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Neues vom Arbeitskampf im Berliner Kino Babylon

14. November 2009
großmann links

Hat gut Lachen: Babylon-Geschäftsführer Großmann (links im Bild). Seine Pläne gingen auf: Keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die FAU ist klein gehalten und die Kumpels von Ver.di erledigen den Rest.

Eine weitere Stellungnahme zur Situation im Berliner Kino Babylon entnehmen wir der deutschen Indymedia. Allem Anschein nach hat sich die FAU dort nun in eine rein passive Ecke drängen lassen. Mehr als begleitende Kommentare zum aktuellen Geschehen im Kino sind uns aus Berlin nicht bekannt. Allerdings wäre es gut die eigene Würde zu bewahren. Denn wenn wir im folgenden Text Sätze lesen, wie: „ungewöhnlich harter Gegenwind“, dann fragen wir uns, ob da Überhaupt ein grundsätzlich klares Verständnis des Klassenkampfes vorhanden war/ist.

Zu diesem Arbeitskampf gibt es noch eine Menge zu sagen.

Babylon Mitte bleibt skandalös

Trotz der Intervention ver.dis vor über zwei Monaten hat sich die Situation im Kino Babylon Mitte Berlin immer noch nicht verbessert. Im Gegenteil: aktive Beschäftigte sehen sich nun Schikanen ausgesetzt; und der ver.di-Tarifvertrag wird die Babylon-typischen Probleme nicht lösen. Immer deutlicher zeigt sich, dass ver.di der Geschäftsleitung einen Bärendienst leistet, wurden doch die kämpferischen Kräfte durch komplottartige Zustände in die Defensive gedrängt. Es gibt gute Gründe zu behaupten, dass schon längst Feierstimmung herrschen könnte, wenn, ja wenn der Arbeitskampf nicht in voller Fahrt von ver.di unterlaufen worden wäre.

Gut ein halbes Jahr lang kämpfen nun Beschäftigte mit der Basisgewerkschaft FAU für einen Haustarifvertrag im halbkommunalen Kino Babylon Mitte in Berlin. Seit dem 29.10.2009 führt die Geschäftsleitung aber nun Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Diese Verhandlungen wurden von der Linkspartei vermittelt, nachdem der betriebliche und öffentliche Druck auf die Geschäftsleitung und die politischen Verantwortlichen erheblich wurde. So zeigte der Boykott der FAU Berlin seine Wirkung: namhafte Medienpartner des Babylon legten ihre Zusammenarbeit auf Eis; die Kundschaft blieb aus Solidarität weg; selbst im Babylon auftretende Künstler und Kulturschaffende (wie etwa Billy Bragg) brachten ihre Solidarität zum Ausdruck. Der für die massiven öffentlichen Subventionen des Babylon zuständige Senat (insbes. die Linkspartei) geriet ebenso unter Beschuss, so dass man sich gezwungen sah, 30.000 Euro mehr für Löhne im Babylon bereit zu stellen.

Dennoch gibt es keinen Grund zum Aufatmen: Denn der Plan hinter dieser Verhandlungsvermittlung scheint zu sein, dass alle Beteiligten glimplich aus dieser Situation heraus kommen sollen – außer eben die Beschäftigten selbst. (Siehe dazu:  http://de.indymedia.org/2009/09/261512.shtml) Anscheinend will sich der Senat mit einem niedrigeren Ver.di-Tarifvertrag vor angemessenen Förderungssummen drücken. Und die Geschäftsführung scheint sich dadurch Ruhe zu erhoffen, dass die Beschäftigten mundtot gemacht und eine kämpferische Gewerkschaftsstruktur im Betrieb geschwächt bzw. nicht anerkannt wird. Ver.di wiederum zielt offensichtlich um jeden Preis auf die Sicherung des eigenen Monopols in der Branche ab. Dafür spricht zum einen deren untypisches Vorgehen (z.B. wird hier vielfach gegen eigene Regularien verstoßen und ein Kleinbetrieb zur Chefsache erklärt), zum anderen deren unsolidarisches, ja intrigantes Verhalten: so wird alles für die Beschäftigten möglichst intransparent gehalten, neuerdings hintenrum gegen die FAU geschossen (z.B. durch die Verbreitung abstruser Unwahrheiten, es hätte gar kein Arbeitskampf stattgefunden oder die FAU bezahle die Protestierenden vor dem Kino) und gegen Missliebige mobil gemacht (siehe unten).

