglich des politischen Vorgehensweise im Nahen Osten, Ziel müsse sein, „’Islam-Nazis’ aufs Maul zu hauen, zu verknasten und umzubringen.“ (3) Grigat ist Mitinitiator der Kampagne Stop the Bomb, in der sich Neokonservative und Antideutsche zusammengeschlossen haben, um dafür zu werben, die nicht-existente iranische Atombombe notfalls auch mit kriegerischen Mitteln aus der Welt zu schaffen. Grigat hält „gezielte und wiederholte Militärschläge“ für angesagt. (4)
Von Stipendiat/innen und „Ehemaligen“ der RLS hagelte es Kritik. In einem offenen Brief, der die Absage der Vorträge forderte, fielen klare Worte. Die Referenten „vertreten offen nationalistisch-chauvinistische Ansätze in ihrer bedingungslosen Unterstützung der rechtskonservativen Staatspolitik Israels“, sie würden „rassistisch argumentieren“, „radikale Kapitalismuskritik“ als antisemitisch denunzieren und Linke, die die US-Außenpolitik kritisieren oder ihre Solidarität mit Palästinensern zeigen, als Nazis bezeichnen. (5)
Doch die RSL-Führung entschied sich gegen eine Absage. Sie wollte nicht die Tradition außer Kraft setzen, nach der das inhaltliche Programm von den Stipendiaten der Stiftung selbst bestimmt wird. Von diesen hatten sich einige in dem AK Antisemitismus organisiert, aus dem heraus die Referenten eingeladen wurden. Der AK Antisemitismus wandte sich gegen die Vorwürfe, ohne jedoch auf sie einzugehen. Stattdessen nutzte man die Erwiderung, um Stimmung für einen Krieg gegen Iran zu machen: „Das iranische Regime, seine zahlreichen unterdrückenden Praktiken, sein Atomprogramm sowie sein Antisemitismus geben Anlass zu einer tiefer gehenden Debatte darüber, wie eine emanzipierte Linke mit diesem Thema umgehen kann. (…) Die Frage, ob in Ermangelung von Alternativen ein militärischer Einsatz nötig sein kann, um Emanzipation nachhaltig zu unterstützen – wie es im nationalsozialistischen Deutschland beispielsweise der Fall war –, muss möglich und diskutierbar sein.“ (6)
Der Verweis auf das nationalsozialistische Deutschland dient hier als moralische Erpressung, warum in der LINKEN die Debatte über einen zu unterstützenden Angriffskrieg möglich sein „muss“. Und erinnert fatal an die Rhetorik, die der damalige Außenminister Fischer 1999 bemühte, um der Bevölkerung den NATO-Überfall auf Jugoslawien schmackhaft zu machen. Selbstverständlich unterstützt der AK Antisemitismus auch die Stop-the-Bomb-Kampagne.
Shalom = Friede mit dem Kapitalismus?
Unterstützt wird die Kampagne auch von dem organisatorischen Zentrum der „Antideutschen“ innerhalb der LINKEN, dem Bundesarbeitskreis Shalom (BAK Shalom), in dem der ehemalige RSL-Stipendiat Sebastian Voigt eine tragende Rolle spielt. Sein Vortragsthema auf der Ferienakademie war übrigens passenderweise Erneuerung und Spaltung der Linken. BAK Shalom gehört zum Jugendverband der Partei, ['solid], und ging hauptsächlich aus der Jungen Linken (JL) Sachsen und Brandenburg hervor. Beide Bundesländer sind neben Berlin die Hauptbastionen der „Antideutschen“ in der Partei.
BAK Shalom versteht sich als „Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus“. Unter Letzterem hat man jenen Antikapitalismus zu verstehen, der konkret wird und nicht auf der rein abstrakten Ebene der Kritik an „dem Kapital“ als „sich verwertender Wert“ (Marx) verbleibt. Wer also die stärkere staatliche Regulierung von Finanzmärkten fordert oder sich gegen den Ausverkauf kommunalen Eigentums an Hedge-Fonds einsetzt, würde laut BAK Shalom die „Totalität des kapitalistischen Systems verkennen“ und biete eine „offene Flanke zum Antisemitismus“. (7) Auch dem Antiimperialismus müsse man eine „kompromisslose Absage“ erteilen. (8)
In der Praxis führt das dann dazu, das beispielsweise die JL Sachsen vom bundesweiten Jugendverband ['solid] fordert, nicht mit der Sozialistische Alternative (SAV), deren Mitglieder reihenweise in die LINKE bei deren Gründung eingetreten sind, zusammenzuarbeiten. Der JL Sachsen ist die programmatische Grundlage der SAV ein Dorn im Auge. „Der Reichtum, der von der Arbeiterklasse produziert wird, wird privat von einer kleinen Minderheit angeeignet. Diese Minderheit ist die Klasse von Kapitalisten, die ihre ganze ökonomische und politische Macht nutzen kann, um ihre Privilegien zu verteidigen. Staatliche Institutionen einschließlich der in den Parlamenten dominierenden Parteien sind direkt oder indirekt mit ihr verstrickt“, heißt es bei der SAV. Das sei laut den „antideutschen“ Parteigenossen der Beleg für eine Ideologie, die das Böse auf „die Kapitalistenklasse“ projiziert und den bürgerlichen Parteien unterstellt, dass sie in Zusammenarbeit mit dieser „Kapitalistenklasse“ die Geschicke der Menschheit lenkt und die dazu nötigen Fäden in der Hand hält.“ (9)
Wer also die richtige Behauptung aufstellt, dass der Reichtum der Gesellschaft „privat von einer kleinen Minderheit angeeignet“ wird und zu Recht darauf verweist, dass Kapitalinteressen die Politik durch Einflussnahme („Lobbying“) bestimmen, wird von den Jungen Linken Sachsen in die Nähe antisemitischer Verschwörungstheorien gerückt. Wer sich für die Interessen der Arbeiterklasse einsetzt, steht somit außerhalb dessen, was von den „Antideutschen“, die gerne zum Selbstschutz auf einen „linken Pluralismus“ verweisen, als tolerabel erachtet wird.
Den ganzen Text durchzieht die Tendenz, antikapitalistische Analyse und Kritik als Element nationalsozialistischer Ideologie zu denunzieren. Dabei befindet man sich selbst nahe am NS-Konzept der Volksgemeinschaft, in der es angeblich keine gegeneinanderstehenden (Klassen)-Interessen der Protagonisten der kapitalistischen Gesellschaft gebe. Auch die JL Sachsen ist dieser Auffassung, wenn es später heißt: „Die Arbeiterklasse ist die entscheidende Kraft in der kapitalistischen Gesellschaft“ sagt die SAV, wir aber fragen, ob es überhaupt Sinn macht, die „Arbeiterklasse“ als revolutionäres Subjekt zu handeln, wenn alle Menschen vom Sachzwang des Kapitalismus betroffen sind.“
Die Mär, nach der alle Menschen im Kapitalismus von ein und demselben Sachzwang betroffen sind, führt dann zu so grotesken Aussagen, wie man sie etwa im Aufruf zur ersten Demonstration des „antideutschen“ Bündnisses Um’s Ganze findet, welches dem gewaltbereiten Spektrum der linksradikalen Szene zuzuordnen ist und Verbindungen zu den „Antideutschen“ in der Linkspartei pflegt. (10)
Dort formuliert man es dann so: „Unter den Vorzeichen der Alternativlosigkeit hat der Prolet sehr wohl ein Interesse daran, ausgebeutet zu werden – denn er hat ja sonst nichts, was ihm die Existenz sichert.“ (11) Im Klartext also: Arbeiter und Kapitalisten haben ein gemeinsames Interesse daran, Arbeiter auszubeuten. Bert Brecht demaskierte den „für alle geltenden Sachzwang“ schon mit seinem berühmten Ausspruch, wonach Bettelei und das Schlafen unter Brücken verboten ist – für den Armen genauso wie für den Reichen.
Für eine weitere inhaltliche Auseinandersetzung mit „antideutscher“ Ideologie fehlt hier der Raum. Aber an diesen Beispielen dürfte erkennbar sein, dass es sich hierbei um Kräfte handelt, die linke Positionen bekämpfen und mittels einer „emanzipatorisch“ verbrämten Rhetorik rechte, pro-imperialistische Auffassungen in der Linken mehrheitsfähig machen wollen. Als erfolgversprechendstem Mittel bedienen sie sich dabei des Vorwurfs des Antisemitismus gegenüber ihren linken Widersachern. Vorteilhaft für ihre Denunziationskampagnen ist die Tatsache, dass diese begierig von der bürgerlichen Presse aufgegriffen und unterstützt werden. Auf das Zusammenspiel der Parteirechten mit den bürgerlichen Medien hat Oskar Lafontaine in seiner Strategie-Rede im Januar 2010 bereits aufmerksam gemacht. (12)
Die Angestellten
Professionelle Medien- und Netzwerkarbeit gepaart mit dem Wissen um die ideologischen „Sollbruchstellen“ innerhalb der deutschen Linken erklären den Erfolg des Vorgehens der „Antideutschen“. Dieser erklärt sich aber auch maßgeblich dadurch, dass sie von führenden Parteimitgliedern aktiv gefördert und finanziert werden, indem sie z.B. von Abgeordneten als Mitarbeiter angestellt werden.
So arbeitet beispielsweise der BAK Shalom-Funktionär Sebastian Meskes als Büroleiter für den Bundestagsabgeordneten Thomas Lutze. Auch BAK-Shalom-Bundessprecher Benjamin Krüger arbeitet als Büroleiter, und zwar für den Bundestags-Abgeordneten Frank Tempel. Dieser beschäftigt auch den stellvertretenden Bundessprecher von BAK Shalom, Stefan Kunath. (13)
Zuvor arbeitete Krüger als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro von Thüringens Fast-Ministerpräsident Bodo Ramelow. (14) Beide sind Mitglieder in der Deutsch Israelischen Gesellschaft (DIG), deren Führungspersonal die Stop-the-Bomb-Petition unterzeichnet hat. (15) Dass Ramelow Krüger bei sich beschäftigt hatte, dürfte auf inhaltlichen Gemeinsamkeiten beruhen. So bedauerte Ramelow in einem Interview mit der Welt, wie die US-Armee „damals aus Vietnam“ „geflohen“ ist. So etwas dürfe sich im Fall Afghanistans nicht wiederholen. (16)
Auch sonst ist er schnell zur Stelle, wenn es darum geht, innerparteiliche Kritiker der israelischen Politik zur Räson zu bringen. Wie auch Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau. (17) Auch sie unterzeichnete die Stop-the-Bomb-Kampagne. BAK Shalom genieße ihren „Schutz und [ihre] Unterstützung“, so die junge Welt. (18) Bis in die oberste Parteispitze hat der Bundesarbeitskreis seine Leute untergebracht. So arbeitet Sebastian Kreuz, der zurzeit ein Studienjahr in den USA absolviert und daher als Kontakt für BAK Shalom USA angegeben ist, als wissenschaftlicher Angestellter der designierten Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch. (19)
Axiom Anti-Antizionismus
Um den Vorwurf des Antisemitismus als geeignetes Mittel im Kampf gegen Kriegsgegner anwenden zu können, musste erst ein innerparteilicher „Neusprech“ durchgesetzt werden, bei dem Antisemitismus mit Antizionismus auf eine Stufe gestellt wird. Wobei der Begriff „Antizionismus“ oft nur diffus auf jedwede Gegnerschaft israelischer Regierungspolitik angewendet wird. In einem weiteren Schritt werden dann Antizionismus und Antiimperialismus gleichgesetzt. Somit kann man innerparteiliche Kritiker der von Israel geführten Kriege des Antisemitismus bezichtigen, ohne diesen dezidiert nachweisen zu müssen.
Startschuss zur Durchsetzung dieses „Dreiklangs“ und der Tabuisierung antiimperialistischer Positionen lieferte die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping im Oktober 2006, also nach dem israelischen Krieg gegen Libanon. Um ihre anti-antiimperialistische Argumentation für die Genossen und Genossinnen leichter verdaulich zu machen, grenzte sie sich schon im Titel von den „Antideutschen“ ab: Für einen linken Zugang zum Nahost-Konflikt jenseits von Antizionismus und antideutscher Zuspitzung. (20) Dennoch sah Kipping während ihrer Zeit als sächsische Abgeordnete kein Problem darin, Projekte zu finanzieren, die von Vertretern der „antideutschen“ Strömung dominiert waren bzw. sind. Die von den „Antideutschen“ beherrschte JL Sachsen wurde maßgeblich von ihr und Michael Leutert aufgebaut. (21) Leutert ist Gründungsmitglied des BAK Shalom und sitzt für die Partei mittlerweile im Bundestag. (22)
Beide haben sich „einen Ruf als Verfechter „antideutscher“ Positionen in der Linksfraktion im Bundestag erarbeitet“, schrieb die junge Welt. (23)
Kriegsgegner im Visier
Besonders den ehemaligen außenpolitischen Sprecher und Friedensaktivisten Norman Paech hatte man beim BAK Shalom im Visier. Benjamin Krüger schrieb einen Brief an Gregor Gysi, den er auch Ramelow und Pau zusandte. Darin behauptete Krüger, Paech habe auf einer Veranstaltung „nicht nur antizionistische, sondern auch klare antisemitische Äußerungen“ von sich gegeben. (24) Eine Woche später, am 30. April 2008, gab BAK Shalom eine Pressekonferenz, auf der Paechs Rücktritt gefordert wurde, weil dieser „eine ungehemmte Verbrüderung mit der terroristischen Hamas“ eingegangen und daher „untragbar“ für die LINKE sei. Unterstützung für ihre Kampagne erhielten die „Antideutschen“ durch die bürgerlichen Medien.
