Join the Union – Martin Veith: Die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft. Eine Rezension
Wer sich auf die Suche nach aktueller Literatur zum Thema sozial- revolutionäre Gewerkschaften, besonders den anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsbegriff macht, tut sich – zumindest im deutschen Sprachraum – bisweilen schwer. Relativ leicht zu finden sind Titel zur Geschichte der einen oder anderen anarchosyndikalistischen Gewerkschaftsbewegung rund um den Globus. Diese Untersuchungen kranken jedoch häufig an einer eher historischen, oftmals auch akademischen Sichtweise, bei der häufig an einer eher historischen, oftmals auch akademischen Sichtweise, bei der häufig die Frage im Dunkeln bleibt, warum mehr oder minder kleine Teile der arbeitenden Klasse ständig auf’s Neue den Versuch unternehmen, sich auf Grundlage anarcho- syndikalistischer Prinzipien selbst zu organisieren.
Weniger an der Geschichte als vielmehr an der Ideenwelt und der heutigen Praxis orientierte Veröffentlichungen finden sich hingegen kaum. Zwar ist seit einigen Monaten endlich eine deutschsprachige Erstveröffentlichung von Rudolf Rockers Klassiker „Anarchosyndicalism“ angekündigt, die lässt jedoch wegen Schwierigkeiten beim Verlag vermutlich noch einige Monate auf sich warten. So ist die geneigte LeserIn bislang darauf angewiesen, sich die gesuchten Informationen aus einer Vielzahl von Broschüren, Zeitschriften, Flugblättern etc. mühsam selbst zusammenzutragen, wenn es denn überhaupt gelingt, dieser habhaft zu werden. Diese Sammeltätigkeit wird jetzt durch die Broschüre „Die anarchosyndikalistische Gewerkschaft“ wesentlich erleichtert. Zwar kommt auch sie nicht ohne historischen Bezug aus; der erste Teil der Broschüre besteht aus Rüdiger Roses kenntnisreichem Aufsatz „Die Gründung der Gewerkschaften von 1945“. Dieser behandelt die Entstehungsgeschichte der westdeutschen Gewerkschaften nach der Befreiung vom Nationalsozialismus.
Roses Beitrag liefert damit ein Fundament für Martin Veiths 21-Seitigen Beitrag „Die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft“. Dort nämlich wird die Notwendigkeit einer eigenständigen sozialrevolutionären gewerkschaftlichen Organisierung an vielen Stellen aus einer Kritik am undemokratischen Organisationsmodell der DGB-Gewerkschaften und an deren sozialpartnerschaftlichen Ideologie des gewerkschaftlichen „Co-Managements“ hergeleitet. Veranschaulicht wird dieser gewerkschaftliche Kampf gegen die ArbeiterInnen an mehreren Beispielen aus der jüngsten Zeit. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung wird u.a. auch die anarchosyndikalistische Kritik an der „Gewerkschaftslinken“ auf den Punkt gebracht. Der Beitrag bleibt jedoch beileibe nicht in der Negation stehen. Statt dessen wird ein positives Gegenbild entworfen, wobei viele Punkte angerissen werden, die die Grundlage für das anarchosyndikalistische Selbstverständnis und seinen Gewerkschaftsbegriff bilden, der wenig mit dem zu tun hat, was landläufig unter dem Begriff „Gewerkschaft“ verstanden wird.
Dass die anarchosyndikalistische Ideenwelt in einem einzigen Beitrag nicht erschöpfend behandelt werden kann, liegt auf der Hand. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch dieser Broschüre. Was sie aber erstmals umfassend leistet, ist, dass sie die wesentlichen Punkte alle anreißt und der Leser oder die Leserin sich so einen Überblick verschaffen kann. Dabei ist sie zu keinem Zeitpunkt trocken-akademisch, es ist ihr im Gegenteil anzumerken, dass sie von einem anarchosyndikalistischen Militanten verfasst wurde, der aus seiner täglichen syndikalistischen Praxis heraus schreibt.
Ergänzt wird die Broschüre um eine „1.Vorläufige Literaturliste zum Anarcho-Syndikalismus“, die zwar an einigen Punkten durchaus tatsächlich „vorläufig“ ist, dennoch aber einen ziemlich umfassenden Ansatz zum Weiterlesen bietet.
Bezogen werden kann die Broschüre, die vom „Syndikat der Lohnabhängigen und Erwerbslosen in der FAU-IAA Lokalföderation Bremen“ herausgegeben wurde, über FAU-MAT oder über den Syndikat A Medienvertrieb.
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Aus: „Direkte Aktion“, 24. Jg. (2000), Nr. 142.