Ver.di führt ihre Verhandlungen an den Beschäftigten vorbei; ihre Mitgliederbasis im Betrieb ist eher ein Phantom. Es zeichnet sich ein Lohnergebnis ab, das weit unter den Zielen des eigentlichen Arbeitskampfes liegt (selbst eine Unterbietung des ver.di-Flächentarifvertrages scheint möglich). Auch andere zentrale Forderungen finden keine Berücksichtigung; dass man die nochmals deutlich artikulierten Forderungen der Belegschaft nicht ernst nimmt, daraus wir gar kein Hehl gemacht. Gerade diese Forderungen aber sollten die Belegschaft stärken und den massiven Problemen im Haus Abhilfe schaffen: ein willkürlicher Führungsstil, ein repressives Klima und eine rigorose Hire-und-Fire-Politik. Das selbstermächtigte Eingreifen ver.dis hat diesen Umgang auch noch begünstigt. Die FAU erhebt diesbezüglich schwere Vorwürfe gegen ver.di und hat ihre Gründe zuletzt detailiert in einem Offenen Brief dargelegt. (Siehe  http://www.fau.org/artikel/art_091106-180215)

Schon vor einem Monat wurden der FAU, der stärksten Gewerkschaft im Betrieb, per einstweiliger Verfügung Arbeitskampfmaßnahmen untersagt (zur Begründung der Klage wurden übrigens die ver.di-Verhandlungen als wichtiges Argument herangezogen). Nun sehen sich die aktiven Beschäftigten zudem noch Schikanen durch die Geschäftsleitung ausgesetzt: z.B. werden aktiven Beschäftigten massiv die Schichten gekürzt. Auch der Betriebsrat wird weiter in seiner Arbeit behindert: auf seine direkte Beschwerden und Vorschläge wurde ohnehin nie eingegangen; Mitglieder sahen und sehen sich Schikanen ausgesetzt; bestimmte Rechte (wie z.B. auf Schulung) versucht man ihm zu versagen. Ver.di und Geschäftsleitung scheinen dabei d´accord zu gehen. Denn nun soll ver.di sogar einen Anwalt, von dem sich der Betriebsrat gegen den Willen der Geschäftsleitung schulen ließ, ächten lassen und die langjährige Zusammenarbeit mit ihm eingestellt haben. Weiteres steht zu befürchten.

Hier zeigen sich die verheerenden Auswirkungen einer Gewerkschafts- und Betriebspolitik, bei denen die Betroffenen selbst nichts zu sagen haben. Würde und Respekt lassen sich nicht allein durch Lohnerhöhung erkaufen. Einen Tarifvertag zu unterzeichnen, ist eine Sache, wirkliche betriebliche Verankerung und aktive Solidärität eine andere. Die zentralen Ziele des Arbeitskampfes werden mit einem beliebigen Tarifvertrag nicht erreicht, wenn die Beschäftigten weiter entmündigt gehalten werden.

Selbstorganisation und eine kämpferische Gewerkschaftsarbeit scheinen nicht nur den Bossen, sondern auch der Politik und den etablierten Gewerkschaften eine Dorn im Auge zu sein. Es soll offensichtlich im Keim erstickt werden, was Schule machen könnte. Nur so erklärt sich der ungewohnt harte Gegenwind, der den aktiven Beschäftigten und der FAU Berlin von allen Seiten entgegenschlägt. Es lässt sich nicht leugnen: der Konflikt hat Wellen geschlagen, die in keiner Relation zu der Bedeutung des Betriebes stehen. Hier geht es um einen Präzedenzfall betrieblichen Kampfes. Solidarität bleibt gerade jetzt oberstes Gebot.