So durfte Sebastian Voigt im Tagesspiegel vom 20. Mai nicht nur gegen Paech wettern, sondern auch die linke Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke als verkappte Antisemitin darstellen. Außerdem beklagte er, dass sich die Linke in ihrer Geschichte nicht dem Individualismus, sondern kollektiven Subjekten wie der Arbeiterklasse verschrieben habe. Die Lüge, wonach Irans Präsident Ahmadinedschad „bei jeder Gelegenheit posaunt, Israel zu vernichten“, durfte natürlich auch nicht fehlen. Zum Schluss stellte Voigt klar, dass man sich als Linker nicht auf die Seite von Diktaturen stellen dürfe – um dann Venezuela zu nennen. Und zu guter Letzt sei natürlich dem linken, „rassistische Ressentiments bedienenden Populismus“ eines Oskar Lafontaine eine Absage zu erteilen. (25) Auf dem Höhepunkt der Kampagne gegen Paech solidarisierte sich Petra Pau indirekt mit den Angreifern, indem sie an einer BAK-Shalom-Veranstaltung teilnahm, die von Voigt moderiert wurde. Dort verdeutlichte Pau noch einmal, dass „antizionistische“ Positionen nicht mit links vereinbar seien und dass das Existenzrecht Israels nicht zur Debatte steht. (26) Dieses wurde aber von keinem der von BAK Shalom Denunzierten jemals in Frage gestellt. Das israelische Existenzrecht wird fast ausnahmslos von „antideutscher“ Seite her in die Debatte gebracht – als rhetorisches Mittel, mit dem in Bezug auf die Kritisierten die Assoziation erweckt werden soll, diese sprächen dem jüdischen Staat – und damit Juden – das Existenzrecht ab.
Auch die Rede Gregor Gysis anlässlich des 60. Jahrestags des Bestehens Israels am 14. Mai 2008, in der er die „Solidarität mit Israel“ zur „deutschen Staatsräson“ erklärte, kann als Parteinahme gegen Paech und dessen Unterstützer Lafontaine gewertet werden. Er habe sich mit seiner Rede „Freunde beim BAK Shalom gemacht hat“, so der stern. Dort hieß es dann auch „Gysi und Kipping – gegen Lafontaine.“ (27) Gysi hatte Paech und der Abgeordneten Heike Hänsel bereits im Oktober 2006 die Leviten gelesen, nachdem diese eine Petition unterschrieben hatten, in der gefordert wurde, die Ausladung der Israel-Kritikerin Felicia Langer zugunsten der Einladung des neokonservativen „Hasspredigers“ (SZ) (28) Henryk Broder zu einer Veranstaltung in Zürich rückgängig zu machen. Broder revanchierte sich in gewohnter Manier, indem er die Unterzeichner als „megalomanische Irre, Halbanalphabeten und Hobby-Antisemiten“ bezeichnete. In einem Brief an den „lieben Henryk“ teilte Gysi diesem mit, dass Paech nun seinen Fehler „einsieht“. (29)
Nachdem der Ramelow-Schützling Krüger seinen „klaren“ Antisemitismus-Vorwurf gegenüber Paech nicht belegen konnte, ruderte man beim BAK Shalom zurück. In einem auch von Krüger mitverfassten Brief an Paech begibt man sich in die Rolle der verfolgten Unschuld: „Wir haben zu keiner Zeit behauptet, Du hättest antisemitische Aussagen getätigt (…) Wir wissen daher nicht, warum Du die Behauptung aufstellst, wir hätten Dich als Antisemiten bezeichnet.“ (30) Nachdem sich Forderungen innerhalb der Linksjugend ['solid], BAK Shalom die finanziellen Mittel zu streichen, nicht durchsetzen konnten, bewertete BAK Shalom in einer Erklärung vom 12. Juli die Denunziationskampagne als Erfolg. Darin beklagte man sich aber darüber, dass man in die rechte Ecke gestellt oder mit dem „Kampfbegriff“ „antideutsch“ belegt werde. „Im Gegensatz dazu sucht und fordert der BAK Shalom die Auseinandersetzung, während die Mehrheit unserer KritikerInnen dies nicht tut, sondern zu Diffamierungen greift.“ „Wir sind der Überzeugung, dass divergierende politische Ausrichtungen zu einem Jugendverband einer Partei gehören, gerade wenn dieser sich als pluralistisch bezeichnet.“ (31)
Beim BAK Shalom weiß man nicht nur Israel, sondern auch sich selbst in Bezug auf die innerparteilichen Kämpfe stets in der Opferrolle zu sehen. „Denunziatorische Unterstellungen, wir wollten der LINKEN schaden, stellen nur die Spitze des Eisbergs dar“, so die Erklärung. Dabei hatte doch Henning Wötzel-Herber vom SprecherInnenrat des Bundesarbeitskreises und Gründer des Landesarbeitskreises Shalom (LAK) Hamburg in einem Interview mit der antideutschen Hauspostille konkret auf die Frage, ob „Paech, Gehrcke und den anderen Antizionisten jetzt das Handwerk gelegt“ werde, geantwortet: „Wir müssen daran arbeiten, aber es ist nicht so einfach.“ Man versuche, die „schweigende pro-palästinensische Mehrheit“ zu „reizen“ und den „antizionistischen Konsens zu brechen“. Auch seien „nicht alle“ dieser Mehrheit Antisemiten. Außerdem befürchte er, dass „es in naher Zukunft nicht gelingen wird, Lafontaine aus der Parteispitze wegzudrängen. Deshalb ist es umso wichtiger, seine falschen Positionen anzugreifen und publik zu machen. Während das Lager um Paech ein Paradebeispiel für linken Antizionismus bis hin zum Antisemitismus darstellt, steht Lafontaine für Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus“. (32) Paech war ebenso wie Wolfgang Gehrcke bereits im August 2006 den Angriffen der „antideutschen“ Fraktion ausgesetzt, weil sie den israelischen Krieg gegen Libanon kritisierten und forderten, Hamas und Hisbollah in Friedensverhandlungen einzubeziehen.
Die Sächsische Seilschaft
Damals war es die „sächsische Seilschaft“, die Front machte. In einem offenen Brief nahmen sich Juliane Nagel (Landesvorstand der LINKEN Sachsen), Ulf-Peter Graslaub und Fabian Blunck Paech und Gehrcke zur Brust. Der „Reflexionsprozess der letzten Jahre“ des „Großteils der Linken“, wonach man mit Israel „grundsätzlich solidarisch“ und mit „religiösen, fundamentalistischen (Volks-)Befreiungsbewegungen“ unsolidarisch zu sein habe, sei an ihnen „vollkommen vorbeigegangen.“ Es gehe nicht an, „Israel als „Aggressor“ zu bezeichnen“ und – den Tatsachen entsprechend – „die Opfer hauptsächlich auf Seiten des Libanon zu sehen.“ Die israelische Regierung sei mit dem Angriff auf Libanon nur ihrer „Pflicht“ nachgekommen. (33)
In einem Artikel diesbezüglich schrieb Nagel, es ginge darum, „dem klassischen antiimperialistischen Ansatz linker Außenpolitik eine Absage zu erteilen“. (34) Doch der Kampagne gegen Gehrcke und Paech wurde frühzeitig der Wind aus den Segeln genommen, nachdem Lafontaine die „sich der humanistischen Tradition der Linken verpflichtet“ Fühlenden in einem offenen Brief verteidigte. (35) Nagel, Graslaub, Blunck und Gregor Henke, der Blunck als jugendpolitischen Sprecher der JL abgelöst hat, arbeiten für das linXXnet-Projekt. linXXnet ist ein „konzept- und bürgerorientiertes Abgeordnetenbüro der Linkspartei in Leipzig. Als Projekte-Büro mit virtueller Komponente steht es für neue Formen der Vermittlung von Politik und hebt sich deutlich vom Bild des klassischen Wahlkreisbüros ab.“
Auf der linXXnet-Webseite wird auch deutlich, dass man sich von klassischen linken Positionen abhebt. Die Plattform dient dazu, antideutsche Positionen über Leipzig hinaus in die Partei zu schleusen. Sie existiert seit dem Jahr 2000 und wurde „zunächst von den Landtagsabgeordneten Heike Werner, Steffen Tippach und Katja Kipping finanziert“. Kipping unterstützte das Projekt noch bis mindestens Endes 2006. (36)
Die Erklärung Hamas raus aus den Köpfen!, die sich gegen die Einladung eines Vertreters der Hamas-Regierung zur Nahostkonferenz der LINKE-Fraktion im Bundestag wandte, geht auf diesen „antideutschen“ Flügel der Leipziger Linkspartei zurück. Sprachlich lehnte man sich bewusst an die Nazis raus aus den Köpfen-Kampagne der Partei an. Verantwortlich für die Kampagne zeichnet Boris Krumnow, Vorstandsmitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen. (37) Krumnow und Juliane Nagel kennen sich schon lange, bereits vor zehn Jahren meldeten sie gemeinsam Demonstrationen in Leipzig an und gaben auch ein Diskussionspapier heraus. (38) Aus der Hamas raus-Kampagne entstand ein kontinuierliches Projekt, die Israel-Debatte. In deren internem E-Mail-Verteiler tauschen sich die antideutschen linXXnetler aus. So verschickt Fabian Blunck dort die von ihm mitverfasste Einladung zum Gründungstreffen des BAK Shalom, zu dem Ulf-Peter Graslaub seine Teilnahme bekundete. (39) Und Juliane Nagel fordert ihre Mitstreiter auf, Protestmails in Sachen Paech zu verfassen oder präsentiert mit „lieben Grüßen“ einen Artikel der rechtsextremen, pro-zionistischen Seite Politically Incorrect, wo von der „antisemitischen Fratze“ Paechs gesprochen wird und Kommentare dessen Rausschmiss aus Deutschland fordern oder ihm gleich nach dem Leben trachten. (40)
Nagel wirbt in dem Verteiler nicht nur für Stellenangebote der RLS in Israel, sie bekommt auch regelmäßig Post vom Büro der Politischen Abteilung der israelischen Botschaft, die sie dann über den Verteiler weiterleitet. Themen sind beispielsweise Standpunkte des Staates Israel zur palästinensischen Einheitsregierung. Auch „im Namen des Gesandten der Israelischen Botschaft, Herrn Ilan Mor“, bekommt man Informationsmaterialien zugesandt. In einem Interview mit Ivo Bozic im Juli 2009 fand Ilan Mor lobende Worte für einige Mitglieder der Linkspartei. Er bescheinigte Jan Korte – Mitglied der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe des Bundestags, der sich darüber beschwerte, dass man innerparteilich schnell als „antideutsch“ „abgestempelt“ werde (41) – als auch Katja Kipping, Bodo Ramelow, Sebastian Voigt und Gregor Gysi, eine „neue Generation“ zu verkörpern. Er habe „die Aufgabe, den Kontakt mit diesen Leuten zu halten, persönlich übernommen“. (42)
Dies passt in das Schema, wie es der israelische Think Tank Reut Institute zur Durchsetzung israelischer Interessen einfordert. Neben dem „Widerstandsnetzwerk“ aus islamischen Gruppen wie Hisbollah oder Hamas, sei es vor allem das „Netzwerk der Delegitimation“ aus linken Kräften, dem man sich besonders widmen müsse. Nach dem Motto „es bedarf eines Netzwerks, um ein Netzwerk zu bekämpfen“, sollte Israel auf der Basis seines diplomatischen Establishments „informelle Botschafter“ einsetzen, die „persönliche Beziehungen“ zu „Meinungsmachern“ aufnehmen sollen. (43) Sebastian Voigt habe denn auch „gute Kontakte“ zu Ilan Mor, glaubt jedenfalls Graslaub in einer E-Mail. (44) Bezogen auf eine Stellungnahme der Bundessprecher der Linksjugend, in der man sich von Vorwürfen des Antisemitismus gegenüber Lafontaine, Gehrcke und Heike Hänsel, wie er aus den Reihen der JL Sachsen kam, distanzierte, schrieb der Leipziger LINKE Kenneth Plasa im Verteiler der Israel-Debatte: „Ich glaube, einen ‚solidarischen Austausch’ kann und sollte es zu diesem Thema nicht geben. Toleranz- und Pluralismus-Gehabe ist an manchen Stellen wirklich fehlplatziert.“
Angriffsziel Iran
Graslaub ist auch Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und ebenso wie Sebastian Voigt aktiv im Bündnis gegen Antisemitismus (BGA) Leipzig. Dort hat man sich aber nicht dem Kampf gegen den ansteigenden Antisemitismus in Deutschland verschrieben, sondern nimmt lieber Israel-kritische Juden ins Visier, die als „Alibi-Juden“ oder gleich als Antisemiten bezeichnet werden. So machte man Front gegen einen Vortrag von Noam Chomsky. Diesen könne man „besten Gewissens“ als „ordinären Antisemiten“ bezeichnen. (45) Neben dem Kampf gegen linke Juden trommelt man beim BGA am liebsten gegen Iran, selbst wenn es um sportliche Ereignisse geht.
