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Die Konrad Adenauer Stiftung in Dresden und der Anarchismus

12. März 2010

Der „Think-Thank“ der regierenden CDU, die Konrad Adenauer Stiftung und ihr Dresdner Ableger, das „Bildungswerk Dresden“ fühlen sich berufen zwischen dem 18. – und 20 März eine Veranstaltungsreihe zum Thema Anarchie anzubieten. Die Zielgruppe, welche die Rechtskonservativen beeinflussen möchten, sind die SchülerInnen – deshalb findet diese Veranstaltungsreihe unter dem Titel der „Schülerpolitiktage 2010“ statt. Gerade junge Menschen stellen viele Gegebenheiten und Realitäten viel eher in Frage als Erwachsene. Anscheinend hat diese Kritik in Dresdens Schulen eine dermaßen bedrohliche Entwicklung für die Herrschenden genommen, das den SchülerInnen nun die „richtige“ Antwort von der regierungsnahen, rechtskonservativen und kapitalistischen KAS „vermittelt“ bekommen sollen.

In der Einladung versucht die KAS den Eindruck zu erwecken Neutral an das Thema Anarchie und Anarchismus heranzugehen. Doch schon im letzten Satz macht sie deutlich, das sie den Anarchismus absichtlich missinterpretiert um ihm zu Schaden. Die KAS schreibt: „Anarchie (griech.) ~ Herrschaftslosigkeit. Ein Zustand absoluter Freiheit. Keine Pflichten, keine Unterdrückung. Was passiert, wenn jeder nur sich selbst verpflichtet ist? Welche Ordnung entsteht, wenn es keine Ordnung gibt.“

Mit Sicherheit sind den politischen Lenkern der Stiftung die Sätze „Anarchie ist die Mutter der Ordnung“ und „Anarchie ist Ordnung in Freiheit“ bekannt. Die positive Erkenntnis und das positive Auflehnen gegen Unterdrückung, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und für Freiheit soll so um den Anarchismus als realistische Alternative beraubt werden, um so am Ende sagen zu können: „Die (kapitalistische, ausbeutende, unterdrückende, selektionierende) Demokratie ist die beste aller Ordnungen“. Man muss kein Hellseher sein, um dies vorherzusehen.

Im Programm finden sich dann auch keine angekündigten Veranstaltungen zum sozialen, klassenkämpferischen Anarchismus oder gar zum Anarcho-Syndikalismus. Stattdessen wird alles schön auf der individuellen Ebene gehalten um so den gesellschaftsgestaltenden Charakter für eine freie Gesellschaft durch anarchistische Ideen und Vorstellungen gar nicht erst publik zu machen. Der Anarchismus ist eine Idee die weltweit Millionen von Menschen in Bewegung gesetzt hat, um die persönliche und gesellschaftliche Freiheit im Wohlstand für alle zu erkämpfen. Der Anarchismus, und mehr noch, der Anarcho-Syndikalismus waren Massenbewegungen, die zeitweise in der Lage waren, Formen des freien Lebens in einer freien Gesellschaft zu praktizieren, ehe sie schließlich militärisch besiegt wurden. (Wozu auch die politische Indoktrination durch Parteistiftungen beitrug). Aufgabe der Parteistiftungen ist es u.a. das Gespür für soziale Entwicklungen zu haben und durch politische Indokrination und Falsch- oder Mangelinformation aufs Glatteis zu führen.

Vom Anarcho-Syndikalismus und dem sozialen, klassenkämpferischen, revolutionären Anarchismus ist also im Programm der Schülertage nichts zu finden. Sollten interessierte Schülerinnen und Schüler aber mit den dort angebotenen, selektierten und unausreichenden Veranstaltungen nicht zufrieden sein empfehlen wir Erich Mühsams „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat“. Erich Mühsam entwickelt darin ein umfassendes Verständnis einer anarchistischen Gesellschaft und ihres Funktionierens. Zu Empfehlen sind auch immer die Schriften von Rudolf Rocker, Errico Malatesta und alles was es zum Thema „Arbeiterbörse“ gibt.

Aus den anarchistischen Gruppen Dresdens ist unserem Wissen nach übrigens niemand zu den Schülertagen eingeladen worden. Stattdessen finden sich unter ihnen u.a. der als linksliberal geltende ehem. FDP-Innenminister Gerhard Baum, der DDR-Dissident Konrad Weiß und der als „Ex-RAF-Terrorist“ angekündigte Klaus Jünschke. Was ein ehemaliger Innenminister und ein ehemaliger autoritärer Marxist-Leninist zur Anarchismus-Diskussion beitragen wollen, werden wir eventuell in einer Nachbetrachtung sehen können.