Siehe auch den selben Beitrag auf Indymedia vom 14.11.2009

 

24 Kommentare Eins hinterlassen →
  1. 14. November 2009 16:28

    Wenn die FAU mal gewinnt, sehe ich alt aus….

    • 15. November 2009 07:49

      wiederhol mich ungern, aber die Fau gewinnt bei Beachtung der bundesdeutschen Arbeitsrechtsgeschichte eher mit Kampf und Druck, Power und Druck, Dauerbetriebsversammlungen und Kampf, Druck von den Kollegen, SoliAktionen, Druck und Betriebsvereinbarungen, als mit der Erwähnung des Wortes TARIF – da die Tarifhoheit nun mal die blöden intriganten politikermässigen gelben DGB – Gewerkschaften haben. (heul doch)

      Demnäxt müssen wir uns, aufgrund dessen, das jeder Chef-Honk uns das in Berlin entstandene Urteil “wir wären keine Gewerkschaft” unter die Nase halten kann, als Ad- Hoc Koalition vor Ort präsentieren, eher als lokale Betriebsorganisation als als regionaler Gesamtverein, und dann mit Druck, Power und all UNSEREN Mitteln!

      Das ist sowieso jahrelang die Losung gewesen, bessere Bedingungen erkämpfen, anstatt sich an Tarife binden lassen- nun ist die Tariffrage erst mal auf Rächtsstaat-Art geklärt- wie lange – könn wir ja mal beim kämpfen gucken…

  2. Angewidert Permalink
    15. November 2009 22:55

    Ja, genau, schön das Maul aufreißen und den Oberlehrer spielen, ohne die geringste Ahnung zu haben wie es wirklich steht. Phrasen runtereißen, wie die Dinge zu laufen haben, aber sonst selbst nichts gebacken bekommen. Die FAU Berlin hat gefühlte Tausendmal klar gemacht, dass es nicht einfach nur um eine Tarif, sondern um mehr geht. Und nicht zuletzt: was dei Forderungen sind, wie gekämpft wird, mit welchen Mitteln, ist immer noch Sache der Betroffenen selbst, was anscheinend selbst ihr nicht anerkennen wollt. Gebt euch schön mit Köhn die Hand. Solidarität sieht anders aus. Eine Schande ist das. Komisch, dass hier die Ober-Anarchsyndikalisten hier den Dicken machen und rumnschäwtzen, während in Berlin jeder Arsch weiß, was da geleistet wurde und IMMER NOCH läuft. Was habt ihr gedacht, dass die FAU Berlin im Babylon die Revolution macht? Unter dem Strich steht ne Menge, was noch keine FAU-Gruppe bisher erreicht hat, weil sie ewig in ihrem verbalradikalen Saft geschmorrt haben. Ein schönes Bild, dass ihr da von eurem Solidaritätsverständnis präsentiert. Und eine attraktive Werbung für den Syndkalismus. Super. Jubel, Jubel.

    Anmerkung Syndikalismus.tk: Na, da fühlt sich aber jemand als was besseres. Kritik am Arbeitskampf in Berlin darf wohl nicht geäußert werden ohne vorherige Erlaubnis von Dir? Und schön mit blöden Vermutungen rumwerfen, von wegen wir hätten keine Ahnung von betrieblichen Auseinandersetzungen? Sei mal nicht so arrogant. Komm mal runter und lies was wir hier (übrigens noch sehr, sehr zurückhaltend) formuliert haben. Wir halten uns an Fakten, nicht an Vermutungen. Ein Fakt, u.a. ist, das ihr die Feindschaft gegen die FAU von Seiten des DGB, des Arbeitsgerichts etc. völlig unterschätzt habt. Ihr habt keinen – von euch angekündigten Plan B in der Tasche gehabt! Das Verdi und Co. keine Gelegenheit auslassen der FAU ans Bein zu pissen hätte man wissen können und MÜSSEN, wenn man hier so rumkrakeelt wie du es tust. Das was du uns hier vorwirfst machst du: Du machst mit deinem Kommentar Anti-Werbung für den Syndikalismus. Denn Syndikalisten haben keine Angst vor Kritik. Im Gegenteil: Sie sind Selbstkritisch und wissen mit berechtigter Kritik umzugehen: Das musst du noch lernen, “Genosse”.