Als die iranische Nationalmannschaft 2006 im Rahmen der Fußball-WM in Leipzig spielte, organisierte das BGA eine Gegendemonstration. Tage zuvor hatten die „Antideutschen“ bereits in Nürnberg gegen die Präsenz des iranischen Teams mobilgemacht. Das führte zu ungewohnten Bildern. Sich linksradikal dünkende „Antideutsche“ standen zusammen mit christlichen Fundamentalisten und lauschten unter anderem der Rede von Bayerns damaligem Innenminister Beckstein, während die Israel- und Deutschlandfahnen im Wind flatterten.
Dort sprach auch Michel Friedmann, ehemaliger Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Dem „Hitler des 21. Jahrhunderts“ dürfe man nicht „mit einem diplomatischen Schmusekurs begegnen“. (46) Solcherlei NS-Relativierung, bei der Iran mit dem „Dritten Reich“ oder Ahmadinedschad mit Hitler verglichen wird, ist bei den „Antideutschen“ an der Tagesordnung. Obwohl sie es besser wissen müssten, schließlich machen sie doch auch allen – zurecht – den Vorwurf der NS-Relativierung, die beispielsweise das Vorgehen der israelischen Armee mit dem der Wehrmacht gleichsetzen. Doch nicht nur die „Antideutschen“ bedienen sich einer solchen Rhetorik. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2010 benutzte Israels Staatspräsident Schimon Peres in einer Rede im Bundestag, um Kriegsstimmung gegen Iran zu machen. Nach Peres sei Iran heute eine ebenso große Bedrohung wie seinerzeit Nazideutschland. Er benutzte auch die Lüge von den iranischen Atomraketen, um zu einer Beendigung der „Appeasement“-Politik gegenüber Iran aufzurufen. Nur drei Abgeordnete der Linkspartei konnten das mit ihren antifaschistischen Grundsätzen nicht vereinbaren und erhoben sich nicht zu stehendem Applaus. Dabei befanden sie sich in einem Dilemma, denn intern war beschlossen worden, nach der Rede als komplette Fraktion aufzustehen. Doch Sahra Wagenknecht, Sevim Dagdelen und Christine Buchholz gingen Peres‘ Aussagen offensichtlich zu weit. Es ist einer „Indiskretion“ des BAK-Shalom-Mitglieds Michael Leuterts gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu verdanken, dass die „Sitzenbleiber“ unter medialen Beschuss genommen wurden. Wagenknecht sei als Vizeparteichefin „ungeeignet“, so Leutert, und er dachte dabei sicherlich auch an den bevorstehenden Parteitag im Mai 2010. (47) Nicht in Peres Rede, sondern im Verhalten der drei Genossinnen sieht er eine „Relativierung der Nazi-Verbrechen“. (48)
Im Interview mit Ivo Bozic in dem „antideutschen“ Szeneblatt Jungle World macht BAK-Shalom-Sprecher Benjamin Krüger gegen Wagenknecht mobil. Sie habe den Anlass „benutzt“, ihre „persönliche Kritik an Israel“ kundzutun. Krüger hofft auf Beistand von oben. „Ich erinnere an Gysis Rede vom Mai 2007 [sic], als er explizit gesagt hat, dass Antizionismus kein Weg für die LINKE sein darf. Und er ist der Vorsitzende dieser Fraktion. Also ist er gefordert.“ (49) Besonders grotesk: In dem Interview beklagen Bozic und Krüger die „Unterwanderung“ durch die Gruppe Linksruck – Buchholz und Dagdelen gehörten dieser Organisation an.
Oskar muss weg
Lafontaine war schon immer der Hauptgegner der „Antideutschen“. In der Zeitung neuroticker der JL Sachsen und Thüringen, für die Juliane Nagel verantwortlich ist, wurde gegen Lafontaine frühzeitig Stimmung gemacht. Der „antideutsche“ Blogger und Liedermacher Daniel Kulla, der den Irak-Krieg befürwortet und dessen Gegner der Unterstützung des Terrorismus bezichtigt (50),wirft Lafontaine vor, eine Politik des „Konspirationismus“ zu betreiben. Denn Lafontaine bezeichne beispielsweise die Globalisierung als Kapitalismus, und das sei „kein analytischer Begriff, der die Verwicklung und Verantwortlichkeit aller beschreibt, sondern nur ein Schreckbild. „Wer wie dieser eine ‚überholte Arbeitergemeinschaft’ gegen die ‚verwirrende Welt globaler Wirtschaft’ mobilisiere, habe im ‚heutigen politischen Diskurs’ der Linken nichts mehr verloren. Und wer Arbeiter gegen den Kapitalismus mobilisieren will, der steht nach Kullas Weltbild schon fast auf einer Stufe mit den Tätern des Holocaust. Denn der Lafontaine zugeschriebene „Konspirationismus“ sei eine „ideologische Vorbedingung für den Vernichtungsantisemitismus des nationalsozialistischen Deutschland [gewesen und könne] jederzeit als Vorlage für eine Wiederholung des Massenmords dienen.“ (51) Laut Eigenaussage hat Kulla mit dem Artikel innerhalb der Partei den „Apfel der Zwietracht rollen“ wollen. (52)
Nagel wirbt im Verteiler der Israel-Debatte nicht nur für Kullas Veranstaltungen, ein Zitat aus einem seiner Lieder schmückte über längere Zeit ihre E-Mails. „Das (spätstalinistische) Imperium“ in Form der „Gegenpropagandamaschinerie“ junge Welt habe „zurückgeschlagen“, schrieb Wolfgang Hiepen im Verteiler und bezog sich auf eine Kritik der linken Tageszeitung an Kullas Artikel. Sogleich verfasste er einen Leserbrief, ebenso tat es Boris Krumnow. Leutert, Kipping und Nagel seien keine Antideutschen, so Krumnow darin. Außerdem frage er sich, was daran eine Verharmlosung des Holocaust wäre, wenn man Bezüge der Hamas „zur Vernichtung der europäischen Juden im 20. Jahrhundert“ herstelle. (53)
Krumnow, Nagel, Graslaub, Blunck sowie drei weitere sächsische Parteiangehörige nahmen auch in einer Erklärung zum Krieg Israels gegen Gaza im Januar 2009 Stellung. In gewohnt einseitiger Manier zeigten sie sich mit Israel und dessen „Selbstverteidigung“ solidarisch und bescheinigten der israelischen Armee, dass ihr „kein gezielter Beschuss von Zivilisten“ vorgeworfen werden könne. Dass die israelische Armee Kriegsverbrechen begangen hat, zu diesem Schluss gelangt hingegen der Goldstone-Report des UN-Menschenrechtsrats. Während die antideutschen Unterstützer der israelischen Armee von deren Verfehlungen nichts wissen wollen, dürfte hingegen „hinlänglich bekannt sein, dass die Hamas die Strategie der ‚menschlichen Schutzschilde’ anwendet.“ (54)
Nach dem Libanon-Krieg wurde Juliane Nagel von der Politischen Abteilung der israelischen Botschaft mit einer Studie des Intelligence and Terrorism Information Center zum „Missbrauch der libanesischen Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde durch die Hisbollah“ versorgt. (55) Der Verdacht liegt daher nahe, dass Inhalte der Erklärung im Fall des Gaza-Kriegs auf die israelische Botschaft zurückgehen. Zum Gefallen der „Antideutschen“ sprach der Chef der Berliner LINKEN Klaus Lederer auf einer Kundgebung, die ausdrücklich den Krieg Israels gegen die Einwohner des Gaza-Streifens unterstützte – und sorgte damit für einigen Wirbel innerhalb der Partei, der aber keinerlei Konsequenzen nach sich zog. (56) Außer der, dass sich die „antideutschen“ Kriegstreiber durch solche Auftritte ermutigt fühlen müssen. Als „besonders erfreulich“ bezeichnete Sebastian Voigt daher auch die Aktivitäten Lederers. (57) Halina Wawzyniak, stellvertretende Parteivorsitzende, beklagte, dass sich in der Partei die Rede von Israels Existenzrecht nicht in „Demonstrationsaufrufen niederschlägt“. (58)
Die rot-rot-grüne Connection
Unter der Bezeichnung Denkfabrik trifft sich seit 2004 ein Kreis von Abgeordneten aus SPD, Grüne und LINKE. Im Januar 2010 veröffentlichte man den Aufruf Das Leben ist bunter!, der für eine rot-rot-grüne Regierungsoption wirbt. (59) Von den programmatischen Eckpunkten der LINKEN, wie sie Lafontaine kurz zuvor in seiner Strategie-Rede skizziert hatte, wie z.B. Abschaffung von Hartz-IV oder die Ablehnung deutscher Auslandseinsätze, war darin aber nichts zu finden. Da die Zustimmung zu Auslandseinsätzen aber eine erforderliche Hürde ist, die die Linkspartei zugunsten der „Regierungsfähigkeit“ zu nehmen hat, ist es nicht verwunderlich, dass die Seilschaft der „antideutschen“ Pro-Kriegskräfte bis in die Denkfabrik reicht.
Geleitet wird die Denkfabrik von Angela Marquardt, einer Vertrauten von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, deren Mitarbeiterin sie seit 2006 ist. Marquardt war früher in der PDS. 1990 trat sie dort der AG Junge GenossInnen bei, die auch die Zusammenarbeit mit Gruppen aus der gewaltbereiten autonomen Szene suchte. „Wer Gewaltfreiheit proklamiert, ist meiner Meinung nach blauäugig“ so Marquardt damals. (60) Mit solchen und ähnlichen Äußerungen wurde sie nicht nur zum Angriffsziel der bürgerlichen Medien, sondern erntete auch innerparteilich heftige Kritik. 2003 trat sie aus der PDS aus und 2008 der SPD bei. Mit ihrer Beteiligung an Angriffskriegen lag die SPD ihrem Gewaltverständnis wohl deutlich näher als die PDS. Denn der Wechsel zur SPD war anscheinend keinesfalls einer Abkehr von radikalen Positionen geschuldet. Denn zum gewaltbereiten Spektrum der „antideutschen“ Szene unterhält sie nach wie vor gute Kontakte, wie die Tatsache belegt, dass sie für diese eine bundesweite Demonstration unter dem Motto Still not lovin’ Germany im Oktober 2009 in Leipzig anmeldete, die sich gegen die Feierlichkeiten zum Jahrestag der deutschen Einheit richtete. (61)
In der Denkfabrik engagiert sich auch Sylvia Kaufmann. Auch sie war zuvor bei der PDS und dann bei der LINKEN. Weil man aber dort nicht ihr Parteibeschlüsse missachtendes Engagement zugunsten des Lissabonner EU-Vertrages teilte und sie daher nicht zur Wiederwahl zum EU-Parlament 2009 aufgestellt wurde, wechselte sie zur SPD. Während ihrer Zeit bei der LINKEN hatte sie die „antideutsche“ Juliane Nagel als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt und linXXnet diente als ihr Abgeordnetenbüro. (62)
Für die LINKE nehmen Stefan Liebich, Jan Korte und die stellvertretende Vorsitzende Halina Wawzyniak an der Denkfarbik teil. (63) Liebich ist Mitbegründer des Forums Demokratischer Sozialismus (FDS), welches dem „pragmatischen“, rechten Flügel der Partei angehört. Als Redner auf einer Demonstration exil-iranischer und antideutscher Gruppen gegen Ahmadinedschads vermeintlichen Wahlbetrug im Sommer 2009, forderte Liebich Kanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier auf, „mehr als bisher zu tun“. (64) Natürlich landete die Rede auch auf der Webseite von BAK Shalom und wurde in dessen Newsletter beworben. (65)
Wawzyniak hingegen warb bereits auf dem PDS-Parteitag im April 2000 für die Beteiligung deutscher Soldaten an UN-Einsätzen. Den Umgang der Partei mit Denkfabrik-Kollegin Sylvia Kaufmann bezeichnete sie als „unfair“. (66)
Marquardt und Wawzyniak kennen sich schon aus ihrer gemeinsamen Zeit in der AG Junge GenossInnen, als sie in den 1990er Jahren gemeinsam durchs Land tourten. (67) Dort arbeitete man übrigens auch mit dem bereits mehrfach erwähnten Ivo Bozic zusammen, einem „antideutschen“ Journalisten und Unterstützer der Kriege der USA und Israels. (68)
Ebenso wie der in diesem Artikel bereits angesprochene Jan Korte steht auch Wawzyniak der „antideutschen Ideologie“ nahe und steht in enger Verbindung mit deren Vertretern. Abgesehen von einigen „Pragmatikern“ wie Liebich oder Bartsch, verlinkt Wawzyniak auf ihrer Webseite hauptsächlich auf Vertreter der „antideutschen“ Strömung. Neben Elke Breitenbach, die schon auf dem PDS-Sonderparteitag im April 2003 – kurz nach dem Angriff der USA auf Irak – dafür sorgen wollte, „dass sich die Partei in der Frage des Antiamerikanismus eindeutig positioniert“ (69),wird auf die BAK-Shalom-Leute Benjamin Krüger, Sebastian Meskes und Dirk Schröter verlinkt. Letzterer ist auch als Mitarbeiter in ihrem Büro angestellt, ebenso wie das BAK-Shalom-Gründungsmitglied Sebastian Koch.