Wer sich aus erster Hand über den Anarchismus und anarchistische Aktivitäten in Dresden informieren möchte, findet über die Homepage von Anarchia Dresden Zugang zu Initiativen vor Ort.

http://anarchiadd.blogsport.de/

Dokumentiert:

Symposium

Anarchie! Ordnung ohne Herrschaft? Schülerpolitiktage 2010 zum Thema “Anarchie”

Anarchie (griech.) ~ Herrschaftslosigkeit. Ein Zustand absoluter Freiheit. Keine Pflichten, keine Unterdrückung. Was passiert, wenn jeder nur sich selbst verpflichtet ist? Welche Ordnung entsteht, wenn es keine Ordnung gibt?am Do 18. – Sa 20. März 2010, Beginn am 18.03.: 15.00 Uhr

Ort Dreikönigskirche Dresden, Haus der Kirche

mit u.a. mit Bundesinnenminister a.D. Gerhard Baum, Staatsminister a.D. Geert Mackenroth, Ex-RAF-Terrorist Klaus Jünschke, Johannes Stüttgen, Martina de Maizière, Konrad Weiß und Prof. Dr. Hans-Rüdiger Schwab.

IHR DÜRFT MITREDEN: Bei den ersten Sächsischen Schülerpolitiktagen 2010. An drei Tagen kommt Ihr hautnah mit Politikern in Kontakt, erlebt kreative Workshops, hört interessante Vorträge und feiert eine anarchische Party an einem unwirklichen Ort.

Wo denn? Dreikönigskirche Dresden, Haus der Kirche

Wann denn? Do., 18. März 2010, 15.00 Uhr bis Sa, 20. März 2010, open end

Eine Schulfreistellung ist möglich.

Für wen denn? Für SchülerInnen ab der 11. Klasse.

Organisiert die Veranstaltungsreihe: Joachim Klose, Landersbeauftragter Sachsen der KAS.

Organisatorisches: Verbindliche Anmeldung (auch telefonisch unter 0351 5634460; ansonsten E-Mail an kas-dresden@kas.de) notwendig! Wir brauchen dazu folgende Informationen von Euch: kompletter Name, Anschrift, E-Mail-Adresse, Alter und Schulname.

Die Teilnahmekosten betragen 10,- EURO und werden am Anfang der Veranstaltung bar vor Ort beglichen. Darin enthalten sind alle Kosten einschließlich der Mahlzeiten (exkl. Fühstück). Für Getränke müssen die Teilnehmer selbst aufkommen.

Die Workshops

Workshop I

Bunt und wild

Experimentieren mit Farbe

Bernhard Staerk, Dresden; Künstler

Workshop II

Tags und Pieces

Graffiti zwischen Kunst und Vandalismus

In Kooperation mit Riesa efau

Christian Höhn, Grafitti-Künstler, Riesa efau

Workshop III

Schräg und revolutionär – Freie Improvisation, Jazz und eure Musik

Jörg Ritter, Musikhochschule Dresden

Wichtig: Bringt dazu ein Musikinstrument mit, wenn Ihr eins habt (und spielen könnt).

Workshop IV

Modern, politisch, anarchisch?

Tanz als Erfahrungssystem

Manfred Schnelle, Dresden, Tänzer und Choreograph

Workshop V

Dead Man Walking

Das Dilemma von Gerechtigkeit und Vergeltung

Oder: Die Tauglichkeit von Schuld und Sühne

In Kooperation mit der Staatsoper Dresden (Semperoper)

Prof. Dr. Ilsedore Reinsberg, Dresden

inklusive Bühnenführung in der Semperoper

Workshop VI

Macht doch, was Ihr wollt! – Die totale Freiheit auf der Bühne?

In Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden

Ulrich Reinhardt, Schauspieler, Dresden

Workshop VII

Stille Kunst

Pantomime, Körper und Ordnung

Ralf Herzog, Dresden; Pantomime

Workshop VIII

Aufstand der Wörter

Anarchie in literarisch-philosophischer Ausdrucksform

Martin Hähnel, Freiburg

Kontakt

Dr. Joachim Klose

Tel. +49 351 563446-0

Fax +49 351 563446-10

Joachim.Klose@kas.de

Das Programm gibt es hier als PDF

Hier geht es zur Ankündigung beim Bildungswerk Dresden

Homepage der Konrad-Adenauer Stiftung

Anarchistische Plattform für Dresden und Umgebung – 1. Ansprechpartner für wirkliche anarchistische Praxis vor Ort

4 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. 12. März 2010 17:10

    wiederlich!!!
    anrchie mit hobbes “naturzustand” zu vergleichen ist ja schon makaber, aber dem anarchismus “survival of the fittest” (=sozialdarwinismus) anzudichten … .
    mir fehlen einfach die worte!!!

  2. glouton Permalink
    12. März 2010 20:31

    Jaaaaaaaaaaaaaaaa, so sieht sie aus die konservative Anarchie :-) Endlich ein Bekenntis.

  3. Jenny Permalink
    21. März 2010 19:08

    Prima! Hoffentlich wars lustig und gab keine Festnahmen.

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