    • Solidarität! Permalink
      16. November 2009 03:17

      Ja, wenn “Angewidert” schon bei Kleinigkeiten dermaßen in die Luft geht, wie will er dann erst einen Arbeitskampf führen?
      Da brauchts Souveränität und keine hysterischen Rundumschläge, ist meine Meinung. Wahrscheinlich verbirgt sich hinter “Angewidert” der Köhn selbst, der es gerne sieht, unter GenossInnen Zwietracht zu sähen. In einem Forum können alle schreiben, und eigentlich weiss niemand so recht, wer was schreibt.
      Am besten solche Kommentare wie “Angewidert” einfach nicht beachten und den kämpfenden GenossInnen in Berlin die Daumen drücken…und…

      Solidarität üben!

    • Spaßvogel Permalink
      23. November 2009 03:52

      @ Syndikalismus.tk

      Ihr schreibt: “Das Verdi und Co. keine Gelegenheit auslassen der FAU ans Bein zu pissen …..”

      Ich versuch mir das gerade mal vorzustellen.

      Gut die Verdi is n Dinosaurier, gehört eigentlich ausgestorben, und dieser Dino pisst also der Schwarzrotameise FAU ans Bein, man das wird aber ne fette Spülung.

  3. glouton Permalink
    16. November 2009 02:08

    “Angewidert” – Kritik bedeutet nicht Entsolidarisierung, verwechsel hier mal nichts.

    Ein Arbeitskampf wird selbstverständlich auch dann unterstützt, wenn er nicht 100 % dem eigenen Selbstverständnis – und im Übrigen auch der eigenen Praxis entspricht. Zugegeben, dass erfolgreiche Arbeitskämpfe zur Zeit meist auf betrieblicher Ebene ohne Hinzuziehung der FAU laufen, was im Übrigen mit der Strategie der FAU zu tun hat, die bei nicht öffentlich geführten Arbeitskämpfen (welche die härtesten, aber auch erfolgreichsten sind) einfach mal nicht zu gebrauchen ist. Das was die FAU anzubieten hat, ist keine wirkliche Hilfe für meist auf sich selbst gestellte und auf die innerbetriebliche Solidarität existenziell angewiesene Belegschaften (und hier auch meistens nur Teile der Belegschaft) – denn jedes an die Öffentlichkeit dringen bedeutet da fristlose Kündigung.
    Und apropos Phrasen: auch der FAU Berlin dürfte im Vorhinein bekannt gewesen sein, dass nach bundesrepublikanischem Recht eine Tariffähigkeit nach der Mächtigkeit einer Gewerkschaft in der Branche und NICHT im Einzelbetrieb festgestellt wird, und dies bisher ausnahmslos auch so gehandhabt wurde. Daher ist der Verlauf des Babylon-Arbeitskampfes im Grunde nichts Besonderes, und Verwunderung ob der Konsequenzen einfach unangebracht. Ein Arbeitskampf hat immer Konsequenzen – und nur diejenigen, die bereit sind sie zu tragen, werden ihn erfolgreich bestehen. In diesem Sinne: Weiterhin viel Erfolg!

    “Ist jemand unfähig einen Mißerfolg zu ertragen, so ist es nutzlos, ihm zu einem Wagnis zu raten.” Peter Kropotkin

  4. 16. November 2009 02:22

    an Herrn Angewidert – und wenn Du hättest merken wollen, wie der vermeintliche Rumkrakeeler seit einem Jahr den Kampf der Berliner Genossen unterstützt hat und solidarisch war und ist, obwohl wir auch Anfang diesen Jahres genau vor solchen Folgen gewarnt haben, hättest Du das merken können- spätestens in meinen eigenen Blogbeiträgen, Soliadressen und dergl., wenn schon nicht persönlich.
    Ich betrachte meine Kritik durchaus als konstruktiv, und das kann mensch auch an den vorhergegangenen “Lebensäusserungen” zu diesem Thema feststellen.