Auch Büroleiterin Katja Jösting steht dem Bundesarbeitskreis nahe. Und Wawzyniaks wissenschaftlicher Mitarbeiter Kay Werner arbeitete vorher für den BAK-Shalom-Abgeordneten Michael Leutert. Nachdem Gysi gegenüber Noch-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch den Vorwurf erhob, sich der „Illoyalität“ gegenüber Lafontaine schuldig gemacht zu haben, sprang Wawzyniak für Bartsch in die Bresche. Es wäre ein „gutes Signal“, wenn er im Amt bleiben würde. (70) Schließlich war Bartsch der Widersacher Lafontaines und damit des erklärten großen Gegners der „antideutschen“ Kräfte. Lafontaines krankheitsbedingter Rückzug nach der Bundestagswahl nahm auch Bodo Ramelow als Gelegenheit, schon mal ein wenig am Personalkarussell zu drehen. „Es muss ohne Lafontaine gehen“, sagte er und brachte sich selbst und auch Petra Pau als künftige Vorsitzende ins Spiel. (71) Gysis Stellungnahme gegen Bartsch könnte aber auch dem Versuch geschuldet gewesen sein, diesen rechtzeitig aus der Schusslinie zu nehmen, bevor die wachsende Kritik an seiner Person dessen Position in der Partei irreversibel beschädigt. Dafür spricht, dass Gysi ihm den Posten des zweiten Fraktionsvorsitzenden zuwies. „Bei Treffen der Linksfraktion sitzt Bartsch nun auf dem Platz, den bisher Lafontaine innehatte.“ (72)
Während die stellvertretende Vorsitzende Wawzyniak die Hardliner vom BAK Shalom um sich herum gruppiert, wendet sich die andere stellvertretende Vorsitzende Katja Kipping an eine moderatere Zielgruppe.
Getrennt agieren – vereint zuschlagen?
Kipping gründete zusammen mit Julia Bonk und Caren Lay die AG Emanzipatorische Linke (Ema.Li). Die Arbeitsgemeinschaft pflegt gute Kontakte zu dem Forum des Demokratischen Sozialismus (FDS), zu dessen Mitbegründer/innen Caren Lay gehört und die dort u.a. mit Stefan Liebich zusammen für die Koordination zuständig ist. Lay, Bonk und Kipping waren bzw. sind alle Mitglieder des sächsischen Landtags – eine in Hinblick auf die „sächsische Seilschaft“ vielleicht nicht ganz unbedeutende Tatsache. So mag es nicht verwundern, dass Lay als Büroleiterin Susanne Bartholmes beschäftigt, die bereits mit Ivo Bozic eine Dokumentation herausgab. Lays Wahlkreismitarbeiter René Strowick ist zudem „einhundertprozentig solidarisch“ mit dem BAK Shalom. (73) Lay soll zusammen mit Werner Dreibus zukünftig in einer Doppelspitze Bartsch als Bundesgeschäftsführer ersetzen. (74)
Man könnte die Ema.Li auch als die „Lightversion“ des BAK Shalom betrachten. Dem linken Autor Peter Nowak ist in seiner folgenden Einschätzung recht zu geben: „So könnte man den BAK Shalom als Junge Wilde betrachten, die ihre Anliegen ohne wenig verbands- und parteiinterne Rücksichtnahme vertreten, während die schon gesetzteren Vertreter der emanzipatorischen Linken die Thesen dann geglätteter und parteiverträglicher in konkrete Politik umsetzen.“ (75) Jan Korte hält die Ema.Li für die Strömung, „in der es am ehesten Raum für Debatten über linken Antiamerikanismus und Antizionismus“ gebe. (76) Und Juliane Nagel verortet die Ema.Li zwischen den Polen der Israel-solidarischen „Realos“ einerseits und den „verbalradikalen Sozialpopulisten“ andererseits, die ihr „Augenmerk auf die Beseitigung des „Hauptwiderspruchs zwischen Kapital und Arbeit“ legen“ und daher „in ihrer oberflächlichen Kritik des Kapitalismus anfällig für verschwörungstheoretische, antisemitische Argumentationsmuster“ wären.
„Für die Arbeit gegen Antisemitismus in seinen verschiedenen Facetten (…) ist dieser Zusammenhang wohl immer noch die beste Ansprechpartnerin (gemeint ist das Netzwerk Emanzipatorische Linke, Anm. Red.), wenngleich es ihr an Organisierung mangelt und der Anspruch, die Dinge differenziert und ausgewogen zu betrachten, zu oft zu abstrakt-beliebigen Nicht-Positionierungen führt“, so Nagel. (77) Noch sieht man in der Ema.Li die Dinge nicht so „ausgewogen und differenziert“ wie beim BAK Shalom – doch das kommt dem Bundesarbeitskreis im Sinne einer Arbeitsteilung nur zugute. Die Ema.Li dient – ob beabsichtigt oder nicht – als Brücke antideutscher Positionen zu den Kräften, die noch nicht völlig ausgewogen und differenziert die bedingungslose Solidarität mit Israel und dessen Kriegen praktizieren.
Und so finden sich unter einer gemeinsamen Erklärung von Mitgliedern der Ema.Li und des FDS auch die Namen Jan Korte, Klaus Lederer, Michael Leutert und Halina Wawzyniak wieder. (78) Natürlich solidarisierte man sich in der Ema.Li auch mit Bartsch und fragte rhetorisch: „Was passiert eigentlich in einer Partei, wo plötzlich mehr von Loyalität geredet wird als von Solidarität? Muss man sich in der Partei entscheiden, ob man eine Funktion ausübt oder eine Meinung äußert?“ Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hält man für unbegründet. (79) Unbegründet hingegen ist nicht die Feststellung, dass sich politisch Interessierte normalerweise in der Partei engagieren, die ihnen programmatisch am nächsten steht. Die Mitglieder des BAK Shalom scheinen das ein wenig anders zu sehen. Sie engagieren sich ausgerechnet in der Partei, deren Vorsitzenden sie ideologische Nähe zu nationalsozialistischen Positionen anlasten und in der sich viele Mitglieder als Antiimperialisten, und eine deutliche Mehrheit als Antikapitalisten, begreifen – und damit BAK Shaloms erklärte Gegner sind.
Es stellt sich die Frage, welche Absicht hinter einer solchen, nur auf den ersten Blick wenig zielorientierten Vorgehensweise steckt, warum gerade die LINKE zum Aufmarschfeld geballten „antideutschen“ Engagements wurde. Und es stellt sich weiter die Frage, wie es der BAK Shalom schaffen konnte, bis in die höchsten Spitzen der Partei auf Sympathisanten und Förderer bauen zu können. Eine Antwort darauf könnte sein, dass die Linkspartei – wie von vielen „Realos“ gewünscht – „regierungsfähig“ wird, wenn die „antideutschen“ Kräfte sich vollends durchsetzen. Nur ihren Namen sollte die Partei dann ändern, alles andere wäre ein Etikettenschwindel.
Anmerkungen
(1 ) Siehe dazu: Max Brym, „Ein deutsches Phänomen“, 20.8.2003, hagalil.com, http://www.nahost-politik.de/deutschland/antideutsch.htm
(2 ) Bernard Schmid, „Antisemitismus und die französische Mehrheitsgesellschaft“, 19.11.2002, hagalil.com, http://www.hagalil.com/antisemitismus/frankreich/antisemitismus-4.htm
(3 ) Ali Fathollah-Nejad, „Business as usual?“, 24.5.2008, Znet,
http://zmag.de/artikel/201ebusiness-as-usual201c-201eaufs-maul-hauen
(4 ) Stephan Grigat, „Die iranische Bedrohung“, 8.9.2007, Die Presse, http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/328729/index.do
(5 ) AK Rechtspolitik und Menschenrechte & AK Internationalismus, http://rifkah.blogsport.de/images/Aufruf_Ferienakademie20092.pdf
(6 ) Stellungnahme des Arbeitskreises „Antisemitismus – Analyse und Kritik“,
http://doch.blogsport.de/images/StellungnahmedesAKAntisemitismus.pdf
(7 ) BAK Shalom, „Begriffserklärung: Regressiver Antikapitalismus“,
http://bak-shalom.de/index.php/materialien-des-bak-shalom/wir/begriffserklarung-regressiver-antikapitalismus/
(8 ) BAK Shalom, Grundsatzerklärung,
http://bak-shalom.de/index.php/materialien-des-bak-shalom/wir/
(9 ) Reaktion des Beauftragtenrats (BR) der Linksjugend ['solid] Sachsen auf den offenen Brief des BSpR an die SAV, http://www.linksjugend-bloggt.de/?p=919
(10 ) So beteiligten sich Gruppen aus dem „Um’s Ganze“-Bündnis und „antideutsche“ Mitglieder der LINKEN an einer Demonstration am 13.12.2009, die sich gegen das linke, internationalistische „B5-Zentrum“ in Hamburg richtete. (Siehe dazu: http://www.webcitation.org/5m1vBmLA2 ). Mitglieder des Zentrums hätten antisemitische Äußerungen wie „Judenschweine“ von sich gegeben. Obwohl diese Beschuldigungen niemals bewiesen wurden, übernahm die Landessprecherin der LINKEN in Hamburg, Christiane Schneider, die Version der „Antideutschen“ unbenommen. Innerparteilicher Kritik wurde mit Zensur begegnet. (Siehe dazu: http://www.die-linke-hh.de/partei/zusammenschluesse/ag-medien-rote-reporter/partei-intern.html )
Zu den ganzen Ereignissen siehe auch:
http://www.schattenblick.de/infopool/politik/report/prber025.html )
Erst jüngst verhinderten Gruppen, die sich regelmäßig an Kampagnen des „Um’s Ganze“-Bündnisses beteiligen (Autonome Neuköllner Antifa (ANA) , Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost (Berlin) , Emanzipative Antifaschistische Gruppe EAG (Berlin)) zusammen mit dem LAK Shalom Berlin und Brandenburg den für den 26.Februar geplanten Vortrag des jüdischen Israel-Kritikers Norman Finkelstein in den Räumen der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Siehe dazu:
http://www.webcitation.org/5ncHiq1B3http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=9929&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2278&tx_ttnews[backPid]=406&cHash=4c2825abe2
(11 ) Um’s Ganze, Aufruf „Reduce to the max: Just Communism!“,
http://umsganze.de/index.php/home/38-beitraege/67-reduce-to-the-max-just-communism699f11955b68c557bb09a869cccc3295=21305f1b1363d112beac68da7e3d8621
(12 ) Oskar Lafontaine, „Zur Strategie der Partei DIE LINKE nach der Bundestagswahl 2009“, 19.1.2010,
http://die-linke.de/die_linke/nachrichten/detail/zurueck/aktuell/artikel/zur-strategie-der-partei-die-linke-nach-der-bundestagswahl-2009/
(13 ) Eine Übersicht der Abgeordneten und ihrer Mitarbeiter/innen findet sich hier: http://www.linksfraktion.de/abgeordnete_a_bis_f.php
(14 ) http://www.benjamin-krueger.net/?
(16 ) Ramelow im Interview, „Die Linke hat Regierungsanspruch“, 4.10.2009, Die Welt,
http://www.welt.de/die-welt/politik/article4727125/Die-Linke-hat Regierungsanspruch.html
(17 ) Als Beispiel sei die Kampagne gegen Hermann Dierkes erwähnt, der für die LINKE als Oberbürgermeister in Duisburg kandidieren sollte. Dierkes äußerte sich positiv über eine auf dem Weltsozialforum in Belem Anfang 2009 entstandene Kampagne, die zum Boykott israelischer Waren aufrief, um Druck auf Israel auszuüben, die Menschenrechte einzuhalten.