    Es wäre wirklich ein Bärendienst für unsere Art Gewerkschaftsarbeit, immer allles schönzureden und auf Selbstkritik zu verzichten. Die Kampfkraft und Ausdauer der KollegInnen und GenossInnen hab ich übrigens in diesem Konflikt immer gelobt und unterstützt und tu es noch- Fehler sollten aber dennoch benannt werden, und da find ich es gelinde gesagt zum Brechen, mit VerDi/Linksparteiern wie Köhn in einen Topf geworfen zu werden, bloß weil wir Anarchisten wirklich bei der Wahrheit bleiben sollten und Dir das nicht zu passen scheint.
    La verdad es la mas temida de las fuerzas revolucionarias! ( delegado zero)

  5. Mitglied der FAU Permalink
    16. November 2009 11:18

    Der “Angewiderte” sollte seinen Hass und Frust gegen Verd.di, Köhn und Co richten und nicht gegen die Genossen hier. Solch Lautstarke Worte sollten sich nicht gegen solidarische Kritiker richten, sondern gegen den Klassenfeind.

  6. FAU-Mitglied Permalink
    16. November 2009 12:46

    “Die zentralen Ziele des Arbeitskampfes werden mit einem beliebigen Tarifvertrag nicht erreicht, wenn die Beschäftigten weiter entmündigt gehalten werden.”, so heißt es in dieser Erklärung der FAU-Berlin.

    Es geht eben darum, ob man sich entmündigen läßt, insofern finde ich den Hinweis, dass es um Würde geht, sehr wichtig. Dass Ver.di versucht, der Betriebsgruppe die Butter vom Brot zu nehmen, gehört zu deren Strategie und diese Strategie ist garnicht neu. Man kann einen Kampf gegen einen tatsächlich übermächtigen Gegner verlieren, und man kann ver.dis schändliche Rolle öffentlich machen. Der Hinweis, sich nicht in eine Ecke drängen zu lassen, und aufrecht zu gehen, wie er im Eingangskommentar geäußert wurde, ist doch allzu berechtigt. Denn wenn ich Solidarität übe, erwarte ich, dass man sich nicht einfach so abschlachten läßt. Bislang sieht es so aus: Die FAU kämpft und ver.di streicht den Erfolg ein. In anbetracht dieser Tatsache sind die einleitenden Kommentare zum Artikel oben kaum mißzuverstehen.
    Warum der Ärger über diesen Kommentar von “Angewidert”, wenn man doch, wie behauptet, die Sache im Griff hat?

  7. 16. November 2009 13:37

    Um was gehts? ich versteh garnix

  8. Thomas von Heesen Permalink
    17. November 2009 02:09

    Es geht darum, dass da jemand mit Kritik nicht umgehen kann.

  9. Mitglied der FAU-Nord Permalink
    21. November 2009 16:17

    Hier eine kürzlich erhaltene Zuschrift – Bitte mehr davon!

    “ich habe von der FAU-Betriebsgruppe Babylon Mitte in Berlin gelesen und
    dem Arbeitsgerichturteil, dass die FAU aufgrund zu weniger Mitglieder
    nicht tariffähig sei. Darum möchte ich der FAU beitreten.”

    • Folkert Permalink
      22. November 2009 12:16

      Na, das freut einen denn ja bannig.
      Es sollte sich aber niemand darübner hinwegtäuschen, dass die FAU noch einige zehntausend Mitglieder mehr bräuchte, um ‘arbeitsrechtlich’ (= ‘tariffähig’ und auch ‘tarifwillig’ !!!) als Gewerkschaft im Sinne der herrschenden Rechtssprechung anerkannt zu werden. Und dazu gehören ganz eindeutig überbetriebliche Tarifabschlüsse und auch die Streikfähigkeit.