Durch gezielte Verdrehungen in einem Artikel der „WAZ“ wurde Dierkes unterstellt, antisemitische Äußerungen getätigt zu haben. Es hagelte Morddrohungen gegen ihn. In der Springer-Presse und den Blättern des WAZ-Konzerns sowie der antideutschen Blogger-Szene wurde der Duisburger Linke mit einer regelrechten Hetzkampagne überzogen (siehe auch: http://www.jungewelt.de/2009/02-28/003.php). Auch aus den Reihen der Partei wurde Dierkes scharf angegriffen. So stimmte Petra Pau in den Chor der bürgerlichen Presse ein: „Angesichts der deutschen Geschichte wecken diese Äußerungen unsägliche Assoziationen und bedienen finsterste Klischees“ (Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Petra-Pau-Hermann-Dierkes-Zentralrat-der-Juden-LinksparteiIsrael;art122,2738703). Ebenso der Parteivorstand: „Solche Boykott-Aufrufe sind absurd“ und „verbieten sich vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte“ (Quelle: http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?r=357906&sid=&aktion=jour_pm&print=1&pdf=1). 32 Mitglieder der Partei – darunter fast alle der hier im Artikel Erwähnten – verfassten eine Erklärung, die sich gegen Boykott-Aufrufe aussprach und damit zu Dierkes Isolation in der Partei beitrug – obwohl dieser aus den unteren Reihen der Partei viel Zustimmung erfuhr (Erklärung findet sich hier: http://bak-shalom.de/index.php/2009/03/05/mit-boykottaufrufen-ist-eine-losung-im-nahost-konflikt-nicht-zu-erreichen/). Der Druck war schließlich zu groß, Dierkes trat nicht zur OB-Wahl an. Siehe dazu auch sein Interview: http://www.muslim-markt.de/interview/2009/dierkes.htm
(18 ) Knut Mellenthin, „‘Uneingeschränkte Solidarität‘ mit Israels Kriegspolitik“, 18.7.2008, junge Welt, http://www.jungewelt.de/2008/07-18/064.php?
(19 ) Gesine Lötzsch, Tagebuch November 2009,
http://www.gesine-loetzsch.de/willkommen/tagebuch_2009/november/
(20 ) http://www.kritiknetz.de/09-06%20Endversion%20Nahostkonflikt.pdf
(21 ) Gespräch mit Victor Perli, „Wir müssen den Fokus auf die Gemeinsamkeiten legen“, 23.5.2007, junge Welt, http://www.jungewelt.de/2007/05-23/034.php?sstr=wangerin
(22 ) Ein Überblick über die Gründungsmitglieder des BAK Shalom findet sich hier: http://78.47.195.74/linksjugend_sachsen/text.php4naviID=350&topnavi=307&textID=1333&PDSSESS=5105540bfcc26d306eecc2290bf36fc3
(23 ) Markus Bernhardt, „Mit Krieg und Kapital“, 17.4.2007, junge Welt,
http://www.jungewelt.de/2007/04-17/044.php
(24 ) Brief von Benjamin Krüger, 25.4.2008,
http://www.steinbergrecherche.com/20080425benjaminkruegerbakshalom.jpg
(25 ) Sebastian Voigt, „An Israels Seite“, 20.5.2008, Tagesspiegel,
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Die-Linke;art141,2534166
(27 ) Jan-Phillip Hein, „Ein Problem namens Israel“, 23.5.2008, stern, http://www.stern.de/politik/deutschland/linkspartei-ein-problem-namens-israel-621412.html
(28 ) Thomas Steinfeld, „Unsere Hassprediger“, 14.1.2010, Süddeutsche Zeitung,
http://www.sueddeutsche.de/politik/846/500117/text/
(29 ) Knut Mellenthin, „Gregor Gysi schreibt an Henryk Broder“, 3.11.2006, junge Welt,
http://www.jungewelt.de/2006/11-03/020.php
(30 ) Knut Mellenthin, „Rabiater Fanclub“, 18.7.2008, junge Welt,
http://www.jungewelt.de/2008/07-18/062.php?sstr=bundessprecherinnenrat
(31 ) „Stellungnahme des BAK Shalom zu den Ereignissen der vergangenen Wochen“, 12.7.2008, http://bak-shalom.de/index.php/2008/07/16/stellungnahme-des-bak-shalom-zu-den-ereignissen-der-vergangenen-wochen/
(32 ) Interview mit Henning Wötzel-Herber, konkret 6/2008,
http://bak-shalom.de/wp-content/2008/06/seite3.pdf
(33 ) „Offener Brief an Mitglieder der Linksfraktion im Deutschen Bundestag“, 6.8.2006,
http://78.47.195.74/linksjugend_sachsen/text.php4naviID=335&topnavi=312&textID=875&PDSSESS=a580ffe1fc2bfa4fca2dca5571067d45
(34 ) Juliane Nagel, „Die (jüngere) Geschichte des Nahostkonfliktes in der Linkspartei“, neuroticker 11/2007,
http://www.linke-bueros.de/text.php?textID=3269&naviID=508&openCont=
(35 ) Oskar Lafontaine, „Antwort an die Pro-Israel-Kritiker/-innen“, 10.8.2006,
http://www.axel-troost.de/article/316.lafontaine__antwort_an_die_pro_israel_kritiker__innen.html
(36 ) linXXnet Leipzig, „Was sind wir?“, 18.12.2006,
http://www.linke-bueros.de/text.php?textID=2890&naviID=344
(37 ) http://www.israel-debatte.de/impressum.html
(38 ) LinXXnet-Chronik 2000-2001,
http://www.linke-bueros.de/text.php?textID=2895&naviID=455
(39 ) Ein Überblick der Beiträge aus dem Verteiler findet sich hier: http://de.dir.groups.yahoo.com/group/israel-debatte/messages
(40 ) „Linkspartei: Existenzrecht Israels ist Verhandlungssache“, 1.4.2007, Politically Incorrect,
(41 ) Ivo Bozic, „Hamas im Bundestag“, 25.10.2006, Jungle World, http://www.emanzipatorische-linke.de/node/79
(42 ) Interview mit Ilan Mor, „Zionist zu sein, bedeutet, in Israel zu leben”, 23.7.2009, Jungle World, http://jungle-world.com/artikel/2009/30/35908.html
(43 ) http://de.dir.groups.yahoo.com/group/israel-debatte/message/74
(43 ) „The Delegitimization Challenge: Creating a Political Firewall“, 14. Februar 2010, The Reut Institute, http://www.reut-institute.org/en/Publication.aspx?PublicationId=3769
(44 ) http://de.dir.groups.yahoo.com/group/israel-debatte/message/74
(45 ) „Offener Brief zur Veranstaltung ‘Deutschland-Israel-Palästina‘„, 21.7.2005,
http://www.israel-soli.de/index.php/papers/statements/41-offener-brief-zur-veranstaltung-deutschland-israel-palaestina
(46 ) Sebastian Fischer, „Hitler des 21. Jahrhunderts“, 11.6.2006, Spiegel Online,
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,420762,00.html
(47 ) Stefan Reinecke, „Linkspartei zofft sich wegen Israel“, 2.2.2010, TAZ,
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/linkspartei-zofft-sich-wegen-israel/
(48 ) Michael Leutert, „Ein Zitat und seine Folgen“, 1.2.2010,
http://www.michael-leutert.de/article/560.ein-zitat-und-die-folgen.html
(49 ) Interview mit Benjamin Krüger, „Gregor Gysi ist gefordert“, 4.2.2010, Jungle World,
http://jungle-world.com/artikel/2010/05/40293.html
(50 ) Nach den Anschlägen in Madrid am 11.3.2003 wählte eine Mehrheit der Spanier in den kurz darauf stattfindenden Wahlen die Sozialistische Partei, weil diese angekündigt hatte, Spaniens Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Viele Spanier hatten die Anschläge als Reaktion auf Spaniens Beteiligung am Krieg gegen Irak gedeutet. Zum Wahlverhalten der Spanier schrieb Daniel Kulla, der unter dem Namen „classless“ bloggt: „You let the terrorists blackmail you! You retreated from Iraq. Shame on you! You invited them to bomb London in 2005.“ Wer die Unterstützung an einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg verweigert, unterstützt demnach laut Kulla den Terrorismus. http://www.flickr.com/photos/classless/174044390/
(51 ) Daniel Kulla, „Hinter uns allen her?„, 8.4.2007, neuroticker,
http://www.linke-bueros.de/text.php?textID=3190&naviID=543&openCont
(52 ) Daniel Kulla, „Antideutsche in der Linkspartei“, 16.4.2007, Blogeintrag,
http://www.classless.org/2007/04/16/antideutsche-in-der-linkspartei/
(53 ) Leserbrief Boris Krumnow, „Denunziation“, 17.4.2007, junge Welt,
http://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php?letterId=3832
(54 ) Stellungnahme „Frieden geht nur ohne Terror!“, 16.1.2009, http://www.zweiundvierzig.it/linksjugend_sachsen/text.php4?naviID=342&topnavi=307&textID=2361&PDSSESS=d98277cbfba2e49c23a9cc7989800c37
(55 ) http://de.dir.groups.yahoo.com/group/israel-debatte/message/12
(56 ) Hendrik Paul / Peter Schwarz, „Vorsitzender der Berliner Linkspartei unterstützt Israel im Krieg gegen Gaza“, 14.1.2009, http://www.wsws.org/de/2009/jan2009/lede-j14.shtml
(57 ) Sebastian Voigt, „An Israels Seite“, 20.5.2008, Tagesspiegel,
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Die-Linke;art141,2534166
(58 ) Björn Hengst, „Linke streitet über ihr Verhältnis zu Israel“, 23.1.2009, Spiegel Online, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,603204,00.html
(59 ) Aufruf „Das Leben ist bunter!“, 23.1.2010, FAZ,
http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E3A419E6995744CDB9E9C3C8209C4DC83~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_politik
(60 ) Gerd Langguth, „Ob friedlich oder militant – wichtig bleibt der Widerstand„, 14.9.1995, FAZ, http://www.gerd-langguth.de/artikel/faz_pds.htm
(61 ) http://www.spdleipzig.de/index.phpoption=com_content&task=view&id=612&Itemid=1
(62 ) Juliane Nagel, „Bewerbung als Mitglied des Landesvorstandes der Linkspartei.PDS Sachsen“, http://portal.pds-sachsen.de/partei.asp?iid=2683&mid=0&uid=0
sowie „linXXnet“ Leipzig, „Was sind wir?“, 18.12.2006,
http://www.linke-bueros.de/text.php?textID=2890&naviID=344
(63 ) Michael Bröcker / Gerhard Voogt, „Rot-rot-grüne Lockerungsübungen“, 26.1.2010, RP-Online,
http://nachrichten.rp-online.de/article/politik/Rot-rot-gruene-Lockerungsuebungen/65766
(64 ) http://www.stefan-liebich.de/article/1474.8220-where-ist-my-vote-8221.html
(65 ) BAK Shalom Newsletter, 21.7.2009, http://bak-shalom.de/wp-content/2008/05/newsletterbakshalom090720.pdf
(66 ) Halina Wawzyniak, „Zeit zum Innehalten“, 14.5.2009,
http://www.linkebueros.de/text.phptextID=5409&naviID=460&openCont=naviContainer23
(67 ) Ivo Bozic, „Per Ostalgie zur Volkspartei“, 1999, Jungle World,
http://web.archive.org/web/19991008010004/http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/10/07a.htm
(68 ) Gerd Langguth, „Ob friedlich oder militant – wichtig bleibt der Widerstand„, 14.9.1995, FAZ, http://www.gerd-langguth.de/artikel/faz_pds.htm
(69 ) Heike Kleffner, „Rechter Friedenswille“, 22.3.2003, hagalil.com,
http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2003/03/friedensaktionen.htm
(70 ) Matthias Meisner, „Linke zankt immer heftiger“, 14.1.2010, Tagesspiegel,
http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Linke-Kritik-Wawzyniak-Dietmar-Bartsch-Gregor-Gysi;art122,3001383
(71 ) „Linke watschen Ramelow ab“, 18.11.2009, n-tv.de,
http://www.n-tv.de/politik/Linke-watschen-Ramelow-ab-article594546.html
(72 ) Stefan Reinecke, „Linkspartei will Parteitag umgehen“, 16.2.2010, TAZ
(73 ) http://bak-shalom.de/index.php/2008/06/19/solidaritat-mit-dem-bak-shalom/
(74 ) Markus Wehner, „Die Zeit der Lügen ist vorbei“, 30.1.2010, FAZ,
http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EDDB6262DFEA6446CA1AD3B8B7E29DE50~ATpl~Ecommon~Scontent.html
(75 ) Peter Nowak, „Kein Frieden mit Shalom“, 18.6.2008, Heise, http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28145/1.html
(76 ) Ivo Bozic, „Hamas im Bundestag“, 25.10.2006, Jungle World, http://www.emanzipatorische-linke.de/node/79
(77 ) Juliane Nagel, „Blau-weiß meets deunkelrot“, http://www.conne-island.de/nf/157/23.html
(78 ) Erklärung „Die Sache ist nicht vom Tisch“, 28.2.2008, http://www.emanzipatorische-linke.de/node/103
(79 ) Stellungnahme „Entscheidungsschlachten sind der Weg in den Abgrund“,
http://www.emanzipatorische-linke.de/node/152
Artikel auf der Hintergrund-Homepage















Das bin ich nicht. Die Linksparetei gehört zur antisemitischen Friedensbewegung! Der Kerl dort imitiert mich!