      Aber was macht denn die ‘FAU Berlin’ nun, nachdem lt. ‘Neues Deutschland’ vom 20.11.2009 die gelbe Gewerkschafts ver.di erstmal einen Verhandlungsstopp durch die Babylon-Geschäftsführung hinnehmen muss? Irgendwie sitzt der Schock doch sehr tief, denn anders kann nicht verstanden werden, warum seit Tagen auf der FAU-Webseite und bei prekaba nichts mehr läuft.

  10. Günn Permalink
    21. November 2009 21:42

    So sieht Solidarität aus!

  11. Arbeiter Permalink
    22. November 2009 13:54

    Is schon ne Weile her, da gings um eine “christliche” Gewerkschaft, da gab es mal ein Urteil zur Tariffähigkeit, da war eine Zahl von 60.000 Mitgliedern genannt, woran die fest gemacht war, wurde nicht gesagt.

    • Folkert - ASK/ VAB Hamburg-Altona Permalink
      22. November 2009 15:05

      Tariffähigkeit, Streikfähig und Tarifwilligkeirt werden von der Mitgliederzahl abhängig gemacht – und von den Anzahl der bezahlten Funktionäre (Büros etc. pp). Bei einer ‘christlichen’ Gewerkschaft – da hat übrigens der DGB-Anwalt Dieter Hummel immer seine Finger mit im Spiel gehabt, wie auch jetzt bei Babylon! – reichten 500 ehrenamtliche Funktionäre bei angeblich ca. 100.000 Mitgliedern nicht aus. Gefälligkeitstarifverträge – wie sie jetzt ver.di bei Babylon unterschreiben würde – sind da ebenfalls ein Grund, einer Arbeiter/innen-Organisation das Prädikat “tariffähige” Gewerkschaft zu untersagen.

      Übrigens: Was ver.di gefordert hat, wissen wir nicht, aber das Kino bot daraufhin einen Stundenlohn von 7,64 € für Kassier/innen und Servicekräfte ab 1.1.2010 an (den ver.di akzeptieren würde, weil er ja über 7,50 € und ‘christlichen’ Zeitarbeitstarifen liegt!) – die FAU Berlin forderte in ihrem Tarifvertrag 11,84 €uro bzw. 1.800 €/Monatslohn und 2.200 €uro für Vorführer/innen, also 14,47 €uro statt jetzt 8,– €. Hinzu kämen bei der FAU noch erhebliche Zuschläge bei der Bedienung mehrerer Kinosäle gleichzeitig.

      ver.di hat lt. Presseerklärung Nr. 162 vom 29. Oktober 2009 auch Verständnis, daß das kommunale Babylon-Kino nicht die branchentarifliche 38-Stunden-Woche einhalten kann, weil die Fördergelder des Senats nur für die Miet- und Mietnebenkosten reichen würden. Knackpunkt waren auch die Zuschlagsregelungen und die jährliche Sonderleistung (Urlaubs- und Weihnachtsgeld), da hat sich Herr Grossmann wohl nicht begwegen können und sagte schlicht die zweite Verhandlungsrunde – ab …

      Wer rechnen kann, ist im Vorteil: bei einem Eintrittspreis von 6,50 €uro und 18 Beschäftigten – na, wieviele Zuschauer bräuchten sie dann täglich? Okay, ich hab keine Ahnung, wieviel so ein Filmchen kostet – habe aber mal gehört, dass die Miete vom Umsatz abhängig sein soll.

      Na, vielleicht rechnen mal die Beschäftigten das durch und kommen auf die dumme Idee, das kommunale Kino in Selbstverwaltung – ohne Geschäftsführung und ver.di – zu übernehmen. Das soll in Ahlen schon klappen, da haben sie eine Kino-Genossenschaft gegründet.