Ich hatte kürzlich bei dem Beitrag von Alexander Shapiro auf den folgenden Artikel hingewiesen. Mittlerweile bin ich dazu gekommen, ihn zu übersetzen – etwas holprig, da in Eile, aber durchaus verständlich, wie ich finde. Der Inhalt spricht für sich. Ach so – für Henryk M. Broder und Menschen seiner Denkungsart gehört die Autorin sicherlich zu den jüdischen Antisemiten …
Entzauberung des Zionismus
[Disenchanting Zionism]
Von Rachel Tabachnick
aus: ZEEK. A Jewish Journal of Thought and Culture (New York). 29. 3. 2010
http://zeek.forward.com/articles/116554/
»Dies Land ist mein. Gott gab dieses Land mir.« [This land is mine, God gave this land to me.] Für viele mögen diese Worte den musikalischen Ohrwurm aus Otto Premingers Film »Exodus« aus dem Jahr 1960 wachrufen. Allerdings kamen diese Worte nicht in der Oscar-prämierten Musik vor, die Ernest Gold komponiert hat. Der Christliche Zionist und Sänger Pat Boone kritzelte sie auf eine Weihnachtskarte, nachdem der Film aufgeführt worden war, wie die Jerusalem Post in einem Artikel über Boones »Weihnachtsgeschenk an die Juden« [Christmas present to the Jews] berichtete.
Diese Woche sah ich »Exodus« das erste Mal nach vielen Jahren. Die Geschichte, von Leon Uris gleichnamigem Roman adaptiert, unterscheidet sich substantiell von der der realen »Exodus« von 1947, einem mit Juden überladenen schäbigen Packetdampfer, der Frankreich Richtung Haifa verließ. In der schrecklichen Geschichte der wirklichen »Exodus« wurde das Schiff gerammt und von den Briten übernommen, die es nach Haifa schleppten und die Immigranten auf andere Schiffe luden, um sie nach Frankreich zurückzuschicken. Nachdem Frankreich sich weigerte, die im Hungerstreik befindlichen Passagiere an Land zu zwingen, brachten die Briten sie nach Deutschland, wo sie in ehemaligen Konzentrationslagern interniert wurden. Der öffentliche Aufschrei verursachte eine Änderung der britschen Politik, die in der Folge Zypern zur Internierung jener Juden benutzten, die versuchten, nach Palästina einzuwandern.
In der Filmfassung gelingt es Ari Ben Canaan, gespielt von Paul Newman, Hunderte Flüchtlinge von Zypern auf das Schiff zu schmuggeln. wo es von den Briten blockiert wird. Die amerikanische Krankenschwester Kitty Fremont setzt sich bei einem britschen General, den sie irrtümlich für eine Juden hält, dafür ein zu intervenieren, als die an Bord des Schiffes Befindlichen wegen ihres Hungerstreiks gefährlich schwach werden. Der General antwortet: »Jetzt stelle ich mir die Frage, wie irgendein Mensch dies geschehen lassen kann, sei er nun Jude, Christ, Buddhist, Moslem.« Dieser Film, mittlerweile fünfzig Jahre alt, war ein simplistischer, etwas kitschiger, revisionistischer Blick auf Israels Gründung. Seine massive Popularität gründete sich allerdings auf seine universelle Botschaft der jüdischen Menschenrechte, nicht auf ein »göttliches Recht« auf das Land.
Premingers »Exodus« ist eine Erinnerung an eine Vergangenheit, als Zionismus andere Vorstellungen hervorrief als heute. Damals konnten alle, die glaubten, daß die Juden das Recht haben in Frieden zu leben, als pro-israelisch angesehen werden. Es gab keine Bedingung, eine wörtliche Interpretation zukünftiger biblischer Prophezeiungen zu akzeptieren.
Die negative Besetzung des Wortes »Zionismus« heute – ein Begriff, der weitgehend dahingehend umdefiniert wurde, Einwände gegen die israelische Regierungspolitik zu beschreiben – wird häufig der muslimischen Propaganda und dem Anti-Semitismus zugeschrieben. Sicherlich hat der andauernde israelisch-palästinensische Kampf die primäre Rolle dabei gespielt, seinen Ruf zu beschädigen. Es gibt allerdings einen Faktor in dieser Gleichung, der ständig als Elefant im Porzellanladen auftritt, sobald es um den innerjüdischen Dialog geht. Das Wort Zionismus wird in steigendem Maße gleichgesetzt mit dem Begriff »Biblischer Zionismus«, eine Weltsicht, bei der eine Partnerschaft aus Christen und Juden wie wild daran arbeitet, die Zeiger der prophetischen Uhr zu bewegen und ihre, wenn auch unterschiedlichen, Visionen des Messianischen Zeitalter zu befördern. Man muß kein Anti-Semit oder ein »pro-palästinensischer Propagandist« sein, um diese Agenda und die explosive Mischung jener zu fürchten, die in allen drei abrahamitischen Glaubensrichtungen darauf fixiert sind, die menschliche Geschichte zu beenden.
Premierminister Netanjahu hat das iranische Regime als einen »messianischen apokalyptischen Kult« beschrieben, während er gleichzeitig die Verkündung christlischer Endzeit-Hysterie und jüdischen Extremismus fördert; und er hat seine Feinde als »Amalekiter« bezeichnet, jenen Stamm, den die biblischen Israeliten bis auf die letzte Frau, das letzte Kind und das letzte Haustier auszurotten beauftragt worden waren [siehe 1. Samuel 15, 2, 3; A. d. Ü].
In diesem Gemeinschaftsunternehmen des Biblischen Zionismus sind die jüdischen Partner in beträchtlicher Minderheit gegenüber den christlichen Millenaristen, die heute eine wachsende Erscheinung in Südamerika, Asien, Afrika und Europa darstellen. Letzte Woche habe ich meine Videosammlung vom »Davidischen Tanz« – ein Ausdruck millenaristischer Inbrunst, in der diese charismatischen Christen ihre »hebräischen Wurzeln« umarmen, indem sie die Rolle der alten Hebräer spielen und sich darauf vorbereiten, in Vorbereitung auf das Ende aller Zeiten über die Amalektiter der Welt herzufallen – weitere zugefügt. Diese Video-Clips stammen aus Argentinien, Brasilien, Kanada, Deutschland, Hong Kong, Singapur, Sambia und zahlreichen anderen Nationen. Heutzutage werden diese Ereignisse als Ausdruck der Unterstützung für Israel angesehen, aber der Millenarismus ist launisch, und die Geschichte hat gezeigt, daß die ekstatischen Erwartungen philosemitischer Besessenheit sich in etwas sehr Häßliches verwandeln können, wenn die Juden nicht die ihnen zugedachte Rolle in dem Drama einnehmen.
Der heutige Zionismus wird von christlichen Fernseh-Netzen vierundzwanzig Stunden am Tag um den ganzen Erdball gefördert, sieben Tage die Woche, und in Büchern, von denen Millionen verkauft werden. Dieser Zionismus wird definiert in apokalyptischen Bildern von kommenden Kriegen und mit Karten eines größeren Israel, das sich vom Nil bis zum Euphrat erstreckt. Er ist ein Zionismus, der eindeutig darauf basiert, die Juden der Welt als eine Rasse zu definieren, und daß sie sich auf irgendeine angeborene Art von allen übrigen Menschen unterscheiden. Dies ist ein Zionismus, der natürlich jeden abstößt, gleich welcher Religion oder Nationalität und einschließlich vieler Christen weltweit, die Einspruch erheben gegen eine simplistische und dualistische Erzählung, in der die Mächte, die für Gott arbeiten, und die Mächte, die für den Teufel arbeiten, kurz davor stehen, ihre Entscheidungsschlacht im modernen Staat Israel auszufechten.
Wenn negative Bilder des Zionismus in extremistischen islamischen Medien benutzt werden, so werden sie recht regelmäßig und ziemlich zutreffend als Propaganda mißachtet. Israels millenaristische Verbündete allerdings beschreiben voller Enthusiasmus einen blutdürstigen und tobenden Zionismus, einschließlich bildlicher Darstellungen dessen, was als biblische Prophezeiungen des nuklearen Krieges beschrieben wird. Warum sollte ihre Propaganda nicht ernst genommen werden, wenn sie mit ihren persönlichen Beziehungen zu und und ihren Auszeichnungen durch jüdische Führer, Politiker und Organisationen werben?
In den letzten Jahren hat Israel versucht, mit einer Anzahl Werbeprojekten den Fokus vom israelisch-palästinensischen Konflikt fort auf andere Bilder zu lenken, auf die Schönheit der Nation, Tourismus, technologischen Fortschritt und andere Errungenschaften. Aber entgegen den Zeitungsenten von der jüdischen Kontrolle der Medien kann Israel nicht damit beginnen, mit dem weltweiten Zugang christlicher Radio- und Fernsehsender in Wettbewerb zu treten, die weitgehend durch dieselbe charismatische Strömung der Christenheit kontrolliert wird, die den internationalen christlichen zionistischen Aktivismus dominiert. Stell einen Fernseher in irgendeinem Hotelzimmer in Asien, Afrika, Europa oder den beiden Amerikas an, und du hast eine gute Chance, einen charismatischen Fernsehprediger zu finden, der der millenaristische Sorte des Zionismus Vorschub leistet.
In dem Maße, wie das Phänomen des globalen Biblischen Zionismus wächst, wächst seine Umarmung durch israelische Politiker. Netanjahus Ansprache auf der Versammlung der ‘Christians United for Israel’ (CUFI), gehalten am Abend des jüngsten Besuches von Joe Biden in Israel, demonstriert die signifikante politische Rolle seiner Christlichen Zionistischen Unterstützer. In seiner Rede auf der AIPAC Policy Conference [American Israel Public Affairs Committee – wichtigste pro-israelische Lobby-Organisation der USA; A. d. Ü.] wiederholte er eine Warnung, die er zwei Wochen zuvor auf der CUFI-Veranstaltung ausgesprochen hatte. Netanjahu beschrieb eine »unbarmherzige internationale Kampagne, die Israels Existenzrecht unterminieren soll«. Kurz bevor er er Netanjahu auf der CUFI-Veranstaltung einführte, hatte John Hagee festgestellt: »Es gibt einen blödsinnigen Versuch in den globalen Medien, Israel von seinem historischen Bund zu trennen, den Gott mit Abraham, Isaak und Jakob schloß. Israel existiert nicht wegen eines Erlasses der Vereinigten Nationen aus dem Jahre 1948. Israel existiert wegen eines Bundes, der vor 3.500 Jahren mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen wurde, und dieser Bund besteht immer noch.«
Das ist ein religiöser Glaube, der von vielen Juden und Christen geteilt wird, aber welche Konsequenzen hat es, diesen Glauben der restlichen Welt als politisches Handeln aufzuzwingen?
»Israel, der jüdische Staat, ist keine politische Entität,« schreibt Gary Cooperberg, der ehemalige Auslandspressesprecher von Meir Kahane, in seinem post von 2001 mit dem Titel »Biblischer Zionismus ist der einzige Pfad zum Frieden.« Er fährt fort: »Es ist der Anfang der Erfüllung der biblischen Bestimmung. Es betrifft nicht nur das jüdische Volk, sondern alle Nationen der Welt. Die Erlösung hat eindeutig begonnen, und alle Nationen werden von G-tt gerichtet werden. Auch die Nation Israel wird danach gerichtet werden, wie sie sich verhält. Der Terror, den wir heute in Israel sehen, steht in direktem Bezug zu dem Versagen unserer Führer hier, nationale Politik entsprechend den biblischen Aufträgen zu betreiben.«
Christliche Nationalisten in den USA benutzen eine ähnliche Terminologie, wenn sie beschreiben, daß dieses Land göttlich dazu bestimmt sei, sowohl Teil des Erlösungsprozesses der Welt als auch Werkzeug Gottes zu sein, um andere Nationen zu richten. Ein Textbuch mit dem Titel ‘America’s Providential History’ enthält eine Zeitlinie, die 1789 als die Gründung »der ersten Christlichen Republik« markiert. Der Text endet mit Amerikas Niedergang, verursacht durch Apostasie, und liefert Anleitungen zur Transformation Amerikas durch eine Rückkehr zum Willen Gottes. Nach der Transformation, so beschreibt der Text, »wird die Außenpolitik in dieser christlichen Weltordnung von Missionaren und Mitgliedern der christlichen Handelsgemeinde betrieben werden, die wissen, wie die Sache Christi außerhalb zu vertreten ist.« (Die Autoren des Textbuches bedanken sich bei zwei Geschichts-«Experten«, David Barton und Peter Marshall, die zur Zeit im Beratergremium des ‘Texas State School Board of Education’ arbeiten, dessen Änderung der Lehrplanrichtlinien eine nationale Kontroverse ausgelöst haben.)
Ist es Israels Existenzrecht, das angegriffen wird, wie Netanjahu und Hagee behaupten, oder der Glaube des Biblischen Zionismus an ein göttliches Recht auf ein größeres Israel? Wird Israels Status als ein moderner Staat unterstützt oder beschädigt durch die wachsende Gleichsetzung des Begriffes pro-israelisch mit Biblischem Zionismus? Sicherlich liegt politisches Potential in der Partnerschaft mit dem christlichen Millenaristen in den Nationen auf der ganzen Welt. Umgekehrt droht die Umarmung des Biblischen Zionismus als Rechtfertigung der Existenz Israels, alle Anderen permanent zu entfremden sowie Israel weiter in die Fänge seiner millenaristischen christlichen Partner zu treiben. Für den millenaristisch gestimmten christlichen Flügel dieser Partnerschaft ist die wachsende Entfremdung Israels kein Problem, da es eine notwendige Voraussetzung ihrer endzeitlichen Erzählung ist.
Gershom Gorenberg zitiert in seinem Buch ‘End of Days. Fundamentalism and the Struggle for the Temple Mount’ [Das Ende der Tage. Fundamentalismus und der Kampf für den Tempelberg] den Kahanisten Gary Cooperberg. Gorenberg zufolge sandte Cooperberg nach dem Purim Massaker von 1994, das Kahanisten-Kamerad Baruch Goldstein an 29 muslimischen Gottesdienstbesuchern während der der Gebete in der Grabkammer der Patriarchen in Hebron verübte, an Journalisten ein Fax. Er konstatierte, daß Goldsteins »verzweifelter Akt der Liebe für sein Volk … eines Tages von allen Juden als der Wendepunkt erkannt werden wird, der die Erlösung über uns brachte.« Gorenberg erklärt, daß Goldstein Tage vor dem Massaker seinen Freunden erzählt hatte, daß er einen Plan habe, den Friedensprozeß zu beenden.
John Hagee beschreibt den Mord an Jitzhak Rabin als einen göttlich gefügten Plan. »Der Schuß, der Jitzhak Rabin tötete, brachte die biblische Prophezeiung auf die Überholspur«, erklärt er in seinem Buch ‘Beginning of the End’ [Der Anfang vom Ende] und beschreibt dann jene Juden, die Frieden wollen, als »kulturelle oder ethnische Juden, die dem religiösen Glauben des jüdischen Volkes keine große Bedeutung zumessen.« Hagee setzt sein regelmäßig benutztes Thema fort, daß Israel in seiner Suche nach »Frieden um jeden Preis« »seine Sicherheit dem Anti-Christ in die Hände legen« würde und somit an der Entstehung der »New World Order« [Neuen Weltordnung] mitarbeite.
Es ist merkwürdig, daß Juden, die nicht daran denken würden, mit dem Kahanismus gemeinsame Sache zu machen, fröhlich die Partnerschaft mit Christen unterstützen, die den Kahanismus und ihren eigenen parallelen religiösen Fanatismus verbreiten. Aus verschiedenen Gründen wird die christliche Version von vielen, sowohl auf der Linken wie der Rechten, als irgendwie harmlos und inkonsequent angesehen.
Die Sprache sowohl der christlichen wie der jüdischen Extremisten wird in steigendem Maße von israelischen politischen Führern benutzt. Bürgermeister Nit Barkat wurde für die BBC von Owen Bennett-Jones zu der Kontroverse um den Wohnungsbau in Ost-Jerusalem interviewt. Barkat, der auch auf der Veranstaltung der CUFI am 8. März gesprochen hat, wurde als der »sekuläre« Kandidat beschrieben, als er sich als Bürgermeister für Jerusalem bewarb. Letzte Woche verteidigte er das Bauprogramm in Ost-Jerusalem auf eine Art und Weise, der seinen BBC-Interviewer ganz offensichtlich schockierte.
Barkat: »Jerusalem wird in der Bibel 663 Mal erwähnt … Jerusalem wird im Koran nicht einmal erwähnt …«
Bennett-Jones: »Sagen Sie wirklich, weil es vor 2.000 Jahren jüdisch war, muß es jetzt jüdisch sein? Und die Grundlage dafür ist, daß ihr vor 2.000 Jahren da wart, und Jerusalem wird in der Bibel öfter erwähnt als im Koran?«
Barkat: »Das ist Punkt eins, und das andere ist selbstverständlich natürlich – wir sind die Mehrheit in der Stadt, und wir beanspruchen sie mehr als jeder andere; und tatsächlich wurde sie ’67 vereinigt …«
Bennett-Jones: »Wenn alle dorthin gehen würden, wo wir vor 2.000 Jahren waren, ich meine, das wäre eine verrückte Welt. Es würde überall Kriege geben.«
Barkat: »Was ist denn nun ihre Frage?«
Bevor er Netanjahu am 8. März hereinbat, hatte John Hagee sehr deutlich gemacht, daß die CUFI-Demonstration eine Veranstaltung politischer Macht zugunsten eines »ungeteilten und ewigen jüdischen Jerusalem« war. Hagees Auswahl an Bibelversen war beunruhigend, betrachtet man den Schwerpunkt des Abends. Er zitierte frei aus dem Deuteronomium 6: »Er wird euch Häuser geben, die ihr nicht gebaut habt, er wird euch Quellen geben, die ihr nicht gegraben habt, und er wird euch Weingärten geben, die ihr nicht gepflanzt habt.« [5. Mose 6, 10, 11]
Wenn wir schon Verse aus der Torah wie Rosinen aus einem Kuchen rauspicken wollen als Anleitung für politische Aktivismus, dann ist Deuteronomium 16 [5. Mose 16], das Pesach [Passah] beschreibt, und das auch die Worte einschließt »Tzedek, tzedek, tirdof« – »Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit sollst du nachjagen, auf daß du lebest und das Land besitzest, welches der Herr, dein Gott, dir gibt« [5. Mose 16, 20]. Dies ist ein Vers, der für Jahrunderte die Grundlage für die jüdische soziale Gerechtigkeit bildete.
Es gibt jene, die ihre Hingabe an soziale Gerechtigkeit nicht verloren haben. Didi Remez ist wohlbekannt für seine Teilnahme an den regelmäßigen Freitags-Protesten in Ost-Jerusalem und seinen eigenen blog ‘Coteret’. Vor zehn Tagen, während er in Bili’in protestierte, wurde Didi fünfmal mit Plastikgeschossen in die Beine und in die Leistengegend geschossen. Trotz seiner Wunden, die genäht werden mußten, spielte Didi seine eigenen Verletzungen herunter, machte in Facebook Witze über seine kaputte Jeans und zeigte Hochachtung für die Palästinenser, die viel schlimmer verwundet wurden. Erst seitdem ich Bernard Avishais Artikel las, weiß ich, daß Didi der Urgroßenkel von David Remez ist, der ein enger Freund von David Ben-Gurion war und Israels erster Minister für Transport; und daß Didi auch ein Offizier im Kampfeinsatz war sowie der Enkel von Israels ehemaligem Luftwaffenchef Aharon Remez.
Diejenigen, die in Ost-Jerusalem protestieren, kämpfen für Gerechtigkeit für Familien wie die Ghawis, die im August aus ihrem Heim in Sheik Jarrah vertrieben wurden – eine Familie, deren Geschichte zusammen mit der von der Familie Al Badr aus Hebron erzählt wird von Leon Wieseltier in der ‘New Republik’. Das einstige Heim der Gahwis kam jüngst in die Nachrichten, als die Siedler, die dort eingezogen waren, dabei gefilmt wurden, als sie Purim feierten mit einem Lied zu Ehren des Andenkens von Baruch Golstein.
Hoffentlich kann das Wort »Zionismus« eines Tages zurückerobert werden. Nicht einfach, um jene einschließen, die schlicht Israel lieben, sondern die auch an Gerechtigkeit für alle glauben.
Ich bin von solchen Artikeln peinlich berührt. Besonders, weil sie aus der Bewegung kommen, der ich mich eigentlich zugehörig fühle. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung in der autonomen Szene um die sogenannten Antideutschen sind wir mit der FAU Berlin ganz gut gefahren, indem wir eben gesagt haben, das das uns nicht interessiert, weil wir Klassenkampf wollen und zwar weltweit und uns damit von den Positionen sowohl von irgendwelchen “antideutschen” Irakkriegsbefürwortern als auch von den Quasi-Unterstützern reaktionärer Regimes ie dem damaligen Irak oder dem Iran distanzierten. Eben weil man, wenn man die Wahl zwischen zwei Scheißhaufen zur reintreten hat, gut daran tut, in keinen zu treten.
Genau das tut aber dieser Artikel. Er supportet letztlich den (post)stalinistischen Flügel innerhalb der LINKEN, und ihr an den Leninismus/Stalinismus angelehntes Weltbild von der “nationalen Befreiung”. Macht das Sinn beim Aufbau einer libertären Gewerkschafts-bewegung? Ich denke nicht.
Dass es bei der “anderen Seite” in der Linkspartei auch eine Menge gibt, über das man fluchen muss – geschenkt. Schließlich oganisieren wir uns aus gutem Grund nicht dort, denn Macht und Pöstchenschieberei korrumpiert (selbst wenn die Parteimitglieder mal mit ehrenwerten Zielen angetreten sein sollten) und das tut sie genauso in Sachsen wie bei ehemaligen Mitgliedern der SAV.
Richtigerweise sagt der Text kurz, dass nicht alle “antideutschen” gleich sind. Das tut er aber nur deshalb, um im nächsten Atemzug alle die von irgendwem mal als antideutsch gelabelt wurden und dazu noch alle, die jemanden kennen, die/der jemanden kennt in einen Topf zu werfen mit den Verrückten von der Bahamas. Das riecht schon ganz schön streng nach Verschwörungstheorie, die wir nicht nötig haben als AnarchosyndikalistInnen und libertäre KommunistInnen. Wir haben es eben nicht nötig, den Kapitalismus als Verschwörung der Eliten darzustellen. Diese sprechen sich sicherlich auch mal ab, haben aber selbst auch unterschiedlichste Konflikte. Das Personifizieren des Kapitalismus läuft vielmehr darauf hinaus, dass ein paar Personen ausgetauscht werden und ansonsten läuft die ganze Scheisse weiter.
Stattdessen macht es schon Sinn, den Kapitalismus als gesellschaftliches Verhältnis zu begreifen, dessen Akteure letztlich austauschbar sind und in diesem Verhältnis als klassenkämpferische Organisation zu agieren,so! wenn ihr wollt nennt mich antideutsche um konkrete Verbesserungen zu erzwingen oder Verschlechterungen abzuwehren (was uns alles nicht geschenkt werden wird). Zugleich bleibt zu hoffen, wass wir über diese konkreten Kämpfe die Stärke und das Selbstbewusstsein gewinnen den Laden hier aufzulösen, die Produktionsmittel in kollektiven Besitz zu überführen und uns als Klasse selbst aufzuheben. Dann brauchen wir auch keine bescheuerten Debatten über Antideutsche, Antiimps und die Linkspartei mehr.
So! Wenn ihr wollt nennt mich jetzt Antideutscher – ich hab auch schon mal mit welchen ein Bier getrunken! Vielleicht habt ihr aber auch was besseres zu tun. Dann könnten wir z.B.- gemeinsam rocken, wo es uns betrifft! In unseren Jobs, auf dem Arbeitsamt oder dem Wohnungsmarkt. Wär doch mal was, oder?
ps.: es versteht sich natürlich von selbst, dass so ne Bewegung antimilitaristisch sein muss und es versteht sich auch von selbst, dass ich eher was gemeinsam hab mit israelischen Linken, als mit der israelischen Rechten, mit der sich einige sogenannte Antideutsche (ohne das so laut zu sagen) solidarisieren. Oder z.B. basisgewerkschaftlichen Organisationen in Israel, in denen Sich jüdische und arabische Israelis gemeinsam mit ArbeitsmigrantInnen organisieren.
ach paul!