  12. 22. November 2009 14:51

    Eine gute Übersicht gibt die Broschüre “Organisationshandbuch Syndikate”, zu bestellen bei FAU-MAT:
    http://www.fau-mat.de/assets/s2dmain.html?http://www.fau-mat.de/50334395ef0e0f99d/5033439977100a505.html

    Dort sind auch zusammenfassend die Voraussetzungen genannt, die eine Gewerkschaft erfüllen muß, um tariffähig zu sein, bzw. als solche überhaupt anerkannt zu werden.
    Die Hürden liegen bewußt hoch, und die gesetzlichen Kommentatoren stehen in starker Tradition zum NS-Recht. Arbeitsfront und Co.

    Die Bedingungen sind so bemessen, dass nur ein einziger Gewerkschaftsbund sie erfüllen kann, wen wunderts?

    Macht euch schlau, versuchts, aber wahrscheinlich muß zu den Urformen gewerkschaftlichen Kampfes zurückgekehrt werden, welche die Zentralgewerkschaften schon seit über 100 Jahren für Überwunden erklären.

    Wir werden sehen, viel Glück euch!

    • 22. November 2009 18:59

      Zitat vom Südsyndikat-
      “…wahrscheinlich muß zu den Urformen gewerkschaftlichen Kampfes zurückgekehrt werden, welche die Zentralgewerkschaften schon seit über 100 Jahren für Überwunden erklären.”
      Genau so seh ich das auch, und deswegen, nicht wegen irgendeiner “reinen Lehre”, wie mir unterstellt wurde, meinte ich: Druck machen, Druck machen, und noch mal Druck machen. siehe viel weiter oben!

      ns-recht und co standen auch bei der zweiten Fassung des Betr. Verf.Ges. 1961 Pate!

      • Arbeiter Permalink
        22. November 2009 22:07

        Das war doch keine Kritik, sondern die Absonderung eines Angewiderten, wahrscheinlich von sich selber mehr als sonst wie.

      • 23. November 2009 12:52

        Au weia- Zeitzahlenteufel! Ich schrieb gestern 1961 Betr.Verf.Ges. – Die richtig krasse Änderung war die von 1971, die dann 1972 in Kraft trat!

  13. glouton Permalink
    23. November 2009 02:09

    @ Arbeiter
    Wessen Absonderung meinst Du jetzt konkret?

    • Anarchosyndikalist Permalink
      23. November 2009 03:35

      @ glouton

      !

      • Harry Valerien Permalink
        23. November 2009 10:20

        Ich glaube, er meint die Absonderung von “Angewidert” (Köhn?). Und er hat vergessen, “Angwiderten” in Anführungszeichen zu setzen, so wirkt es mißverständlich.

      • 23. November 2009 13:46

        Rübennases Frau:
        Ohh! Er meinte die Siechen. Ich weiß: gepriesen sein die Siechen. Ohhh find ich das allerliebst. Bin ich froh, daß die jetzt endlich was zu tun haben, die alten Siechen.

        Streithals:
        Hör mal, ich sage hier nur die Wahrheit. Du hast doch wirklich ‘ne Rübennase.

        Rübennase:
        Hey. Deine Nase wird so breit sein, daß sie von einem Ohr zum anderen reicht, wenn ich mit dir fertig bin.

        2.Zuhörer:
        Scht!

        Streithals:
        Dir hat wohl Goliaths großer Bruder auf die Rübe gehau’n…

        Rübennase:
        So. Das reicht. Die letzte Warnung.

        3.Zuhörerin:
        So. Nun sein sie aber mal still… [sie wird von Rübennase niedergeschlagen, es kommt zum
        Kampf]

        Mutter:
        Ach komm. Jetzt laß uns aber zur Steinigung gehen.

        Brian:
        Na gut.

        Francis:
        Nun, äh. Religion ist glaube ich der Katalysator zwischen den sublimierten Interessen und dem Status Quo, wenn du mich fragst, Rech.

        Rech:
        Ja, aber was Jesus so erbärmlich leichtsinnig übersieht ist, daß die Siechen andererseits ja auch das Problem sind.

        Judith:
        Ja absolut richtig. Da hast du vollkommen recht.

        Mutter:
        Los komm Brian. Sonst haben die ihn gesteinigt, bevor wir da sind.

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