“es versteht sich natürlich von selbst, dass so ne Bewegung antimilitaristisch sein muss und es versteht sich auch von selbst, dass ich eher was gemeinsam hab mit israelischen Linken, als mit der israelischen Rechten, mit der sich einige sogenannte Antideutsche (ohne das so laut zu sagen) solidarisieren. ”
das einzige, was sich hier offensichtlich von selbst versteht, ist: man solidarisiert sich entweder mit israelischen linken oder israelischen rechten nach palästinensern hingegen kräht in berlin kein hahn. außer natürlich bei den poststalinistischen trotzkisten von der sav.
geht die äquidistanz jetzt schon soweit, dass die parole nicht mehr “desertiert aus allen armeen” sondern “nicht für und auch nicht gegen imperialistischen krieg” lautet?
na dann, für die revolution!
keine sorge. es geht weiterhin um alle armeen und die hoffnung auf allgemeine desertation. aber eben deshalb muss ich mich nicht entscheiden, ob ich die idf oder die hamas unterstütze.
spannender sind da schon basisbewegungen gegen den landdiebstahl mittels mauer und siedlungen, die einzige gemischtnationale partei in israel (auch wenn sie eher kommunistisch orientiert ist und ich sonst nicht so auf parteien stehe) oder auch kleine dinge, wie den netten arabisch-jüdischen buchladen in jaffa. und vor allem die gemischten gewerkschafts(initiativen) – aber das sagte ich ja schon.
ich hatte mal das glück, da zu touren, war dabei auf beiden seiten der mauer und hab da mit ziemlich unterschiedlichen leuten geredet. meist mit linken, anarchistInnen und mit leuten aus mehr oder weniger alternativer jugendkulturen. sehr angenehme, nette leute hüben wie drüben.
aber eben weil ich die chance hatte, mir das alles anzuschauen, hab ich noch weniger lust auf antideutsche und antiimps.
gruß
paul
Meinst du, es wird besser, wenn du euren Opportunismus gegenüber den Antideutschen offen eingestehst? Meinst wohl Dreistigkeit siegt? Dass es eine anarchistische Abgrenzugspflicht gegenüber Militarist/innen gibt, vergisst du offensichtlich bereits nach dem ersten Bier! Die Antideutschen werden dir dann wohl auch zum “gesellschaftlichen Verhältnis”. Neulich den Spruch gehört “Neun FAUistas und ein Antideutscher sind zehn Antideutsche” – trifft auf solche wie dich zu.
Die Bezeichnung „Initiativler“ verweist vermutlich auf die leninistische Antiimp-Sekte „Initiativ e.V. – Verein für Demokratie und Kultur von unten“, die deutsche Sektion der „Antiimperialistischen Koordination (AIK)“. (Einige erinnern sich vielleicht an deren Kampagne „10 Euro für den irakischen Widerstand“). Die AIK sind auf Seiten der Antiimps das Äquivalent zu dem, was die „Bahamas“ bei den Antideutschen ist, also die durchgeknallteste Extremfraktion dieser Richtung.
Erwähnte ich schon mal, dass ich es nicht ausstehen kann, wenn irgendwelche Marxisten (seien es ökonomistische Vulgärmarxisten, Antideutsche oder Antiimps) in libertären und anarcho-syndikalistischen Zusammenhängen arrogant ihren Müll zu verbreiten versuchen? Selbstverständlich wissen sie immer ganz genau, wie Libertäre zu denken und zu handeln haben, in diesem Fall werden wir gnädigerweise über unsere „Abgrenzungspflichten“ belehrt. Solche Leute meinen wohl Dreistigkeit siegt.
Der letzte Satz, ein platter Diskreditierungs- und Manipulationsversuch aller FAU-Mitglieder soll wohl Ängste unter FAU-Mitgliedern schüren . „Nein, wie furchtbar, so denken also die Antiimps über uns.“ Da kann ich nur müde lächeln. Der ganze antideutsche wie antiimperialistische Sumpf kann verotten, nichts interessiert mich weniger als die Meinung einer dieser beiden Seiten über irgendwelche den AS betreffenden Themen.
Und was die 9 FAUistas betrifft, so viele Leute hätte so manche Antiimp-Sekte gerne.
5 Antiimps und 5 Antideutsche macht zusammen 10 Staatsverherrlicher und Nationalisten. Und für solche gilt: Raus aus allen libertären und anarcho-syndikalistischen Zusammenhängen!*
Der libertäre Sozialismus wählt nicht zwischen zwei Übeln und keiner von beiden darf ihm zum „gesellschaftlichen Verhältnis“ werden.
Anmerkung Syndikalismus.tk:
Meinst du, die FAU sollte das den Antideutschen gegenüber so machen, wie die Gruppe Extrabreit gegenüber der ZDF Hitparade?
@Markus
Nein, du liegst mit deiner Vermutung falsch. Mit “Initiative” verbinde ich ein antiautortäres Organisationsprinzip, das die Rückbindung einer (initiierten) Aktionskette an die Person des/der Urheber/in ausschließt. Insofern bin ich vielleicht nicht syndikalistisch, aber mit Sicherheit kein Anti-Imp. Vergiss es.
Und was ich meinerseits nicht ausstehen kann, sind Taktierereien innerhalb solcher Bündnisse wie Ums-Ganze, die in Arroganz und Vulgärmarxismus, was erstere angeht, deinen Kommentar weit übertreffen.
Des weiteren hat es schon etwas Ulkiges, dass der offensichtlich vom Postanarchismus betroffene geigerzaehler, Unterstützung der Poststalinisten unterstellt, wo er ihnen ideologisch auf den Leim geht: Die Beschreibung ökonomischer Verhältnisse tritt an die Stelle des Kampfs gegen Hierarchien.
Im Gegensatz zu dir setze ich keine Hoffnung mehr in die FAU und halte sie auch nicht mehr für libertär. Meinen vorangehenden Kommentar als Einschüchterungsversuch zu deuten, ist nicht verhältnismäßig. Denn die FAU ist zweifelsohne mächtiger als ein Blogkommentar und wenn sich hier jemand bedroht fühlt, dann bist es du.
@ Jupp
Musste googeln, ja, guter Witz. sagt eigentlich alles.
@ Paul Geigerzähler
“Genau das tut aber dieser Artikel. Er supportet letztlich den (post)stalinistischen Flügel innerhalb der LINKEN, und ihr an den Leninismus/Stalinismus angelehntes Weltbild von der “nationalen Befreiung”.”
Wo wird in dem Artikel denn Leninismus/Stalinismus supportet? Du liest offenbar hinein, was du hinein lesen willst. Wieter schreibst du:
“Richtigerweise sagt der Text kurz, dass nicht alle “antideutschen” gleich sind. Das tut er aber nur deshalb, um im nächsten Atemzug alle die von irgendwem mal als antideutsch gelabelt wurden und dazu noch alle, die jemanden kennen, die/der jemanden kennt in einen Topf zu werfen mit den Verrückten von der Bahamas. Das riecht schon ganz schön streng nach Verschwörungstheorie, die wir nicht nötig haben als AnarchosyndikalistInnen und libertäre KommunistInnen. Wir haben es eben nicht nötig, den Kapitalismus als Verschwörung der Eliten darzustellen”
Verschwörungstheorie? Das ist wohl eher deiner Projektion geschuldet. Alle Behauptungen werden in dem Artikel belegt – was ist daran Theorie? Ob der Begriff “antideutsch” glücklich gewählt wurde, darüber lässt sich streiten. Aber es wird auch nur unter Einschränkungen verwendet. Es geht eben nicht um Labels. Und dass die meisten der den Antideutschen zugeordneten Personen sich nicht als antideutsch bezeichnet, ändert nichts daran, dass sie Positionen vertreten, die allgemein den Antideutschen (und Neocons) zugeschrieben werden. Außerdem stammt deine Argumentation bezüglich der “Verschwörung der Eliten” selbst aus dem Baukasten der Antideutschen – und ich vermute starkt, dass du zu dem antideutschen Flügel der FAU gehörst – um auch dich mit diesem Label zu beglücken
. Nirgendwo wird in dem Artikel Kapitalismus als Verschwörung Einzelner bezeichnet. Wer aber Kritik bzw. Aufklärung gegenüber dem Verhalten der Herrschenden nur als verkürzt-personifitiert, verschwörungstheoretisch und somit strukturell antisemitisch zu deuten weiß, bekundet nur das eigene Unvermögen, die herrschenden Verhältnisse adäquat zu erfassen und geht selbst dem Fetischcharakter der “sachlichen Verhältnisse” auf den Leim. Kapitalismus ist ein gesellschaftliches Verhältnis und damit ein Verhältnis von Personen. Was könnte wohl das Verhalten von Personen bzw. Personengruppen (Klassen) damit nur zu tun haben? Du bist mit deiner Einstellung, so radikal “rein” und klassenkämpferisch sie sich auch anhört, viel eher auf Wellenlänge mit den antideutschen Anhängern des Kapitalismus und Denunzianten von Arbeiterkämpfen als auf dem Standpunkt eines “proletarischen Internationalismus”.
danke, dann bin ich jetzt also antideutscher. schön, dass ich das auch mal erfahre – es muss ja auch mal was neues geben im leben. vielleicht sollte ich jetzt endlich auch anfangen mit “idf in ramallah – das ist die wahre antifa” oder so. eigentlich ne tolle idee – wollte ich schon immer mal ausprobieren.
aber jetzt mal im ernst:
zu leninisten/stalinisten supporten: das problem bei der linkspartei ist doch, das sowohl diese “reformorientierten” scheisse sind, weil sie schlicht den bezug zu klassenkämpfen verloren haben, als auch ihr gegenpart sozialdemokratischer oder leninistischer prägung, die beide unglaublich staatsfixiert sind. das ist doch beides öde. und was haben wir da zu suchen, wenn die sich streiten?
was mir an dem artikel aufgestossen ist, ist das in-einen-topf-werfen teilweise sehr unterschiedlicher leute, die dann einfach mal zu neocons erklärt werden. dazu ist das was irgenwann mal sowas wie ne antideutsche linke war auch intern zu viel zu fragmentiert. da gibt es welche wie die bahamas, die mit sozialen kämpfen nichts zu tun haben wolle, weil nach ihrem verständnis alles was mit arbeiterklasse in d. zu tun hat schon nach faschismus stinkt. zum kotzen, brauchen wir nicht drüber reden.
da gibt es aber auch die jungle-world, die soziale kämpfe durchaus supportet, auch international spannende artikel zum thema hat – manchmal sogar zum nahen osten. wobei – zugegeben – ivo bovic und herr von osten-sacken gute gründe liefern, diese zeitung nicht zu kaufen. aber solche autoren gibts bei der jungen welt auch – ich lese beide zeitungen.
jedenfall denke ich, dass es nicht zutrifft, dieses ganze spektrum was jungle-world liest zu neocons zu erklären – das klingt für mich eher nach einer treibjagd in der ich mit dem wild solidarisieren muss. was letztlich auch der grund war, mich in diese lustige diskussion zu stürzen.
ach so, “Verschwörung der Eliten”: natürlich sind die eliten reale personen, die auch ein interesse daran haben, das alles so bleibt wie es ist – schliesslich profitieren sie von diesen verhältnissen. dennoch sind sie austauschbar. wenn wir ihnen allen den kopf abhacken würden, hieße das noch lange nicht, dass danach die gesellschaft auf freiheit und gleichheit aufgebaut wäre. weshalb es sinn macht, sich auf das organisieren von basisbewegungen zu konzentrieren, die eine egalitäre gesellschaft auch tragen können.
in einem konkreten arbeitskampf macht es auch sinn, auf das wirken, die interessen und auch die personen der gegenseite hinzuweisen. und auch in einer konkreten kampagne – beispielsweise gegen den rip-off der bauern durch monsanto macht es sinn möglichst laut zu sagen, warum der konzern das tut was er tut und welchen einfluss er wie auf die politik nimmt.
wie ich dem fetischcharakter der “sachlichen verhältnisse” auf den leim gehe, musst du mir nochmal genauer zeigen. ich hab ja sogar einen recht konkreten ansatz aufgezeigt, wie diese überwunden werden könnten, und zwar einen ansatz der praktischer als alles was mir sonst so einfällt, der scheinbaren sachlichkeit den schleier vom gesicht zieht.
eigentlich bin ich noch nicht fertig, hab aber viel zu viel zeit in diese diskussion gesteckt. ich mache mal lieber was reales jetzt.
Also, der Geigerzähler, der in Berlin die Musik macht den hab ich auch mal gesehen. Ist ein paar jahre her, aber da hat er ganz deutliche Ansagen an mögliche Antideutsche im Publikum gemacht. Das war spitze! So weit ich weiss, ist der kein Stück antideutsch.
Antideutschler-Position:
Ideologiekritik statt Klassenkampf (denn der ist eh’ schon fast (strukturell) antisemitisch, gar – hört! hört! – reformistisch); überdies sind eigentlich eher die Arbeiter am Kapitalismus schuld.
Ganz im Sinne von:
Ein wackerer Mann war überzeugt, die Menschen ertränken nur, weil sie vom Gedanken der Schwere besessen wären.
Hier ein gehämmerter und gesichelter Song der DDR-verherrlichenden, leninistisch-stalinistische Hippe-Hoppehoppereiter-Gruppe und Antiimps >Makss Damage<.
)
Dagegen ist Bandbreite nur noch Schmalspur.
Und hier ein Link für alle, die sich nicht (mehr) als antideutsch bezeichnen, aber auch mal in der Jungle World schreiben und in der Linkspartei an den (Post)Stalinist/innen vorbeikriechen wollen:
http://www.th.rosalux.de/aktuelle-veranstaltungen/veranstaltung/cal/event/2010/05/14//tx_cal_phpicalendar/28-thesen-zur-klassenlosen-klassengesellschaft/view-list%7Cpage_id-13992.html
Dagegen ist TOP nur noch sowas wie “Die Falken”